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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-19 · 25 (19.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
25 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEHLATT DER ISRAELITISCHEN REL1GI0NSGEME1N0E ZU LEIPZIG Nummer 28 Ihm nicht hingehen, werden nun m Ihrem Denken und Empfinden, in ihrem Ausblick und ihrem Verständnis zu ihm hingewendet. Wenn auch nur wi llige KU ihm zurückkehren, wenn aber dafür hinter ihnen die große Gesamtheit stellt, durch ihren Heistami, durch ihre Erkenntnis, durch dir Empfinden und Hollen gleichsam mit ihnen gehl, dann wird eine Verbindung mit dem Ursprung, ein Weg aus der großen Stadt zur Natur hinaus Iiip die auch vollbracht, welche in der großen Stadt bleiben. Aus dieser Gemeinsamkeit, welche Arbeit und Hille gibt, kann lür viele ein neues Fühlen und ein neues Denken, eine neue Gesundheil erwachsen. Aus: Der Schild 1981, Nr. 8, Am Sonntag, dem -l. Juni, Andel die Grundsteinlegung der ersten jüdischen Siedlung in Deutschland, Grofi-Gaglow bei (Cottbus, statt. Das (iut wurde vor längerer /eil vom „Iteichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland" erworben. Eine Anzahl jüdischer Siedler i>t bereits in der neuen Siedlung tätig. Vertreter jüdischer Organisationen aller Richtungen werden dem leierlichen Akt der Grundsteinlegung beiwohnen. Das „Gemeindeblatt" der Jüdischen Gemeinde tu Berlin druckt aus diesem Anlafl einen „Schicksalswende des deutschen Judentums" Qberschriebenen Aufsatz von Moritz Rosenthal, Berlin, einem Führer des liberalen Judentums, ab. in welchem ausgeführt wird: Eine neue Epoche des deutschen Judentums bricht an: die Siedlung jüdischer Landwirte und Gärtner auf deutschem Boden, Es ist vielleicht merkwürdig, dafi wir erst jeizt daran gehen, in systematischer Arbeit Und im Rahmen der hierfür gegebenen Reichs- und Staatssiedlungsgesetae Juden auf deutschem Boden seßhaft zu machen, und wie Prof, Dr. Franz Oppenheimer es ausgedrückt hat, „den Juden eil..... gebührenden Anteil au der so notwendigen und vom Reich und den Staaten geförderten inneren Kolonisation in Deutschland zu sichern". Iii« zum Kriege ging es uns deutschen .luden in den Berufen, denen wii hauptsächlich angehörten, gut. Sowohl als Kaufmann. Händler und Gewerbetreibender, als auch in den akademischen und freien Berufen kamen wir zu einer gesicherten Existenz und meist zu einem gewissen Wohlstand. Krieg und Inflation haben die meisten der erworbenen Vermögen zerstört, Vertrustung und Syndikallsiening des Handels, Ueberfüllung aller akademischen Berufe die Grundfesten dieser Existeui vernichtet. Die Juden in Deutschland, einst das Bollwerk eines gesunden Mittelstandes, fallen mehr und mehr der Proletarislerung anheim, die Arbeitslosigkeit unter ihnen nimmt ungeahnte Formen au. Der hohe Lebensstandard, der ein hohes Kulturniveau ermöglichte, das die deutschen Juden zum Träger des geistigen liberalen Judentums in der Well Uberhaupt machte. i»i gesunken. Auswanderung, das Allheilmittel, wenn politische »der wirtschaftliche Not Existenten bedrohte, isi nicht möglich, denn es gibt kein Land, das Einwanderer aufnimmt. Und neben der wirtschaftlichen Zerrüttung des deutschen Judentums steht die unselige politische und soziale Not unserer Zeit. Wir deutschen Juden he linden uns in einer katastrophalen Lage. Wir selbst sind «'s, denen wir jetzt helfen müssen, bevor es zu spät ist, bevor wir zu schwach hierzu geworden sind. Die jüdische Landarbeit G.m.b.H. hat im Juli v. .1. das 820Mor gen große Gut Groß-Gaglow hei (Cottbus erworben. Die Jüdische Qe meinde zu Berlin hat den Ankauf durch Bereitstellung eines Kreditvon 100000 M. ermöglicht. Nach der Uebernahme des landwlrtschall liehen Betriebes wurde sofort eine Zentral gärtnerei geschaffen, der Siedlungsplan ist ausgearbeitet, die Zenlralw assei Versorgung ist im Hau und die ersten acht SledlerateUen sind mit Kulturen bepflantl Seit Februar d .1. arbeilen in Groü-Gaglow unter Leitung eines vor heirateten jüdischen Inspektors und eines verheirateten jüdischen Obergärtners 26 jüdische Landwirte und Gärtner im besten Einvei nehmen mit den christlichen Arbeitern, die beim Kauf des Gutes mil übernommen wurden. Acht Gärtner, die noch in diesem Jahre kui Ansiedlung kommen, arbeiten au dem Aufbau ihrer Existenz, sii sehen ihrer Hände Arbeit wachsen, sie schallen und wirken in dem Bewußtsein, nicht nur einen Beruf zu hallen, sondern auch zu den wenigen Glücklichen zu gehören, die zu eigener Existenz, eigenem Daus und eigener Scholle gelangen werden. Mortis Romenthal schließt: Qrofl-Gaglow ist Heispiel und Aufaug Die Idee, die Judenuol in Deutschland durch Siedlung zu lösen oder doch wenigstens zu lindern, muH zur Aufgabe aller Juden in Deutschland und ganz besonders der Gemeinden werden. Von uns hängt es ab. in welchem Ausmalte und in welchem Tempo dies Ziel erreicht werden kann. Die neue Leitung der Berliner jüdischen Gemeinde tu Sonntag, den 7. Juni. 11,80 Uhr vormittags, trat die neugewählte Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu ihrer ersten Versammlung zusammen. Im Namen des Vorstandes begrüßte das liberale Vorstandsmitglied Kammergerichtsrat Leo Wolf f die Repräsentanten und hielt an sie eine kurze Ansprache über die Bedeutung des Tages, an welchem die Repräsentant der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands und einer der größten in der Welt neu zusammentritt, einer Gemeinde, die seil 200 Jahren besteht und eine ehrwürdige 'Tradition hat. Er dankte allen, die bisher im Dienste der Gemeinde gewirkt haben, und wies darauf hin. dal! schon das äußere Hild des Saales sich geändert hat. indem statt wie bisher für 21, nunmehr für Ii Repräsentanten Platt gemacht werden uiul.ite. Diese Versammlung verkörpert den Willen der gesamten Berliner jüdischen Bevölkerung. Dieser Wille i>t nicht immer der gleiche. Die vorwärts drängende Entwicklung zeitig! bald diese, bald jene Erscheinung. So ist auch der heutige Tag der Beginn eines neuen Abschnittes in der Gemeinde. Er wolle aber davon absehen, ob dieser etwa eine Veränderung der bisherigen Richtung bringen werde, denn er spreche als Vertreter des gesamten Gemeindevorstandes, der als solcher nicht einer bestimmten Richtung zu folgen, sondern das Wohl der ganten Gemeinde zu fördern und zu pflegen habe: wie es der Wille aller ist. ihr Höstes einzusetzen für ilie Gemeinde, jeder in ernster Pflichterfüllung und im Bewußtsein, daß die Arbeit hier von größter Bedeutung ist für das Gedeihen, da- Ansehen, ja den Bestand der Gemeinde. Wenn diese Ansicht vorherrscht, dann werde der Segen Gottes auf der Arbeit ruhen, und unsere geliebte Gemeinde werde unter der neuen Verwaltung neuem Gedeihen entgegengelübrt werden. Ei erfolgte dann die Verpflichtung der einzelnen Repräsentanten durch Handschlag. Mit Ausnahme der Herren Direktor Willi. Kleemann und Amtsgerichtsrai Michaelis, die ihr Fernbleiben entschuldigt, und der Herren Dr. l.-mar Freund und Dr. Oskar ('(diu. die ihre Erklärung, ob sie die auf sie entfallende Wahl annehmen, noch nicht abgegeben hatten, waren alle Gewählten erschienen. Den Vorsitz übernahm nun Direktor (iut mann als Alten Präsident. Er ersuchte um Vorschläge zur Wahl des Präsidiums. Auf Vorschlag von Dr. Kurt Fleischer wurde Herr Heinric Stern (Mb.) durch Akklamation zum ersten Vorsitzenden gewählt. Rechtsanwall Stern nimmt den Platt des Vorsitzenden ein un dankt den Repräsentanten für den Beweis des Vertrauens, den ■ um so höher schätzt, als er ja kein Fremder in dieser Versumnilun und auf dem Platt des ersten Vorsitzenden ist. Die Ropräsoutnute Versammlung, fuhr er fort, ist an Zahl verstärkt worden: ob sich am ihr Einfluß und ihre Bedeutung verstärkt, hängt von ihr selbst ul Er als Vorsitzender werde alles tun. um die Würde der Venammluil zu wahren. Wir gehen einer schmerzlichen Periode entgegen, w müssen so handeln, als ob wir nicht nur Gewühlte, Mindern au Berufene Sind. Solange w ir zurückdenken, gab es - - ausgeiiouinn vielleicht die Jahre 1922 bis 1924 — keine verantwortungsvolle« Periode in der Gemeinde als die jetzige. Ich rufe Sie zu Pflictl erlidluii'j ohne Ansehung der Partei auf. als Bürger unseres Vah landet, unserer Stadl und unserer Gemeinde. Was wir für die (i meinde tun. tun wir für die Allgemeinheit. Wir sind nicht nur eii Gemeindemaschine, sondern unsere Autgabe ist. das jüdische 0 meindeleben zu befruchten. Wir werden oft für und gegeneinand sein, alier niemals dürfen wir vergessen, daß wir nicht nur eine d größten, sondern als Einheitsgemeinde sogar die größte in der W. sind. Wir müssen Einheitsarbeil leisten. Ich bitte, mich in die» Aufgabi' zu unterstülten. Mime der Geist des Ewigen auf unsei Arbeit ruhen. Auf Vorschlag von Prof. Heinrich Loewe wurde Rechtsanwi Dr. Alfred Klee (Jüdische Volkspartei) durch Akklamation EU ersten itellvertretend e n V o rs i I ze n d e n gewählt. Zu zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wird, ebenfalls durch /. ruf. Dr. S. London (Mb.) gewählt. Auch die Wahl von Direkl s. Qutmann (Hb.) zum ersten Schriftführer und des Landgericht rata Rau (Volksp.) zum zweiten Schriftführer geschieht durc Zuruf. —

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