Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-07-17 · 29 (17.7.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968779-5969259--4031-4878383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

17. Juli 1931 GEMEINDE HL ATT OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 hare Symptome, die aul einen erhebliehen Rückgang der indischen Unternehmen schließen lassen. Dr. Alfred Markus weist darauf hin. daß infolge der Anomalie der jüdischen soziologischen Schichtung ein jüdisches wirtschaftliches tonderschicksal entstanden ist, das von dem der deutschen Allgemein- Heil abweicht. Die einzige Möglichkeit einer wirtschaftlichen Gesundung des deutschen Judentums liegt demnach in einer Angleichung des jüdischen an das deutsche Wirtschaftsschicksal, d. h. in einer dem deutschen Kollektivismus Rechnung tragenden Beschränkung der elbslündigen Positionen auf das Nnrmalmaß. Nur in einer derartigen wirtschaftlichen Strukturveränderung, in einer erheblichen Reduzierung der Ansprüche, da ja auch das soziale Niveau des deutschen Mitlelstandes eine Senkung erfahren hat, sieht Markus die Möglichkeit ■hier erfolgreichen Wirtschaftspolitik auf weite Sicht. Diese Lösung bedeutet nicht nur eine schroffe Absage au den Individualismus im Wirtschaftsleben, sondern soll auch im Sinne des Witors eine Umschichtung zur Arbeiterschaft mit „qualifizierten Kenntnissen auf begrenztem Kachgebiet" sein, in der Markus den Mittelstand der Zukunft erblickt. Eine Konzentrierung der jüdischen BemfsfQrsorge und Sozialpolitik auf eine derartige industrielle Tätigkeit und die planmäßige Einstellung aller kompetenten Stellen auf diese Richtlinien hätte dazu beizutragen, die Realisierung des Entschlusses zu einer gewissen Proletarisierung, zu einer Senkung der Ansprüche und Steigerung der Leistung zu erleichtern. Da der Prozentsatz der Juden in der Arbeiterschaft trotz dieser Umschichtung sehr gering bleiben dürfte, wird die Erregung eines Wirtschnftsantisemitismus unterbunden werden, zu dessen Umgehung Markus außerdem eine gewisse Uniformität. eine Angleichung an die lichtjüdische Arbeiterschaft vorschlägt, die natürlich ein Abstreifen iiier äußeren jüdischen Besonderheiten zur Folge haben müßte, kurz eine „äußere Assimilation". (Inwiefern eine solche ohne eine daraus sich ergebende innere Umstellung möglich ist. bleibe dahingestellt:) Die Aufgabe des Primats der spezilisch jüdischen Kultur ergibt sich demzufolge also als der einzige Ausweg, die wirtschaftliche Existenz zu retten. Auch bei einein Nichtbefolgen der vorgeschlagenen Lösung hält Markus es für unmöglich, die jüdischen Besonderheiten auf die Dauer bewahren zu wollen, da die gewollte Behauptung als .lüde eine steigende intellektuelle Kraft und eine ökonomische Leistung erfordert, deren Aufbringung immer schwieriger wird. Ob die MarkUBSChe Lösung, die mit ihrer Forderung eines Abstreifen* aller jüdischen Besonderheiten nur ein Verslecken vor dem Antisemitismus, nur eine Tarnung auf Kosten wertvoller Eigenschaften bedeutet, in einer Zeit wachsender Arbeitslosigkeit und täglicher Betriebsstillegungen von Erlog sein wird oder nur als eine allzu günstige Vorausdiskontierung sehr unsicherer Tatsachen sich erweist, kann nur die Zukunft lehren. Rei einer etwaigen praktischen Durchführung dieses Vorschlages wäre zu beachten, daß ebenso wie jede Konzentrierung eine Verdrängung des jüdischen Elements erleichtert, so auch hier infolge der Macht der Arbeiterorganisationen eine Abriegelung und Sperrung jeder Arbeitsgelegenheit in weitaus größerem Maße möglich wäre. Nichtsdestoweniger bleibt es das unbestreitbare Verdienst dieses Ruches, auf dieses wirtschaftliche jüdische Sonderschicksal hingewiesen zu haben. Aber obwohl von dieser richtigen Prämisse ausgehend, gelangt der Autor dennoch zu einem falschen Resultat, indem er diese wirtschaftliche Sonderstellung nicht einzuordnen sucht in ein größeres Gesamtschicksal, in dessen Rahmen allein, wie die Erfahrung lehrt, nur eine endgültige Lösung auch dieses brennendsten aller Probleme möglich sein wird. Aus aller Welt /ii.iiistenkoiiereß. Da bei Redaktionsschluß die Ergebnisse des Kongresses noch licht vorlagen und Zwisehenmeldungen beim Erscheinen des Blattes Iberholl sein werden, wird erst in der nächsten Nummer über den reiferen Verlauf und die Beschlüsse der Versammlung berichtet \erden. Din Jude Rektor der Präger Deutschen Universität. Zum Rektor der Prager Deutschen Universität für das Studienihr 1981/82 wurde Abg. Dr. Bruno Kafka, ein Jude, gewählt. Der <-ue Rektor ist SO Jahre alt und gehört zu den Führern des Prager Deutschtums. Er hat bereits zweimal die Dekanwürde an der juridihen Fakultät bekleidet. Schon innerhalb der Deutschen Fortsrhrittsartei in Oesterreich hatte er eine führende Rolle inne. Nach dein riege gründete er die „Deutsch-Demokratische Freiheitspartei" in •i CSR. mit. und wurde 1020 von dieser Partei in die erste tschechoiwakische Nationalversammlung entsendet. Heute ist er einer der ihrer der „Deutschen Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft". Er ist ' irr der Hauptmitarbeiter an dein neuen Bürgerlichen Gesetzbuch, r gehört zu den führenden Köpfen der deutsch-freiheitlichen Studenuscliaft und ist ein Gegner der iiatioualjüdischen Politik in n kommunalen und parlamentarischen Körperschaften. ehr Wisseusehaft in der Srhärhtfrafce. Ottertierarzt Dr. Max Junack. Leiter des Berliner Schlachthof-; Moratoriums und evangelischer (ieineindeverordneter. gibt in einer 'schritt an die „Vossische Zeitung" (Sonntagsausgalte vom 5. Juli!l) auf (Srund seiner vieljährigen Erfahrungen auf dem Berliner lilachthofe. wo jährlich Tausende erwachsener Rinder geschlichtet •■rden nochmals die Parole aus: ..Mehr Wissenschaft in der Sehächtage." Er weist auf das Sehlentverbot in Braunschweig hin, das er ' ir unberechtigt und inhuman hNlt, und erinnert an die Erklärung 1 i bedeutendsten Physiologen der Welt, darunter des Nobelpreis- ' i'jers Krogh (Kopenhagen), daß die Schächtuug „jede berechtigte ' »rderung der Humanität erfüllt". Nach dem vorschriftsmäßig aus führten Schächtschnitt tritt sofortige Bewußtlosigkeit, also Be- I tihung. ein. Ein propagandistisch aufgeführter Film gegen das Schächten, der bei stehenden und nicht vorschriftsmäßig gefesselten Tieren llalsschnitte. die nicht durch ausgebildete Schächter ausgeführt wurden, zeigt, kann in keiner Weise gegen das Schichten ins Treffen geführt werden. Uebrigens berichtet der englische Chirurg Professor Hill von -'(Kl geretteten selbstmörderischen Halsabschneidern, daß nicht ein einziger von ihnen nach dem HalSBCbnltl Schmer/, empfunden hätte. Die als Ersatz für den sofort belaubenden Schächtschuitt empfohlene elektrische „Betäubung" ist. erklärt Junack, gar keine Betäubung. Die von ihm in Berlin und Karlsruhe gesehene Behandlung erwachsener Rinder mit dem Leduc-Stroni war sehr umständlich und unsicher in ihrer erstrebten Wirkung. Mehrere Schlachthofdirektoren sahen sich genötigt, die elektrische „Betäubung" wegen ihrer Mingel wieder abzuschaffen. Die Tierärzte Prof. Dr. Mayer. Dr. Wenger und Dr. Zimmermann haben an der Münchener Hochschule versucht, die „Elektronarkose" bei Hunden zu operativen Zwecken einzuführen. Sie haben gefunden, daß der elektrische Schlaf keine eigentliche Narkose, sondern ein Erregungszustand mit nachfolgender Erschlaffung ist. Leduc selbst war bei Versuchen an seiner eigenen Person nicht bewuBtlos oder betäubt, sondern nur in seiner Bewegungstibigkeit altsolut gehemmt, Cohn und Boruttau wiesen schon 1012 nach, daß es sich bei der ..Elektronarkose" nicht um eine Bewußtlosigkeit handelt, sondern um die Unmöglichkeit, Empfindungen zu äußern. Diese ..Betäubung" ha! auch schwere Gehirn- und andere körperliche Schädigungen zur Folge, die nun einmal rituell nicht zulässig sind. Aus allen erwähnten Gründen gibt es keine elektrische Betäubung, die die sofort nach dem vorschriftsmäßigen Schächtschuitt einsetzende Bewußtlosigkeit ersetzen kann. Der vielleicht ungünstige Eindruck der Vorbereitung zum Schächtschuitt an manchen Orten wird restlos durch den Weinbergsol..... Apparat beseitigt, der in verwandter Form schon seit vielen Jahren als Operationstisch nach Vinsot erfolgreich in der Tiermedizin gebraucht wird. Jüdische Verbände und Gemeinden Hauptversammlung des Esra-Vereins. Der Esra-Verein zur Förderung jüdischer Ansiedlung in Palästina e.V. hielt kürzlich seine ordentliche Hauptversammlung ab. Nach dein Bericht, den der Vorsitzende. Herr Siegfried Hirsch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.