Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Februar 1031 (iKMEINDEKLATT l)KR ISRAELITISCHEN RELK1IONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Gemeindesitzung vom 23. Februar 1931 (Nach der amtlichen Niederschrift.) h tu i (I i eröffnet die Sitsung Herr Gemeindevorsteher Qoldi i i 18.25 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt er des Hinaeheideni ,: Herrn Plaut, der viele Jahre dieser Versammlung angehSrt hat. i Versammlung erhebt sich su Ehren des Verstorbenen von Ihren S11 zen. Hierauf begrflfll der Vorsitzende Herrn II od es. der nach Uhler Krankheit erstmalig wieder erschienen ist. Ks wird in die Tagesordnung eingetreten. 1. A in tanI ederlegung v« n (J e m e i n d e ve r o r d - ten. Zu diesem Punkt bittet Herr Justlsrat Hr. Lftwenstein ii das Wort. Nach längeren rechtlichen Darlegungen kommt Redner /i dem Schlott, dat.! kein Grund zur Amtsniederlegung vorliegt, da I, ner von den im Statut vorgesehenen <irunden zur Niederlegung \ banden sei. Dieser Standpunkt möge den betreitenden Verordne- |i mitgeteilt werden. Gleichseitig seien sie unter Setzung einer Friai m /ufordern. daß sie Ihre Aemter weiter verwalten. Da das Genieindestatut keine Zwangsmittel vorsehe, um die Durchführung die- Beschlusses zu verwirklichen, stellt der Redner noch einen Kvenlu dantrag. Hierauf tritt eine Pause ein, um den Gemeindevertretern Gelegenheit zu gehen, diese Anträge su besprechen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung bringt Herr Justisral Hr. Löwenstein seinen Antrag in folgender allgeänderten Komi ein: ..Die Gemeindesttxung wolle beschließen, die zurückgetretenen Gemeindeverordneten darauf hlnsuweisen, daß sie nach § 5 des Gemeindestatuts nicht das Hecht haben, ihre Aemter niederzulegen. Hosondere Verhlltnisse Im Sinne des § 5, Abs. 2 des Gemeindestatuts werden nicht anerkannt. Demgemäß leimt die Gemeindesitsung dir Kllltsniederlegung der vom Vorsitzenden genannten Herren ab." Die- Antrag wird einstimmig angenommen. 2. Friedhofsordnung. Der Vorsitzende gibt Kenntnis von den Antworten, die auf die Anfragt-, die Zulassung von Ansprachen viMi Frauen auf dem Friedhof betreffend, von den verschiedenen Gern* milen eingegangen sind. Die Antworten sind verschiedenartig aus- 'j' lallen. Die Oenieinderabbinor. die hierüber auch befragt worden sind, halien gebeten, in jedem Falle, in dem die Frage aufgeworfen wird, eine besondere Entscheidung zu treffen, aber keine diesbezügliche Bestimmung in die Friedhofsordnung aufzunehmen. Herr Marken dort bittet, vor einer Stellungnahme der Verla 'imlung erst die ChewTS Kadisrha zu befragen. Ks wird beschlossen, in die Friedhofsordnung keine besondere I'" -limmung darüber aufzunehmen. Zu der Frage der Oeffnung der Friedhöfe au Sabbaten verliest di r Vorsitzende ein Sehreiben der Friedhofskommission der JOdi- -ii Gemeinde Herlin. wonach dort am Sabbat der Friedhof zu bell muten Stunden geöffnet ist. Auch über diese Frage sind Qutachi' der Qemeinderabbiner eingeholt worden. F.s wird beschlossen, es bei der betr. Bestimmung der Friedhofs- 'ii Inung zu belassen, den Friedhofsverwaltern aber die Erlaubnis zu PI rdlen, von Fall zu Fall den Resurh ausnahmsweise an Sabbaten ZUi issen, atier hierüber keine Bestimmung in die Friedhofsordnung unehmen. Der Vorsitzende berichtet, daß die Friedhofsordnung für die Beil Hing von Aschenresten nur Särge von gev/Bhnlieher Größe zuläßt. A ■ mancherlei f!riln<len. die er anführt, empfiehlt es sich, diese Bell inning m ändern, und zwar derart, daß für die Heisetzung der k he eines Erwachsenen nur dann ein Sarg für einen solchen ver- » idet wird, w enn mit der Heisetzung eine Feier verbunden ist. Herr I rkendorf erläutert noch weiter, aus welchem Anlaß die Notidigkeit zur Aenderung der Bestimmung entstanden sei. Man bell ließt, die Bestimmung in der neuen Form anzunehmen. Herr Kestenbaum bemängelt, daß nur dem ersten liberalen I liiner die religiöse Aufsieht über das Heslatlungswesen übertragen Kr bittet, dem orthodoxen Rabbiner das gleiche Hecht einzufi inen. Der Vorsitzende erwidert, daß eine Abänderung daran scheitert, 'I dein ersten liberalen Rabbiner dieses Recht vertraglich sus- * iießlirh zusteht. Herr Markendorf unterstützt diese Ausführung. Ks sei über 'I Angelegenheit schon viel gesprochen worden. Herr Kestenliaiini ' ge s« ine Anregung zurückziehen. Nach kurzer Erwiderung entspricht Herr Kestenbaum diesem \v msrhe. Hierauf wird die Friedhofsordnung endgültig angenommen, ii. Der Vorsitsende gib! bekannt, daß in Leipzig wiederum eine größere Anzahl jüdischer Erwerbsloser vorhanden ist. Ein von diesen gewühlter Ausschult habe um eine Winterbeihilfe von seilen der Gemeinde gebeten. Der Vorstand isi dieser Bitte nachgekommen und habe an 159 Personen zusammen I84S M. Unterstützung gewährt. Kin grober Teil der Mittel hierzu sei nicht aus der Gemeindekasse ge¬ Bossen, sondern teils durch private spenden für die Nothilte, teils durch eine Zuwendung von seilen des Ortsausschusses der Sächsischen Kothilfe gedeckt worden. Nun sei aber noch ein Gesuch um eine Beihilfe für ungefähr im Erwerbslose eingegangen, die bei der ersten Verteilung nicht berücksichtigt worden waren, da sie sich noch nicht gemeldet hallen. Um zunächst diesen eine Winterbeihilfe zukommen zu lassen, beantrage der Vorstand die Bewilligung eines Beitrages von hmki M. Herr Ury, der sich schon früher in dankenswerter Weise der Erwerbslosen angenommen hat, bestätig) die Ausführungen des Vorsitzenden. Er hofft, daß während der Messe Gelegenheil sei. eine Zahl von Erwerbslosen zu beschäftigen. Mit einem Betrage von 1000 M. sei aber nicht viel geholfen. Mall solle durch V erteilung von Lebensmitteln ilie Not zu lindern versuchen. Auch eine Verteilung von Kohlen komme vielleicht in Betracht. Man müsse ferner versuchen, private Mittel für diesen Zweck aufzubringen. Der Vorsitzende erwidert, daß mit Verteilung von Lebensmitteln den Erwerbslosen nicht restlos geholfen sei. da sie Barmitte] zu den verschiedensten Zwecken, beispielsweise zur Bezahlung von Miete usw. brauchten. Herr Ury bittet, einen Itetrag von 2(KW> M. zu bewilligen. Herr Kestenliaiini glaubt, daß die Unterstützung der Erwerbslosen nicht Sache der Gemeinde allein sei. Man solle die notwendigen Spenden von privater Seite aufbringen und zu diesem Zweck eine größere Versammlung von wohlhabenden Gemelndemltgliedern einberufen. Herr Ury teilt mit. daß er etwas gleiches schon versucht habe. Auf seine Einladung seien nur wenige erschienen. Herr K a ii f in a n ii glaubt, daß ein Komitee sich dieser Sache annehmen soll. Der Vorsitsende bittet, zunächst 1000 M. zu bewilligen, um die schlimmste Not zu lindern. Herr .1 o s k e berichtet, daß in seinem Geschäft in Weißenfels täglich mehrere Rinder unentgeltlich gespeist werden. Andere Geschäfte hätten sich diesem Vorgehen angeschlossen. Kr bittet, dies auch hier einzuführen. Die Speisung geschehe interkonfessionell, und die Kinder würden von den einzelnen Schulen überwiesen. Hedner ist der Meinung, daß von Gemeinde wegen nicht allzu große Mittel für diesen Zweck bewilligt werden dürften, von privater Seite müßten die Mittel beschafft werden. Ib-rr Breslauer beantragt, für die dringendsten Bedürfnisse zunächst einen Betrag von tü(K) M und für spätere Zwecke ein Berechnungsgeld von weiteren 1000 M. zu bewilligen. Herr II od es schlägt vor. für die Unverheirateten Speisezettel unentgeltlich zu verabfolgen. Der Vorsitzende erwidert, daß diese Maßnahme bereits durchgeführt sei, und zwar würden die von der Stadt zugeteilten Speisemarken von der Gemeinde umgetauscht werden. Es sprechen noch hierzu die Herren Ury und Lustig sowie Frau Rosen t h a 1. Der Antrag Breslauer wird angenommen. Der Vorsitzende fordert noch die Herren, die die Gründung iles Privatkomlteea angeregt haben, auf. Ihre Anregung auch durchzuführen. I. Ks liegt ein Gesuch der Kolomeaer Synagoge um Gewährung eines Beitrages anläßlich des Umsuges in ein anderes Gebäude vor. Der Vorstand hat beschlossen, das Gesuch aus grundsäts liehen Erwägungen abzulehnen. Dem schließt sich die Versammlung an. r>. Landespens Ions verband. Den Gemeindevertretern ist über die Versicherung ih r Beamten und Angestellten der Gemeinde auf Ruhegehalt, Witwen- und Waisengeld beim Landespensionsverband sächsischer Gemeinden in Dresden bereits vorher eine Denkschrift zugegangen. Der Vorsitzende teilt mit. daß Inzwischen von einer Versicherungsgesellschaft ein günstigeres Angebot /