Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 22 (29.5.1931)
- Date
- 1931-05-29
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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l'<). Mai 1931 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Große Wahlversammlung Donnerstag, den 4. Juni 1931, abends 81. Uhr spricht Rechtsanwalt Dr. Alffred Klee, Berlin im Krystall-Palast — Blauer Saal — über das Thema: Allgemeine Zionisten / Leipzig. Eintritt frei. Der ZlOflISteil - KOligTCß .Iii" doppelte Zahl von Kindern mußte schon in den Vorjahren zurückgewiesen werden, llio Kinder Ii ei Iit also Beschränkung auf die A11 e rb ed 0 r I't 1 g S t e n. Und wie soll nun diesen Kindern geholten werden? Durch die allerbescheidenste Erholungsmöglichkeit, durch örtliche ErholungslUrsorge. Wie in den Vorjahren, so sollen auch in diesem Jahre die Kinder durch Sonderwagen der Straßenbahn in den Lunapark befördert werden. Sie spielen lort unter Aufsicht der Kindergärtnerinnen auf den Spielwiesen und erhalten Milch und ()l>st zum PrtthstQcksbrot. Sonnengebräunte Kinder, die an froh verlebte Ferien zurückdenken, sind der Erfolg der bescheidenen Einrichtung. Die Bitte des Jüdischen Frauenbundes, ihm bei dieser Arbeit, die so viel Dank in sich schließt, durch Spenden su helfen, ist noch nie ungehürt verhallt. Und so sind wir der Uebereeugung, daß auch in diesem Jahre unser Wille, mit wenigen Mitteln vieles zu erreichen. Verständnis linden wird. Gefl. Spenden sind auf das Postscheckkonto des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig, mit dem Vermerk „Halbtagsferienkolonie" zu überweisen. (Postscheckkonto 536 88, Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig). Persönliche Reiseeimlrürke ans Palistina. Am Dienstag, dem Ii). Mai. gab Herr Gemeinderabbiner Dr. K. Carlebach vor einem von den drei Frauenvereinen, der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, der Ortsgruppe des Verbandes jüdischer Frauen für l'alästinaarbeit und des Schwosternbundes der Leipzig-Loge, geladenen Publikum im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses seine „Heiseeindrücke in Palästina" wieder. Wohl jeder, der Palästina noch nicht kenn! und es als Krez- •lisroel ansieht, hält sich für berechtigt und verpflichtet, sich eine nur aus Superlativen bestehende Vorstellung davon zu inachen. Er versetzt es in das Reich des Idealen. Dein Hedner des Abends ist ■ •s nicht nur gelungen, sich dieses Ideal wirklichkeitsunversehrt zu 'Thailen, sondern er hat, nun „aus unpersönlichen persönliche Beziehungen geworden sind", gesteigertes Interesse, verstärkte Liebe mitgebracht. Er hob hervor, daß die Empfindung der Größe und Besonderheit des Augenblicks beim Betreten des heiligen Hodens, beim An- Mirk der Mauern Jerusalems, des Tempelberges, der Klagemauer iiir bei dem mit aller Wucht hervorgerufen werden, der sich dabei der Beziehungen bewußt ist. die jüdische Lehn' und jüdischen Geisl nit all diesen Stätten verknüpfen: denn auf den nur kritischen Bechauer mußten die nicht eben respekteinflößende steinerne Stadtimfassung, die ohne gedankliches Zutun aller Schönheit bare Westiiauer oder gar die Allstadt Jerusalem mit ihrem Labyrinth winkiger, ungepflasterter Gassen und Gißehen, ihrem lärmenden Völergewirr einen zumindest enttäuschenden Eindruck machen. Desto jüdischer sei das Bild, das Tcl-Awiv biete. einzigartig ■i diese moderne Großstadt schon dadurch, daß ihr Kirchen und loscheen, überhaupt irgendwelche Stätten Irgendwelchen fremden ultes fehlen, aber Synagogen, das „Habbanatb Ilaraschith", das mit iner Menorah geschmückte Rathaus und Institutionen jüdischer achstenliebe in großer Zahl das Stadtbild beherrschen. Der Reder schildert den die ganze Atmosphäre erfüllenden jüdischen Geist, ie er sich am deutlichsten am Freitag kurz vor Sabbatanfang zeigt. Von der landschaftlichen Schönheit bekam man bei seiner hilderung des Weges nach Tiberias einen Begriff. Die bemerkenswerteste Eigenschaft der jüdischen Einwohner dieser am Genesareth-See. angesichts des Schneebedeckten HerillOn liegenden Stadt sei die schon im Talmud als besonders rühmenswerte Eigenschaft Tiberias bezeichnete Frömmigkeit, von deren Betätigung auch auf offener Straße - es war wenige Wochen vor Pessaeh Notiz zu nehmen, der Redner reichlich Gelegenheil hatte. Saffed, der Sitz der Chassidim, der Frömmsten der Frommen, das nahegelegene Meron, mit dem (iral>e Habhi Simon bar Jauchois, zu dein au dessen Jahrzeitstage 'lausende von Pilgern wallfahrten, und schließlich Haifa, die reiche, blühende Stadt, die Summe aller bisher geschauten Schönheit in sich vereinigend, ziehen au unserem geistigen Auge vorüber. Dr. Carlebach flocht in die Schilderung der in den alten und neuen Kolonien empfangenen Eindrücke ein kurzes Wort über die tiefgehenden, auch dort nicht, wie man annehmen möchte, ausgeglichenen Verschiedenheiten in der religiösen Auffassung mit ein. Vom verinnerlichsten Chassid bis herab zum freigeistigsten Religionsverächter seien alle Richtungen vertreten. Ueberall aber verspüre man auch den Drang nach Versöhnlichkeit, des Ueherhriiekcnwollens: dem dienten Einrichtungen, wie sie ■/.. H. Bialick in seinen „Oneg" Schabbath-Veranstalllingen eingeführt, zu denen Hunderte den verschiedensten Richtungen Angehörige allwöchentlich strömten, oder der ..Miscluueres Schabbos". der. sich allein auf die Friedensliebe der Jüdischen Bevölkerung stützend, eine Arbeil adäquat der des europäischen „Schomre Srhabbos"-Verbandes leistet. Ernster aber sei die Frage der Verständigung zwischen alt und jung: beide müßten sie Konzessionen machen, vor allem aber müßten die im Thoralenien und -leben Ergrauten zugeben, „daß die Harmonie zwischen der Schönheit des Japhet und den /(dien des Sem" bestehen kann, daß akademische Bildung nicht von vornherein Jüdischkeit ausschließe. Das zahlreich erschienene Publikum folgte mit großem Interesse den Ausführungen des Hedners, im Bewußtsein, genuß- und lehrreiche Stunden verbracht zu haben. Moaiiss-Cliitini-Ausschult. Der Moauss-Chitiin-Ausschuß hat seine Abrechnung für die Peßach-Verteilung 1tr.ll abgeschlossen. Insgesamt sind 10162 M. zur Ausgabe gelangt. Die Sammlungen haben den Betrag von!)stj M. ergeben, so daß ein Fehlbetrag von 'JiHl M. geblieben ist. der vorerst von dem Ausschuß verlegt wurde. Der Ausschuß legt besonders Wert darauf, daß an dieser Stelle sein herzlicher Dank für die reue Bemühung des Qemeindevorstandes beim Zustandekommen der Sammlung Ausdruck findet. Dieser Dank gebührt aber gewiß in gleicher Wi'ise den Mitgliedern des Ausschusses, deren Selbstloser Arbeit es gelungen ist. eleu stattlichen Betrag zusammenzubringen, der verteilt werden konnte. Orthodoxer Kindergarten: n-s ist es hier gelungen, einen orthodoxen hebräischen Kindergarien unter Leitung einer hervorragenden, orthodoxen Kindergärtnerin zu gründen. Verschiedene Eltern haben ihre Kinder bereits angemeldet und werden weitere Anmeldungen von Kindern im Aller von i (i Jahren Sonntags von 9 1- Uhr vormittags im Vereinslokal der Agudas Jisroel, Färbersr. 61, entgegengenommen. Es wird Eltern, die Kinder in den orthodoxen Kindergarten zu schicken beabsichtigen, nahegelegt, die Anmeldung schon diesen Sonntag, den 81. Mai voll!1 12 Uhr zu bewirken. zur Erleichterung für unsere Inserenten zu Originalpreisen und pünktlicher Erledigung Anzeigenannahme M.Wn Kaufmann, Brühl 8 für die fällige Nummer bis Dienstag früh 10 Uhr jeder Woche bei