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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-19 · 25 (19.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
25 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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10. Juni 1931 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOTONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Am Donnerstag, den II. Juni, abends, tral die neue Repräsentantenversanimlung der Jüdischen Gemeinde Berlin su Ihrer »weiten Sitzung zusammen, um die Wahl der 11 Mitglieder < 1<< l e m e i n d e vorstandet vorzunehmen. Der Sitzung gingen interne fraktionelle Besprechungen voraus. Insbesondere sog sich die Sitzung der liberalen Fraktion In die Länge, in der sich eine Strömung gegen die Wiederwahl «les jetzigen Gemeindevorsitzenden Direktor Georg Kareski in den Vorstand wegen seiner Haltung in «ler Angelegenheil der Wahlproteste bemerkbar machte. Die Atmosphäre war eine gespannte. Die Galerien waren einige Stunden vor Beginn der Atzung dicht besetzt. Die für s Uhr abends einberufene Sitzung wurde vom Präsidenten. R.-A. Heinrich stein, um 1<> Uhr abends eröffnet. Nachdem der neu erschienene Repräsentant. Amtsgcrichlsrnl Michaelis, durch Kaminergerichtsrat Wölfl eingeführt worden war. gab der Vorsitzende der Liberalen Fraktion, Dr. Kurt Fleischer, die Erklärung all. daß seine Fraktion nach Prüfung der Haltung Herrn Kareskis in der Frage der Wahlproteste ihn nicht für geeignet hält. . in Vorsteherami zu bekleiden und sich darum an seiner Wahl nicht beteiligen werde. Auch lehne die Fraktion die Verantwortung für eine Vorstandstätigkeit Kareskis ab. Im Namen der Fraktion der Jüdischen Volkspartei gab nun Ministerialrat Maus Goslar eine Erklärung ab, die besagt: Die Fraktion «ler Jüdischen Volksparlei nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, dafi die Liberale Fraktion sich nicht in der Lage sieht, für Herrn Kareski zu stimmen. Sie hält grundsätzlich an dem Recht der Fraktion fest, ihre Kandidaten zu präsentieren und zieht aus dieser Auffassung auch die Konsequenz, gegen einen ihr nicht geeignet erscheinenden Kandidaten der Liberalen Fraktion weder Erklärungen noch wedle Zettel abzugeben. Sie liil.il sich in .lieser Haltung auch nicht dadurch beirren, da« ihr (irund-Recht auf Präsentation von vier Herren, wie es dein Proporz entsprochen hätte, nicht anerkannt worden ist. Die Jüdisch.' Volksparlei erblickt in Herrn Kareski einen hervorragenden Fachmann, der sich jahrelang zuerst als Vorstandsmitglied auf dem besonders schwierigen Posten des Finanzdezernates, dann als erster Vorsitzender und gleichzeitig .ds Leiter der Finanzen der Gemeinde in krisenreicher Zeit aufs beste bewährt hat. Herr Kareski tritt heule als Vertrauensmann einer 'J(UMH) Wähler wiederum in den Gemeindevorstand ein. Wir >ind sicher, daß er sich durch seine sachliche Arbeit auch das Verbauen derjenigen erobern wird, die heute in Opposition zu ihm tehen. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei übernimmt deshalb •eine und willig die Verantwortung für die Vorstandstätigkeit dieses Mannes, den sie auf keinen Kall im Vorstand der Gemeinde missen will. Bruno Woyda erhebt sich min zu einer Erklärung, wobei er vom Vorsitzenden der Liberalen Fraktion, Dr. Kurt Kleischer, durch die Bemerkung unterbrochen wird, dafi Herr Woyda im eigenen Namen, nicht aber im Namen der Liberalen Fraktion hier spricht, Herr Woyda teilt seinerseits mit. dafi er. um sich in der Sache Kareski freie Hand zu behalten, aus der Liberelen Fraktion ausgetreten sei. Wohl, fährt er fort, haben die bisher abgegebenen zwei Erklärungen diplomatisches Feingefühl bekundet, aber die Wähler wollen eine klare Sprache hören. Kr für seine Person halle es nicht für tragbar, dal.! Kareski dem Vorstande weiter angehört. Der Redner befaßt sich mit den Gründen, die die Überall' Fraktion veranlaßt haben, mit einer Erklärung gegen Kareski hervorzutreten, und führt aus. dafi ilie Haltung Kareskis in der Frage der Wahlproteste im Widerspruch zu seiner Stellung als Gemeindevorsitzender gestanden habe. Kr habe Schritte unternommen, ohne vorher mit seinen Kollegen im Vorstande in Fühlung getreten zu sein. Nicht Kareskis fachmännische Qualitäten, sondern der Wille der Wähler müsse ausschlaggebend sein. Alfred Berger (Volksp.) teilt mit. da« seine Fraktion nicht die Absicht habe, auf die Ausführungen Woydas zu erwidern. Unter dem Vorsitz des Vizepräsideuten Dr. London wird nun an die Wahlen zum Vorstande geschritten. Ueber die Wahl jedes einzelnen Kandidaten wird durch Zettel abgestimmt, Die Liberalen Direktor Dr. Wilhelm Klee mann und Kammergerichtsrai Leo Wolff werden einstimmig gewählt Direktor Georg Kareakl wird mit den Stimmen derVolksparteilichen Repräsentanten gewählt, die Liberalen geben weiße Zettel ab. Die Wahl der weiteren Mitglieder des Vorstandes erfolgt mit mehr oder weniger Stimmeneinhelligkeit Ks sind dies die Herren Moritz Rosen t ha 1 (liberal, einstimmig), Direktor Heinrich Stahl (liberal. 84 Stimmen), Rechtsanwalt Max Köllen sc her (Volksp.. 20 St.). Karl Fuchs (liberal, •»i St.). Wilhelm (irälz (liberal, 80 St.). Dr. Aron Sand ler (Volksp.. '»> St.). Direktor A I e x a n d e r (liberal. 38 St.). Herr Adolf Sc Ii oy er (kons., 82 St.). Der neue Gemeindevorstand setzt sich BOmil aus 7 Liberalen. :i Volksparteilern und 1 Konservativen zusa Minien. Nachdem noch die Ausschüsse I. II und III gewählt wurden, schließt der Vorsitzende Herr Heinrich Stern die Sitzung mit dem Wunsche, daß die heute vorgenommenen Wahlen den Anfallt' neuen Gedeihens der Gemeinde bezeichnen mögen. Mitteldeutsch«- Raltbiaer-Vertends-Tagaag. In der Wohnung des Kollegen Schüftan in F.rfurt laude am Sonnlag, dem 7. Juni. 15 Uhr. die Vereinigung der Mitteldeutschen Rabliner. Die Aussprache über alle Punkte der Tagesordnung war sehr nregend. Ks wurde beschlossen, künftig häufiger Tagungen zu vernstalten, zumal der vorliegende Verhandlungsstofl stets so reichlich ei, daß man kaum das vorhandene Material eingehend behandeln önnte. Vor allen Dingen soll auch slels. wie es früher üblich war. in wissenschaftlicher Vortrag den ersten Punkt der Tagesordnung ilden. Bei der nächsten Zusammenkunft am '-'X August in Dessau ird Kollege Waller den wissenschaftlichen Vortrag halten Der zweite Punkt beiraf die Laue der Jüdischen <ieleinden in Thüringen. Während die soziale Fürsorge in eeigneter Weise durch den Bezirks verband Söd-Sachsen und Thüingen für jüdische Wohlfahrtspflege im Verein mit dem Jüdischen rauenbund Mitteldeutschlands erledigt wird, geschieht in vielen fleleinden in religiöser Besiehung gar nichts. Seitdem der Rabbiner; Elsenach als Landrabbiner in den Ruhestand getreten Ist enl ehren viele Gemeinden jedes Religionsunterrichts und derJJeelsorge. - wurde beschlossen, beim Allgem. Rabbiner-Verband in Deutschind und beim Thüringischen Landesverband geeignete Schritte tu nternehmen, damit für Abhilfe gesorgt wird. lieber die Statuten des Allgem. Rabbiner Verbandes in Deutachind referierte Kollege Cohn (Leipzig). Sein Referat mit dem Erebnis der Aussprache wurde gleichfalls dem Allgem. Rabbinererband zugeleitet Ohne Beschlußfassung wurde noch eine «rroße Anzahl anderer Fragen erörtert: ganz besonders eingehend wurden die sozialen und religiösen Verhältnisse der deutschen .luden im allgemeinen besprochen. Der Vorsitzende des Allgem, Rabbiner-Verbandes. Kollege Baeck-Berlin (als Vertreter des Vorstandes wohnte Kollege Goldmann «ler Zusammenkunft bei) sandte ein herzliches Begrüfiungstelegramm. Um 1<> Uhr schloß «ler Vorsitzende Kahlbe r g - Halle die Sitzung mit herzlich empfundenen Dankesworten für die gastfreundliche Aufnahme seitens der Frau des Koll«>gen Schüftan. Der Dank sei auch an dies. r Stell.' wiederholt Die jüdische Wissenschaft in der Krisenseit Die .1 a h r e s v e r s a m m I u n g «I e r A k a d e in i e f ii i «I i e Wissenschaft des Judentums im Berliner Logenhause gesialtet«' sieh zu einer imposanten Kundgebung. Der preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, die Gemeinde Berlin, die Gemeinde Rannen, eine große Zahl jüdischer Organisationen, die allgemeine und die jüdische Press," waren durch Delegierte vi rtreten. Pen Vorsitz führte Herr Direktor Oscar Wassermann. Dem Eintritt in die Tagesordnung ging ein Nachruf des Vorsitzenden auf den im Berichtejahr verstorbenen ersten Schriftführer der Akademie, Professor Carl I. e w i n . voran--. Der Lücken, die der Tod auch im Wissenschaft liehet) Vorstände der Akademie und ihren Kommissionen gerissen hatte, gedachte Herr Professor Julius Guttmenn, der Leiter de« Forschungsinstituts. In Professor Hermann- Dessau halle das Forschungsinstitut seinen verdienstvollen Vorsitzenden, in Professor Eduard Baneth seinen talmudischen, in Professor Josef Horowita seinen semitistischen Referenten verloren: außerdem waren Professor Schwarz in Wien, Mitglied der talmudischen Korn-

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