Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i UEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIG10NSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Neues aus dem Jetzt, da alle Phasen der Lebensgeschichte der Führer der neuen spanischen Republik Interesse gewinnen, wird bekannt, dafl drei von ihnen Marranentarnilien angehören. Sowohl der Ministerpräsident Alcala Zamora, als auch der Innenminister Miguel Maura und der Justlsminlster Fernando de-los-Riot haben eine mehr oder weniger weitreichende blutsmäBlge Verbindung mit der Judenheit. Am stlrksten ist sie bei Maura, dem Minister des Innern. Ihm wurde erst vor kurzem im spanischen Parlament ollen seine Abstammung von den „Chuetas", den Mammen der Insel Mtilloenro. vorgeworfen. Sein Vater, der herühmle Politiker Antonio Maura, ist noch in der letzten Marranengemeinde von Spanien autgewachsen und hai also die wenigen jüdischen Gebräuche, die sieh hier, im kleinen Ghetto von Palma, erhalten haben, noch selbst in seiner Kindheit beobachtet. Wenngleich die „Cliuetas" („Schweinetresser") offiziell sämtlich zum Katholizismus übergetreten sind und ihre Treue zur katholischen Kirche mit allen Mitteln beweisen, so haben sie sich doch verschwommene Vorstellungen und Traditionen von Pessach, Jörn- Kippur usw. erhallen. Z a in o r a und de-los-Rios entstammen Familien, die selbst in den letzten zwei Generationen keim' bestätigte Verbindung mit dem Judentum mehr gehabt haben. Beide aber tragen, auch in den weit zurück verlolgbaren Linien ihrer Vorfahren, rein spanischjOdische Namen, und es ist anzunehmen, dafl bei der In diesen Kreisen allgemein üblichen Inzucht nur wenig nichtjüdisches Mint in ihren Adern rollt. De-los-Rios hat wiederholt, schon vor dem Umsturz, Gelegenheil genommen, für jüdische Interessen einzutreten; die Madrider Gemeinde und der Referent des AuBenministerlums, Don Giomenes Caballero, der die spezielle Aufgabe hatte, sich mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen, sind von ihm häufig unterstQW worden. Der jetzige Justiiminister rühmt sich seiner Abstammung von bekannten Rabbinern und Gelehrten. Kr gehört einem Intellektuellenkreis an. von dem zuerst die Initiative dazu ausging, die spanische Oeffentlichkeit, Presse und Regierung dazu zu bewegen, dafl sie sich mit der modernen Judenfrage befassen. Alcala Zatnora ist von diesen Dreien der katholischen Kirche auch innerlich am engsten verbunden. I'eber seine Familie liil.il sich insbesondere nur sagen, dafl sie noch im leisten, ihm vorangegangenen Geschlecht, nur Verbindungen von ausgesprochenen Marranennamen untereinander zeigt. * In den der republikanischen Regierung nahestehenden Kreisen herrscht die Ansicht vor. dafl eine ausdrückliche Annullierung des bisher de jure in Kraft gewesenen Vertreibungedikts von wvtx unnötig sei. Da et schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von neuen Spanien keiner Behörde je erwähnt wurden isl lind jüdischer Kinwamleriiii Seither keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, hält mal seine feierliche Aufhebung für überllüssig. Das um so mehr, als i ohnedies der GrollteM aller bourbouischen Gesetze Oberhaupt mit de Tage des Umsturzes seine Gültigkeit verloren hat. Von maflgebendi Seite ist aber geäußert worden, dafl die Regierung, wenn die au ländischen .luden es wünschen, gleichsam als Demonstration für d. neue Epoche gerne eine leierliche Annullierung des (iesetzes voi nehmen würde. * Alcala Zamora und Miguel Maura sind führende Mitglieder eim im Jahre 1924 unter dem Vorsitz von Senator Angel l'ulid gegriii deten Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Niede lassung von Nachkommen der im Jahre 1482 vertriebenen spanisch Juden in Spanien vorzubereiten. Auch andere bekannte spanische Republikaner haben sich lüi die Rückkehr der Juden nach Spanien eingesetzt. In einer im Jahr« 1828 gehalleneu liede sagle der inzwischen verstorbene Dichter Blast i Ibanez voraus, „es werde leicht sein, die Juden wieder lurückzu bringen, sobald die republikanische Rcgiorungsforin in Spanien ein geführt sein würde. Die Monarchie sei die stärkste Stütze der Rath tischen Kirche und lasse daher die Rückkehr der Juden nicht zu." Di l berühmte spanische Maler Zuloaga besuchte anhUHcfa eines Aufenl baltes in New York im Jahre 1!>'_!."> auch die dortigen spanischen und portugiesischen Synagogen und erklärte in einem Gespräch mit Rabbi de Sola Pool, er sei ein eifriger Anhänger der Bewegung zur Zurürl Führung der Juden nach Spanien. Er kenne viele (iebiiude in Spanien, die vor mehr als 10(1 Jahren Synagogen waren, jetzt aber als Klrchei . Bibliotheken usw. benutzt werden. * Der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Madrid, Ignaeio Hattet, erklärte in einem Gespräch: Von einer Masseneinwanderung könne wohl keine Rede sein, doch würden die Tore des Landes Juden mil Kapital und Initiative und hochqualifizierten Arbeitern offenstehen Die Jüdische Gemeinde, erklärte Senor Hauer weder, wurde der neuen Regierung anerkannt, während ihr unter dem alten Kegln e keine offizielle Anerkennung suteil wurde. Am vergangenen Kreil _■ fand die offizielle Eröffnung der vor kurzem errichteten Synag..... statt: die erste Sytiagogeneröflnung seil der vor 100 Jahren erfolg! n Vertreibung der Juden aus Spanien /um ersten Male wurde auch den Juden von der Stadtgemeinde Madrid ein Grundstück einen jüdischen Begräbnispiats zur Verfügung gestellt. (ITA.) Jüdische Verbände und Gemeinden JakresVSrsaJBSSlaJUJ der Smic-iiin (;c»cll-rhalt. Die SoncinO-Gesellschafl der Freunde des jüdischen Ruches veranstaltet ihre diesjährige Jähret Versammlung am 24.-28. V. in Krankfurt a. M. Kür Sonntag, den 24. Mai. ist ein Ausllug nach Mainz und Worinvorgesehen; in beiden Städten ist eine Besichtigung der jüdischen Altertümer und der beiden Dome unter sachkundiger Führung in Aussicht genommen. Abends findet ein Begrüffungsabend statt. Am Montagvormitlag hält Dr. Julius ( ahn einen Vortrag: ..Aus der Geschichte der Frankfurter Judengasse." Daran scidiei.it sich eine Führung durch das alte ludenviertel. (Aller Friedhof, Rothschüdhaua usw.), Abends 7 Uhr findet ein Festessen mit Damen stall. Am Dienstagvonnittag wird die eigentliche Jahresversammlung abgehalten, sie beginnt mit einer geschlossenen Mitgliederversammlung; um II I hr lindet ein Festakt stall, bei dem Prof. Dr. Heinrich Loewe über ..Die luden th Volk des Buches", Prof. Dr. A. Freiiuaiin über „Die Hin stration im hebräischen Ruch der Frühzeit" sprechen werden. Im Anschluß daran wird eine Ausstellung ..Daillustrierte jüdische Ruch ins zum Ende des it. Jahrhunderts" eröffnet. Nachmittags wird die Sammlung des liaron Max von (ioldschmidt-Rothschild besichtigt Gäste, die durch Miglieder eingeführt werden, sind herzlichst willkommen. Auf Wunsch ist die Schriflleitung des Gemeindeblattes gern bereit, nähere Auskunft zu geben. Die Verwirklichung des jüdischen Fricdeiisgcdanken-. Nach längeren Vorbereitungen trat der „Jüdische Friedensbir am 20, April mit einer neuen, feierlichen Kundgebung vor Oeffentlichkeit. Sie fand im vollbesetzten Feststull des Hrildervere statt und war dem Thema „Die Verwirklichung der jüdischen F densidee" gewidmet In seiner Eröfluuitgsansprache wies Rechtsanwalt Heinrich Sil Mitglied des Präsidiums des Jüdischen Friedensbumles, auf die gn praktische Bedeutung der Jüdischen Friedensarbeil im Rahmen i „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen" hin. Die Betätigung Jüdischen Friedensbundes bildet den lebendigen und sinnfälli Ausdruck der alle Juden einigenden Ucherzctlguug. dali das w Ziel des Judentums, ebenso wie «las des gesamten Kulturstrebens, V erwirklichung des niessianischen Gedankens Ist Auf dem Wege diesem Ziele erreicht aber tler Jüdische Friedeusbuml in zähem I mühen stelige Fortschritte im Rereiche der Verständigung und 1 sammenarbeit der verschiedenen Bekenntnisse, in einer Zeil d Uebersehätsung des Körperlichen und des Rekords fördert er so d höchsten geistigen und sittlichen Ziele. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein vorzüglich suf| bautet und glänzend vorgetragenes Referat von Rabbiner Dr. Fei Gold mann (Leipzig). Das Judentum bat sich nicht nur die V< kündung, Sondern auch die Verwirklichung grofier Ideen zu: Ziele gesetzt. Deshalb sind seine Leitgedanken niemals utopiscl