Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« < GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2s Der XVII. Zionistcnkongreß in Basel Wir veröffentlichen suf Grund der Berichte der ITA. <'in>- gedrHngte Ueberalchl Ober den Verlauf dei wichtigen Kongresses in Basel. Mit Rücksicht auf den beschränkten Raum haben wir von einer Wiedergabc de« Inhalt* der grollen Berichte, die Welimann, Ruppln, Bokolow, Uaaiachkin. Ilandke u. '. vor «li-m Kongreß eratattetun. abgeaehen, um hauptaNchli«' Uber den Verlauf der Generaldebatte au berichten Die Bchrlftltg. Am Dienstag, den 81, Juni, abends, wurde im Messehaus zu Basel uer XVII. Zlonistenkongrefl feierlich eröffnet. Der Saal ist von de, Delegierten voll besetzt, dagegen zeigen die für die GBate rerervlerlen Galerien Lücken, was von den Anwesenden als ein Zeichen der schweren Wirtschaft lieben Lage der jüdischen Bevöikei ngfl je überall in der Welt angesehen wird. Zahlreiche Zionislen. il dt. früheren Kongressen beizuwohnen pflegten, haben diesmal die!i I eil Reisekosten lind die Kosten des Aufenthalles in Hasel uich* n ehr aufzubringen vermocht. Die Betrade ilos Sitzungssaales ist ri' den zionistischen Farben und Emblemen reich gesctunOckt. Im Mittelpunkt ist ein grofles Porträt Theodor Henda angebracht. 'irinittelbar vor Eröffnung des Kongresses erscheint der Präsident i tr Zionistischen Organisation Dr. Ghaim Weismann an der Spitze der Executive und wild von Delegierten und Gasten mit starkem Applaus empfangen. Ks macht Eindruck, dafl Dr. Weltmann, der ob, - erst eine zweite llalsoperalion überstanden und gesundheitli I ocli angegriffen ist. es sich nicht hat nehmen lassen, schon der ei '• : KongreßsitlUng beizuwohnen. Der Vorsitzende des Aktion--< oniitees Leo Motskln eröffnet den Kongreß inil den traditionellen Hammenchllgen und einer kurzen Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Augenblicks hinweist und den Wunsch nach ertragreicher Arbeil ausspricht. Hierauf erleilt er das Wort dem Präsidenten der Zionistischen Executive Nnhum Sokolow. im Sst 1 herrscht eine Stimmung feierlichen Ernstes. Atemlos lauschen Beleg erte und Gaste der Rede Sokolows, der auf den ichicksslssclnvi i'ii Augenblick hinweist, das Recht des jüdischen Volkes auf Patt« ina energisch Und stolz betont, der Friedensliebe der .luden Au ■ uck gibt, auf die gemeinsame jüdisch-arabische Aufgabe und auf ■ e zivilisatorische Mission des jüdischen Volkes im Orient hinwei Der Kongrefi zollt den Ausführungen Sokolows warmen Beifall. Auf ie Rede Sokolows folgen Begrüßungsansprachen des greisen. ' "gl irungsrates Imhof im Namen der schweizerischen Bundesi'Vi ' Jt£ und des Bundespräsidenten, des englischen Botschaften in dei Schweis, der Vertreter der Basler Jüdischen Gemeinde und des jüi'm i'-ii Qemeindebundes der Schweiz und andere im Programm vov seltene Begi üfiungen. i'er Volkerband ist auf dem XVII.Zioniatenkongrefi offiziell du -I. twei Beobachter vertreten, und zwar durch den Chef der Infor (laÜOnsabteilung P.Commerth und den Direktor im Arbeitsamt W.''Weaver. Sehens des Völkcrbundssekrotarials ist dem Büro der« ' :onistenkongrosses mitgeteilt worden, daß diese beiden Herren 'xv,: agt sind, die von ihnen vertretenen Instanzen über den Verlan' ler Koogrefiverhandlungen cu informieren. Der Direktor des il '»i nationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund. Alberl Thomas, wird .111 i. Juli, nach Abschluß iler Generaldebatte, eine Ansprache an dta Kongrefi halten. i)ie englische Regie) mig entsendet zum ZionisteukougreU als .'f../. eilen Beobachter einen der höchsten Beamten des AuUenmiuisteri in s. Der Name des britischen Beobachters ist noch nicht bekannt. Ks erlaulet jedoch, dafl er bereits von London abgereist ist. um re »httttig zum politischen Referat Dr. Weismanna einzutreffen. r-emüfi einem Beschluß des A. ('.. daß Mitglieder der Executive P»cJ;| in das Koogrefiprlsidium gewählt w erden dürfen, erscheint e>. Wahl Sokolows. der allen Kongressen der letzten Kl Jahre p i:idierie. zum Präsidenten des XVII. Kongresses angeschlossen, Zin. Präsidenten ist Leo Motzkin designiert. Als VisePräsidenten sii■. ihm beigegeben: I'ssischkin und Julian W. Mach von den Allge Meiner. Zionislen. Karbstein und Itabbi Iterlin vom Misrachi. Soskii in ■ Tiomkin von den Revisionisten, Kaplan. Reifi und Silber- -te i n d'JH Linken. Dr. Kder als Vertreter der englischen Delegat! in. Nach den Rctrriißungsmisprwhen hielt Dr. Arthur Ruppin sei, Referat über „Probli me der Palästinaarbeit", in deai < r '-inen neuen Siedlung, ilar. ( . wickelte. Am zweiten Kongrefllafs >• {am Weltmann seine mit größte: &\ annung erwartete grofie , . - be Rede, von der er sagte, dafl sie nachdem er zehn Jahre die zionistische Bewegung geführt hat seine Abschieds rede sei. Weismann begann seine Hede mit einem Rückblick auf das lehrte Dezennium der Bewegung, knüpfte hieran eine Betrachtung über die politische Lage in der Gegenwart und schloß mit einer Darlegung der Arbeitstage und einer Bekundung iles (ilaubeus an die zionistische Sache. Als Wcizmann seine Hede beendet hatte, kam es zu einer Tumullszene, als der revisionistische Delegierte aus Palästina Bonfield ausrief: „Laßt uns Kaddisch sagen nach dieser Bede!" Dr. Georg Hal- |iern rief Bonfield zu: ..Wenn Sie kein Schurke sind, sind Sie ein Idiot!" Es kam nun zu -iiiem scharfen Wortwechsel zwischen Revisionisten und Andersgesinnten, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Den Ordnern gelang es. die aufeinander losgehenden Gruppen zu trennen. Ks folgten Referate von Prof. Brodctsky über die „politische Arbeil". Ussischkin über „Koren K a j e m e I h". Dr. Hnntke über ..Koren llajessod". Felix Rosenblüth über die Lage der Zionistischen Organisation, Dr. Arlos o r o f f über Probleme der F i n a n z i e r u n g. Alsdann begann die Hauptaussprache. Der Führer der Histadruth Ben Gurion, der als erster in der Generaldebatte als Wortführer der Linken, die die stärkste Kongreßfraktion darstellt und ein Drittel der Delegierten unifal.lt, das Wort ergriff, richtete scharfe Angriffe gegen die Mandalarmachl und bezeichnete den MarDniUihi-Brit f als unzureichend. Kr erklärte: Wir wollen in Uebereinstiinmu'... mit der zionistischen Politik und mit Unterstützung der europäischen Demokratie eine direkte Verständigung mit den Arabern suchen. Das jüdisch-arabische Problein soll weder durch den .ludenstant noch durch einen binationalen Staat, noch auch durch Errichtung eines Kulturzentrums in Palästina gelöst werden, sondern durch Zulassung der jüdischen Einwanderung nach Palästina auf der Basis der Absnrptionskraft des Landes. Ein Weg zur Lösung der jüdisch-arabischen Frage ist der, daß kein Teil der Bevölkerung vom anderen beherrscht werde, und daß die gerechtfertigten Forderungen der Araber unter der Bedingung erfüllt werden, daß keine andere Beschränkung der jüdischen Einwanderung stattfinden darf als die, die in der Aufnahmefähigkeit des Landes für Neueinwanderer begründet ist. Zum Schluß richtete Ben Gurion sehr scharfe Angriffe gegen die Revisionisten. Der Führer der Zionieten-Revisionisien, Wladimir Jabotinsky hielt eine Rede von elwa zwei Stunden Dauer, die die gespannteste Aufmerksamkeit der Delegierten und der Oiste fand. Kr führte ungefähr aus: Ks bestehen noch Zweifel über den Brief Mai-Donalds. Kr enthüll gewiß Punkte, die wir selbstverständlich unparteiisch akzeptieren werden: die Anerkennung, dafl die Regierung den Prozeß der Schaffung des jüdischen Nutinnalheims nicht als zu Ende kristallisiert, sondern erst im Werden betrachtet: die Anerkennung, daß bei der Berechnung der landlosen Araber in einem gewissen Sinne man nicht alle Araber berücksichtigen wird, sondern nur diejenigen, die beweisen können, daß sie ihre Pacht im Zu lammenhang mit einem jüdischen Landkauf verloren haben; daß bei den öffentlichen Arbeiten die Zahl der jüdischen Arbeiter so fest gesetzt wird, daß mehr oder weniger der Anteil der Juden an den Steuern des Landes „in Acht" genommen wird. Ks gib! dagegen an dere. schlimme Punkte, und ich fürchte, daß sie überwiegen. Das Gefährlichste ist der Wirrwarr, der dadurch entsteht, «laß verschic dene Dokumente parallel das Mandat und die Politik der Regieruni interpretieren, Dokumente, die einander widersprechen, die aber all' güllig sind. In der Frage der Zielsetzung habe weder der Begriff der öffent lich-rechtUch gesicherten Heimstätte, noch jener des Nationalhcims juridische Tradition. Das Worl „Sinai" sei klarer und der Kern dc- Begriffes ..Judenstaat" liege in den zwei Momenten Mehrheit und Selbst regierung. Das Moment der Selbst regierung sei ein elastische* Moment. Unelastisch sei aber das Moment der jüdischen Mehrheit Wenn dies eine Schwärmerei sei, dann eine sehr edle. Wenn es eil Recht ist. daß mau den Juden die Rückkehr nach Palästina zuerkannt hat. dann ist jede Maßnahme, die dieses unmöglich macht, ungerecht. Jabotinsky schlägt eine Resolution vor, die lauten soll: „Das Ziei des Zionismus, welches unter den Ausdrücken „Judenslaal", nationales Heim oder „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" zu verstehen ist, ist die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsinehrb' il auf beiden Seilen des lordan." (Anhaltender Beifall bei den Revisionisten.)