Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. April. 1931 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LKII7.K; Seite It Die (Ihcwra-Kadischa für Frauen ibt bekannt, daß vom Montag) dem 'Jtt. April 1981, ab Im Gemeindeamt, Löhrstr. 10 plr., wieder genäht wird. Ihn zahlreiches Eraeheinen bittet dringend der Vorstand der Cliewra Kadlaoba für Krauen. Krau Jobanna Rabinowits. ciiderung der Sprechzeit Herr Oenieinderabbiner Co b n gibt bekannt, dafi er künftighin zu [olgenden Zeiten zu sprechen sein wird: Montag, Dienstag, Donnerstag im 11—12 Uhr. Freitag und Sonntag, wie auch zu anderen Zeiten, nach vorhergegangener telefoni- Ii e r Verständigung. Noch einmal: Das jüdische Leben Leipzigs im „Israelitischen Kamilienhlatt", Hamburg Zu der in voriger Nummer des Gemeindeblnttes an dieser Stelle behandelten Angelegenheit müssen wir nochmals das Wort nehmen. Am Sonnabend, dem -1. April, brachte der Postbote Hunderten von Familien unserer Gemeinde eine Werbedrucksache des „Israelischen Kamilienblattes", das neben Werbeausfiilmmgen den Wiederabdruck des Aufsatzes von (iotlhelf .lacohy (Ksriel Carlebach) und i ines anderen von Dr. J. Adler, Leipzig: „Der religiöse Liberalismus in Leipzig" enthält. Diese Maßnahme des Verlages könnte an Bich nur begrüßt werden, da die zahlreichen Empfänger dadurch Gelegenheit erhielten, sich nochmals von der parteiliehen Kinseitigkeit und Schiefheit der Darstellung zu überzeugen, die (!. Jacoby über dal jüdische Leben Leipzigs gegeben bat. Die Auswertung aber und die Anordnung dieser Drucksache sind so irreführend, daß wir nicht umhin können, einiges zu dieser Werbung zu sagen. 1. Um die Behauptung des Verlages, auf der im wesentlichen diese Werbung sich aufbaut, zu stützen, daß das Familienblatt au dem „Grundsatz unbeirrbarer Ueberparteillchkeit, der seit Jahrzehnten seine Richtschnur bildet", auch jetzt noch festhält, ist der Aufsatz, «iiT sich mit dem religiösen Liberalismus beschäftigt, zuerst abgedruckt. Dadurch soll der Anschein erweckt werden, als ob die Leitung des Kamilienblattes, wie weiter behauptet wird, bestrahl sei, „im Geiste überbrückender Neutralität... Licht und Schatten über " :s religiös-liberale wie das gesetzeslreue jüdische Leipzig gleichläßig zu verteilen". Wnh r ist : Der Aufsatz von ..<!. Jacoby" ist in Xr. G des Familienblattes erschienen, und zwar ohne den geringsten Hinweit, daß in ihm das g e s e t z e s t r e u e jüdische Leipzig geschildert werden sollte: der Aufsatz gab sich vieli ii'hr als eine Darstellung des jüdischen Lebens in Leipzig. Wahr ist : daß der Verlag in dem mit Rabbiner Cohn geführ- I u Briefwechsel nie die Kinseitigkeit dieses Aufsalzes augestanden hat. Demgemäß war der Aufsatz von Dr. .1. Adler nicht von vorn- I' rein geplant: er erschien auch nicht, weil die Leitung, wie sie j Izl glauben machen will, über die verschiedenen religiösen Hich- I Ilgen Licht und Schatten gleichmäßig verteilen wollte; er erschien \ -Imehr erst in Xr. 18, also siel) e n W o c Ii e n später; er sollte l i Zugeständnis auf die seitens der liberalen Gemeinderabbiner geii ichten energischen Einwendungen sein. 2. Wie wenig die Leitung des Kamilienblattes ernsthaft gewillt v >r, die mit dem Aufwitz von ,.fi. Jacoby" begangene Parteilichkeit i -zugleichen, geht auch daraus hervor, daß der Artikel von Dr. Adler I I keinem Worte auf den vorangegangenen Aufsatz Bezug nimmt. Verein „Jüdisches Jugendhaus" Leipzig, Eiste rstr. 7 Postscheckkonto: Leipzig Nr. 68274 mit keinem Worte sich als eine Richtigstellung, ja auch nur als eine giOS-liberalen Juden für das Jüdische Leben Leipzigs wird, \(in einigen freundlich anerkennenden Worten begleitet, in eine Betrachtung der Wahlrechtsfrage bineingeschachtelt; sie wird äußerlich und in der Formulierung so behandelt, daß man leicht das Beatreben herausfühlt, nur ja nicht dieser Leistung die angemessene Anerkennung zuteil werden zu lassen. il. Deshalb muß darauf hingewiesen werden, dafi der Werbedrucksache ein dritter im Familienblatte veröffentlichter Artikel fehlt, und gerade der, der nicht nur in den religiös-liberalen Kreisen unse rer Gemeinde, sondern weil darüber hinaus Erregung und Empörung hervorgerufen hat: die geradezu unerhörte Stellungnahme gegen die beiden liberalen Gemeinderabbiner wegen ihrer nachdrücklichen und scharfen Einsprüche gegen die parteiliche Haltung des Familienblattes, Der Verlag dürfte schlecht beraten gewesen sein, als er, mitten in der Vorbereitung einer großangelegten Werbeaktion so herausfordernde und besonders Rabbiner Dr. Goldinann maßlos beleidigende Töne anschlug. Kr hatte wohl infolge des falschen Hildes, das in seinem Organe veröffentlicht war, eine falsche Meinung von der Stellung der liberalen Gemeinderabbiner, besonders des Dr. Goldmann, im Leipziger jüdischen Leben. Arbeitsgemeinschaft „Zur Einführung in die praktische Arbeit in der Gemeinde und in die allgemeine Politik" In Nr. 11 des Gcmeindeblattes teilten wir mit, daß die Arbeitsgemeinschaft des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig, für diesen Winter beendet ist. Wir möchten in folgendem einen kurzen (JeberbuVk über den bisherigen Verlauf der Veranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft geben: Zuerst gab Herr Rabbiner Cohn eine Darstellung über die historische Entw icklung der jüdischen Gemeinde. Als Zusammenschluß der Juden zum Zwecke der Errichtung religiöser Institutionen erfüllte die Gemeinde in der Zerstreuung wechselnde Aufgaben, immer jedoch vorwiegend rein religiöser Natur. Bisweilen wurde die Gemeinde von außen her mit Pflichten belastet, die über das Religiöse hinausgingen. Nicht selten wurden der Gemeindebildung, wie auch in Leipzig, erhebliche Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Die Gestaltung der Gemeindeform wechselte nach den inneren und den äußeren Verhältnissen. — Kin zweiter Abend brachte eine sehr instruktive Unter richtung über den Gemeinde-Etat in Leipzig, die von Herrn Verwaltungsdirektor Katsenstein gegeben wurde. Die Krauen konnten diesem Referat entnehmen, wie außerordentlich wichtig es ist. daß auch diese finanzielle Seite der Gemeindeverwaltung mit in die Interessen der jüdischen Krauen einbezogen werden. Ks ist dun haus falsch, zu glauben, daß wir Krauen unseren Bereich einzig und allein in der sozialen und pädagogischen Arbeit zu sehen haben; täten wir das. so würde man uns mit Recht vorwerfen können, wir berücksichtigten die materiellen Möglichkeilen der Gemeinde nicht genügend. Eine solche Einstellung ist auch in Zeiten, in denen die Krau als Berufsarbeiterin immer mehr in Betracht kommt, als durchaus überholt zu bezeichnen. —■ Der drille Abend behandelte die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde in einem Zwiegespräch der Herren Rechtsanwalt Dr. Conrad Goldschmidt und Dr. Pietrkowski. Die Herren versuchten, jeder von seinem weltanschaulichen Standpunkt aus. die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde zu Hinreißen. Ks hätte sehr verlohnt, diese Ausführungen noch durch eingehendere Aussprache ergänzen zu können. Leider war die Zeit an dem betreffenden Abend zu vorgeschritten. Ks bleibt weiteren Zusammenkünften einer solchen Arbeitsgemeinschaft überlassen, zu diesen wichtigen Kragen noch näher Stellung zu nehmen. — Die vierte Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft brachte Referate über die Einwirkung der Krau auf Jugenderziehung und religiöses Lehen. Referentinnen waren hier Krau Cilli Dzialowski und Frau Alma Schindler. Beide Referate waren für die Krau als Mutter und Erzieherin nach jüdischer Richtung hin außerordentlich bedeutsam. Auch hierüber würde es sich verlohnen, immer wieder von neuem sich auszusprechen, weil diese Fragen für alle Frauen, die es mit ihrem Krauenlum und Judentum ernst nehmen, im Brennpunkt des Interesses stehen müssen. — Der fünfte Abend informierte alle Erschienenen über die Interkonfessionelle Arbeit der Bahnhofshilie durch ein ausgezeichnetes Referat der Vorsitzenden der hiesigen Bahnhofshilfe, Fräulein Marie Wach. Heber dieses Referat ist in Nr. S des Gemeindeblattes eingehend berichtet worden. - Der sechste und letzte Abend beschäftigte sich mit der Woblfahrlsarbeit. Krau Elise Michael, die seit Jahren in der ehrenamtlichen städtischen Wohlfahrtspflege au verantwortlicher Stelle arbeilet, gab in ihrem umfassenden Referat einen Ueberblick über die Struktur und die Leistungen der Kürsorge-