Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 29 erstattete, konnten einigen tQohtlgen Kolonisten in Palästina satsungsgemttfl durch gewährte Darlehen Erweiterungen Ihrer Betriebe möglich gemacht werden. Die Mitgliederaahl ist troti der Wirtschaftskrise unwesentlich, fast nur durch das Ableben einiger Mitglieder, zurückgegangen. Ms wird allgemein anerkannt, daß der Esra-Vereln nach etwa 47-jährigem Bestehen immer seiner strengen Neutralität in religiöser und politischer Besiehung treu geblieben ist Der Vorstand, dessen teilweise Wiederwahl jiiii 14. .luni erfolgt ist, besteht zur Zeit aus den Herren Siegfried II i rsch, Vorsitzender. Berthold I S r a e 1. Schatzmeister. Professor S o Ii e r n Ii e i in, Scln iftrilhrer, ferner den Herren Dr. Biberfeld, Dr. Caspar!, Fritz Cohn. Hr. Meier Hildesheimer, Dr. Holländer. Professor Mittwoch, Siegbert Seckelsohn, Professor Warburg, Dr. Wisioch. \ im der RnhhiiiiM'hen Lehranstalt ..Jesrhiwa" zu Frankfurt a. M. Das Wintersemester an der unter Leitung des Herrn (lemeinderabbiner Hr. Jakob Hoff mann stehenden Rabbinischen Lehranstall „Jeschiwa" beginnt am Montag, dem 1. Maroneschwan (12. Oktober). Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sieh auf: Hehr. Grammatik, Bibel, Pentaleuch' mit Kommentaren, Misohna und Talmud mit Kommentaren, Dezisoren. Den Schillern ist evtl. Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter fachgemäßer Leitung fortzubilden. Für den Lehrgang in der Vorberoitungsklasse und der Unlcr- Btufe werden schulentlassene Knaben und Jttnglinge aufgenommen, die schon einige Vorkenntnisse in Misch na oder Talmud besitzen. Anmeldungen, denen beigefügt sein müssen: kurzer Lebenslauf, »mvie Zeugnisse über bisherige Vorbildung sind bis spätestens 7. Tischri (18. September) an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", TheobaMstrafle 0. zu richten, welches zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt. Dir beversteheadea Aktionen <lor Weltjiidcnhcil rckch die geplante Kaleaderreterin. Wie bekannt, hat das Jüdische Koinitö betreffend die Kalender* reform auf seiner Frankfurter Sitzung vom 12. Mai beschlossen, dalt ein einmütiger Protest der gesamten Judenheit gegen eine di<> Staliilität des Sabbath gefährdende Kalenderreform erhoben werde. Da sich der Weg der Kinzcluntcrsehriftcusniuinluug als undurchführbar erwiesen hat. so hat sich das Komite dafür entschieden, dali der Protest durch die Gemeinden als «Iii" offiziellen Vertreter der Judenheit i rklärt werden und dafl in jedem Lande jedwede jüdische Gemeinde aufgefordert werden müsse, eine formelle Protestresolution gegen jede Kalenderänderuug zu beschließen, welche die Kontinuität der Wochentagscählung durchbricht. Das Komite wendet sich nunmehr an die jüdischen Gemeindeverbände aller Länder mit der Aufforderung, die Organisierung und Sammlung solcher Protestresolutionen unter allen ihnen angehörenden Gemeinden zu ubernehmen, in den Ländern, in denen keine Gemeindeverbände bestehen, tritt das Komite an die Hauptgemeinden des Landes heran, um sie mit der genannten Aufgabe zu betrauen. Als Vorbild für die zu beschließende Resolution legt das Komite _' Passungen vor. Die eine ist in F'ngland benutzt worden, die andere wird vom Weltverband Schornre Schabboa empfohlen, der seine Kräfte in den Dienst der bezeichneten Protestaktion gestellt hat. In weiterer Ausführung der Frankfurter Beschlüsse fordert das Körnitz die Gemeindeverbände bzw. die Landeshauptgemeinden auf. einen Delegierten für den neu zu bildenden Rat der jüdischen Gemeinden zu bestimmen, der hinfort die Weltjudenheil in allen die Kalenderreform betreffenden Fragen vertreten soll. Der neue Rat wird kurz nach der Oktober-Konferenz der Aber die Frage der Kalenderreform beschließenden Völkerbundskomniission einberufen werden. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Der Verein zur Förderung ritueller S|K*isehäuser e. V.. Hamburg, hielt am 25. Ii. :!1 seine Mitgliederversammlung in Hamburg ab. Aus dem vom Vorsitaendea erstatteten Geschäftsbericht erwähnen wir. dafi der Verein) wenngleich er durch die auch schon im Vorjahre Ungünstigen Willis Ii II flllVClIlllllllsafl in seiner Arbeit sehr beengt wurde, immerhin in der Lage war, auf fast allen Gebieten seiner weitverzweigten Tätigkeit Ersprießliches zu leisten. Der Verein hatte den Verlust eines sehr wertvollen Vorstandsmitgliedes, des Herrn Rabbiner Dr. Moses Jacobaohn s. A. z.u beklagen. Zu den bereits bestehenden Lokalkomitees kam ein weiteres für Nürnborg- Fü rl h hinzu. Zur Zeit sind 178 Inländische und 212 ausländische Betriebe dem Verein angeschlossen, das bedeutet eine Zunahme von etwa 40 Betrieben. Auch die Verseichnisse der rituellen Lebensmittelhandlungen wurden nach Möglichkeit erweitert. Au akademischen Mensen wurden die in Hamburg, Königsberg und Leipsig neu eingetragen. Die Beziehungen dos Vereins zur jüdischen Presse waren durchweg erfreulich, jedoch mufi mit Bedauern konstatiert werden, dal.) in einem Einzelfalle seitens einer jüdischen Zeitung den Bestrebungen des Vereins nicht nur kein Interesse entgegengebracht wurde, sondern die Tendenz Zulage trat, der Tätigkeit des Vereins entgegen ■uwirken. Mit dem Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restauratouro stand der Verein auch' in dem abgelaufenen Geschäftsjahr dauernd in Verbindung. UU gemeinsam interessierende Angelegenheiten IU fördern. Das Projekt, an solchen Orten, wo die Schaffung eines Speisehauses aus lokalen Gründen undurchführbar erscheint, wenig stens ein „Heim für jüdische Reisende" zu schaffen, wurde in Angriff genommen, konnte aber schon infolge der Wirtschaftslage nicht zur Durchführung gebracht werden. Das gleiche gilt bezüglich der aus Mitglicdskrciticn ergangenen Anregung, „Fischrestaurniits" zu schalten. ..... Der Bericht erwähnte ferner, dafi dem Verein Anregungen bezüglich Aufnahme von Speisehäusern stets willkommen sind und sorgfältig geprüft werden, dali aber der Verein sich mit einem noch so gut begründeten Urteil von Privatleuten betr. die Zuverlässigkeit von Speisehäusern allein nicht begnügen könnte, sondern die Aufnahme von dem Gutachten rabbiniecher Sachverständiger abhängig machen müsse. Der Vorsitzende schloß seinen Bericht mit einem warmen A|>cll an die Mitglieder lies Vereins, nach Kräften bemüht zu sein, dem Verein weitere Mitglieder zuzuführen, damit dieser seine dringendsten Aufgaben lösen könne. In der darauf folgenden Diskussion wurden mancherlei Wünsche bezüglich der Schaffung von rituellen Speisegelegenheiten sowie hin sichtlich der Ausgestaltung der Hefte des Vereins geäußert. Der Vorstand wird diese Wünsche, wie auch solche, die ihm sonstwie vorgebracht werden, selbstverständlich gewissenhaft prüfen und nach Möglichkeit erfüllen. Nachdem der Rechenschaftsbericht erstattet und die Abrechnung von der Versammlung genehmigt worden war. wurden die satzungs mäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder wieder gewählt und die Kooptionswahl von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern genehmigt. Jüdische Fürsorgeeriifhunc; und jüdische Wandcrlürsorg-e. Die besonderen Probleme der jüdischen Fürsorgeerziehung und der jüdischen Wanderfürsorge wurden an einem Abend erörtert, zu dem Herr Dr. Kurt Fleischer, Vorsitzender der liberalen Fraktion in der jüdischen Repräsentantenversanimlung, in der vergangenen Wocln zahlreiche Persönlichkeiten aus Berlin eingeladen hatte. Heber «Iii jüdische Fürsorgeerziehung, über ihre besondere Pro hlematik. sprach der Leiter des jüdischen Lehr- und Jugendheime- Dr. Hans L u b i n s k i. Besonders eindringlich wirkten die Darlegun gen Lubinskis über die erzieherische Bedeutung des Elternhauses. Iv ist ungemein bezeichnend, daß über 90% aller Zöglinge aus Familiei stammen, deren Ehe in der einen oder der anderen Form als nich normal angesehen werden muß. Besonders schädlich wirken siel natürlich die Scheidungen für die Kindererziehung aus, allzu häufi führen sie zur Verwahrlosung der Kinder. Unbeschadet dessen i- Dr. Hans Lubinski Optimistisch; auf Grund seiner Erfahrungen gnul er, daß es bei richtiger heilpädagogischer Einstellung der Ersiehe und bei einer gut durchgeführten Arbeitserziehung in den meiste Fällen möglich ist, die verwahrlosten und gefährdeten Jugendlichen 7 vollwertigen Menschen heranzubilden. Neben den Lehrwerkstätte in Wolzig, über die Dr. Lubinski berichtete, erscheint ihm ganz h sonders bedeutsam das in diesen Tagen eröffnete Lehrlingsheini der Holzmarktstraßc 04 in Rerlin, das dem Wolziger Heim sngesrhlc sen ist und gewissermaßen dessen Krönung bedeutet, weil es dei Uebergang ins bürgerliche Leben überwachen wird. Das Problem der jüdischen Wandert ürsnrge, über da Herr Alfred Berger, der Geschäftsführer der „Aktion der Dcul sehen Juden für Erziehung und Arbeit" berichtete, wird in seine ganzen Schwere erkennbar, wenn man bedenkt, daß sich die Zahl der deutschen Juden, die kein Heim besitzen und in Deutschland VW Gemeinde zu Gemeinde wandern,, von 35 in der Vorkriegszeit auf übei