Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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17. Juli 1031 GEMBINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 :>(KH) Im gegenwärtigen Augenbliok erhöhl hal eine wahrhafl erschreckende Zahl! Die „Aktion der Deutschen Juden für Erstehung und Arbeit" isi erfreulicherweise nunmehr in der Lage, endlich die erste Jüdische Wanderarbeitsstätte in Deutschland zu errichten, um diesem ungeheuren Elend zu steuern. Zu Beginn des Abends dankte Herr Legationsrat Professor Dr. M. Sobernhei m namens des Kuratoriums der „Aktion" Herrn und Frau Dr. Fleischer dafür, daß sie eine Aussprache Ober diese besonders wichtigen Themata ermöglicht haben. Dm deutsche Judentum sei verpflichtet, sirli mit diesen Kraben, deren außerordentliche Bedeutung noch immer nicht genügend bekannt sei, weit stärker als bisher su beschäftigen. Dia Frage der Fttrsorgeersiehung gefährdeter Mädchen wird nunmehr in Angriff genommen. Auch hier erwartet Professor Sobernheim auf Grund der Erfahrungen bei aller Schwierigkeit der Verhältnisse ähnliche zufriedenstellende Ergebnisse, wie durch die Wolliger Anstalt. Die Erfolge des Wolsiger Heims gehen den Mut. auch au die Neuregelung dieser Materie heranzutreten, vorausgesetsl natürlich, dafl «las deutsche Judentum auch weiterhin der „Aktion der Deutscher Juden für Erziehung und Arbelt" seine Mit arbeil und Hilfe nicht versagt. An der darauffolgenden Aussprache beteiligten sich vor allem Prof. Dr. Hermann Strauß und Dr. Heinemauu Stern. Dr. Fleischer betonte, dafi es ihm eine besondere Freude sei, an diesem Abend [«jütische Freunde und Oegner in seinem Hause zu gemeinsamer Aussprache zu vereinigen. F> hoffe, daß gemeinsame soziale Arbeit, die keine politischen Gegensätze kennt, den Weg zu einer würdigen und sachlichen Form auch des innerpolitisclien Kampfes mehr als bisher weisen wird. Sächsische Gemeinden Gründung des Landcsjugcndaussrhiisses Sachsen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens. Wie bereits in anderen Landesverbänden des Centrai-Verein«, wurde von der Landesverbandsversainmlung die Gründung eines Lnndesjugendausschusses im Freistaal Sachsen beschlossen. Er selzl sich aus den jugendlichen Mitgliedern des Laudcsverbnndsvorstandes zusammen. Auf seiner ersten Zusammenkunft wurde festgelegt, welche Aufgaben er zunächst zu erfüllen hat. Der Landcsjugendnusschuß sieht seine Aufgaben darin, die in Leipzig, Dresden und Chemnitz bestehenden Ortlichen .lugendaus- BOhflsse zusammenzufassen, um für eine möglichst übereinstimmende Arbeit in ihnen zu sorgen. Darüber hinaus ist es seine Aufgabe, die deutsch-jüdische Jugend, die in Sachsen an Orlen lebt, in denen der Central-Verein keine Ortsgruppen hat, zu sammeln. Zur Erfüllung dieser Aufgaben wurde die Tätigkeit des Laiidesjugendausschusses in verschiedene Tätigkeitsgebiete aufgeteilt. Die wesentlichsten Aufgaben sind zunächst, nach innen eine stärkere Erfassung und Heranbildung des einzelnen, um ihn mit unserer (iedankenwelt vertraut zu machen. Danaben soll ein möglichst weitgehendes Zusammenwirken in der nach außen zu leistenden Arbeit, wie Bekämpfung des AnUsemHismueea in den Schulen, des Boykottes gegen jüdische Angestelte usw. erreicht werden. Zur Erfüllung seiner Aufgaben braucht der Landesjuge-idausschufi die Anschriften möglichst aller in Sachsen lebenden, jungen deutsch-jüdischen Menschen. Wenn er rieh auch Anfang des Winters deswegen au die Oeffcnllichkcit wenden wird, und scho . heute durch Anfragen die Adressen zu erreichen sucht, so bitten wir doch alle -ich für unsere Arbeil Interessierenden ihre Anschrift dem Cnlerzeichneten zu gel>en. Landesjugendausschufi Sachsen des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens i. A.: gez. Dr. Carl Cohn, Landgerichtsrat, Chemnitz. Unsere Gemeinde Werhsel in der Schrittlcilung. Für die Zeil, in der der Schriftleiter des Gemeindeblattes, Herr liemeinderabbiner Cohn, hcurlauht ist, hat Herr Gemeinderabbhier Dr. (! o I d in a n ii die Schriftleitung Tür das Uemeindeblatl übernommen. Ks wird darauf hingewiesen, daß für die Zeil bis zum .'Hl. Juli -amtliche für die Srhrifllcitmig bestimmten Sendungen an Herrn Gs- 'iieinderabhiiier l>r. Goldniami. Künig-.Ioh.inn-Slr. 17, zu richten sind. an Ii Nichtbeachtung dieser Bekanntgabe w ürden unangenehme ^crzügcruugen hervorgerufen werden. Bei dieser Gelegenhell soll erneut au che Vereinsvorstände usw. die Bitte gerichtet sein, ihre für das Gemeindeblatt bestimmten Mitteilungen nicht erst hei Redaktionsschluß, sondern, soweit irgend möglich, schon im Laufe des Montag jeder Woche einzureichen. Durch Anhäufung der Zusendungen in der letzten halben Stunde vor Redaktionsschluß entstehen unliebsame technische Störungen, die bei einem großen Teile der Einsendungen leicht vermieden werden können, da der Inhalt schon rechtzeitig genug bekannt ist, um am Monlag der Schriftleltung übergeben zu werden. « Zum Hinscheiden des Herrn Chil Meier Srodek. Durch den plötzlichen Tod des im blühenden Mannesalter verstorbenen Herrn Srodek hat das jüdische Leipzig und der weile Kreis seiner Freunde und Bekannten einen schmerzlichen Verlust erlitten. Nur wenige wußten, von welchem jüdischen Geistesadel dieser bescheidene Mann abstammte, und wahrscheinlich noch welliger Menschen ahnten, welch ein Mann voll Inneren Adels in Herrn Srodek hier gewirkt hat. Sein Amt als Schochet hat er nicht nur als Erwerb aufgefaßt, sondern als heilige Verrichtung und hat demzufolge oftmals selbstlos und uneigennützig junge Leute seine Arbeitsmethode gelehrt. Nicht vom Uebcrlluß, aber infolge eigener Bedürfnislosigkeit hat er viel (iules getan, am liebsten jedoch im Stillen gewirkt. Ein warmer Freund des heiligen Landes, ist er für dasselbe mit Wort und Tat eingetreten, seiner frommen Einstellung nach für sein Gedeihen auf der Grundlage der Thora. Möge das Verdienst dieses edlen Frfiiiverstorbenen seiner Witwe und seinen unversorgten Kindern beistehen, auf daß sie Kraft und Mut haben, in seinen Fußstapfen zu wandeln und Im schweren Lebenskampf zu bestehen. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. D.S. Warnung! Seitens eines Ungarn namens Eugen Berger. geb. 22. 2. (14 in Kolosehwar, welcher auch den Namen Siegfried II er mann führt, sind in meinem Büro Briefbogen des hiesigen Rabbinats gestohlen worden, und es besteht der dringende Verdacht, daß sie zum Zwecke der Herstellung gefälschter Empfehlungsschreiben benutzt werden. Sollten Mitteilungen mit meinem Namen auftauchen, so bitte ich jeden, der sie in die Hände bekommt, falls auch nur der geringste Zweifel an der Echtheit besteht, sie dem Vorzeiger abtunehmen und sie mir zurückzusenden. Es ist dabei durchaus möglich, daß die Empfehlungen auf andere Namen als die oben genannten lauten. Leipzig, im Juli 1931, Köuig-Johann-Slr. 17. Dr. Felix Gold m a n n , Gemeinderabbiner. Aufruf zur Teilnahme an einer Jadassohii-Gcdcnkfcicr der Israelit. Rel igionsgemeinde. Historische Gedenktage aus der eigenen Geschichte zu feiern hat unsere verhältnismäßig junge Gemeinde nicht oft Gelegenheit. Um so stärker dürfte der Widerball des Tages sein, au dem die Erinnerung an einen der bedeutendsten Juden wachgerufen wird, der in der hiesigen Gemeinde gelebt und gewirkt hat. Am 18. August d. J, jährt sich z u m 100. Male der Geburt stag von Prof. Dr. Salomon Jadassohn. weiland Professor für Musiktheorie, Kontrapunkt und Kanon am Leipziger Konservatorium und Dirigent des S\nagogenchors au unserer Cicmeiudesynngoge. Jadassohns Ruf als Lehrer war international, was Insbesondere darin zum Ausdruck kommt, daß er Dr. h.c der Leipziger Universität, korespondierendes Mitglied der Florentiner und Petersburger Akademie und anderer berühmter wissenschaftlicher Institute war. Als Schöpfer zahlreicher k i r e h e u m u s i k a I i s c Ii e r Kompositionen ist er für dauernd in die Musiklileratur eingegangen. Dabei blieb er allezeit stob und selbstbewußt seinem Judentum treu. Neben den besonderen Ehrungen, die seitens des Konservatoriums, der Thomaskirche und des Rundfunks für Jadassohn an -einem 100. Geburlstage geplant sind, hält es die Israelit. Religionsgemelnde zu Leipzig für ihre selbstverständliche Pflicht, «lern gefeierten Musiklehrer. der dreißig Jahre als Leiter d e s S y n a g 0 g e n - chors und des Gesangvereins „Ps a 11 e r i o n" für die Würde und Schönheit unserer Gottesdienste mit aufopfernder Hingabe und glänzendem Erfolg tätig gewesen ist, an seinem Grabe auf dem Alten Friedhof durch eine Gedächtnisfeier Dank und Huldigung darzubringen. Wir erwarten hierzu die lebhafteste Anteil n ■ h m e der Leipziger j ü d 1 seh en 0 e f f e n t- I i C h k e i t, der jüdischen Organisation e u . besonders auch der Organisationen der jüdischen Jugend. Die Feier f i n-