Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GF.ME1NDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer l(i Scfiulbtictier aller Schulen bei M.W. Kaufmann, Brühl8, Tel.23009 in; Reichstagsabgeordneten der N.S.n.A.P. aus dorn Parlament herausgingen. Eins ist bestimmt wahr, daß wir gegenwärtig trotz der ungeheuerliehen politischen Not in einer gar nicht so schlechten Lage -iiiil. da Brüning mit dem Motto: ..Zeit gewonnen, viel gewonnen" arbeitet Hitler versucht selbstverständlich immer wieder, einen evtl. Willerstand in seinen Kreisen ihm gegenüber abzuschwächen, indem er ihnen durch eine besondere, bemerkenswerte Handlung, deutlich gesagt, den Mund stopft. Ein typisches Beispiel ist die gerade jetzt den nationalsozialistischen Mördern von Hiller zugesagte Verteidigung in der Hamburger Altäre. Nach dem Stand der heutigen Lage ist wohl ein Putsch seitens der N.S.D.A.P. nicht zu erwarten, wenn nicht etwa die W'irtschaftsnot und das Elend der Arbeitslosen noch größer wird. Die dritte Frage, die der Referent aufstellt: „Hat sich die faschistisch-antisemitische Welle überschlagen?" dürfte wohl mit Rücksicht auf die Tätigkeit der Partei und deren Frfolge im Augenblick immer noch negativ zu beantworten sein. Die täglich in vielen Städten und kleinen Orten abgehaltenen Versammlungen der Partei werden trotz ziemlich hoher Eintrittsgelder stark besucht; die ausgezeichnete organisatorische Arbeit hat die Partei noch immer auf dem Höhepunkt gehalten. Auch die finanzielle Kraft der Partei ist ein wesentlicher Paktor ihres heutigen Standes. Nun ist es allerdings nicht so. daß die Geldgeber nur antisemitische Gründe bewegen; z. B. gibt Hilgenberg nicht aus diesem Grunde Gelder, sondern weil die national-sozialistische Partei ein ausgezeichnetes Werkzeug zur Bekämpfung der Arbeiterschall und der Gewerkschaften im Sinne der Großindustrie ist. Was können w ir angesichts dieser Lage tun'.' Daß der C. V. immer auf dem Posten war und immer auf dem Posten sein wird, wissen alle. Aber nicht nur der C. V. kann die Arbeit leisten, sondern Jeder einzelne Jude muß helfen, die vom ('. V. zu leistende Arbeit zu unterstützen und zu fördern. Hierbei gibt es soviel Wege, daß man nur einige herausgreifen kann. Vor allen Dingen dürfen sich die .luden den christlichen Kreisen gegenüber nicht so abschließen; gerade weil sich die Christen den .luden gegenüber abgeschlossen haben, muß immer wieder versucht werden, den Anschluß an Christen wiederzufinden: sonst kommt es dahin, daß der christliche Volksgenosse den jüdischen nicht mehr kennt und sich, besonders durch die hetzerischen Reden der Gegner, ein ganz falsches Bild von den .luden machen muß. Noch wesentlicher ist die lebendige Hindling mit der politischen Partei. Hierüber ist gerade seitens des C. V. schon soviel gesagt worden, daß es genügen dürfte, wenn noch einmal betont wird, daß jeder Jude, so gut er es kann, in seiner Partei wirkt und sich dabei nicht etwa nur von jüdischen Absichten leiten läßt, sondern so handelt, wie es weltanschaulich gut ist für seine Partei: nur mit und durch die republikanischen Parteien können wir den Nationalsozialismus bekämpfen. Weltanschauliche Gegensätze im Judentum selbst sind nicht aus der Welt zu schaffen, aber sie sollten mit Rücksicht auf die politische und wirtschaftliche Lage und deren Gefahren für das Judentum auf ein Mindestmaß reduziert werden, damit die Kraft nicht im Kampf gegen unse r" größten Feinde versagt, weil sie im inneren Kampf aufgebraucht ist. Zum Schluß betont der Referent noch, daß ein wichtiger Faktor zur Bekämpfung des Antisemitismus der Bekennermut des Juden sei. dilti die Bekennerplliclit zum Judentum schon im Kinde großgezogen werden müsse und nicht nur Bekennermut und -Pflicht in theoretischer Weise, sondern vor allem in praktischer Art durch 11 '(topwpte SCHREIBMASCHINE Teilnahme an der Offensivbewegung der republikanischen Organisationen. Die Demonstrationen der republikanischen Verbände sind keine Spielerei, sondern sie sind praktischer Anschauungsunterricht für die, die nur die Nationalsozialisten und deren Organisationen kennen, und sie dienen dazu, um den Menschen zu zeigen, daß es nicht nur Nationalsozialisten gibt, sondern daß eine Großmacht hinter der Verfassung steht. Jude sein heißt Optimist sein. Das Martyrium ist in unseren Zeiten nicht nötig wie früher. Wir müssen auf der Hut sein, und dei ('. V. ist dazu da, zu arbeiten und alle zur Mitarbeit heranzuziehen, damit unsere nächste Generation uns nicht vorwerfen kann, daß wir zur rechten Zeit alles versäumt haben. Wir glauben an das Kultur deutschland; wir sehen, wie sich der Antisemitismus breitgemacht hat, wissen aber auch, daß ein Kulturland wie Deutschland mit der Zeit mit diesem Antisemitismus fertig werden wird, daß der Tai' wieder kommen muß. wo der Mensch nicht danach eingeschätzt wird, welchem Glauben er angehört, und wie er aussieht, sondern nach dem, was er leistet. An den mit großem Reifall aufgenommenen Vortrag des Roteren ten schloß sich eine lebhafte Diskussion an. VV e i 11. Persönliche Erinnerungen an Theodor Herzl. Am 30. März sprach im große» Saal des neuen Jüdischen Jugend heims — dort der erste größere Öffentliche Vortrag — Herr Adolf Pollak, der frühere Mitarbeiler von Theodor Herzl. Herr PolIaK schilderte den Werdegang Herda, seine Hingabe und Tatkraft an die zionistische Idee und die Schaffung de« großen Weltforums für die jüdische Saehe, den Zionistenkongreß. Ein heute Lebender vermag die revolutionäre Bedeutung, die der Kongreßgedanke für die jüdische Oeffentlichkeit damals hatte, nicht zu begreifen. - - Der sehr Inter essante Vortrag, der viele eingehende und aufschlußreiche Züge au dem Leben des Juden und Menschen Herzl zeigte, fand vor allen Dingen auch wegen der liebevollen Art der Behandlung großen Bei fall. — Im Anschluß an diese persönlichen Erinnerungen an Her/1 gab Pollak dann noch einen Ueberbliek über die augenblicklich' Situation im Bodenkauf. Die augenblicklichen Möglichkeiten, gegei bar oder Anzahlung Böden zu kaufen, sind gut; Europa und Amern müssen gerade jetzt für den KKL tun. WM nur getan werden kann Darum sei es auch wichtigste politische Aufgabe jetzt, die Pessactl aktion des KKL zu einem wirklichen finanziellen Ereignis zu mache! — Dr. Loebenstein, der Vorsitzende der veranstaltenden Zionistische* Ortsgruppe Leipzig, dankte dem Vortragenden für seine Darlegungei Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemeinde ln Leipiig FriedhofsRÜrtnerei des neuen Friedhots. Die von der Gemeinde in eigener Verwaltung betriebene Gär nerei unseres neuen Friedhofs übernimmt sämtliche Aufträge Bepflanzung. Instandsetzung und Pflege von Grabstollen. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß die Priedhotabesucl die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an Topfpflanzen. Schnittblume Vasen und Schalen in der Friedhofsgärtnerei zu handelsüblich' Preisen zu decken. Fachmännische Beratungen und Berechnungen erfolgen koslenfre Leipzig, den 13. April 1031. Der Vorstand der israelitischen Religionsgenieinde zu Leipzig. Aas dem Gemeindeamt Friedhofs- und ßestattungswesen. Jeder Sterbefall ist unverzüglich dem Gemeindeamt, wenn dies* geschlossen ist, dem Bestattungsordner Meyer Brande. Gotische slr. 28, Fernspr.-Nr. 112 50. zu melden; sollte dieser ausaahmsweil nicht erreichbar sein, so wird die Meldung durch den Neuen Israel tischen Friedhof. Fernspr.-Nr. r>38 80. übermittelt. Darlehnskasse. Auskünfte über Darlehnsangelegenheiten sind nur im Büro d Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Leipzig C1, LOhi str. 10, Erdg.. in der Zeit von 10—17 Uhr einzuholen. Die Mitglied der Darlehnsknmmission sind nicht in der Lage, Auskünfte zu 81 teilen. Sie bitten deshalb dringend, sich mit allen Dingen an di< genannte Stelle zu wenden. Die Darlehnskonimission.