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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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L'li. Juni 1931 ÜEMEINDEÜLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 einein Zustande völliger Stagnation. Unter diesen Umständen falle der Jüdischen akademischen Jugend eine besondere Rolle su. Ihre Aufgabe ist es, daiu beizutragen, daß die Hoffnung und der Mut In den Volkemaesen gestärkt und neubelebt werden. Die Tagung wei de >\t h in der Hauptsache mit der Lage der jüdischen ausländischen Studentenschaft In Deutschland befassen und ein Aktionsprogramm zur Erhaltung und Förderung der socialen und kulturellen Einrichtungen und zur Linderung der Nol der jüdischen Studentenschaft ausarbeiten, M;iu dürfe auf die moralische und ffnansielle Unterstützung seitens aller jüdischen Kreise rechnen in Anbetracht der wichtigen Aufgabe, die die Studentenschaft im Interesse der jüdischen Gesamtheit zu erfüllen habe. Der Tagung weide mich die Aufgabe sufallen zu prüfen, wie weit ein einheitliches Zusammengehen mit der jüdischen Studentenschaft der verschiedenen Richtungen in Fragen der jüdischen studentischen Politik und Taktik herbeigeführt und gemeinsame Aktionen zur Stärkung der jüdischen nationalen und soslalen Renaissancebewegung organisiert werden können. Der Redner dankt denjenigen Organisationen, die das Studentenwerk moralisch und finanziell fördern, insbesondere dem Hilfsverein der deutschen .luden, dem Joint Distribution Commirtee, dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, der Großloge U.O.B.B. und dem Verbund russischer .luden in Deutschrand, und schließt mit der Hoffnung, daß die Beratungen von dem Willen beseelt sein werden, die der Studentenschaft obliegenden Aufgaben im Interesse der jüdischen studierenden Jugend und im Interesse der jüdischen Gesamtheil einer Lösung näher tubringen. Nach Worten der Begrüßung durch Vertreter der Organisationen und nach Verlesung der eingelaufenen Begrüßungsschreiben ergriff Ministerialdirektor Dr. Hermann Badl das Wort zu einem Referat über „W ege der st iid en tenversI ä ndigu n g". Dr. Badl gab einen reberblick über den Verlauf der Konferenz des Wellstudcntonwerks in Nyon, wobei er hervorhob, daß die Übertrieben optimistische Darstellung der Verhältnisse an den ungarischen und tschechischen Hochschulen seitens Vertreter der assimilatorisch gerichteten jüdischen Studentenschaft nicht nur bei den nationaljüdischen, sondern such bei den deutschvölkischen Delegierten größtes Befremden erregt halle. Bs sei bemerkenswert, dat.! auch weite Kreise der deutschvölkischen Studentenschaft ein rassciilheoi elische Begründung ihres Standpunktes ablehnen. An die stelle der Rasse rrrheorie, w ie sie etwa von Prof. Günther in Jena vertreten wird, dersufolge ungefähr "/,„ der nfchtjüdiechen Bevölkerung Deutschlands als „fremdrassig" gelten müßten, sei nunmehr die in Nyon von Dr. StajK'l erläutorle.,biologische Methode" der Betrachtung des Problems des Antisemitismus getreten. Dieser Auffassung zufolge ergeben sich die Schwierigkeiten des Zusammenlebens zwischen .luden und Deutschen aus der angeblichen Tatsache, daß die Deutschen phwOMtiSCh noch nicht ausdifferenzicrl sind und ein gewissermaßen noch jugendliches, entwicklungsfähigen Volk darstellen, während die Entwicklung der „plasmatisch ausdifferenzierten" .luden abgeschlossen ist. Der .lüde wirke in der deutschen Umgebung in ähnlicher Weise störend wie etwa ein Erwachsener in einem Kreise von Jugendlichen. Die so eingestellten deutschen Kreise zeigen gegenüber Juden, die Ihr Judentum kachieren, eine weil größere Aeugstliclikoil als gegenüber den bewußten .luden, die von vornherein eine bestimmte Demarkationslinie gezogen halten. Wichtig sei es. dalt die Verslündigungshoslrcbiingen. die zur Konferenz von Nyon geführt haben, von christlicher Seile ausgegangen sind. Es sei bewunderungswürdig, von welch leidenschaftlichem Streben nach Sachlichkeit der Organisator des Welbtudenlonw orkes James Parkes erfüllt sei. Vom zionistischen Standpunkt werde es leichter seien, zu einer Verständigung mit den Nichtjllden zu gelangen. Aller dings dürfen sich die Zioiiisten nicht auf den vielleicht vor 25 Jahren noch berechtigten Standpunkt des ..Schear jaschub", der absoluten Negierung der Gahith, stellen, sondern sie müssen den Problemen des Galuthjudentums starke Beachtung schenken. Wichtiger vielleicht noch als die Verständigung (wischen .luden und Ntehtjuden sei die nnerjüdische Verständigung. Meinungsverschiedenhelten unter den Studenten überhaupt und unter den jüdischen Studenten insbesondere tollten künftighin vor einem aus Vertreb rn verschiedener Richtungen paritätisch SUSammengesetsten Forum ausgetragen werden. Nur nuf diese Weise könne eine sachliche Verständigung und ein erfolgversprechender Austausch der Meinungen erfolgen. Zu Mitgliedern dei Exekutive wurden gewählt: Dr. F. Rabinowitsch lug. Rosenberg und cand nhil. .1. Mencxel; in die Revisionskommission: ttolzmann, Joel (Berlin) und Groß (Breslau). Die Mit lieder des Zentralrates sind: Seidel (Mittweida). Groß (Breslau), Professor Weidenrelch über Rassenmlsehung hei Joden und Nichtluden, Der Direktor des Instituts für physische Anthropologie der Universität Frankfurt a. M., Prof, Dr. Kranz Weiden reich, hielt auf Einladung der Gesellschaft für jüdische Familienforschung im Brüdervereinshaus zu Merlin einen Vortrag über das Thema „Rassenmischung bei Juden und Nichtjuden in aller und neuer Zeit". In seiner Eröffnungsansprache wies der Vorsitzende der (iesellschafl für jüdische Familienforschung, Dr. A, Cseilitzer, darauf hin, daß Uber wenige Worte selbst in wissenschaftlichen Kreisen grüßere Unklarheit herrsche als über den Ausdruck Ilasse. Einen Rassenbegrifl im heuligen Sinne gebe es erst seit etwa 150 Jahren. Die „germanische" Rassentheorie von Gobineau. der zufolge aller kultureller Fortschrill auf Leistungen von Angehörigen der germanischen oder, wie mau heule sich auszudrücken pflegt, der nordischen l>'a>se zurückzuführen ist und daher auch die Angehörigen dieser Hasse allein Anspruch auf eine Herrscherstellung im Leben der Völker haben, habe hauptsächlich in Deutschland Widerhall gefunden. Indessen bilde der nordische Typ in der deutschen Bevölkerung nur eine kleine Minorität und werde nur in bestimmten Teilen Skandinaviens in klarer Ausprägung vorgefunden, Prof. Weidenreich bemerkte einleitend, mau müsse sich darüber klar sein, daß es Hassen und llassenuulerschiede gebe, wenn es auch manchmal schwer falle, sie auseinanderzuhalten. Audi entspreche das von den Anthropologen als besonders charakteristisch herausgehobene Repräsentativbild einer Ilasse durchaus nicht dem Durchschnitt einer solchen Bevölkerungsgruppe, An der Hand eines reichen Lichtbildmaterials zeigte der Vortragende, daß die besonderen Eigentümlichkeiten des jüdischen Typus in einer Mischung von Merkmalen der vorderasiatischen, orientalischen und mediterranen Ilasse bestehen und daß dieser jüdische Typus mehr oder weniger deutlich auch bei Angehörigen anderer Volksgruppen der Gegenwart und Vergangenheil, sogar bei Indern und Japanern, auftritt. Den vorderasiatischorientalischen Typ. wie ihn die Juden besitzen, zeigen auch die erhaltenen Abbildungen sumerischer, altgriechischer und etrusklscher Köpfe, also der Angehörigen von Völkern, die die großen antiken Kulturen geschaffen haben, Dagegen müsse man mit der Laterne Suchen, um unter den Trägern der Kulturen des Altertums und auch unter hervorragenden späteren Repräsentanten des geistigen Lebens Menschen nordischen Typs zu finden. Die Unrichtigkeit der von den antisemitischen Rassentheoretikern aufgestellten Behauptung, daß aller Kulturfortschritl auf den Einfluß der nordischen Ilasse zurückzuführen sei. lasse sich somit leicht nachweisen, wenn man auch nicht in eleu Fehler verfallen dürfe, nunmehr in entgegengesetzter Weise kulturschöpferische Fähigkeit ausschließlich den Vertretern des vorderasiatisch-orientalischen Typs zuzuschreiben. Die Ausführungen des Vortragenden wurden von dem zahlreichen Auditorium mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Ks folgte eine Aussprache, an der sich Direktor Feist, Professor Doris ßrutzkus. Dr. Lew in n. a. beteiligten. Amtliche Bekanntmachungen Barmiswa-Vsrbereltaag. Zur Barmlzwa-Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unentgeltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vom 1. Januar 10t!) Iiis 81. Märsl919 geborenen Knaben beginnt der Lehrgang am 1.Juli 1981, Nur wer daran teilgenommen hat. wird als Barmizws in der Gemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen Iiis 80.Juni 1981 im Gemeindeamt, Löhrstraße 101. Von der Teilnahme können auf Antrag der Kitern solche Knaben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat durch einen von der Gemeinde angestellten Lehrer erhalten. Audi diese Kinder sind zur angegebenen Zeil zu melden. I. e i p /. i g. den 1. Juni 10111. Der Vorstand der israelitischen Peligionsgonieinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Persoiicnstandsnarlirifliten Geburten : .">. Juni 1981 Arlur Flaum und Edith geh. Esskreis, Schwägrichenstr. 21, einen Solln ...lack Bernhard", lo. Juni 1931 Dr. Ludwin Frankenthal und Ilse geh Hinrichsen, Dlttrichring 13, einen Sohn „Wolfgang". V e rlobte: Erna Goldstein und Hermann Schuldenfrei, Gerberstr. 16.

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