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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DKK ISRAELITISCHEN HELIG IONSGEMEIN DE ZU LEIPZIG Nummer 6 wenn auch leider »ahlreicher Einzelner, handelti von denen »in=• '>- hänglg sich das Innere und Außere Schicksal Rußlands vollzieht. Denn «lic wahre Idee, die Idee des Judentums, des ganzen jüdischen Volkes Ist nicht materialistisch, ist dem Materialismus feindlich, Das Judentum, das der Welt die Erkenntnis des einsigen außer* weltlichen moralischen Gottes vermittelt hat, kann nicht materialistisch sein; es ist höchstens realistisch, weil es seine sittlichen Ideen ins Reale umsetzen will, und sein Glaube ist wie wir ihn nennen möchten ein realistischer Gottesglaube. Dostojewski kennt auch diese tiefste Idee des Judentums, kennt sie besser als manche zeitgenössischen Juden seihst; nur vermochte er sie mit „gewissen Tatsachen" nicht in Einklang zu bringen. „Ist e? nicht sonderbar", ruft er aus, „daß man sich einen .luden ohne Gott gar nicht denken kann?" Kaum jemals ist der Charakter de> .luden knapper und treffender gekennzeichnet worden. Dostojewski vermag, trotzdem er den idealen und ewigen Charakter der jüdischen Idee erkannt hat. dennoch kein abschließendes l'rleil über die Vertreter dieser Idee zu fällen, da ihn die Wahrnehmungen in der Wirklichkeit zu sehr verwirren. So muß er denn sagen: .....noch ist die Zeit für ein endgültiges Urteil über dieses Volk nicht gekommen, trotz der verflossenen vierzig Jahrhunderte; noch Steh! das letzte Wort aus, das die Menschheit über dieses mächtige Volk zu sagen hat." l ud obwohl er sehr häufig vom krassen „Materialismus" der Juden spricht, kann er nicht umhin, diese erleuchteten Sätze niederzuschreiben: „liier ist nicht die Selbsterhaltung die erste Ursache, sondern eine Idee, die mit sich forlreil.lt, die leitet und erhält; liier handelt es sich um etwas Welt beherrschendes und Ewiges, WOl'übei (Ins ,letlte Wort' zu sagen die Menschheil vielleicht noch gar nicht fähig ist. Dat.! der religiöse Charakter in dieser Idee da Uebergewicht hat darüber kann kein Zweifel bestehen." Mau sieht, bis zu welcher idealen Auffassung des jüdischen Ge dankens Dostojewskis Anschauungen sich erheben können. Danacl ist aber der logische Widerspruch in der Konsequent seiner Arge mentation nur zu augenscheinlich. Dieser Widerspruch bei einer Menschen- und Yölkorpsychologen vom formale Dostojewskis muß El Reflexionen anregen. Aber, nicht nur die Gegner der Juden, sondei auch die Juden selber. Kr niül.lte sie anregen zu einer strenge Selbstprüfung und sie ermahnen, über einzelne negative Seilen ihn Charakters nicht die grolle, die positive Seite ihres Wesens, die ewigi jüdisch-religiöse Idee zu vergessen. Wenn sie an dieser festhaltet dann werden sie auch ihre Fehler und Vergehen mit mehr Mut un (Iffenherzigkeil eingestehen dürfen, w ie alle anderen Menschen am I die eben als Menschen dem Irrtum und der Verfehlung ausgesel sind. — War also Dostojewski Antisemit? Wenn diese Frage nun unbedingt beantwortet werden müßb wenn mau vermeinte, auf ein Etikett nicht verzichten zu können, würde die Antwort lauten: Ja, er war Antisemit. Ein Nachsatz jedoch müßte folgen: Aber ein Antisemit, mit dem das jüdische Volk sieh ehrlieh un ehrenhaft auseinanderzusetzen vermöchte, von dein es lernen könnt« l'ud das isl viel! Aus aller Welt Eine wichtige Tagug für jüdische Kaasrpflege und Kuastferschung. Bei einer (fingst in Mainz zusammengetretenen Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer wurde der für diese Gemeinschaft lang erstrebte Satsungsentwuri geschaffen, wurden alle Aufgaben und Ziele festgelegt. An dieser Arbeitssitzung nahmen Vertreter der bisher besiehenden jüdischen Sammlungs-Organisationen in größerer Zahl teil; die am Erscheinen verhinderten Organisationen bzw. djpren Bevollmächtigte bekundeten durch Briefe und Telegramme ihr Einverständnis mit der satsungsgemäßen Festlegung und Intensivierung der Zusammenarbeit Der bisherige Vorsitzende, Herr Max Silberberg. Breslau, eröffnete die Sitzung, Herr Kommersienrat Ii. A. Mayer. Mainz, begrüßte «lie Erschienenen namens «l«'r Israelitischen Religionsgemeinde Mainz, und Herr Rabbiner Dr.Levi, Mainz, leitete die Verhandlungen nach Uebernahme der Vorortsarbeit. Ueber folgende Themen wurden Referate gehalten: l. „Das Programm für die zukünftige Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft" durch Herrn Max Silberberg, Breslau. Korreferent: Dr. Karl Ladenburg, Mainz. „Zusammenarbeiten der jüdischen Museen und Austauschmöglichkeiten" (in Abwesenheit des Referenten, Herrn Prof. Dr. Jakob Bronner, Wien, gelangte dessen Manuskript zur Verlesung). :t. „Die Errichtung eines fotografischen Archives" durch Herrn Max Silberberg, Breslau. Korreferent: Herr Theodor Harburger, Münche n. 4. „Die evtl. Einrichtung einer die Arbeitsgemeinschaft betreffenden Zeitschrift" durch Herrn Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz. 5. „Ein evtl. Engagement eines Herrn, welcher sich von Fall zu Fall für Forschung!- und andere Aufgaben <I<t Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung stellen soll", durch Herrn .1. Reifing, Mainz. Ueber die Organisation <l«'s Kuratoriums zum Schutze jüdischer Denkmäler in Lemberg uiiil dessen bisher geleistete Arbeit berichtete Herr Dipl.-Architekt Teitelbaum, Lemberg. Auf (iruml lebhafter Diskussionen zu den einzelnen Referaten wurde <I«t Satzungsentwurf für die Arbeitsgemeinschaft, der Verteilungsplan für die einzelnen Bezirke der Museen uml die Richtlinien für «Ii«' inneren Arbeiten geschaffen. Zur Inangriffnahme der weiteren Arbeiten wurden folgende Kommissionen eingesetzt: l. Ein Aktionsausschuß für die kunst- und kulturhistorische Arbeit, bestehend aus den Herren Max Silberberg, Breslau, Rabbiner Dr Levi. Mainz, und Felis Perle, Breslau. '2. Ein Werbe-Finanzausschuß, bestehend auden Herren Max Silberberg, Breslau. Komm.-Bat Mayer. Mainz. Dr. Leonhard Filde, Mainz, und Dr. Felis Kauf! mann, Frankfurt a. M. 3. Eine Kommission zur Schaffung eines fotografische«) Bildarchive«, bestehend aus Frau Dipl.-Architektin Rahel Wis. nitzer-Bernstein, Berlin, und den Herren Max Silberberg, Breslau I.Reifing, Mainz. Prof. Dr. Erwin Hintie, Breslau. Prot Dr. Glase Berlin. Dr. Otto Wertheimer, Berlin. Dr. Karl Schwarz. Berlii Ferner wurde eine 1. Kommisaion zwecks Verbreitung der Au gaben und Ziele der Arbeitsgemeinschaft mittels einer Werbeschrift die Proben aus verschiedenen Tätigkeitsgebieten enthalten soll, ei gesetzt; dieser Kommission gehören «lie Herren Felix Perle, Breslai und Dr. Karl Ladenburg, Mainz, an. Die mit großem Eifer und mit Begeisterung geführten Verhau lungen brachten eine vollständige Aufarbeitung des vorgesehen« Programms und lassen die Hoffnung zu. «lall die junge Arbeil gemeinschatt bald mit sichtbaren Erfolgen an die OeffenUlchk« treten kann. In die Sitzung war eine gemeinsame Besichtigung «les jüdisch Museums. Main/., eingefügt. Führungen durch weiter«' Sehenswürdi keilen in Mainz. Worms uml Frankfurt a. M. schlössen die TagUl August Itohling, der Nester der deutschen Antisemiten, gestorben. Im Aller von B2 Jahren verstarb jüngst in Wien Prof. A u g u Rohling, der älteste unter den Führern «les Antisemitismus Deutschland, wohl «1er erste, der es unternahm, den Antisemitisn „wissenschaftlich" zu fundieren, und so Ideal und Vorbild aller ai semitischen Fälscher von heute geworden ist. August Rohling wut 1h:i<i in Neukirchen gehören, wurde später Theologieprofessor au d Universität Münster und 1881 an die Prager deutsche Universität rufen. Schon in Münster begann er eine hetzerische antisemili-' Tätigkeit 1S71 ließ er «lorl seinen berüchtigt gewordenen »Talmi juden" erseheinen. Die Schrift wurde in Zehntausenden von l!x> plaren verbreitet «'in Neudruck erschien 1824. Der „Talmudjude" ein Pamphlet, «las den Nachweis erbringen will, «lal.l „der Jude Religions wegen die Andersgläubigen physisch und moralisch, hei lieh oder ofien zu verderben befugt ist". D«-r vor einigen Jahren » storbene einstige Abgeordnete <l«'s Osterreichischen Reichstags, Josef Bloch, damals Rabbiner in ihr Wiener Vorsladtgenioii Floridsdorf. stellte öffentlich «lie Behauptung auf. daß Rohling ni in <I«T Lage ist. auch nur eine Seile des Talmuds ZU übersetzen U «lall er die Gerichte durch falsche Angaben hintergangen habe. Vermute <l«'r von ihm gegen Bloch angestreAgten Prozesse erklfi sich Rohling bereit, vor dem Gerichtshof in Lemberg zu beeiden, ' <lie jüdische Religion den Ritualmonl kenne. Bloch veröffentlicht« der Tagespresse Erklärungen, in denen er Rohling des Meineids u «l«'r Lüge besichtigte. Ks kam daraufhin wieder zu einem Prozeß dem «Ii«' angesehensten Orientalisten, wie Noeldeke, Wünsch«'. Fn Delitzsch, gegen Rohling als Gutachter auftraten und ihm fgnora

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