Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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emeittö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! '.is Gcmrlmlt'blatt rrschrint |r<lrn Kreit ap und %»irtl den Mitgliedern der KellKloiisKenieincle unentgeltlich lurdi die l'ost zugetttelli — S r h r i f t 1 e 11 u n g : ilemeinderabblner (Justav Cohn, Leipzig, Lohratratte 10 NUMMER lO / JAHRGANG 7 FREITAG 6» MARZ lOtl Anleinen vir» alUinn und Dunk: Kudi<lriickcrcl Aujrual Pries Leipzig, Brodrrstr. 59 - Kcrnrul 70006 - Postscheck Leipzig 539 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verlassen» n<".i.iin i Durch das Ableben des Herrn Desider Gutmann hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Entschlafene hat seit 1918, zunächst als Synagogenkommissar, im Ehrendienst der Gemeinde gestanden und seit 10 Jahren das Amt eines Verordneten bekleidet. Die Gemeindevertretung schätzte seine Mitarbeit und seinen klugen Rat besonders und berief ihn deshalb in verschiedene wichtige Ausschüsse. Alle diese Ehrenämter hat der Heimgegangene mit großem Verständnis, ungewöhnlicher Pflichttreue und tiefem Verantwortungsbewußtsein verwaltet. Wir werden seiner stets dankbar gedenken. Leipzig, den 2. März 1031. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Das Purim von Bobowno Von S. I) u Ii 11 o W. Aus dem Hebräischen übersetzt von B. Segel (Schluß). 8. Im Jahre .V>N!) der Welt, am •">. Taue der Woche, am 'S.\. des iiats Adar I vor Morgenanbruch kamen die Beamten nach Howno und umzingelten Sabbathaii Haus. Die Herren betraten roll allein das Innere und fanden den Abraham, dem sie tagten, dafl sich von der Kälte wärmen wollten. Abraham trat aus dem iise. und als er es von Militär umzingelt sah. entfloh er. Die Her- 1 gingen in das Schlott (wo ein Edelmann wohnte) und brachten le Diener mit. um das ganze Haus ZU besetzen. Morgens erwachalle llausleute, auch die Stadtbewohner kamen in Sabbathaii iis zum Morgengebet; sie fanden das Haus streue, bewacht, man i sie hinein, aber nicht hinaus. Nach dem (lebet kamen die bei 1 Beamten ins Innere des Hauses. begrQflten den Sabbathai harni und baten ihn. sie durch die /immer seines Hauses zu führen: h der Angeber war mit ihnen, aber vermummt Kr führte sie ich alle seine /.immer, bis sie in das innere Gemach kamen. Dort nie Rodakowaki dem Sabbathai den kaiserlichen Auftrag, der ihn KvoUmlehUgte, alles zu tun, wie er wollte, aber er tilgte in gfltiger lache hinzu, dafl, wenn er unschuldig sei. er nichts tu beidrehten be, denn er (Rodakowski) wolle nur der Wahrheit auf den Qrund 'innen. Und Rodakowski befahl den Srhloühediensteten. am Hoden s Hauses zu graben. Man grub und fand kleine Meiischenknocheii. die Rodakowaki nahm und aufbewahrte. Die Beamten ließen Sabbathai um! seinen Sohn ergreifen, führten sie ins Schlott und sperrten sie ein. jeden besonders; das übrige Volk lieft man frei, ohne dafl Jemand den Qrund der ganzen Sache wußte, und die Stadt Bobowno war unruhig. Am nächsten Tage, es war Freitag, sahen alle Stadtbewohner, wie eine ganze Schar von Leuten aus den umliegenden Dörfern vom Schlotte herabkam, hinter ihnen kamen Sabbathai und Hille), dann die Beamten und ein Wagen mit Stroh: da erzitterten alle, denn sie dachten, man hätte sie zum Verbrennen im Strohhaufen verdammt Jene kamen bis in den Hof des Besitztums Sabbathais. Dasselbe lag auf dem Abhang eines Berges, wo früher ein chiistlicher Friedhof war: auch das Haus stand auf (Irühern. Und man streute das Stroh auf die Erde, die Beamten stellten sich darauf. Sabbathai und llillel daneben auf das Stroh, um keine kalten Ritte zu bekommen, denn der Schnee lag noch hoch auf der Erde. Die Soldaten umzineelleu sie mit gezückten Schwertern, indes die Dorf leute den Berg aufzugraben begannen und viele Menschenknochen ausgruben. Sabbathais Krau weinte bitteilich. da tröstete sie Rodakowski und versicherte, den Gefangenen keine Folterqualen ansutun. Und er sprach weiter zu ihr: „Wenn Du willst, dalJ ich gegen Euch gar keinen Verdacht hege, so lasse Deinen Sohn Abraham nach