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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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26. Juni 1031 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Dom jüdischen Kinde ersteht aber noch ein besonderer Nachteil Denn selbst wenn die Lehrer es nicht wollen, ist in diesem Unterricht der christliche Einflufi vorherrschend, Kr muß es sein, denn die Lehrer sind Christen, sind in christlichem (leiste erlogen und können sich selbstverständlich von diesen BinflUssen nicht freimachen. Wenn sie Beispiele für die Sitteidehre geben, müssen sie mo dem Anschauungskreis des Christentums entnehmen. Auch der Inhalt ihrer Darlegungen wird sich mit der christlichen Forderung dokken. Ks ist ein weiter verbreiteter Irrtum, daß in der Sittenlehre Christentum und .ludentum gani übereinstimmen. Ks gibt Unterschiede, die fast so erheblich sind, wie in der Glaubenslehre. Und das jüdische Kind wird im Lebenskundeunterricht ganz unmerklich, aber doch mit Regelmäßigkeit und Sicherheit in den christlichen Ideenkreis bineingesogen, dem jüdischen entfremdet. Für das Christentum ist der Unterricht in der Lebenskunde demnach nicht so gefährlich wie für das Judentum. Das gilt sowohl für den Umfang der Einwirkung, wi» für ihre Art! Wie bereits ausgeführt wurde, nehmen prozentual viel mehr jüdische Kinder am Lebenskundeuntericht teil als christliche. Dann aber bedeutet dieser in Wirklichkeit lediglich einen christlichen Religionsunterricht ohne dogmatische Grundlegung! Verglichen mit den Entbehrungen und Entsagungen, welche frühere Geschlechter für ihr .ludentum erlitten haben, ist es nur ein ganz geringes Opfer, das jüdische Kitern zu bringen haben, wenn sie ihre Kinder am Nachmittag in den jüdischen Religionsunterricht senden. Und für einen ernst denkenden Menschen ist es an sich undenkbar, daß der Bequemlichkeit zuliebe die jüdische Gesinnung eines Kindes, und damit ein Stück jüdischer Zukunft geopfert wird. So mag denn die Mahnung an alle jüdischen Kitern, ihre Kinder nicht in den l.ebenskundeunterricht, sondern in die jüdische Reilgionsstunde zu senden, nicht ungehört verhallen. Noch immer sind die Zahlen über die Teilnahme erschreckend niedrig. Von den Kindern, welche im schulpflichtigen Aller bis zu vierzehn Jahren stehen, besuchen, abgesehen von der höheren israelitischen Schule, noch nicht einmal 40% den Religionsunterricht. Hei den Schillern aber, welche älter als 14 Jahre sind, und die den oben Klassen höherer Lehranstalten angehören, werden zur Zeit gerade 10% von ihren Kitern in den Unterricht gesandt! Man wiederhole sich diese Zahl! Nur j e il e r z e h n t e ältere j ü d i s c h e S c h ü I e r e r h ä 11 Unter w e i - s u n g in sei n er R e I i g i o n , w ä h r e n d b e i den Christ e n 98% der Schüler höherer Lehranstalten nach dein Will e n ihr e r E 11 e r n d e n K Inf I u ß d o r ohristllc h e n Lehre auf sich wirken lassen. Und während jene fehlenden 4% bei den Christen bestimmt zu den Feinden der Religion gehören, ist es bei uns anders! I) e nn selbst s o I c h e F a m 11 ien, die im jüdischen Leben eine Rolle spielen, die in der j ü d i 8 C h 0 U G e m e i n d e u n d in den V e r e i n e n Ii brenstellen bekleiden, halten ihr e K i 0 d e r d e m Unterricht der Gemeinschaft fern, für d e r e n Zukunft sie sich einsetsentll Iis ist schwer, keine Satire zu schreiben. Aus aller Welt FasehlsiMS und Juilr-nfrngp in Italien. Der Italienische Justiz- und Kultusminister Alfrede Rocco, der (•kannte Theoretiker des Faschismus, hat in einem dem JTA.-Vorteter in Rom Dr. Ed. I). Kleinlerer gewährten Interview die rechtliche Lage der Juden in Italien umrissen und bemerkenswerte Aoußerungen über die Stellung des Faschismus zur adenfrage und sein Verhältnis zu den das Rassenprinzip bel inenden „faschistischen" Bewegungen des Auslandes gemacht. Im Verlauf des Gesprächs erklärte Minister Rocco, die niorasche und allgemeine Lage des italienischen Judentums habe sich ach dein Abschluß des Konkordats mit dem Vatikan bedeutend ver- ■ssert. Die italienischen .luden hätten Rechte erhalten, die sie bis (hin nicht besaßen. Unter anderem wird nunmehr die livllrechtche Gültigkeit der vor dem Rabbiner geschlossenen üben anerkannt, 'äs von der faschistischen Regierung ausgearbeitete und vor einiger eil in Kraft gesetzte Statut, durch das Bestand und Tätigkeit der Müschen Gemeinden Italiens geregell wird, werde dazu beitragen, is italienische Judentum noch mehr zu konsolidieren. Dieses Stabil ibe denn auch die volle Anerkennung der jüdischen Kreise gefunden id sei von ihnen mit Dankbarkeit aufgenommen worden. Nach dem lischluß des Konkordats wurde ein Spezialgesetz erlassen, durch is die volle Religionsfreiheit für die nichtkatholischen Bekenntnisse Italien anerkannt wird. Alle diese Bekenntnisse besitzen das Recht eier und öffentlicher Reügionsflbung, ihre Anhänger werden zu allen Iministrativcn und politischen Stellungen zugelassen. Mit bcsnndoin Nachdruck betonte Minister Rocco, daß die Möglichkeit der Krügling aller staatlichen Rosten für die Angehörigen der nichtkathorhen Konfessionen in Italien nicht bloß auf dem Papier stehe, daß 8 nicht nur theoretisch, sondern auch in Wirklichkeit vorhanden sei. ' die richterliche Stellungen werden in Italien von Juden bekleidet: z. B. sind der (ieneralstaatsanwalt der Provinz Bari. Leopold! Mug- I i und der erste Vorsitzende des höchsten Appidlationsgerichls in icona, Raffaelo D'Ancona, Juden. Auch viele Lehrstühle der Uni- ' rsRiten sind mit Juden besetzt. Weiter erwähnte Minister Rocco, der Professor für Handelsrecht der Universität Rom ist. daß das Handelsrecht in Italien eine iße Anzahl wissenschaftlicher Vertreter besitzt, die Juden sind. I lige von diesen gelten als die hervorragendsten Autoritäten auf II sein Gebiet. Auch die vor einiger Zeil eingesetzte Regierungs- •> Omission zur Habilitierung von UnlversHätsdosenten habe fast 11 -schließlich aus jüdischen Universitätsprofessoren verschiedener Universitären bestanden. Einein der jüdischen Mitglieder dieser Kommission, Prof. Cesare Vivante, einem der bedeutendsten Theoretiker auf dem Gebiet des italienischen Handelsrechts, seien vor kurzem anläßlich seines Scheidens aus dem Lehramte große Ehrungen seitens tler Universität Rom zuteil geworden. Bei der zu seinen Ehren veranstalteten Feier war auch die italienische Regierung offiziell vertreten. *» Symptomatisch sei der große Anteil der Juden an der italienischen Armee, in der sie die höchsten Stellungen erreicht haben. Die jüdischen Generäle Liuzzi, Segre und Pugliese seien hervorragende Theoretiker der Strategie und Taktik. Auf eine Frage bezüglich der Stellung des Faschismus zu analogen Bewegungen im Auslände und zu Bewegungen, die sich selbst als faschistisch bezeichnen und gleichzeitig das Rassenprinzip stark betonen, erklärte Minister Rocco. in Italien gebe es kein Rassenproblem. Italien sei von jeher ein Land gewesen, in dein sich verschiedene Völker und Rassen mischten. Kulturell sei die Vermischung der verschiedenen Rassen in Italien vollständig durchgeführt. Der Faschismus stütze sich als nationale Bewegung nicht auf Rassenvorurteile. In dieser Beziehung unterscheide er sich vollkommen vom Hitlerismus. Zur Frage des Schulwesens in Italien übergehend, wies Minister Rocco darauf hin. daß die jüdischen Elementarschulen in Italien den anderen Schulen völlig gleichgestellt sind. Kr selbst habe veranlaßt, daß den jüdischen Schulen das Recht zuerkannt wurde, eigene, den Bedürfnissen der jüdischen Schuljugend angepaßte Ausgaben der italienischen Elementarschullehrbücher zu veranstalten. Dir Kahl der Juden in Amerika. Das American Jewish Committee veröffentlicht neue statistische Daten über die Zahl der Juden in Amerika. Diesen Aufstellungen zufolge lebten in den Vereinigten Staaten linde 1027 4 2JStKK) Juden, was einem Anteil von 8,4% an der Gesanitbevölkerung des Landes entspricht Vor 50 Jahren, vor dein Kinsetzen der Massenauswaiulerungsbewegung aus Rußland nach Amerika, nach den Progromen und den .Maigesetzen von 1881, gab es in den Vereinigten Staaten bloß 230000 Juden. Jüdische Hauspfle^e ♦ Telefon nach 6 Uhr (Schless) oder (Emmerich) **» «2 904es 1 22 O»

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