Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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15. Mai 1931 QEMEINDBBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 indern stets realisierbarer Natur. Audi der Friede kann sein und ird sein, wenn wir den richtigen Weg einschlagen. Durch die Beitthungen der Diplomaten allein wird er nicht erreicht werden. Am leisten schädigen den Frieden jene, die ihn preisen, aber sich su Hier Einhaltung nicht verpflichten wollen, und diejenigen, die die igenarl anderer Nidker nicht zu würdigen verstehen. Der Friede um nur von unten kommen, durch die Friedensgesinnung der Völt. An der Vertiefung dieser Gesinnung, an ihrer Verbreitung in llen Volksschichten und Altersklassen muß das Judentum den regsten nteil nehmen. Den zweiten Hauptteil der Kundgebung bildete ein von den mit ein JQdischen Friedonsbund Hand in Hand arbeitenden .lugondistitutionen nJungjQdische Friedensgemeinschaft" und ..Schule des riedens" veranstalteter Vortrag. Dr. Georg Herlitz beleuchtete den . Friedensgedauken in <ler Lehre und der Geschichte des Judentums". Die Friedenssehnsucht des .luden strömt aus der Tiefe seiner Seele. m er von dem Gedanken der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Holt ausgeht, sieht der .lüde die Bestimmung des Menschen darin, mitzuarbeiten an der Ausgestaltung und der Vervollkommnung dieser Welt. So mufl er in jetler gewalttätigen Vernichtungstat — und eine üolche ist der Krieg eine Verletzung der Bestimmung des Menschen erblicken. Mit dieser Sehnsucht nach dem ewigen Frieden der Volker gehen die Juden durch die Geschichte und grüßen jeden Mitstreiter in ihrem Kampfe für den Frieden. Ihrer Leitidee entsprechend, hatte die Veranstaltung auch einen praktisch-organisatorischen /.weck, der in dem Referat von Erwin Scheftelowiti „Die Grundlagen der jüdischen Friedensbewegung" zum Ausdruck gelangte. Das jüdische Friedenswerk - führte der Vertreter der Jungjfldischen Friedensgemeinschafl aus kann nur durch \ rheit von Mann zu Mann gefördert werden. Jeder mul.i an jeden herantreten mit der Aufforderung, hier mitzuwirken. Auf diesem Wege mufl vor allem die unentbehrliche finanzielle Grundlage dor Bewegung gesichert werden. Die finanziellen Mittel müssen durch die Friedenssteuer aufgebracht werden: der Träger der Friedenssteuer mufl ein großer Ehrenausschuß werden, der sich sofort au Drl und Stelle zu bilden hätte. Daran anknüpfend betonte Dr. Alfred Nossig in seinem Schlußwort, dal.» der neue große Ausschuß sich nicht nur mit der Hnansiellen, sondern in erster Linie mit der Ideenpropaganda zu befassen liahen wird. Die Geschichte lehrt, daß keine weltbewegende Idee ohne die Beteiligung der breiten Massen sich durchzusetzen vermocht hat. Auch die jüdische Friedensidee wird nur ein synagogales Schmuckstück bleiben, wenn es nicht gelingt, durch persönliche, mündliche Beeinflussung jeden einzelnen zu erfassen, in jedem die Bereitschaft zur Friedensaktivitll zu erwecken. Die Worte der Referenten Helen auf fruchtbaren Boden. Ueber I '0 von den Anwesenden traten der neuen Arbeitsgemeinschaft für Ideelle und finanzielle Friedenspropaganda bei, während Hunderte di« Friedennteuer entrichteten und sich als Mitglieder des Jüdischen Kriedensbundes eintrugen. Eine besondere Attraktion der Veranstaltung bildete ein von Frieda Melder verfaflter und von der erfolgreichen Rezitatorin Gertrud Kolman vorgetragener Prolog ..Wir rufen Buch Allel" Dem feierlichen Charakter der Kundgebung, die bei den Versammelten eine liefe Wirkung hinterließ, entsprachen die durch die „Berliner Orchester-Vereinigung" in vollendeter Weise wiedergegebenen Koni- Positionen klassischer Meisler. ■ fifrÄlf^fi' H wmMyjHqpwpm Verein „Jüdisches Jugendhaus" Leipzig. Elsterstr.7 Postscheckkonto: Leipzig Nr. 68274 Unsere Gemeinde Jahreüverxammlung der sächsischen Israelitischen Lehrervereinigung, in Leipzig. Am Sonntag dem 31. Mai vormittags lt> Uhr hält die sächsische Israelitische Lehrervereinigung ihre diesjährige Jahresversammlung ah. Neben den inneren Angelegenhelten der Vereinigung stehen auf der Tagesordnung (olgende Referate: „Die rechtliche Stellung der Rabbiner und israelitischen Religionslehrer im Freistaate Sachsen'* — „Der biblische Geschichtsunterricht In der Israelitischen Religionsschule" (Referent Herr Lehrer Peckel-Leipzig) — „Der jüdische Geschichtsunterichl in der israelitischen Religionsschule" (Referent Herr Rabbiner Dr. Goldmann). Slaatsral Dr. Teltel in Leipzig. Am 20 und 21. Mai weilt der Wirklich e Staatsrat Dr. Jak o 1> T e i t e I in Leipzig. Sein Lebensgang ist bekannt! Er war dreißig Jahre lang der einzige jüdische Richter in Rußland und als er im Jahre 1912 dem Drängen des erwachenden Antisemitismus weichen mußte, wurde er — der Landgerichtsrat In Salalow — zum Wirklichen Staatsrat mit dem Titel Exzellenz ernannt, und er erhielt wegen seiner Verdienste im Amte eine erhöhte Pension. Schon als Richter widmete er sich in umfassender Weise charitativen und sozialen Werken. Seitdem er nach der bolschewistischen Revolution im Jahre Krji nach Berlin übergesiedelt ist, hat er seine Kraft in den Dienst der vertriebenen russischen .luden gestellt, und als Vorsitzender des „Verbandes russischer Juden in Deutschland" hat er Großes geleistet. Vor kurzer Zeil hat er seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert, und er isl in allen Kreisen des Judentums Gegenstand großei und verdienter Ehrungen gewesen. In einem Aller, da andere sich auf den Erfolgen des Lehens ausruhen und ein „otium cum dignitate" genießen, ist er für seine Urinier unermüdlich tätig. Das Feuer der Begeisterung und die Kraft eines guten Herzens beflügeln -einen Willen! (iewaltig sind die Leistungen, die er durch sein fortreißendes Beispiel vollbracht hat. Sie sind groß, diese Leistungen, und doch noch immer nicht genügend, um die Fülle des Elends bei den aus ihrer Hei mal vertriebenen russischen .luden zu beheben; und so ruht denn Jakob Teltel nicht. Mit Eifer und Kraft sucht der jugendliche (livis das Gewissen aller .luden zu erwecken, damit sie hei der Not ihrer Brüder nicht untätig bleiben und das Ihre tun! In München, wo Teltel jetzt weilte, ist er der Mittelpunkt großer Ehrungen gewesen. In den Räumen der Israelitis c h e u (i e in e i u d e fand ein Empfang statt, hei dem der Gemeindevorstand und der Vorstand des Verbands bayerischer israelitischer Gemeinden ihn offiziell begrüßten. Auf einem glänzend verlaufeneu Begrüßungsabend hatten auch weitere Kreise Gelegenheit, ihn zu sehen und sprechen zu hören. Auch in Leipzig wird, wenn Toitel hier wellt, eine nachträgliche Feier seines achtzigsten Geburtstages stattfinden! Inzwischen aber sei dem tapferen Greise mit dem gütigen und jugendlichen Wesen aus aufrichtiger Gesinnung ein lief empfundener Willkommensgrufl gewidmet, dem der Wunsch angeschlossen sei. daß er Iiis zu hundertundxwanzig Jahren in (iesundheil und Frische zum Wohle der Armen und Bedürftigen wirken möge! Watstatsdsmafltnahinei des Jldischea Franeabaadet Ortsgruppe Leipzig, 1. Nihstube f ü r e r w e rbalose j u n g e Mädc h e n. Um den erwerbslosen jungen Mädchen Gelegenheit zu geben, wenigstens