Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 23 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 2 GEMEINDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer '2'. rinnen vom Hang einer Auguste Hauschner, einer Hedwig Laud a u e i'. einer Paula Dehmel, einer Franziska Mann, singende Geniel des blutet wie Else Laake r-Schüler, den „Schwarzen Schwan Israels", tüchtige und hochgebildete Publizistinnen wie Emma \ ely und Ulla Wulff-Frank, die zeitweilig auch weit über das rageaschrifttum hinaus in die aeböne Literatur hineinwuchsen, klassische Ueberset/eriunen wie Alane Frunzos, desgleichen die noch beute unter uns sehr rührigen .Mittlerinnen fremden Geiltet Julie E I i a s oder Hertha Zuckerkand 1. Auf einer weit höheren Ebene wirkend, durften wir die aus Oesterreich gebürtige Antonina Vallentln begrüben, die dank ihrer polyglotten Begabung nicht nur Krank Harris und Lord d'Abernon in ein vorbildliches Deutsch zu übertragen wußte, sondern auch als Freundin und Beraterin last aller ausländischen Missionschefs in Berlin, sowie insbesondere des verstorbenen Außenministers Stresemann, über den sie vielleicht das beste, weil aufschlußreichste, Buch geschrieben hat, einen diplomatischen Salon von Niveau in dem nachkriegerischen Berlin unterhielt und ihre zarte Hand in fast allen diplomatischen Händeln der Nachrevolutionszeit hatte. Um auch Politikerinnen und Soziologinnen anzuführen, begnügen wir uns mit dem 11inweis am Adele Schreiber-Krieger, Dr. Alice sa 1 omon (jüdischen Geblütes, wenn auch nicht jüdischer Konfession) und in Frankreich Madame Schreiber-Crcmieux, die der radikalsozialistischen l'artei angehört und für Frieden und Völkerverständigung kämpft. Dal.t es auch in Frankreich jüdische Dichterinnen gibt, deren Erfolge sich weit über die Landesgrenzen hinaus auswirkten, beweist das Heispiel von Sarah Levy, die mit ihrem tiefschürfenden, rassenpsychologischen Roman „Oh mon Goy" Welten bezwang. Man kann ebensowenig die Namen wie die Wirkungskreise aller in Vergangenheil und Gegenwart tätig gewesenen oder tätigen Jüdinnen an dieser Stelle aufzählen, ohne der einen oder anderen zu nahe zu treten. Als Kuriosum möge darum höchstens noch Erwähnung finden, dat.! heutzutage selbst eine Frau, die britische Lady Lilli Montague, sich nicht nur als geistige, sondern als geistliche Vermittlerin betätigt, indem sie als jüdische Priesterin von der Kanzel herab predigt. Alle diese Frauen, oh sie nun gedacht oder gedichtet haben, ob sie sich i in Worte oder z u m Worte bekannten, sind echte, rechte Revolutionärinnen gewesen, die von der breiten Masse bisweilen mit Mißtrauen und jener gewissen hämischen Furchtsamkeit angesehen wurden, womit der Durchschnittsbürger den Anomalien der Natur gegenübersteht. Diese lauernde Feindseligkeit hat natürlich nur to lange Geltung und Gültigkeit, wie die Umstürzlern! vereinzelt auf tritt. Jede Bewegung wird zwangsläulig von der Zahl beherrscht und jede Revolution gelangt mithin zur Regierung, sobald sie nume rische Stärke gewinnt. Und so sehen wir auch die Phalanx der dich tenden und denkenden Frauen — Amazonen des Geistes, die di Wurfspeere des Gedankens in die gegnerischen Reihen schleudern den Sieg erstürmen. Wie wir schon erwähnten, stand bereits in de Aera der Romantik — einer Zeit, da in Deutschland die Mehrheil de Geschlechtes aus dein Winterschlaf der Jahrtausende noch nicht ei wacht war und noch keine Morgenröte des groben Befreiungskampf! dämmerte — die dichtende und denkende Frau schon rüstig dei Manne zur Seite. Und auch unter ihnen Töchter des Mause Israel. Dorothea Veit-Schlegel wirkte und schuf mit de Brüdern um die Wette; Rahe! Lew in, die dialektisch geschult Intellektuelle, beschenkte in persönlichem Verkehr die Besten Ihn Zeit mit den Früchten eines universalen Geistes und ehrte sich selb indem sie zum bewegten Medium zwischen Goethe und der deutsch. Nation wurde. Und freier, immer freier wurde die Bahn. Während die Licht eines jungen Tages über der Welt der Frau aufzuckten, reiften eben dieser Frau die bisher unbenutzten, unverbrauchten Kräfte di Gedankens. Man erzählt, daß die Goldadern unerschlossener Bcil singen und klingen. Die Frau — zu Beginn ihrer geistigen Erb bung — glich einem solch unerschlossenen Bergwerk, worin das;_ fesselte Edelmetall die unverstandene Sprache der Sehnsucht rede1 Das Gold ist befreit worden. Und täglich werden neue Schäl zutage gefördert. Eine von vielen, steht heute die denkende oder dichtende Fn unter ihren schaffenden und ringenden Geschlechtsgenossinnen. D Literatur zählt weibliche Namen von Weltruf, darunter nicht wi Ii i g e , die dem j ü d i s c h e n SI a m in e angehören. I > Wissenschaft ebenso wie die Literatur hat Frauen als Nobelpreisli gerinnen geehrt. Und wenn auch auf manchen anderen Gebieten, n zwar die Frau unterdessen als Staatsbürgerin dem Manne gleich! rechtigt zur Seite steht, der Berufskampf der Frau noch Immer i neue Gerechtsame streiten mag; in dem Reich des Gedankens n der Dichtung ist der freie Wettbewerb mit dem Mann eine vollzöge und längst anerkannte Tatsache. Gemeindesitzung vom i. Juni 1931 (Nach der amtlichen Niederschrift.) Der Vorsitzende. Herr G o 1 d sc h in i d t, eröffnet die Sitzung um IN Uhr 'M> Min. und begrübt den neu eingetretenen Gemeindeverordnelen Herrn Willy Lowy. 1. Herr B r e s 1 a u e r berichtet über ein der Gemeinde vorliegende-. Darlehnsangebot, durch welches die kurzfristigen sehwebenden Verbindlichkeiten der Gemeinde in eine langfristige Anleihe umgewandelt werden können. Bedingung ist die Uebernahme von KommunalobUgationen der geldgebenden Hy|H>thekcnbauk. die von den Stiftungen der Gemeinde erworben werden können. Auf Grund der dei Bank vorgelegten Vermögensübel sieht ist der Gemeinde der Kredit ungedeckt gewährt und dient ausschließlich der Umschuldung. nicht etwa zur Bestreitung von laufenden Ausgaben. Das Angebot i>t durch zwei vom Finanzausschuß gewählte unparteiische Sachverständige begutachtet worden, die sieh eingehend geäubert haben und dasselbe als ungewöhnlich günstig der Gemciudesitzung unbedingt zur Annahme empfehlen; die Uebernahme der Obligationen durch die Stiftungen sei. abgesehen von der Güte der geldgebenden Bank, auch noch deshalb vollkommen unbedenklich, weil die Gemeinde zugleich Schuldner und Gläubiger ist und deshalb auf Grund dei Anleihebedingungen ohne weiteres aufrechnen kann. Die Gutachten der Sachverständigen werden verlesen. Herr Pelz wünscht, daß dat Gutachten, das von einem Sachverständigen bereits unterschrieben, auch von dem anderen Unterschrieben wird; dies wird nigesagt. Die Anleihe beträgt J._>4i (MM» GM. Die Tilgung erfolgt im Laufe von 82 Jahren dergestalt, dab die Darlchiisgeberiu die von den Stiftungen übernommenen Obligationen in Höhe der jährlichen Tilgung- I» träge zu pari in Zahlung nimmt. Die Sitzung wird auf kurze Zeit für nichtöffentlich erklärt, um den Namen der Bank neuneu zu können, was nicht öftentlieh geschehen soll, solange der Vertrag nicht beiderseits endgültig vollzogen ist. In der nichtöffentlichen Sitzung wird die Schulduikun verlesen. Nachdem die Oeflenllichkeil w ieder hergestellt ist, w ird folgen Beschlub einstimmig gelabt: ,,l)ie Gemeindevertretung der Israelitischen Religionsgemeii l^eijaig beschliebt hierdurch die Aufnahme einer Anleihe in Hi von 250 000 GM zum Zwecke der Umschuldung kurzfristiger Kren bei der Mitteldeutschen Bodenkreditansialt Greiz-Berlin zu den dingungeii der heute vorgelegten Schuldurkunde und des .Schreib' - der Mitteldeutschen Bodenkreditanstalt au die Israelitische Religio gemeinde vom 28. Mai d. J." Dieses Schreiben wird in öffcnlli. Sitzung verlesen. '2. Die Steuerordnung für 1961/BS wird im gleichen Wortlaut der lies Vorjahres mit entsprechender AenderUng der Daten . stimmig genehmigt. :t. Es wird in die Beratung des HaiLshaltplanes eingetreten. II Stein beanlragl eine Generaldebatte. Herr Ury bittet, hien i abzusehen, da bei jedem Punkt des Haushalt planet die Möglichl. zur Aussprache gegeben ist. Herr Joske schließt sich Herrn I an, da im Fiiiauzausschub Gelegenheit zu eingehender Auasprai war. Herr II od es sehließt sich Herrn Stein an. Herr Pelz erkll dab die liberale Fraktion zu einer allgemeinen Aussprache keil Anlab sieht, aber dagegen keine Einwendungen erhebt. Herr Gol lieb bittet Herrn Stein, seinen Antrag fallen zu lassen. Der Vorsitzende erleilt Herrn Stein das Wort zur allgemeii Aussprache. .Dieser erklärt, dab er lediglieh im Interesse des Fl dem seinen Antrag gestellt habe. Diese Sitzung sei eine der wi< tigsteu im ganzen Jahre, dabei sei es Brauch gewesen, eine aligemei Aussprache stattfinden zu lassen. Wenn die Uberale Frakion si' nicht beteiligen wolle, so habe die Aussprache keinen Zweck, zun1 er selbst kaum etwas in derselben zu sagen habe. Der Vorsitzen