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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-19 · 25 (19.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
25 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2f> mlssion, iiinl Geheimer Archivrai Warschauer, Mitglied der historischen Sektion, hingeschieden. Die w i ssen scha f 111 oIi e A rbeIi «I e r A k a «I e m i e, über die Herr Professor Guttmann alsdann berichtete, ist von der N<»l der Zeil nlchi unberührt geblieben. Neue Mitarbeiter konnten (Henna! nichl eingestellt, neue Arbeiten Dicht unternommen werden. Eine Ausnahme bildete die „Philosophie der jüdischen Geschichte" von Prof. David Koigen, für deren Durchführung der Akademie von besonderer Seite Mittel zur Verfügung gestellt worden waren. Mehrere Akademieexbeiten konnten hingegen beendet und veröffentlicht werden. So der erste. Preußen behandelnde Band von Professor Heinrich Silbergieits Standardwerk »Die Lehens- und Berufsverhältnisse der .luden Im Deutsehen Reich", dein ein iweiter Teil «Die nichtpreußischen Länder" folgen soll; ferner der zweite Band der Edition der klassischen Grammatik des Jonah ihn Ganach, Seter ha- Rikma von Dr. Michael Wilensky. Außerdem ist ein vierler Band der großen Mendelssohn-Jubiläumsausgabe (Band II. Philosophisches), bearbeitet von Dr. Fritz Bamborgor und Dr. Leo Strauß, erschienen. Im Druck eben abgeschlossen ist der erste Ergänzungsband zu Dr. Ch. Albecks ..Midraseh Bereschit Habba". die allgegemeine Einleitung enthaltend; der Reghrterband wir«! als letzter folgen. Der Druck anderer werlvoller, fertig vorliegender Manuskripte mußte für einige Zeit nirückgestellt werden. Es sind die Fortsetzungsbände von Prof. Friti Beere: ..Die .luden in Spanien", und von Dr. Selma Sterns: „Der preußische Staat und die .luden", die Edition: „Das Propheten-Targum" von Professor Landauer-Augsburg und Privatdozent Dr. Sperber-Bonn, der soeben auch die Ausgab«1 des „Targuin Onkelos" im Manuskript vollendete. Dr. Fritz Bambergen philosophische Studie: „Die Gottesidee des Maimonides" und die von dem lieimgegangenen Prof. Josef Horovltl angeregte und geförderte, aber erst kurz nach seinem To«le abgeschlossene Arbeit von Dr. Wilhelm Speyer-Breslau: „Die biblischen Erzählungen im Koran". Herr Prof. Gut (mann Schlott mit «lern Ausdruck der Hoffnung, «lall die Ewangsläuflgen Beschränkungen im Druck der Veröffentlichungen von kurzer Dauer sein mögen, damit die reiche Produktion «ler Akademie der wissenschaftlichen Welt für ihre Weiterarbeil schnellstens zugänglich gemacht werden könne. Den Geschäftsbericht des Verwaltungsvorstandes erstattete <l«'r Generalsekretär Dr. Israid Auerbach. Das Berichts- Jahr war durch «Ii«- Wirtschaftskrise gezeichnet. Gegenüber <I«mh Jubiläums und Rekordjahr 1929 mußte «ler Ausgabenetal um ein ganze« Viertel, auf iir>non M., herabgeeetsl werden, da auch die Einnahmen erhebliche RQckgänge erfuhren. Für l!i:it ist ein Hebergangsetal mit nur Iii fn«i M in Einnahmen und Ausgaben vorgesehen, zu dessen Deckung auf kräftige Mithilfe durch «Ii«1 lOdische Oe ff entliehkeil gerechnet wird. Die Akademie, so schloß «ler Berichterstatter, ist nichl Besitz ihrer Gründer und Führer, sondern des ganaen Judentums. Di«' deutsche Juden heil hat sieh den Ruhm zu wahren, in der Wettjudenheit geistig führen«! zu sein. Sie darf nicht wie hynottaiert (Ur auf die materiellen Nöte starren und die geisli gen vernachlässigen, wenn sie fortbist oben will. Di'in L»'schäfllii-h«'n Teil der Veranstaltung folgte ein Vortrag von Prof Dr. I Heinemann Breslau: „Die griechische Welt a n s«• h a uungslehrebei R ö m e r n u n «1 .1 u «I <• n". Prof. Heinemann gab einen geschiehtsphiioeophischen Deberblick Qber <l«'ii Einfluß, den die griechisrhe Kultur auf Römer und Juden ausflbte. In historischer Folrje fanden drei Berührungen Athens mit Rom wie mit Jerusalem statt: Zunächst eine rein iiiißcriiche ohne kulturelle Wirkung: sodann eine Hefergebende, aber lerstOrende; endlich eine befruchtende und aufbauende. Die sweite Phase i>t in Rom durch den Widerstand «h-s älteren Cato gegen «Ii«' Graecull gekennzeichnet, in Palästina durch den heroischen Kampf «l«-r Makkabäer «.m-i;«-n «Ii«' syrischen Hellenisten. Hier wie dort waren nichl die Höchstwerte des Griechentums, nicht die Lehren <dii«-s Plato und Aristoteles wirksam, sondern die Schattenseiten der hellenischen Lebensform. Hier wie dort (ersetzten Luxus und Nacktkultur, sich überlegen gebärender Spott und sophistischer Rationalismus di<- volkstümlichen, historisch gewachsenen religiösen und sittlichen Grundlagen, «las römische wie «las jüdische Volksgesetz, zugunsten eines aus dem Gebiete <!«■* Individuums geborenen „un geschriebenen Gesetzes" von allgemeinmensehlicher Färbung. Hätte diese Einwirkung sich restlos durchgesetzt, so wäre «las römische wie das jüdisch«- Volkstum not ihren aus dem Nationalen ins AIIroenschliche vorstoßenden Idealen ragrundegegangen. Die drille Phase findet Ihren Ausdruck in der .•iiilichen Erneuerungsbewegung «ler römischen Stoiker, wie in dein philosophischen Ethizismui des .luden Philo, hier aber in den Fort Wirkungen über «Ii«' mittelalterliche Philosophie hinaus bis in unsere Zeit der Mendels söhn und Hermann Cohen reichend. Ihr Signum ist, stall Selbstaufgabe von Römertum und Judentum, hier wie dort Stärkung «ler eigenen sittlichen W«dt durch rationale Unterbauung und durch Befruchtung mit hellenistischer Weltweisheit. In Rom ist das Produkt dieses Prozesses die Sublimierung der altrömischen Mannhaftigkeit (virtus) zur humanitas, die als llumanitätsideaal im l& Jahrhunderl wiedei ersteht; im Judentum die Stützung des religiösen Gefühls durch «Ii« festgegründete Glaubensüberzeugung (Emunah) und die Steigeruni der Verpflichtung des allen Bundes (Brilh) empor zu philosophisch fundierter Menschheitssendung. Die neue jüdische Wissenschaft steht liewul.lt im Dienste diesei noch fortwirkenden Durchdringung von jüdischem Grundwerl mit griechischen Denk- und Forschungsmethoden. Die Akademie für «Ii' Wissenschaft des .ludentums ist in solchem Sinne ein werlvolles In strument kulturellen Aufstiegs, in dem unser Jüdisches immer jüdi scher wird, zugleich sich im Allmenschlichen vollendend. Die glänzend durchdachte, plastisch aufgebaute (icdankcnrcih< Prof. Heinemanns fand das gespannteste Interesse und begeisterte Zu Stimmung der Hörer. I'roklaniieriiiig der jüdischen Friedenssteaer. Ein Aufruf des .Iii dischen Friedensbiindes. Unter dem Motlo: „Das Judentum für den Frieden!" erläßl de Jüdische Friedensbund den folgenden Aufruf: An alle jüdischen MlrflMr und Frauen ergeh! unser Huf um ein. freiwillige jüdische Friedenssteuer von 1. M jährlieh. Es gilt das Ringen gegen den furchtbarsten Schrecken der Mensch heit, gegen den Krieg! Die Bekenner aller anderen Religionen habei sich zusammengeschlossen. Lnl.tt uns nichl surOckstehen. Unser Ziel, der wirkliehe Friede, ist nur dann zu erreichen, wein eine machtvolle Friedensbewegung der Völker «las Friedenswerk de Regierungen unterstütz!. Um aber eine solche Völkerbewegung in Fluß zu bringen, ui ihrem Begehren Geltung zu verschalten, bedarf «'s ernster Arbeil der nötigen Geldmittel Und scdir vieler Mitkämpfer. So hah<>n wir zwei Pflichten zu erfüllen: Wir müssen durch organisatorische Erfassung unserer G« meinSchsfl unseren Friedenswillen in lebendige Kraft umsetzen. Wir müssen aber auch nn unserem Teil zur Bildung ein« gemeinsamen Friedeosfonds beitragen. Beides erreichen wir. wenn ein jeder von uns. reich um! an alt und jung, mit einem F'ric<lensheitrag von mindestens 1. M. jäl lieh sieh «lern Jüdischen Fried ensbund anschließt. Wohlhabend« entrichten mehrere Friedeiisbeilrnge. jeder nach seinen Verhältnis)« Kein Jude darf sieh hier seiner Verpflichtung entliehen. Jed muß aber auch selbst durch Werbung für «I i e Frieden sleuer «lie Friedensidee verbreiten! Jüdischer Friedensbund. Das Präsidium: Oscar Wassermann, 1. Vorsitzender; Pr« Dr. A. Einstein; Rabb. Dr. Beeck, Vors. «!. Aligem, Rabbinerverbi des; R.-A. II. Stern. Der Arbeitsausschuß: Dr. A. Nossig, Vorsitzender; Di Hirsch; R.-A. Dr. A. KW; A. A. V. Marcus. Beisitzer: Prof. Dr. Blbogen; Frau Rabb. Dr. Eschelbach« Sau. Rat Dr. A. Goldschmidt; Rabb. Dr. M. Hildesheimer; Dr. h w. Kleemann, Direktor «ler Dresdner Bank. Eh reo an sschu 8 für die freiwillige jüdische Prlede sleuer: Dr. .1. Hirsch, 1. Vors. Der Frauenausschuß! Frau Rabb. Dr. Est helba« her: Fi Prof. A. Einstein. .1 u u g j ü «I i s e h e F r I e «I e i: s g e m einschsfl : Dr. Sehende!; Dorothea Struck. Fürtlie nhlreichen, mit den Bestrebungen des .1. F. Sympal sierenden Körperschaften haben den Aufruf unterzeichnet: Bai Goldschmidl (Großloge ü. <>. B. B), R.-A. II. Stern (Vereinig. 1 Mb. Judentum), If.-A. Dr. A. KhM (Jüdische Volkspartei). Anna Lc Stettin (Schwesternverb. «I. U. O. B. B.-Logen), Kurt BlumenfeM (ZI Veridn. f. Deutschland), Minna Schwarz, Berta Falkenberg, Rai Dr. Karl Rosenthsl, Anna .laretzki. Lina Wagner-Tauber. Martha G l«-wski, Rosa Kaiweit, Frau Dr. Hildesheimer u. v. n.

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