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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2l> Von iss 1 (930 sind 2483 944 Juden als Immigranten nach Amerika gekommen, während 113099 Juden in dem gleichen Zeitraum üus Amerika auswanderten. Im Jahre 1990 sind Ii 320 Juden, zum größlen Teil Angehörige der im Lande bereita ansässigen jüdischen Bevölkerung, in die Vereinigten Staaten eingewandert, 85% der jüdischen Bevölkerung Amerika! I«■ l»t In Städten mit einer Einwohnerzahl von Ober 100000, Die statistischen Daten des American Jewish Coinmittee stimmen annähernd mit den Aufstellungen, die von anderer Seite gemacht wurden, tiberein. Anläßlich der von der Hebrew Immigrant Aid Society tlllAS.) im März dieses Jahres veranstalteten 50-Jahrfeier des Heuinns der Masseneinwanderung uns Osteuropa nach Amerika erklärte der Präsident von IDAS.. Abraham Herman, die judische Bevölkerung habe rar Zeil des Beginns der Masseneinwanderung 250000 bei einer allgemeinen Bevölkerung von 45 Millionen betragen, während gegenwärtig unter einer Gesamtbevölkerung von 120 Millionen annähernd VA Millionen .Inden in Amerika leben. Ums Büro für Jüdisch-soziale Forschung veröffentlichte im Jahre lü.'s eine Statistik über die Resultate einer im Jahre 1926 unter Leitung eines Komitees, an dessen Spitze Richter otio A. Rosalsky und Dr. Lee K. Frankel standen, durchgeführten Zählung der jüdischen Bevölkerung von Groß-New York. Auf Grund dieser Zählung war die jüdische Bevölkerung von Groß-New York mit 1728000 Seiden festgestellt worden. w;is etwa 80% der Qesamtbevölkeriuig der Stadl entsprach. Her Zuwachs der jüdischen Bevölkerung In der Zeit von 1915—1925 betrug ebenso wie bei der allgemeinen Bevölkerung 16,4%. Sterin - und Geburtenrate waren bei den Juden New Yorks niedriger als bei der übrigen Bevölkerung. Harald Isensteins Heinrich Heine-Monamenl wird im Deutschen Dirlitergarten ia Clevelaai aufgestellt. Das vom Berliner Bildhauer K. Harald Isenstein geschaffene Heinrich Heine-Broncemonumenl wurde im Deutschen Dichtergarten zu Cleveland (Ohio) eingeweiht. Die Büste fand neben denen von Goethe, Schiller und Lessing Aufstellung Die Heine Memorial Commission hat die Aufstellung der Büste beschlossen und den Plan durchgeführt. K. Harald leenstein hat zahlreiche Portraiti lebender Zeitgenoasen geschaffen, so unter anderem die Büsten von Albert Einstein, Ernst Cassirer, Edmund Husaeri, Emil Ludwig, Alfred Döblin, Arno Holz. Ernat Toller. (Jeher sein,' Heine-Büste sehrieh ihm der bekannte Marburger Heine Forscher Prof. Ernst Elster: ..Ihre Büste Isl ausgeseichnetl Es liegt ein Leben darin, das mich in Innerster Seele packt. Sie haben Heine nicht nur ai> den .Intellektuellen' gefaßt, der .•i ja auch war. sondern als d< n gani feinfühlenden Menschen, dessen Antlitz von einem geheimen Lebensleid überschattet ist, Und doch i-i es der Mann in den besten Jahren, der mit eingekniffenen Augen scharf beobachtet, und dem man jeder/eit ein überraschendes Wiizwort zutraut. Ich bewundere die Kunst, mit der sie aus den besten überlieferten Bild« rn die bezeichnenden Züge entnommen haben. Ich möchte nur immer wieder sagen: Das i-t Leben, das isl Kunst 1" Jüdische Verbände und Gemeinden Der Hilfsrereia der deutschen .luden und die jfMUsehra la«iiiiiii«iiicii im Osten. Der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen .luden. Herr Dr. Mark WiSchnitter, weilte im Zusammenhang mit der Hinterlassenschaft von Professor Haffkine zu Gunsten der osteuropäischen Jeschiwol etwa vierzehn Tage in Polen. In einem Gespräch mit dem ITA-Vertreter äußerte sich Dr. Wischnitser über den Zweck der Haffkine-Stiftung und über seine Bindrücke beim Besuch dei verschiedenen Jesehiwot Die Haffkine-Stiftung beträgt rund 300000 Dollar; der jährliche Zinsertrag, etwa 13000 bis 14000 Dollar, soll zur Ausgestaltung der Jeschiwol verwendet werden. Dr. Wischnitser besuchte fünf Jeschiwol in Warschau: Mesiwta, Thorat-Chajim, Tomche-Tmimim, Emek-Halncha, Beth- Joseph; ferner da- Rabbiner-Seminar „Taehkemoni", die Jeschiwa "Ohel-Thora" ci'<" Studenten) und „Thorat-Chesed" <_r-"H> Studenten) in Baranowicse; die große Jeschiwa in M i r (400 Studenten), die Jeschiwa in Kl eck (336 Studenten); die Jeschiwa „Bei Josef in Rialystoek (200 Studenten); die Jeschiwa des Cbofex-Cbajliu in i: a d u n (320 Studenten); die Jeschiwa „Schaars Torah" in i;i oil ho (170 Studenten); die Jeschiwa Ramalles in Wilna (die s.-it 180 Jahren besteht): die Pinsker Jeschiwa „Bei Joseph" (200 Studenten) u. a. m, Heim Besuch der Jeschiwol unterhielt sich Dr. Wischnitz.er eingehend mit den Leitern der Anstalten und den Studierenden. Mil dem Chofei Chajim und Herrn Rabbiner Ch. O. Grodienski, Wilna. halle er Beratungen über die Lage in den Jeschiwol und die er forderlichen Hilfsaktionen. Er interessierte sich für die Lebensbedingungen der Zöglinge und ihren (iesundheitszustand. die Schlaf räume, Küchen und die hygienischen Verhältnisse im allgemeinen. Die Jeschiwol, sagte Dr. Wischnitz.er. leiden große Nol. da die bisherigen laufenden UnterstütSUngen aus Amerika fast gani ein gestellt worden sind und lokale Mittel Infolge der Wirtschaftskrise in Polen fehlen. Man muß sich wundern, daß sie überhaupt noch existieren können. Die meisten Jeschiwol sind stark verschuldet. Am traurigsten isl die Lage der Zöglinge, die bekanntlich von den Jeschiwol unterhalten werden. Die Erträgnisse der Haffkine-Stiftung können angesichts der Notlage nicht ausreichen, um die Bedürfnisse der Jeschiwol zu befriedigen, Dr. Wischnilzer sah sich vcranlaf.il diese Erklärung immer wieder abzugeben, damit nicht Hoffnungei geweckt werden, die man schwerlich wird erfüllen können, Dr. Wischnilzer erwähnte, dal.i der Hilf8verein gewilll ist seine Tätigkeit sugunsten der Juden in Osteuropa zu verstärken, vorausgesettt, daß die wirtschaftlichen Verhältnissi der deutschen Juden es erlauben werden. Seinen Aufenthalt in Polet! benutzte er deshalb auch zur Einholung von Informationen über di< Tätigkeit der jüdischen Verbände für soziale Hilfe, in erster Reih, der Verbände für die jüdische W a i s e n h i I f e . mit denen der Hillverein eine gemeinsame Arbeil durchführt. Mit Unterstütrang des Hitfaveraina werden jetzt in Polen fünf Sommerferienkolonien fin Waisenkinder. Schulkinder und Zöglinge der Cheder und Talmud Thoraa errichtet; und zwar 1. in dem bekannten klimatischen Kurorl Dniskieniki, wo jeweils 1IMI Kinder untergebracht werden sollen in DlugO-SlodlO, zwei Stunden Bahnfahrt von Warschau, wo ein grol.Ses (iebäude zur Aufnahine von 250 Kindern gebaut wird: tt. in Zaacianek bei Piusk. WO ein Grundstück von 11 Hektar mit Häusern angekauft wurde: 4. in der Nähe von Kosienice und 5. in Dilok in den Karpathen, wo Kinder aus Südgalisien Unterkunft linden werden. Dr. Wischnilzer besuchte die drei erstgenannten Kolonien. In Drus kieniki sind die ersten Kinder-Transporte bereits eingetroffen, darunter auch Säuglinge, Die l'iilerkiinltsräume und die Verpflegum.. «ler Kinder sind zufriedenstellend. In DlugO-Siodlo ist der Bau bei nahe beendet, so daß die ersten Transporte dort schon Ende Jun eintreffen können. Dr. Wischnilzer gewtnnn von der Tätigkeil der jüdischen Orga alaationen für Selbsthilfe, w ie ■/.. B. von den vom .bunt ins Leben ge rufenen zinslosen Darlehnskassen (Gemiluth I hessed-Kassen). de Waiaeneraiehungsanatalten in Bialystok, Grodno und Piusk, den Sanatorium für tuberkulöse Kimler in Miedz.eszvn. dem jüdische Emigrantenhaus in Warschau u. a. m. die besten Eindrücke. Dies Institutionen tragen viel zur Linderung der außerordentlich schwere Not der polnischen Juden bei. Die ausländischen Jude mÜBSten in noch stärkerem Malle als bisher de p o I II i s c h e n .1 U d e n b eist e Ii c ll . dl 6 III II eigene K r ä f t e n nicht i n d e r L a g e s i n d, ihre s o z i a I <■ n E i 11 richtungen und Schulen zu unterhalten. Die al gemeine Wirtschaftskrise erschwert augenblicklich die Gewährui auagiebiger Hilfe, man muß aber die Verhältnisse in Polen studiere um im geeigneten Moment und beim Eintritt günstigerer wirtacha lieber Bedingungen eingreifen zu können. Ycrhundstag der Jüdischen Btadenteavereine ia Deutschland. In Berlin fand die achte Verbandstagung der Jüd -eben s i ii d e n t e ii v e r 4-i n e in Deutschland statt, zu (1 Delegierte aus allen dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen i schienen waren. Eingeleitet wurde die Tagung durch ein kurzes l ferat lies ExekutivmRglledes Herrn Dr. F. Rabinowitsch, d nach Begrüßung der erschienenen Gäste und Delegierten etwa I gendes kurz ausführte: Die Konfereni trete dieses Jahr in einer / schwerster wirtschaftlicher und seelischer Depression zusammen, i Weltwirtschaftskrise, welche mächt inen Völkern tiefe Wunden schlagen habe, treffe die jüdischen Volksinasseu besonders scliw. Dieser Zustand wirtschaftlicher Hoffnungslosigkeit werde noch Im i derdadurch verschärft, dal.i die größte HoiTnung jüdischen sozial' und nationalen Aufstiegs, das Paiästinaaufbauwerk, stark in M leidenschafl gesogen sei. Die Auswaiiderungsinögliclikcilen der |ii sehen Massen nach anderen Ländern seien fast geschwunden, D große Produktivierungsbewegung in den Ländern jüdischer Mas-. Siedlungen befinde sich wegen des Ausfalles der bilanziellen Mittel

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