Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 14 (3.4.1931)
- Date
- 1931-04-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite •_' QEMEINOBBLATT DER ISRAELITISCHEN KELlGIONSüEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 11 rn nwna ^o?y. S*4 'h* "HJ-WD rvm h »wd;mp sjson tpn? Midrasrh bekannten kritischen Moinenl isl in der uns dem Ende des 15. Jahrhunderts stammenden Haggadahhandschrifl in Nürnberg (vgl. Müller und Schlosser, Die Haggadah von Serajewo) illustriert. Ks wird dort gezeigt, wie der kleine von der Königstochter erzogene Muses in ihrem Beisein dem Pharao spielend die Krone vom Kopf nimmt. Da dies als ein böses Omen für Pharao gedeutet wird, droht \l.....» .Ii.- Gefahr, umgebracht su werden, was allerdings n;i<'li dem VIidrasch durch den weiterhin bewiesenen Unverstand des Kindes verhindert wird. In der genannten Haggadah findet sich jedoch auch eine weitere Darstellung, in der die Königstochter wiederum als Heilerin auftritt, indem sie den mit der Krone geschmückten Knaben In Sirherheil bringt, Aul den Midrasch zurückzuführen ist auch die in der gleichen Handschrift illu- »trierte aufopfernde Liehe der Zlpporah, die ihrem im Kerker eingesperrten Gatten Moses Speisen hringt. Aul dem gleichenBlatl wird auch die Trauung Moses" mit Zipporah gezeigt, die aber keimgerade für die Mosesgeschichte charakteristischen Merkmale aufweist. sondern vielmehr ein Beleg für die am Ende des 15. Jahrhunderts übliche jüdische Trauung Ist, hei derMann undFrau gemeinsam ihren Platz unter dein Gebetmantel eingenommen hahen. der ihnen als Trauhin......I dient. so wie dieses Mild gib! es noch eine Reihe von Illustrationen zu biblischen und midraschischen Erzählungen, die mit dem Fest mittelbar oder unmittelbar zusammenhingen, die aber nur die Entstehungszeit der betreffenden Haggadah illustrieren, ohne die Unterschrift wären die von dem Zeichner dabei ins Auge gefaßten Vorginge oft nicht zu erkennen. Der große in der Haggadah kurz erwähnte Bevölkerungszuwachs hat den Illustrator der venetianlsehen Haggadah dazu angeregt, mehrere um ihre Kleinen besorgten .Mütter aus dem 17. Jahrhundert darzustellen, wie sie an den hölzernen Wiegen Wache halten und sich mit den Kindern spielend beschäftigen. |)i.' Vorbereitungen zu dem l'Viertai! haben reichliche (ieleyenheit gegeben, Szenen aus dem Alltagsleben abzubilden. In der bereits mehrfach erwähnten Nürnberger Handschrift ist auf einem Mihi die Frau noch mit dein Wedel beschäftigt, während der Mann bereits nach irgendwelchen Kesten von Gesäuertem (Chomes) sucht, die vielleicht der Frau und ihrer Dienerschaft bei der Reinigung entgangen sein könnten Auch in der venetianlsehen Haggadah ist eine •nch D*H nj^no rtyoxv nS wo td V/nf"wnf> *t ir-D V« l-traaMBCH y ••wpp jmd.o. v>» Va.«*» «/'"wpsr© P.^dic. tram <p —ro rvrp -wpn wr» waark Tjjw :,"?7P TN Szene des < honiezsucliens abgebildet, bei der die Krau mit der Kerze in der Hand den Keller ableuchtet, während der Manu in einem anderen liaume Krumen für das ('homezverbreunen zusammenkehrt Natürlich fehlen auch die Darstellungen nicht, welche die Krauen Ihm der Reinigung des Geschirrs zeigen, das sie mit den bis zu den KU bogen entblößten Armen aufs gründlichste besorgen, um zuguterleU noch das Kaschern des Geschirrs, die für den Gebrauch am Feiert« notwendige rituelle Reinigung, vorzunehmen, das von einer Krau he sorgt w ird, die vor einem über dem offenen Feuer hängenden Kesse hantiert. Der über dem offenen Feuer hängende Kessel ist auch i Abbildungen aus dem 16.Jahrhundert bereits zu sehen. So z.B. i dem aus der Manluaner Ausgabe in spätere Drucke, den ersten All sterdamer Uli ersten venetian sehen. Ubernoii menem Mild, du eine in der Kücli sitzende Fra beim Kochen zeit' wie die in dl späteren Ausgi bell beigefügte I klärung angibt Besonderes In leresse gebütl derMassohhersti hing, die in de alten Handschri ten und Druck, deutlich die Mi hüfe oder suwei len sogar di Hauptarbeitsie stung durch d Krau erkennen I. seu. In der mehl fach erwähnt Nürnberger Handschrift knetet eine Krau den Teig, andere helfen Ii dem Können der Mazzoth. Der zweite venelinnische Druck im Gegei satz zum ersten zeigt, daß sämtliche zur Mazzohbereitung notwendi Verrichtungen von den Krauen besorgt werden, aulier der anstreng) den gründlichen Nachbearbeitung des Teiges und dem Einschieben den heilten Ofen; diese beiden Arbeiten verrichten die Männer. Ki Frau knetet, während ihr das notwendige Wasser von einer andei zu dem Mehl hinzugegossen wird. Au einem 'lisch sind mein. Krauen eifrig tätig, um den Teig in dünne Fladen mit dein Te holz auszurollen. An dem benachbarten Tisch beschäftigen - einige Krauen damit, in die bereits geformten Mazzoth die gen Killen anzubringen. Jedenfalls werden hier eine Reihe » Tätigkeiten von Frauen ausgeführt, die. wenn sie nicht inswisrh gar schon durch maschinelle Leistungen ersetzt sind, zum min sten seit langem in das Arbeitsbereich des Mannes aufgenomu worden sind. Eine kulturgeschichtliche Untersuchung über «las jüdische Krau leben in früheren Zeiten kann unmöglich an diesen Mildern vorflb gehen, ohne an Vollständigkeil einzubüßen. Frauen heim Bereiten der Massoth: rechts Krim beim Reinigen de> Geschirrs. Aua der venetianiHcheii tfaffasilsh von 171a. Aus der Vorbildersammlung it. Gesellwliafl s. Krforseh. jüdischer KunstdciikniiiH'r. Mazzen Von A Ii n a II a gen- T r e i c h e I (Frankfurt B. M.). Eueunvergeßliche Erinnerung aus der Jugendzeil sind mir. dem westpreußischen Landkind protestantischer Konfession, die Mazzen, weiche uns die jüdische Kaufmannsfamilie, bei <ler wir im nächsten größeren Dorf unseren Bedarf an Textilwaren deckten, jedes Jahr Freundlich zu übersenden pflegte, wenn sie ihr Pessacbfesl leierte! Stets wurden «ie milder bleichen |Tehcrraschuim und Freude empfangen, mit Ver- und Bewunderung begrüßt. Ist es doch so. daß Kindern, wie das alte Sprichwort sehr wahr sagt, des Nachbtl M r o t besser schmeckt, als der M U 11 e T K II c h e n. Diese Mazzen bedeuteten uns Romantik im Alltag. Auf den Wi len ebenmäßigen, wohlvertrauten Geschehens kamen sie dahergetn beu. wie kleine, eeheiiuilisvolle lliselchen. die sich fernab }OSgcl< von der Scholle einer fremden Well! Sie verschafften dem Kinde |af| lange interessante Beschäftigung. Schon ihre Form, das tellerarti)