Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 7 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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13. Februar 1031 Seite 3 Er Bußerl also offen eine Abneigung gegen »Ii«- Juden, abei um wegen gewluer Tatsachen, wegen gewisser tatsächlicher Geschehnisse und nicht etwa aus einem ausgeklügelten Vorurteil, das niemals ii beheben wäre. Denn wenn es sieh um Tatsachen, um gewisse zeiiliche Erscheinungen handelt, wenn der Jude nicht im voraus stigmatisiert erscheint, sondern wenn wie Dostojewski sigt. „auf beiden Seilen Gründe gibt, die eine Vereinigung ausschließen . . .". bo bleibt ja noch immer ilie Hoffnung, dafl diese Gründe einmal zu überbrücken sein würden, daß Tatsachen umgeändert und gutgemacht werden können . . . (Schluß folgt) Unsere Gemeinde Die Problem»*!« des belügen Fraieaaaseins. Von feinstem psychologischen Verstellen war der Vortrag, den : tan Margarete Susman in der Sommerschule des Jüdischen rauenbundes in Bad Dürkheim gehalten hat. und der einen Höhe- , 1111Ut der Tagung bedeutele, so dal! er in vielen Ortsgruppen wiederoll werden mußte. Heber Margarete Susman schreibt das Jüdische Lexikon: ..sie begann ihre Laufbahn als Lyrikerin (Gedichtsammingen: Mein Land. Neue Gedichte, Die Liebenden. Lieder von Tod id Erlösung). Von ihren literarhistorischen Werken sind zu nennen: nin Wesen der modernen deutschen Lyrik. Die Krauen der Romantik. Ihr Buch vom ..Sinn der Liebe" ist eine Darstellung ihrer dichterisch-philosophischen Weltanschauung. Oer bewußt-jüdische Standpunkt von Margarete Susman kam in Abhandlungen über jüdische Fragen in Zeitschriften und Sammelwerken zum Ausdruck." Margarete Susman gehört zu den bedeutendsten jüdischen Krauen unserer Zeit. Darum wird der Vortrag,, den sie am Mittwoch, «lein 18 .1. M.. im Hotel Häufle halten wird, als ein Höhepunkt in der Arbeil der hiesigen Ortsgruppe des Frauenbundes anzusehen sein. i in vergessenes Jubiläum. Ks ist in unserer festesfreudigen Zeil eine große Seltenheit, wenn die Bescheidenheit und Zurückhaltung eines Mannes es verhindern, daß Ki legentlich eines w ichtigen Lebensabschnittes seiner Verdienste In r Oeffentlichkeil gedacht wird. Eine solche Denkweise, so rühmens- Ii sie auch in unserer der Reklame und der Aeul.lorlichkcil vorhriebenen Zeil sein mag. enthebt aber die Zeltgenossen nicht der Verpflichtung, dem treuen und zum Segen wirkenden Weggenossen i Wort des Danke» und der Anerkennung, in dem auch ermunternler Wunsch liegen soll, zu sagen. Vor kurzer Zeil waren es fünfundzwanzig Jahre, seil der Rabbiner Dr. Pinchas Jakob Kuhn als Religionslehrer im Kreise unserer Gemeinde arbeitet. Bin Schüler der talmudischen Größen, ilie «las vergangene Jahrhundert in Ungarn hervorgebrachl hat. erirb er sich in jungen Jahren ein jüdisches Wissen, das nicht nur II Umfang weit über das übliche hinausging, sondern dem auch Systematik und Wissenschaftlichkeil im modernen Sinne eigen war. Nachdem ei auch in den profanen Fächern seine Bildung abgeschlosen halle, nahm er obwohl er die Autorisatlon als Rabbiner be- - iß einen Huf als Lehrer au die von Dr. Carlebach geleitete Iteligionsschule des Talmud-Thora-Vereins in Leipzig an. und in der Stellung eines Religionslehrers isl er auch später zur Höheren Israelirhen Schule übergetreten, um schließlich in gleicher Eigenschaft der Religionsschule II der Israelitischen Religionsgemeinde zu dienen. 25 Jahre wirkt er jetzt in dieser Tätigkeit. Eine Generation n Schülern nach der andern hat er in jüdischer Gesinnung erzogen d il.....n jüdisches Wissen vermittelt. Als ein wirklicher Ersieher d nicht nur als ein Vermittler von Kenntnissen konnte er dauernde folge ei zielen, weil er mit der Kraft des Beispiels vor der Jugend md. Seine glühende Liebe zur Sache, die schlichte Wahrhaftigkeit einer Gesinnung, sein ungekünsteltes, jeder Pose abholdes Wesen, Gediegenheil und Tiefe seiner Gelehrsamkeil bahnten ihm den eg zum Herzen des jungen Geschlechts. Alle Schwierigkeiten, b der Religionsunterricht zumal in der Großstadl zu überinden hat, verstand er siegreich zu überwinden, weil er eine für i* Judentum begeisterte und von der Bedeutung des Unterrichts rchdrungene Persönlichkeil in die Wagschale zu werfen vermochte. Das Leben eines Lehren ist an sich nicht leicht, und das eines isehen Religionslehrers, der neben seiner amtlichen Tätigkeit noch vatstundefl in Külte zu geben gezwungen ist, schon lange nicht, ist darum ganz erstaunlich, wie der Jubilar imstande gewesen eine bemerkenswert umfangreiche literarische und wissenschafthe Tätigkeit zu entwickeln. Neben einigen vielbeachteten Novellen I einer groben Menge von Zeitungsartikeln hat ihn vor allem sein rfc „R a bbi n i s c h er II u m o r" bekannt gemacht, das vor kurier il in zweiler Auflage erschien und in der jüdischen fresse aber ich in der allgemeinen, w ie der „Frankfurter Zeitung" ungeteilte Anerkennung fand. Einmütig weiß auch die Fachwissenschaft die große und umfassende talmudische Belesenheit und die Schärfe seiner wissenschaftlichen Logik zu rühmen, die in der musterhaften Herausgabe des Werkes „Chasaka r il Ii h n" (verfaßt von Jakob Leih Kroch) zum Ausdruck kommen. In den letzten Jahren i>l er auch Mitarbeiter des „Jüdischen Lexikons" gewesen, und fast alle den Talmud betreffenden Artikel hat er geprüft und verbessert, viele auch selber verfallt. Sie alle weisen die Kennzeichen seiner Eigentümlichkeit auf, sie alle verbinden eine fast verblüffende, umfassende Sachkenntnis mit strengster Systematik und Gewissenhaftigkeit Ohne in den Fehler der Uebertreibung und Ruhmredigkeit zu verfallen, darf man Pinchas Jakob Kohn mit zu den tüchtigsten jüdischen Gelehrten unserer tage rechnen, wenn man auch der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande - es außerhalb Leipzigs vielleicht besser weiß als innerhalb der Mauern der Stadl. Man muß es eigentlich tiedauern, daß ein in so hohem Malle zur wissenschaftlichen Arbeit berufener Heist aus Zeitmangel so selten dazu kommt, Proben seines großen und gediegenen Wissens zu geben. Und nur der Umstand, daß er gern unterrichtet und Bich bewußt ist. welche unendlich wichtige sittliche und jüdische Aufgabidurch die Unterweisung der Jugend erfüllt w ird, vermag darüber zu trösten. Wenn sein fünfundzw anz.igjührigos Amtsjubiläum Anlaß zu einem Rückblick auf das Leben und Wirken Pinchas Jakob Kohns gibt, so rühmt die Gemeinde den Lehrer und die Well den Gelehrtenl Seine Freunde aber rühmen den Menschen, den schlichten, gütigen, offenen, hilfsbereiten Charakter, der hinter dem Werke steht. Ein großer Kreis von aufrichtigen Verehrern i>t es. der mit seinem herllichen Danke die besten Wünsche für die Zukunft verbindet. Möge der Jubilar noch laufe Jahre das Wert Gottes in empfängliche Serien säen, möge er die talmudische Wissenschaft um manche Früchte seiner wissenschaftlichen Forschung bereichern, möge er im Kreise seiner Familie Glück und Kn ude genießen, möge er seinen Freunden ein guter Freund bleiben! Dr. Felis Gold m a n n. Kragen dos Keren Kajemeth. In einem Vortrag bei einer Versammlung im Borochowheim am 27. Januar 1981, wiederholte Friti Kraenkel Ausführungen, die er auf der Landeskonferenz des /.eire Misrachi im Dezember 1!V.(0 gemacht halle: Eng verbunden mit dem Bestreben, Teile des jüdischen Volkes in Palastina in die landwirtschaftliche Urproduktion einzuordnen, steht die Sorge um den Boden. Die Bodenfrag ist somit die Schlüsselfrage des Zionismus überhaupt und bat logischerweise auch im Mittelpunkt der zionistischen Außenpolitik gestanden. Das verstärkte Interesse für <lie Bodenfrage aus allgemeinen kolonisatorischen und aus politisch-apologetischen Gründen bat auch ihren Niederschlag in Aufsitzen und kleinen Schriften der letzten Monate gefunden. Da ist einmal eine kleine Schrill zu nennen: ..Der Emelt, 10 Jahre seil Erwerbung des Emek Jesreel." Diese Broschüre wurde ebenso wie die von Adolf Böhm: Gibl es in Palastina frei verfügbaren Boden? (Vorabdruck) vom Hauptbüro des KKL herausgegeben. Daun sind zu erwähnen: Englische Kritik am KKL. Bemerkungen \ou E. M. Epstein, Jerusalem New York 1930, einige Vutsätze über Hitjaschwuth ha Klef, und schließlich ist ein neues Werk von Dr. Granowsky, in dem auch die Bodenreserve des KKL behandelt wird, zu erwähnen. Der Kauf von linden in der Scharonebeiie (Wadi el chawarith), das Ruppinsche 50000-Familienprojekt, die endgültige Konsolidierung der Emekkolonisation, der Gedanke an das Hulehgebiet, seine Eni sumpfung und Besiedlung und endlich die schon erwähnte T raue der „Ansiedlung der Tausend" landwirtschaftlichen Arbeiter in Hilfswirtschaften um die Kolonien herum, das sind ungefähr die Fragen, die in zionistischen Kreisen eine Diskussion erregt h iben. Besonders der Arbeit von Adolf Böhm verdanken wir eine Reihe von wichtigen Kenntnissen. •_'T Millionen Dunani Boden gibl es in Palästina, davon sind 7'- Millionen Dunani Hoden nichtkulturfähiges 1 and und auch die 7 Millionen Dunani Boden im Negew, der äußerst regenarm, nur zur