Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-04-24 · 17 (24.4.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
17 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968779-5969244--3872-4878236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

GEMEINDEBLATT DUR ISRAELITISCHEN REL1GIÜNSUEMEINDE ZU LEIPZIG Nummor 17 Mai 1492); während der Kosakenkriege das Qemetiel von Tultschyn (20. siw;in 1648), ein Tag, der in vielen polnischen und ukrainischen Gemeinden noch heute als Fasttag begangen wird. Die meisten Kitualmord-Prosesse landen gegen Pensen statt oder nahmen In diesen ragen ihren Anfang. Die ersten russischen Pogrome 1KK1 Iiis 1882, der Pogrom von Klscbinew 1003, die Pogrome von 1SMMI fanden im Frühjahr statt. I\s gibt allerdings keinen Monat im Jahre, der sich rühmen könnte, absolut pogromfrei zu sein. Seitdem die Kabbala sich unter den Juden ausgebreitet bat, wird ein anderer Grund für die Auszeichnung des Lag Baomer mitten in der Sepbira-Zeit angeführt. Lag-Iiaomer soll nämlich die „Ililula" des (angeblichen Verfassers des Sohar) Rabbi Scbimeon heu Jochai (eines Schülers |{. Akihas) sein. Ililula heißt im rabbinisehen Aramäisch eigentlich Freudentag, Hochzeitstag; in Verbindung mit dein Namen eines Frommen ist vom Standpunkte des Irdischen der Tod ein trauriges, aber vom Standpunkte des Ewigen ein glückliches Ereignis: die Seele kehrt zurück in ihre Heimat, vermählt sich mit der Unsterblichkeit. So benennen die Chassidim den Sterbetag eines besonders hervorragenden Zaddik Ililula. R. Scbimeon b. Jochai sehnte sich, wie es in der ..Idra Sulla" heißt, sein ganzes Lehen lang nach diesem Tag der Wiedervereinigung mit Gott Nun hallen die Kahhalisten eine uralte Tradition, daß Rabbi Schillleon b. Jochai an einem Lag Baomer das Zeitliche segnete, nachdem er seinen Jüngern die tiefsten Mysterien offenbart hatte. Diese Tradition beruht möglicherweise auf Wahrheit. Seitdem im Iii. Jahrhundert die Kabbala besonders durch Isaak Luria sich vom Orient aus über einen grollen Teil von Europa verbreitete, namentlich alter seit dem Aufblühen des Chassidismus in Osteuropa wird der Lag Baomer besonders festlich begangen. Namentlich die reifere Jugend nimmt sich der Sache an. Das Belli llamiuidrasch wird am Vorabend illuminiert. Eine „Tafel" wird aufgestellt, nämlich ein großes Transparent aus buntem Papier mit Schnitzereien. Szenen aus der biblischen Geschichte, auch Räume und allerlei Ge tier darstellend; meist ist auch das Lied zu Ehren der Helden auf der Tafel, die von rückwärts beleuchtet wird. So mancher spater berühmt gewordene Künstler, der aus dem Ghetto hervorgegangen ist. hat seine Karriere mit einer solchen Tafel begonnen. Der Lag-Baomer war seit unvordenklichen Zeiten im Ghetto schulfrei. Frühzeitig am Nachmittag zog die Chederjugend mit ihrem Lehrer in die nahegelegenen Berge oder den Wald und nahm dorl Schießübungen, richtige Schießübungen vor, mit Pfeil und Rogen, die sie aus Zweigen und Reisern angefertigt halt' Neuerdings hat ein bekannter Forscher die Vermutung ausgesprochen dal.! ehemals diese Schüsse der Abwehr der Dämonen galten. Diese ansprechende Vermutung liiUt sich zwar nicht quellenmäßig he legen, aber ich erinnere mich, als Kind von einem großen Chassidim Rabbi gehört zu haben, der es nicht verschmähte, mit der Jugend am Lag-Baomer in den Wald zu liehen, dort einen Bogen zu ergreifen und nach allen Himmelsrichtungen Je einen Pfeil abzuschieben, um Satan und sein Gefolge von der Stadt fernzuhalten. Aus aller Welt Spimsas Ahnen. In Hell 24 der Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung (Schriftleitung: Dr. Arthur Cxellitzer, Berlin VV ö, Potsdamer Straße •"•) veröffentlicht Arluro Bab, Rivers, Mitteilungen über Spinozas Ahnen: „Baruefa Spinoza wurde zwar in Amsterdam um 24. November 1632 geboren, war aber wie die große Mehrsahl der holländischen Israeliten spaniolischer Abstammung. Bin spanischer Gelehrter, Fernande! A Ion so, berichtet in seinem Buche über die Juden von Orense, einer in der spanischen Provinz Galitia gelegenen Stadt, auch über die Vorfahren des groben Philosophen. Laut AlonM gab es im Iii. Jahrhundert in Galilia eine angesehene jüdische Familie namens Espinosa, die teilt in Orense, teils in ihrer ursprünglichen Heimat, dein Städtchen Espino (Departement Verin, Sprengel Viriferre) ansässig war. Der Orenser Zweig beugte sich zwangsweise unter den Kirchenkuppeln und verschwägerte sieb unter anderm mit dem Marquis Boveda de Linda, der den Beinamen Espinosa annahm. Der ursprüngliche Teil der Familie blieb aber trotz den \ erfolgungen dem Judentum treu, und es gelang Miguel de Espinoss von Espino nach Amsterdam zu flüchten, wo ihm —--iii Sohn Baruefa geboren wurde. Espino ist der Weißdorn. Der Name bedeutet daher „aus der Weißdornstadt". Die Aenderungen desselben in den Niederlanden lassen sich auf folgende Weise leicht erklären: Die Spanier können im Anlaut kein „sp" oder „st" aussprechen und sagen daher z. B. „Esparta" für Sparta und „Estrasburgo" für Straßburg. In Holland wurde wohl auch „e" in Espinosa für über- Hüssig gehalten und gestrichen. Ferner ist ein weiches „s" in der kastiUanischen Sprache unbekannt, sondern wird stets scharf, ähnlich dem deutschen ..ss". ausgesprochen, so da Li es in der Schrift durch ..z" ersetzt wurde. Puter den Spiiniern und Welscliamerikanem ist die ursprüngliche Namensfonn mich heute nicht unselten. So hieß z. B. der vor einigen Jahren gestorbene Btthiachof Argentiniens Espinosa (und der jetzige spanische Botschafter in Berlin Dr. Fernando Espinosa de los Munteros). rr» Ein jüdischer Gelehrter au- KurpiitlioruUhmd im Vatikan. Der jüdische Gelehrte Naftali Fried aus Poljane in Karpatbnrußland wurde zum Direktor der hebräischen Abteilung der vatikanischen Bibliothek ernannt Aus einem Brief Naftali Frieds geht hervor, daß ihm das vatikanische Bibliotheksdirektoriat soweit entgegengekommen ist, daß es ihm die rituelle V o r k ö s t igung und eineil täglichen jüdischen Gottesdienst im Vatikan ermöglicht! Zu dieser interessanten Meldung werden noch folgende Einzel heilen bekannt: Fried ist ein hervorragender Kenner der talmudischei Literatur und hat eine grolle Reibe von Abhandlungen in hebräisch. Sprache veröffentlicht, die in wissenschaftlichen Kreisen bedeutend' Anklang landen. Wie die meisten jüdischen Gelehrten, die aus den Milieu der Chassidim hervorgehen, ist auch Fried im wesentlich« - ein Autodidakt, der zu seinen erstaunlichen Kenntnissen der bebräi sehen Literatur eine umfassende Bildung erworben bat. Die bebräi sehe Allteilung der vatikanischen Bibliothek gehört zu den rein balligsten der Welt und dürfte Insbesondere, was die handschriftlich' Unika anbelangt, nur mit der entsprechenden Sammlung des briti sehen Museums und der Universitätsbibliothek in Jerusalem Vi glichen werden. Die Geistlichkeit im Vatikan hat den jüdischen Forschern, die Bücherbestände der hebräischen Sammlung zu Rate ziehen wolle seit jeher größtes Entgegenkommen geneigt Es sei hier erwähnt, da auch der ungarische Bibelforscher Donath lange Zeit Galt des Val kans war. Er hatte für die Deutung einer bestimmten Stelle Alten Testamentes — es handelte sich um jenen umstrittenen Bi! Veit, wo Ihwh nach der älteren Exegese als Gott der Rache I zeichnet wird — eine überraschende Entdeckung gemacht, die dii ältere Deutung als irrtümlich widerlegte. Donath hat in den Bibli theksriiumen mit den Bibelforschern des Vatikans gemeinsam g' tieitet. um aus den alten Handschriften die Richtigkeit seiner Au lassung nachzuweisen. Die Bibel und die Literaturen des alten Orients. Vor kurzem hielt die „Gesellschaft zur Förderung der Wissi schalt des Judentums" unter Leitung des Vorsitzenden, Prof. I' M. Sobernheim, ihre Hauptversammlung ab. Im AnschluU an die Hauptversammlung hielt Herr Dozent D Harry Toreiyner- Berlin einen Vortrag über: „D ie Bibel u i die Literaturen des alten Orients". Ausgehend \ der Tatsache, daß durch die Ausgrabungen im Vorderen Orient wl read der letzten zwei Generationen unsere Kenntnis der nltorien lischen Sprache, Völker, Kultur und Literatur sich in ungeahnt Weise erweitert hat, versuchte der Redner die Stellung der Bibel den Literaturen des alten Orients zu kennzeichnen. Bei der auß ordentlichen Fülle des Materials berührte er nur die hnuptslchlii I sten Punkte. So besprach er das Verhältnis des babylonischen Schöp hmgsmyUlOS zu den Berichten der Bibel, nicht nur zu denen '! beiden erstell Kapitel der Genesis, sondern auch zu den poetisch Stellen von Rahab und Liviatan, die sich in den Propheten und Psalm«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.