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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-05-29 · 22 (29.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
22 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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9, Mai 1031 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZI! LEIPZIG Seite 3 Aus aller Welt ichard Huldschiner gestorben. In Innsbruck verstarb im Alter von (11 Jahren clor bekannte Arzt id Dichter Hr. Richard Huldschiner. In Qlelwlti geboren iil in Boxen herangewachsen, verlebte er seine Studienjahre in Driburg, Herlin und München. 1908 liefl er sich in Hamburg als rat nieder, 1912 und 1918 reiste er als Schiffsarst nach Kuba,Mexiko, ird- und Ostafrika sowie nach Ostasien. 1918 kehrte er nach Bozen , .irück. Im Kriege diente er in der deutschen und der österreichischen rmee. 1915 wurde er als Chef des Slandsrhiilzon-Bntaillons Bozen . i die italienische Front geschickt, wo er an den harten Hochgebirgsümpten teilnahm. Nach dem Kriege liefi er sich in Innsbruck nieder, wo er als Korrespondent die Ullstein-Blätter verlrat. — Von seinen I kannteren Werken sind zu nennen der Roman „Die stille Stadt", der Tiroler Novellenband „Arme Schlucker", die Ersählungen „Fegeii«>r". „Starkenberg" und „Das adlige Schützenfest", schließlich sein \slerienbuch „Der Tod der Gölter", historische Visionen des Völkeruntergangs, des Kulturverfalls, Sein letztes Werk war der Roman . teatus", der in einem autobiographischen Rahmen drei Gestalten zusammenfaßt, verbunden durch den Gedanken der Seelenwanderung und der ewigen Wiederkehr. Richard lluldschiner war treuer .lüde und in der zionistischen Organisation aktiv Iniig. An der Vorbereitung dos zionistischen Weltkongresses in Hamburg nahm er hervorragenden Anteil. Jüdische Verbände und Gemeinden Preußischer Landesverband Jüdischer Gemeinden. A m 11 i c h. Am 14. Mai 1981 trat in Berlin der Rat des Preußischen Landesverbandes .Indischer Gemeinden, der aus Vertretern der Großgemeinden und der Wahlkreise sowie aus den durch den neuen Verbandstag hinzugewählten Mitgliedern besteht, zu seiner konstituii renden Sitzung zusammen. Sie wurde durch den Alterspräsidenten, Geh, Med.-Ral Prof. Dr. Falkenheim, Königsberg, eröffnet. Zum Präsidenten wurde einstimmig Kammergerichtsrat Leo Wolff wiedergewählt. Kr übernahm sofort die Leitung der Versammlung und richtete herzliche Worte der Begrüßung an die Mitglieder des Rates. Im>sonders an diejenigen, die dem früheren Rat nicht angehört haben. Zum stellvertretenden Präsidenten wurde Rechtsanwall Dr. K 1 e e wieder- und Landgerichlsral Dr. Lilienthal neugewählt, zum Schriftführer Geh. Justisral Goldfeld, Breslau, zum Schatzmeister Direktor Kareski. zum stellvertretenden Schatzmeister Dipl.-lug. Bruno Woyda, zu Beisitzern Rabbiner Dr. Galliner, Justlirat Dr. Blau. Frankfurt a. M.. und Salman Schocken. Zu Mitgliedern des Wohlfahrtauaachussea wurden Landgerichlsral Dr. Lilienthal (Vorsitzender) und Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, zu Stellvertretern Krau H' rttaa Kaikenberg und Dr. Friedrieh Ollendorff, zu Mitgliedern des Ii' i htsausschusses Geh. Justiiml Goldfeld. Breslau (Vorsitzender) und Ministerialrat Abramowitsch. zu stellvertretenden Mitgliedern Li ndgerichtsral Dr. Lilienthal und Kammergerichtsrai Dr. Gerechter •: wählt. Alsdann wurde festgestellt, dafl als Nachfolger des Abgeordneten K iifmann. Mülheim (Ruhr), der sein Mandat niedergelegt hat. Oberin lerungsral Dr. Marcus. Düsseldorf, als Abgeordneier in den Vor- I' Mislag eintritt. Den von dem Verbandstag am 28. März 1931 gefällten Kntschlief> ngen. in denen zum K a tu p f gegen die Barbar e i der .1 u - (I n hetze aufgerufen, von den Behörden wirksame Maßnahmen (l ii Schutze der jüdischen Bevölkerung verlangt und den zur Boll lipfung des Antisemitismus berufenen Organisationen gedankt wird, w nie zugestimmt, desgleichen den vom Verbandstag zum Haushi tsplan gefaßten Beschlüssen. Hierbei wurde aufs neue darüber K ige geführt, daß ein Teil der Mitgliedsgemeinden Ihrer Verpfflichh R zur Zahlung der Umlage nicht vollständig oder gar nicht nachl'1 ommen ist. und beschlossen, mit Rücksicht auf die schwierige Li des Landesverbandes mit allen Mitteln für Einsiehung der rück- -i idigen Verbandsbeiträge zu sorgen. Dem Bat la<_' eine große Reihe weiterer Beschlüsse des Verbandst:i s vor. denen er im allgemeinen beitrat. Ks handelt sich insbesii dere um das Verfahren bei den Einbürgerungen, um die Regelung 'I' Rechts der Staatenlosen, um die Unterstützung des Weltverbandes Sei omro Sehabbns. um die Bekämpfung der Bestrebungen zur Ab- Inderung des Kalenders, soweit die Einführung eines sogenannten Bli nkotages geplant wird, um die materielle Unterstützung sowie die ■eelisehf und geistige Kürsorge für die jüdischen Krwerbslosen. Zur Vorbereitung der von allen Seilen angeregten Aenderung der Verfassung des Landesverbandes, durch die eine wesentliche Vereinfachung und Verbilligung der Organisation herbeigeführt wird, wurde ein Ausschuß eingesetzt. Einen breiten Raum nahm in den Verhandlungen die Beratung über die zur B e h e b u n g o d e r w enigStensMil d e r u D g d e s b e s o n d e r s u n I e r d e u .1 u d e n Ii e r r s c Ii e n d e n w | r t ■ schaflichen Kotstandes ein. Hier kommt insbesondere der Ausbau und die Sicherung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens und zur Erhaltung des gefährdeten gewerblichen, handwerklichen und kaufmännischen Mittelstandes die Begründung von Darlehnskassen in Örtlich abgegrenzten Bezirken, möglichst unter Mitwirkung staatlicher Stellen, und die Bereitstellung von Kapitalien zur Verbilligung der für die ausgegebenen Darlehen zu zahlenden Zinsen in Betracht. Ein sofort eingesetzter Sonderausschuß soll unter Zuziehung von Sachverständigen die zu ergreifenden Maßnahmen prüfen und in die Wege leiten. Wie last in allen bisherigen Sitzungen des Rates waren die V e rhältnisse der zur A u s b i I d u n g j ü d i SC h e r L e h r e r b e - stellenden Anstalten Gegenstand einer gründlichen Ausspruche, die das gesamte Unlerrichlswesen umfaßte. Ferner wurde das Verhältnis des Landesverbandes zu den drei theologischen Bildungsanstalten besprochen. Ks wurde beschlossen, in die Kuratorien der Anstalten je zwei Vertreter des Landesverbandes abzuordnen und die Bestrebungen zur Sicherung der Pensions- und llinterbliebenenversorguug der Dozenten tatkräftig zu unterstützen. Die Sitzung, welche vormittags um!•.:!() Uhr begonnen halle, wurde nach Erledigung aller sonstigen auf der umfangreichen Tagesordnung stehenden Angelegenheiten um 7.1"> Uhr abends geschlossen. Die jüdische Fürsorgeerziehung in Deutschland. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und das Kuratorium der ..Aktion der deutschen .luden für Erziehung und Arbeit" hatten zur Einweihung des neuen Lehrlingsheims in der Holzmarkt- Btraße 74 geladen. Der Einladung waren zahlreiche Mitglieder der Ministeriell und der städtischen Behörden, sowie zahlreiche Persönlichkeilen der jüdischen Gesellschaft Berlins gefolgt. Im Namen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und im Namen des Kuratoriums der „Aktion der deutschen .luden für Erziehung und Arbeit" begrüßte Legationsrai Professor Dr. M. Soli e r n h e i m die Erschienenen und dankte insbesondere den staatlichen und städtischen Behörden für ihre Teilnahme. Er sprach alsdann dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Dank ilafür aus. daß er in großzügigster Weise die Anstalten des D. I. G. II. förderte, ging auf die Tätigkeit der „Aktion der deutschen .luden für Erziehung und Arbeil" ein. die durch ihre unermüdliche Wirksamkeil die notwendigen Beträge aufgebracht habe, um diese Institution zu ermöglichen, und gab dann einen kurzen Abriß der Entwicklung der Jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland. Er betonte die außerordentlichen Fortschritte, die in der Frage der jüdischen Fürsorgeerziehung durch die Errichtung des neuen Heimes in Wolzig erreicht worden sind. Der Leiter dieser Anstalt. Dr. Dans Lubinski, verwirkliche in Wolzig in ausgezeichneter Arbeit und in vorbildlicher Weise die neuen modernen Grundsätze der Fürsorgeerziehung. Der unermüdlichen Initiative Dr. Lubinskis sei es zu danken, daß nunmehr auch dieses neue Heim in Berlin eröffnet wurde, das gewissermaßen die Krönung lies Wol/.iger Werkes darstelle. Zum Schluß dankte Prof. Sobernheim noch dem Geschäftsführer der „Aktion der deutschen .luden für Ersiehung und Arbeit". Herrn Alfred Berger, der gemeinsam mit Herrn Dr. Ullendorf!, dem Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen .luden, den Anstoß zur Reform des jüdischen Kürsorgeerziehunnswesens gegeben habe und dem auch an der Fortentwicklung dieses Werkes und der Neuerrichtung des Heimes ein bedeutsamer Anteil zufalle. Im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin begrüßte alsdann Herr Dr. Ellenbogen die Erschienenen und sprach die besten Wünsche für ein Gelingen dieses bedeutsamen Werkes aus. Hier werde der Versuch gemacht, die Fürsorgeersiehung in neue Bahnen zu lenken. Dieses Heim soll denjenigen Zöglingen, die aus dem Wolziger Heim entlassen weiden können, dazu dienen, sich im freien Wirtschaftskampf zurechtzufinden und nicht mehr zu straucheln. Alsdann ergriff der Leiter der jüdischen Fürsorgeerziehung, Dr. II a n s Lubinski. das Wort zu einem Festvortrag. In längerer eindrucksvoller Rede schilderb' er ilie besondere Problematik und die Schwierigkeiten der jüdischen Fürsorgeerziehung. Er betonte aber

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