Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Semeinö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErl N DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! >,is Gemelndeblatt erscheint Jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemetnde unentgeltlich durch die Post zugestellt — Sthrlftlcltung: r.emclnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Löhrstrafie 10 NUMMER 8 / JAHRGANG 7 FREITAG 20» FEBRUAR 1911 Anzpilii'nvrrwullunK und Drink: Hiidiflruikrrrl August Pries, U-IpzlK, BrOcI.-rslr. 59 - Fernruf 70006 - Portsdnik Lelpzlx 53920 - Nadulruik nur mit (,)urHcnangabc und mit (k-nrhrnlRunK des Wrfasscrs gestattet Dostojewskis Stellung zum Judentum Von s. Ta u Ii c s. Wien (Schluß). Dostojewski wirft den Juden Eigendünkel und Hochmut, Unbarmli. rzigkeil, Herrschsucht und insbesondere (i eidgier vor, also uni: fähr allf Fehler, die ihm vom einfachen Volke vorgeworfen werden, <las damit bestrebt ist, seinen geheimnisvollen, eingeborenen, dem Judenvolke feindlichen Instinkt, vor sieh selbst zu motivieren. Dieser Instinkt ist Jedoch vom landläufigen, theoretischen Rassen- oder Religionshaß ausdrücklich zu unterscheiden, wenn auch M ine tiefsten Winzeln unserer Meinung nach auf einen mystischreligiösen, moralischen Uruiul zurückgeführt werden müssen. Dieser feindliche Instinkt ist, wie hier nur andeutungsweise heil eckt werden kann, für die .luden auch durchaus nicht unehrenhaft, da mit ihm die sittliche lierufung des Juden Volkes selbst angelt ludet wird. Kr ist die natürliche Auflehnung der Mcnschcniiatur gl gen die in einem Volke personifizierte Idee der Moral, gegen die im Judentum leibhaftig in die Well getretene Sittlichkeit, die stets ang griffen wurde und werden wird, ohne welche aber eine Menschheit, wie es ihr ahnungsweiso bewul.il ist. überhaupt nicht existieren könnte. Daher mischt sich auch in diese Gegnerschaft ein Element scheuer Anerkennung und w Iderst re be u d e r Hochschltsung, v ie sie der Moral immer von den Menschen entgegengebracht worden. Aus dieser Verbindung widerstrebender Gefühle ergibt sich dann das so unbestimmte, so unsichere Verhalten allei Nichtjuden zun Judentum. Von hier aus sind alle Widersprüche dieser Ein- - Ilung und auch der augenscheinliche Widerspruch in der Stellung! «tojewskis abzuleiten, ohne dali durch diese Feststellung das Juden- Ii in etwa von allen Vorwürfen reingewaschen werden sollte. Ks kann nicht Sache dieses Aufsalzes sein, der sich nur au gev »sc allgemeine Kichtlinien des vorgefaßten Themas halten muß, ' -se Feindschaften im einzelnen ZU untersuchen und vielleicht mit ihnen zu polemisieren. Ks kann uns hier nicht darum g< heu, Apolol ik tles Judentums zu treiben und vielleicht dem loten Dostojewski e i Privatissimum über die so verwickelte und verzwickte Stellung d - Judentums innerhalb der Volker zu erleilen, indem einzelne Fälle I gliedert würden. Eine Verwicklung, die um so komplizierter er- - eint, als der Vertreter der Moral, wie offen zugegeben werden i ili, in einzelnen Aeullerungen selbst unmoralisch, wenn 'l r berufene Vertreter der Sittlichkeit in vieler Hinsicht selbst - ttlich entwurzelt ist und au der allgemeinen Dekadent d i Sittlichkeit Anteil nimmt, was natürlich noch auffälliger in Kr ftheinung treten muH Denn ein Richter, der selbst ein Verbrechen Jehl, was menschlich wohl begreiflich ist. setzt Bich einer schärferen Ii itik aus als der gewöhnliche Sterbliche. Ks soll hier nur das Bestehen eines solchen Widerspruches in <l r Dostojewskischen Konzeption zur Judenfrage nachgewiesen werdi n, wobei aber die Schuld an diesem Widerspruch In gleichem Malte eriialb des jüdischen Volkes selbst zu suchen ist. das durch das \ rhalten mancher seiner Sühne zu einer solchen Verwirrung der Häselingen Aulati gibt. Aus dem Umstände des llervorrngens markanter jüdischer Namen auf dem Gebiete der internationalen Politik und Tresse, aus der Talsache eines umfassenden Anteiles der Juden an Börsengeschäften und aus der Ansicht, daß Habgier ein hervorstechender Charaktersug les jüdischen Menschen sei, kommt Dostojewski zum Schlüsse, dali das materialistische (iepräge der Zeitepoche, die er mit so unauslöschlichem Ilasse verfolgt, auf den alleinigen Einfluß des Judentums zurückzuführen sei, meint er. ..dali die reichen Juden immer mehr die Herrschaft über die Menschheit erobern und immer eifriger danach streben, der Welt ihr jüdisches Antlitz, aufzudrücken und ihr jüdisches Wesen zu verleihen". Dabei erklärt Dostojewski, er spreche nicht von einzelnen Personen (wiewohl er ausdrücklich nur von den reichen Juden spricht, die im Verhältnis zur gewaltigen Masse dei Armen eben doch nur Kinzelne sind), sondern im allgemeinen ..vom Judentum Und von der jüdischen Idee, die die ganze Well ergreift . . .". Nun könnte man ja. wie gesagt, vom jüdisch-apologetischen Standpunkt aus behaupten, es handle Bich hierbei doch nur um Kin seine und zumeist gerade um solche, die sich vom wahren Wesen des Judentums innerlich (und sehr oft auch Kußerlich) losgesagt bitten. Dali Dostojewski also mit viel mehr Berechtigung eben jene Kinzehien hätte angreifen müssen, stall dali er die Idee <les Judentums angriffe, eine Idee, die, wie Dostojewski selbst au anderer Stelle auaführt, noch eine ganz, andere und wie das Judentum fest glaubt bei weitem überragende Triebkraft besitzt. Wenn man aber dem Russen Dostojewski diesen apologetischen Standpunkt nicht zumuten wollte, da er schließlich nicht verpflichte) ist, die Idee, das ideale Wesen des Judentums zu kennen, und er sich eben nur an „Tatsachen" hält, wenn man ihm zubilligen müßte, dali diese „Kinzeluen" zu häulig vorkommen, um eben noch als Kinzelne betrachte! werden zu können, so wäre damit ja erst nur ein Charaktersug, aber noch lange nicht der Qesamtcharakter, die Idee lies jüdischen Volkes gekennzeichnet worden, die jenen einzelnen negativen Zügen entgegensteht, und au der die Juden unverändert und unverbrüchlich festhalten. Wenn es nämlich wirklich so wäre, wenn der Materialismus wirk lieh der vorherrschende Zug im Charakter des Juden wlre, und wenn diese Juden tatsächlich eine so unbeschränkte Macht ausübten, wie kommt es dann, dali in Dostojewskis Romanen, die alle Erscheinungen und Ideen Rußlands fast völlig widerspiegeln, wie kommt es fragen wir . dali jener angebliche Einfluß des Judentums auf die Entwicklung Rußlands fast gar nicht oder nur sehr spflrlich zulaue tritt und <lalt Glans und Elend seiner russischen Gestalten sich im streng geschlossenen Kreis, im durchaus abgeschlossenen Milieu privaten Russentunis abspielen? Dieser Einfluß müßte ja überall und Immer wieder in Erscheinung treten, er müßte, das von Dostojewski angegebene Ausmalt desselben angenommen, au hervorragender Stelle sichtbar sein. So scheint es also, und wird durch den eben erwähnten, hochwichtigen ('instand erhärtet dali es sich bei dem sogenannten „jüdischen" Materialismus doch nur um die Abirrung Kinzelnei.