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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-03-06 · 10 (6.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
10 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIUIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Ii Hause kommen, ohne Furchtl" Mau Uefl dies den Abraham wissen, und er kehrte heim. Am nächsten 'läge war Sabbath. da schickte der Beamte su Sabbathai und befahl, schnell mit dem Gebet fertig zu - ein, da mau ihn heute ins Verhör nehmen werde. Sabbathai beeilte gich und erschien bald vor dem Beamten, der ihn leutselig empfing, sechs Stunden mit ihm satt und ihm die ganze Beschuldigung vorlegte. Da antwortete Sabbathai: ..Ks ist doch allen Völkern bekannt, dafi uns .luden sogar das Blut von Tieren und Vieh und Vögeln, welche rituell geschlachtet werden, verböten ist. daß wir aus dem Fleische durch Sailen das Blut herausziehen müssen; um wieviel mehr also Menschenblut, das Ja allen Völkern als unrein und ekelhatl gilt, und noch dazu am l'essach, da wir uns tausenderlei Verschärfungen auferlegen müssen. Und was das Schwersie von allem, ist ja die grolle Sünde des Tötens und Blutvergießens, da uns sogar die Quälerei von Tieren verboten ist! Wie kann also ein vernünftiger Mensch solchen unsinnigen Anklagen Glauben schenken? Nach Moskau reiste ich stets allein und kehrt ■ auch allein zurück. Die Übrigen Angaben sind ebenso erlogen, die gefundenen Knochen rühren von dem Friedhol her, da der ganze Berg früher ein Friedhol war." Alles dies wurde protokolliert. Bezüglich der Sladt Wolisch leugnete er. je mit ihren Leuten verkehrt zu haben. Darauf befahl der Beamte, den Thalnuid Traktat Pessachlm aufzusuchen, und darin fand man Blutsauren auf einem Blatte, wie der Angeber bezeichnet hatte: hierüber wußte Sabbatbai keine Aufklärung zu gehen, ragt darauf wurde Hille! vernommen, der ebenso wie sein Vater aussagte, der die Blutspuren auch nicht zu erklären wußte. Am Montag wurde Sabbatbai mit dem Angeher konfrontiert, und dieser wiederholte mit großer Frechheit seine Anklage. Da gab Gott dem Sabbathai folgende Fragen in den Sinn: „Wie viele Jahre sind es, seit ich in Moskau war'.'" Da nannte jener um viele Jahre mehr, als der Wahrheit entsprachen. Dann fragte Sabbathai weiter: „Wie alt warst Du beim Tode Deines Vaters?" Da nannte er auch eine falsche Zahl, und der Beamte ließ alle protokollieren. Darauf sagte Sabbatbai: ..Man kann ja auf dem Grabstein lesen". Das gefiel dem Beamten sehr, und es zeigte sich, daß nach der Aussage des Angebers dieser bei der Heise Sabbathais anderthalb Jahre gewesen sein mußte. Dienstag wurde Hille! dem Angeber gegenübergestellt, und Gott fügte, daß er bezüglich des Grabsteines auf die Fragen seines Vaters verfiel. Der Angeber sah. daß ihm Unheil drohte und wollte sich gleich in einen Brunnen stürzen, wurde aber daran gehindert. Dann winden ihm schwere Fesseln angelegt und nachts eine Wache vor ihn gestellt. Der Beamte forschte und untersuchte eifrig die Dinge und fand die Behauptungen Sabbathais in allen Funkten bestätigt. Auen die Bauern beseligten, daß er niemanden mit sich aus Moskau mitgebracht. Die gefundenen Knochen wurden von den Aerzten untersucht, welche fanden, daß dieselben schon mehr als KXI Jahre in der Knie lägen. Ks blieb also nur die Blutspur im Talmud zurück, welche die Angeklagten nicht zu erklären wußten. Dann wurden sie nach Nieschwicz gebracht und dort interniert. Die Voruntersuchung wurde geschlossen und das Protokoll an den Kaiser geschickt. Und alle Angehörigen der Familie Turbowitz wurden aufgesucht, um man wollte sie alle ins Gefängnis werten. •I. Aber liott erbarmte sich endlich der Pein seines Volkes um gab dem Beamten in den Sinn, den Angeber zu erschrecken. All Sabbath, dem Iii. des Monats Adar schein, ließ er den Ankläger v<> sich kommen und redete also zu ihm: „Wisse, daß ich mich Übel zeugt habe, daß Deine Angabe auf Verleumdung beruht bat!" De Angeber erfaßte die Furcht, und er gestand alles. Und er erzählt dafi Chowanski ihm alle die Anklagen in den Mund gelegt hatte, ui dadurch die Mordbeschuldigung von Wallach zu bekräftigen. Die Ein zellleiten hatte er selber zugedichtet, denn er wußte, daß Sabbalha Haus auf einem früheren Friedhof erbaut war und daß man doi Meiischenknocheii linden könnte. Auch wie die Blutspuren in dl Buch kamen, erinnerte er sich genau: einmal lernte er mit seine Lehrer darin: als sie gerade bei dem Blatte ankamen, schlug ihm de Lehrer auf das Gesicht, und viel Blut rann aus seiner Nase auf da Buch, worin jene Spuren entstanden. Als der menschenfreundlich Beamte dieses Bekenntnis hörte, freute er sich sehr, ließ es zu Proti koll bringen, der Angeber unterschrieb, und der Beamte ließ verkii den, daß die Gefangenen am anderen Tage in Freiheit gesetzt wii den. Tags darauf, am 17. des Monats, ließ er Sabbathai rufen ui verkündete ihm seine Befreiung. Und dem Jsprawnik befahl er, i allen Städten des Bezirks zu verkünden, daß die Beschuldigung ai Lügen beruhten. Der Angeber aller wurde in Kelten gelegt, die in. an einen Wagen schmiedete, und so wurde er geführt. Der Beam reiste nach Welisch, ordnete von neuem eine Untersuchung an ui bewies auch die Unschuld der dortigen Angeklagten; er setzte s in Freiheit und öffnete auch die Synagoge und Lehrhäuser wiedi Und Kodakowski nahm an der Freude der dortigen Juden Anteil ui< jubelte mit ihnen. Damals entschied der Kaiser, daß diese gan wahnsinnige Anklage gegen die Juden niemals einen Grund halt' Und Sabbat hai und Iii Hol kamen nach Hause ganz fröhlich und woli gemut am Montag, dem 18. des Adar scheni, und fasteten den ganz. Tag. Am Abend machten sie ein großes Festmahl, lobten und pri sen (iolt und gaben Geschenke an die Armen. Und sie beschlösse für sich und ihre Nachkommen, daß jeder wiederkehrende 18. Ada alljährlich ein F'est- und Freudentag sei, wie das Fest von Purim. f; immerwährende Zeiten," * Soweit die „Megillath Sabbathai", deren Glaubwürdigkeit nie in Zweilel gezogen werden kann. Sie erzählt in schlicht-naivem Ti die Geschichte von Bobowno, wie sie einer der Beschuldigten erle' halte, von dem Gesichtspunkt eines Provinzjuden aus, der von der <r richtlichen Prozedur wenig wußte und die Tatsachen erzähll, wie sie gesehen. Die Angahe, daß die Beschuldigten von Welisch f. gleichzeitig mit denen von Bobowno in Freiheit gesetzt wurden, unrichtig, da jener Prozeß sich vielmehr noch sechs Jahre hin» sie mag aber insofern ein Körnchen Wahrheit enthalten, als dui die Kntlnrvung des Angeben Grudsinski die obersten Behörden B die Machinationen Chowanskis aufmerksam wurden. Unsere Gemeinde Israelitischer Wohllätigkeitsvorein zu Leipzig. Abt. Alfons-Jarobson- Kindrrhcim Dürrmbcrs. Das Kinderheim wird Anfang Mai eröffnet. Anmeldungen für sämtliche Kolonien werden entgegengenommen: Donnerstag, den 12. März 1931 Donnerstag, den 19. März 1931 Donnerstag, den 2<>. März 1931 io bis 12 Uhr, im Gemeindeamt, Löhrstr. 10, Erdgeschoß. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Israelitischer Frauenverein. Der Israelitische Frauenverein ist in den Kreisen unserer notleidenden Bevölkerung wohlbekannt, denn diese hat immer wieder und wieder seine tatkräftige Hilfe erfahren. Aber in den bessersituierten Kreisen kennt mau leider seine ■egensreiche Wirksamkeit viel zu wenig, weil er ganz in der Stille arbeitet. Wenn weite Kreise wüßten, wie nötig gerade in gegenwärtiger Zeit eine Ergänzung der Fürsorge von Stadt und Gemeinde durch die charitativeu Vereine ist, wenn weite Kreise wüßten, v sehr sich der Israelitische Frauenverein armer, kranker und all flauen annimmt, es ihnen ermöglicht, sich Pflege, Med (kamen Bandagen und sonstige medizinische Hilfsmittel anzuschaffen, wü es niemanden geben, der seine segensreiche Arbeit nicht Mrdi möchte. Schon allein seine sehr zeitgemäße Aufgabe, jungen Mädel Beihilfen zur Berufsausbildung zu bewilligen, verdient stärkste 1 demng. So arbeitet der Israelitische Frauenverein auf zwei gro Gebieten des Wohltahrtswesens: er leistet produktive Hilfe, Ind er jungen Menschen Berufsausbildung gibt, und er leistet eharilal Hilfe, indem er Erwerbsunfähigen, Allen, Schwachen, Kranken i Lebenslust erleichtert. Die Anforderungen, die bei der gegen wärt i: Not an den israelitischen Frauenverein gestellt werden, sind und gemäß fast ins Untragbare gewachsen. Der Israelitische Frau« verein kann ihnen nur einigermaßen gerecht werden, wenn die K nahmen trotz der Ungunst der Zeit wachsen. Alle, die heute bci< zu den Gönnern des Vereins zählen, sollten seine Arbeit nach s! ihnen gegebenen Kraft fördern; und alle, die ihm noch fernstand, sollten ihm beitreten, damit er durch Zuwachs an neuen Mitglied, seinen vielfachen Aufgaben gerecht werden kann. Nur einmal im Jahr bei der Hauptversammlung spricht d

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