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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-05-22 · 21 (22.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 (iEMEINDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 21 zusehenden Angriff auf untere Religion, untere politische Gleichberechtigung sowie eine ernste finanzielle Bedrohung unserer (iemeinde Im ganzen und deren wirtschaftlich schwächsten Mitglieder im einzelnen. Der vernünftige Sinn der anderen Fraktionen und die Aufklärungsarbeit lies Stadtverordneten Dr. Goldberg, Vorsteher der judischen Gemeinde in Clauen. UeSen es aber nicht erst zur Besprechung des Antraget kommen. Dein Antrage der Fraktion der bürgerlichen ..Wirtschaftlichen Vereinigung" auf Uebergang zur Tagesordnung — ein solcher Antrag schließ! nach den städtischen Statuten eine Aussprache aus — stimmten die Fraktionen der Mitte und der Sozialdemokraten zu. sodafi er mit übergroßer Mehrheit angenommen wurde. Die Begründung des Antrages auf Uebergang zur Tagesordnung ging dahin, daß schon deshalb eine Besprechung und Beschlußfassung der eingebrachten nationalsozialistischen Anträge unzulässig ist. weil in Sachsen nach Reichs- und Landesrecht Schächten erlaubt sei. daher ein örtliches Srhächtverbot unzulässig sei. Zum Antrag h) ist noch zu bemerken, dafi darüber, welches Fleisch der städtischen Freibank zuzuführen ist. einzig und allein der amtlich bestellte Tierarzt zu entscheiden hat. Das jüdischerseits nicht abgenommene Fleisch wird von christlichen Fleischern sehr gern gekauft, da es meist sehr hochwertig ist. Dem Vorstand der jüdischen Gemeinde Plauen ist von hiesigen Fleischern versichert worden, daß die Anträge der Nationalsozialisten dort keinesfalls auf Sympathie ge- Btofien seien, da ihnen bekannt sei. dafi das bayrische Schächtverbot auch viele nichtjüdische Viehhändler und Fleischer geschädigt habe. Der Antrag der Nationalsozialisten würde daher auch von ihnen nur als ein rein agitatorischer antisemitischer Vorstoß angesehen. Die Enttäuschung der Nationalsozialisten über das klägliche Ergebnis ihrer Anträge machte sich in Wutausbrüchen Luft, die im allgemeinen Gelächter der übrigen Stadtverordnelen untergingen. Unsere Gemeinde Erster Gettesdientt im ßet*aal des Artawittch-Altertheitot. In sinniger Weise wurde die F.röffnung des Ariowitsch-Altersheims am Sonntag, dem l". Mai (Neumondstag des Monats Siwan) durch das Morgengebel in dem im Altersheini eingerichteten Betsaal eingeleitet Auf Einladung der Stifterin hatten sich eine stattliche Zahl von Betern, unter ihnen außer den (iemeinderahhinern, Rabbiner Feld mann u. a. angesehene Persönlichkeiten der Gemeinde eingefunden, um in dem schlichten, aber doch mit inniger Stimmung auagestatteten Beisaal eine Art Weihe des Hauses an dem Tage vorzunehmen, an dem die ersten Insassen des von Frau Louise Ariowitsch und ihren Kindern gestifteten Heims einziehen würden. Eine offizielle Einweihungsfeier soll erst später stattfinden. Wie wir erfahren, sollen im Beisaal des Altersheims regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden: solche finden im besonderen auch an den bevorstehenden Srhow uaus-Tagen, wie künftighin an allen Sabbaten und Festtagen statt. Die Teilnahme an diesen (ioltesili> nsten wird auch Außenstehenden gestaltet sein. Die Gebetzeiten sind die gleichen wie in den anderen orthodoxen Bethäusern. Zwenkau. Hcicli-hanner-VersaniinlunK (fegen den Antisemitismus. Anfangs des Monats fand in Zwenkau eine Versammlung des Reichsbanners statt, in der der Vortragende, Herr Lothar (Leipzig), in einem -stündigen Referat über die Organisationen sprach, von denen der Republik besondere (lefahr drohe. Im Zusammenhange mit -einen Darlegungen über die Stellung zu den Religionen untersog der Vortragende den Antisemitismus einer längeren Betrachtung. Der Redner entrollte das Bild der jüdischen Geschichte und trat der Behauptung, dafi die .luden im republikanischen Staate die größte Macht haben, mit schlagenden Argumenten entgegen. In der Ansprache wurde auf die Tapferkeit der deutschen Juden im Felde die Ungerechtigkeit, die der jüdische Soldat trotzdem so oft er fahren mußte, hingewiesen. Durch die außerordentlich beifällig au1 genommenen Ausführungen hat der Redner wesentlich zur Aufklärun über den Antisemitismus beigetragen. Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemcindc zu Leipzig Taschrakalender. Die Gemeinde wird für das Jahr 5692 wieder einen Taschei kniender herausgeben, der wie im Vorjahre ein Verzeichnis aller i unserer Stadt bestehenden jüdischen Vereine enthalten soll. Da ei fahrungsgemäß viele Aenderungen vorkommen, erfolgt die Aufnahm in den neuen Kalender nur nach eigenen Angaben der Vereinigungei Die Vereine werden deshalb gebeten, uns bis 22. Mai ds. .Is. ml zuteilen, in welcher Form die Eintragung vorzunehmen ist. Leipzig, den 17. April 1081. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Friedhofsgärtnerei des neuen Friedhots. Die von der Gemeinde in eigener Verwaltung betriebene Güll nerei unseres neuen Friedhofs übernimmt Sämtliche Aufträge ai I Bepflanzung. Instandsetzung und Pflege von Grabstellen, Es wird weiter darauf hingewiesen, daß die Friedhotsbesucher die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an Topfpflanzen. Schnittblumen, Vasen und Schalen in der Friedhofsgärtnerei zu handelsüblich' n Preisen zu decken. Fachmännische Beratungen und Berechnungen erfolgen kostenfrei Leipzig, den 13. April 1981. Der Vontand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Gemeindeamt. LOhrst r. 10. (ieölTnet für den allgemeinen Verkehr werktäglich von 9—18 Uhr. Postschekkonto der Gemeinde Nr.00088 Leipzig. Verwaltungsdirektor: (iustav Katzenstein. 1. Obergeschoß: Vorstand und Verwaltung. Hauptkas und Steuerkasse. F*ems|ir.-Nr. 23002. iL Obergeschoß: Steuerveranlagung. Fernspr.-Nr. 2881 Erdgeschoß: FQrsorgeabteilung. Fernspr.-Nr. 21882. Sprechzeiten: Montag. Dienstag. Donnerstag. Freitag 12—13 Uhr. Abfertigung von Durchwänderern: Montag, Dienst: . Donnerstag. Freilag 10—11 Uhr, Mittwoch 12—13 Uhr, Sonntags i Verabreichung von Mittagessen 12—18 Uhr in der Nordstr. 10. L i be raleS R ■ b b i n a t : Gemeinde-Rabbiner Dr. Felix Qoldmann, KOnig-Johan Str. 17, F'ernsprerh.-Nr. 210 07, Sprechstunde: Sonntag. Mittwoch U I Freitag 9.30 —11 Uhr; nach vorheriger telephonischer Verständigte insbesondere in dringenden Fällen, auch zu anderer Zeit. Gemeinde-Rabbiner (iustav Colin, Löhrstr. 10 III, F'ernsprec Nr.20841. Sprechstunde: Montag. Dienstag. Donnerstag 11 — 12 I' nach vorheriger telephonisrhcr Verständigung auch zu anderer '/.< Orthodoxes R a b Ii i n a l : Gemeinde-Rabbiner: Dr. Kpin-aim Carlebach, Nikischplatz Fernsprech-Nr. 102 25. Sprechstunden: täglich, außer Sonntags, 10 I 11 Uhr in der Höheren israel. Schule, (iustav-Adolf-Str. 7; 10—17 Ul außer Freitags und Sonnabends, in der Wohnung. Gemeinde - Dajan: Rabbiner R o g o s u i t z k y , Pfaffendori Straße IUI. Femsprerh-Nr. 28276, Sprechzeit: Montags, Mittwoc! Donnerstags und Sonntags 10—12,30 Uhr und 10— 18 Uhr. aufi Montagnachmittag, Dienstag k—103 Uhr und 10—18 Uhr, Freits 8—13 Uhr, in dringenden Fällen auch außerhalb der Sprechzeit. Friedhufs- und Bestattungswesen. .leder Sterbefall ist unverzüglich dem Gemeindeamt, wenn diel geschlossen ist, dem Bestattungsordner Meyer Brande. Gottschi str. 28, Fernspr.-Nr. 112 50, zu melden; sollte dieser ausnahm*««' nicht erreichbar sein, so wird die Meldung durch den Neuen israe' tischen Friedhof, F'ernspr.-Nr. 538 89, übermittelt.

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