Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 6 (6.2.1931)
- Date
- 1931-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Februar I031 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 i,i außer Frage, Ks gab spezifisch-jüdische Branchen, wie die Meli- oder «Ii«1 Kontektionsbranchei In denen vorwiegend jüdische Unrnehmer und jüdische Angestellte tätig waren. Die Notlage gerade ser Branchen hat eine Unzahl jüdischer Menschen ihrer Existenz raubt, Nicht mir aus wirtschaftlichen Gründen muß eine Groß' nelnde hier eingreifen, sie muß Sorge tragen,'daß der durch die rtschaftsnot zermürbte lüde im eigenen Kreise, im jüdischen Ml-! i, seelischen Hall und geistige Erhebung linde. Wir sind seinerseit i die Errichtung eines Ledigenheims eingetreten, um vereinsamten i sehen Menschen eine Heimstätte der Seele im jüdischen Milieu schatten. Stern : Über Kranen, die sich um ein Schlagwort, wie jüdisches \ eu, gruppieren, wird man rasch einig, wenn man sich über die B tutung <h's Schlagwortes selbst einig ist. Wir haben seinerzeit dii Errichtung des Ledigenheims abgelehnt, weil sie sich teurer gesi II hätte als die Unterbringung In Privatwohnungen. \\ ir bell iteten aber auch, daß ein Settlement, das Juden über den Rahiii religiösen Lebens hinaus - dieses im weitesten Sinne genomin zusammenhält, zu einer zu starken Absonderung von der ni itjOdischen Umgebung führen könnte. Klee: Bekämpfung der Tendenz zur Schaffung jüdischen Mi- Ii, wäre heute reaktionär. Seit :!() Jahren bestehen jüdische Logen ob 'hl os immer allgemeine Logen gegeben hat, in denen .luden Aufna ae fanden. Der Centrai-Verein wurde als rein jüdische Organisat 'ii gegründet, obwohl es den interkonfessionellen Verein zur Abwehr des Antisemitismus gab, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten isi entstanden, obwohl es auch beute Kriegervereine gibt, die .luden air ' Innen. Man mag Annäherung an die nichtjüdische Bevölkerung anpolltischen Gründen anstreben. Autgabe einer jüdischen Gemeinde al kann es nur s< in. das Judentum zu erhalten. Stern: Der Centrai-Verein wurde geschaffen, weil zur wirksamen Abwehr des Antisemitismus ein gewisser jüdischer Fundus ii"1 wendig ist. Nur wer die jüdische Geschichte als eine eigene erlebt im': die jüdische Zukunft als seine eigene Zukunft empfindet, kann I" Antisemitismus wirksam bekämpfen. Der Frontbund ist weniger ii meinschatl als /weckverband. Die Errichtung eigener jüdischer I i n war notwendig, weil die preußische Landesloge seinerzeit auf rhristlicher Grundlage gegründet wurde. Klee: Jener jüdische Kundu«. den Sie als notwendig zur wirksamen Abwehr erkannt haben, ist auch Voraussetzung für jüdische AH il auf anderen Gebieten. Die Gemeinde soll alle Ansätie stützen, dir ohne Chauvinismus und Absonderungstendem auf Erhaltung jüdisch i Art und jüdischen Wissens hinzielen. So muß auch die Genie nde Kitern. die ihre Kinder in einer jüdischen Schule erziehen zu tagen wünschen, die Möglichkeit hierzu geben, stern: Die Errichtung jüdischer Schulen ist nicht Aufgabe der C!i leinde, sondern Aufgabe von Staat und Kommune. Eine jüdische Schule kann nicht wirkliche jüdische Bildung neben. Dazu ist nur da! jüdische Haus imstande. Die Errichtung jüdischer Schulen durch di< Gemeinde leime ich ebenso w ie ihn- Beteiligung an der Palästina- Ai it prinzipiell ab. weil die Gemeinde nur jene Aufgaben erfüllen Unsere Gemeinde Kin reihllg der Kohimeaer Synagoge. Die seil '1~ Jahren in Leipzig bestehende Kolonieaer-Synagogo hat iic durch die Tatkraft einiger interessierter Persönlichkeiten, besondei d,-s Herrn Klias Rosen bau in, in der Berliner Straße 4 neue. »'I lige Beträume geschaffen, die am Sabbat, «lern 24, Januar, in sei liier Feier eingeweiht wurden. Kimstattliche Zahl angesehener öi eindemitglieder war der Einladung gefolgt: auch die Herren Ge ......lernbhiner Dr. Qoldmann, Dr. Carlebach und Cohn, sowie die II' eu Rabbiner Feld mann und Schmuekler wohnten dem feierlichen 0i «dienst bei. Nach Abschluß der ThoraVorlesung hielt Herr Rab Mi r Dr. Carlebach eine Weiherede, in der er vor allem die 0p rbereitgchafl der Männer rühmend hervorhob, die unter d 'ii heuligen Verhältnissen einer Stätte der Andacht eine so würdige Ge •tal ung ermöglichen konnte. In Anlehnung au den Wochenabschnitl lli er darauf hin, welchen Schwierigkeiten auch Mose Trotz bieten " e,;,is er vor Pharao hintrat. Wie seiner Zielbewußtheit sein •V' k gelungen sei, so auch sei diese neue Andachtstätte In Leipzig di e wußten und entäußerungsvollen Menschen zu danken. Er schloß soll, die den Bedürfnissen aller Mitglieder entsprechen. Von dei jüdischen biee ausgehend, den i;,■danken ,ies Judentums in die Well zu trauen, bin Ich gegen die Isolierung des jüdischen Kindes von seiner nichljüdischeii Umgebung. Klee: Um den jüdischen Gedanken propagieren zu können, muß man erst Volljuden erziehen. Stern: Vielleicht wäre ein Unterriehl für Eltern wichtiger als ein solcher für Kinder im Anschluß an die Synagoge müßte Eltern, die ihren Kindern ein jüdisches Heim schaffen wollen, Anschauungsunterriehl darin erteilt werden, wie etwa ein Freitagabend oder ein Sederabend herzurichten Ist. Klee: Das wäre zu wenig. Die jüdische Gemeinde muß helfen, volljüdische Menschen heranzubilden, die sich mit der Kette «1er Geschlechter vor ihnen und der jüdischen Gemeinschaft in der ganzen Well verbunden fühlen. Das Abbröckeln des Judentums muß verhindert werden. Nur Nachkomme sein ist klein, ob man Vorfahre ist. kann man nicht wissen, man soll aber doch SO arbeiten, daß mau Vorfahre sein kann. Stern: Gerade weil wir Vorfahren sein wollen, müssen wir trachten, dem jüdischen Kind jüdische Eindrücke zu vermitteln, so lange es noch fähig ist, sie aufzunehmen. Wichtig ist Gemeinschaftsgefühl als SOlche8, ob es aus nationalen oder religiösen Impulsen entsteht, ist nebensächlich. Im weiteren Verlauf der Diskussion wies Dr. Klee auf die Kraftquelle hin, ilie das in Palästina entstehende neue organische jüdische Leben für eine jüdische Gemeinde bedeuten kann und auf die Möglichkeit der Verlebendigung des (iotlesdienstes durch die von Palästina ausgehende Erneuerung des Hebräischen. R.-A. Stern bedauerte, dal! dem liberalen Judentum buch die von nationaler Seite erhobene Forderung, Palästina als das nationale Zentrum des jüdischen Volkes anzuerkennen, die Beteiligung am Palästina-Werk unmöglich gemacht wurde. Schließlich s< tsten Bich beide Redner für eine stärkere Heranziehung der einzelnen Mitglied« r zur Gemeindearbeit ein. in diesem Zusammenhang fordert" Dr. Klee die Errichtung kleiner Synagogen, die gleichzeitig soziale Zentren darstellen sollen. Volle Obereinstimmung herrschte auch zwischen beiden Rednern in der Forderung nach gleichmäßiger Berücksichtigung der Bedürfnisse aller religiösen Richtungen innerhalb der Gemeinden. R.-A. Heinrich Stern seliloli die Xussprache mit folgenden Worten: Wir wollen optimistisch schließen. Sie haben von einem Abbröckeln des Judentums gesprochen. Ich kann sauen, dalder Höhepunkt der Krise überwunden ist. und daß auch schon wieder auf gemauert wird. Die Gemeinde hat die Vufgabe, «las Judentum zu einem lebendigen Faktor im Leben zu machen. Wenn es uns gelingt, die Lehren der Väter zu einem Gut des Tages zu machen, dann werden sich viele Scheinbar Indifferente wieder dem Judentum zuwenden. Unsere Jugend bietet uns die Gewähr dafür, daß dieses Ziel erreicht werden wird. Kin Oberaus zahlreiches Auditorium, unter dem mau viele Rabbiner und Lehrer bemerkte, folgte den Ausführungen der beiden Redner mit gespannter Aufmerksamkeit und dankte ihnen am Schlüsse durch reit heu Beifall. mit dem Wunsche, daß dieses BethaUS in der Reihe der Stätten, die der Verrichtung jüdischen Gottesdienstes bestimmt sind, zur Bewahrung und Vertiefung jüdisch« r Frömmigkeit beitragen möge. Rabbiner Feldmann, der gleichfalls einige Worte sprach, wies darauf hin. daß die Stätte der Andacht jüdisches Kühlen nicht nur für die Stunde vermitteln solle, in der die Beter clor! versammeil sind, daß vielmehr das Dölbaus Mittelpunkt des draußen im Leben zu betätigenden jüdischen Willens sein müsse. Um dies zu bewirken, solle das Itethaus zugleich das l.ehrliaus sein, in dem der Geist die Kenntnis jüdischer Lehre mit in das Leben hineinnimmt, um sie dort zur Tat werden zu lassen. Jüdische Seele jüdische Run«). (übt es eine jüdische Kunst'.' Das i>l eine Krage, die alle jüdisch Interessierten in neuerer Zeit stark beschäftigt. Der bekannte Kunsthistoriker Dr. Ernst Cohn-Wiener, Dozent in Berlin, gehört zu denen, die diese Frage in gewissem Umfange bejahen. Sein vor einigen Monaten erschienenes, viel beachtetes Werk Uber ...I üd isch e Kunst" bat diese seine Anschauung aus einer reichen Kenntnis