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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-02-06 · 6 (6.2.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN R K L l G10NSG EMEIN DK ZU LEIPZIG Nummer kämpfte, (ur wandernde Bitter ni halten. Und nicht an Windmühlen war die Lame leraplittert, sondern an Granit an der leiten Burg der Dummheit. Spät, »ehr spül erat sollte «Ii«* dämonische Natur eines Brandes erkennen, daß er sich selbst mir Huden konnte, in der Selbstentwicklung durch Versenken in jene königlichen Reihen von Heroen des Geistes, den großen, heimatlosen, wurzellosen und friedlosen, den „geborenen" Pursten von Gottes Gnaden in ihrer terra Incognita des Geistes, die die Ewigkeil einschließt! den Shakespeare, Goethe, Voltaire, Caesar. Michelangelo, die alle Brandet der europäischen Well und dem europäischen (leiste nahegebracht hat. Kathansen, der von Brandes sagt, daß er immer der unglückliche Liebhaber Dänemarks war und blieb, läßt ihn selbst aussprechen: „Die .luden Westeuropas, die dänisch, französisch, englisch, deutsch sprechen, haben seit ihrer bürgerlichen Gleichstellung mit den übrigen Bewohnern des Landes sich in der Regel einfach als Dänen. Kranzosen. Engländer, Deutsche geftthlt. Wenn sie religiöse Oberxeugungen hegten, machte dies der Nationalität keinen Nachteil. Meine Überzeugungen waren aus Spinoza abgeleitet, und Spinoza wurde nicht allein von den Christen verabscheut, sondern von der Synagoge ausgestoßen. So geschah es. daß ich mich nur dann als .lüde fühlte, wenn ich Jude geschimpft winde, alier das geschah freilich seit dem ersten Taue meines öffentlichen Auftritts. Kein einziger meiner Gegner hat es verschmäht, meinen jüdischen Ursprung in Erinnerung zu bringen. So konnte ich unmöglich vergessen, daß ich .lüde war. oder richtiger, daß ich als Däne weder in Dänemark noch im Auslände für voll genommen wurde. Das Wort Assimilant existierte in meiner .luuend nicht. Ich halte es nicht gehört, bevor ich fünfzig Jahre alt war. Ich leime es entschieden ab. zu den sogenannten Assimilanten gezählt zu werden. Ich habe bis zu meinem 24. Jahre nie eine andere Sprache als dänisch gesprochen; ich kann noch heute kein Wort hebräisch; ich bin in dänisch-nationalen Vorstellungen aufgewachsen. Ich habe von Hause aus sprachlich und kulturell nichts Jüdisches an mir gehabt Die (Assimilation' konnte mir nichts nehmen." Georg Brandes leugnete mit dem ganzen Furor seiner leidenschaftlichen Seide die Exilteni eiller jüdischen Kasse sowie die Exjstenzmöglichkeil einer jüdischen Nation. Mit beidem mag er Recht gehabt haben, l ud so erwuchs allmählich aus dem Hoden seiner Abkehr von dem Nurjuden in sich und hinwiederum der Abwehr Dänemarks gegen ihn etwas Größeres, Vielfältigeres, Gewaltigeres: nämlich der „Europier". Aber wie es Heinrich Heine ergingen war. der aus den Notwendigkeiten seiner Zeit heraus ein Renegal geworden war und der in der Matratzengrufl sein herrlichstes Buch, seine „Geständnisse" Schrieb, in dem er sich wieder dos (ioltes seiner Väter erinnerte, und ihm aus verleugnetem Glauben und verspotteter Sehn- Kontradiktorischer Abend über Die Freie jüdische Volkshochschule tu Berlin eröffnete die Reihe ihrer für Winter 1831 geplanten Veranstaltungen mit einem „kontradiktorischen Abend", au dem die Herren H. A. Heinrich Stern und R.-A. Dr. Alfred Klee in freier Wechselrede den Aufgabenkreis einer jüdischen Großgemeinde zur Darstellung brach ten. i > - -1» Vorsitz in «lieser Veranstaltung führte der Leiter der orientalistischen Abteilung au der preußischen Staatsbibliothek Prof, Dr. Gotthold Weil, der in seiner Eröffnungsansprache die bisherige Arbeil und das künftige Programm der Freien jüdischen Volkshochschule skizzierte und iiul die Bedeutung einer akademischen Erörterung des Aufgabenkreises einer jüdischen Großgemeinde durch die berufenen Vertreter der geistigen Hauptrichtungen des Berliner Judentums hinwies. Er erteilte zunächst das Wort Herrn Dr. Alfred Klee. Die eiste und primäre Aufgabe einei jüdischen Großgemeinde, führte Dr. Klee aus. ist es. das Substrat alles jüdischen Wesens, den jüdischen Menschen, tu erhalten. Daß SäuglingspQege und Altersfürsorge eine der Hauptaufgaben eim r jüdischen Gemeinde darstellen, stellt wohl außer Diskussion. Wenn aueh der Geist der Zedokoh, wie sie in früherer Zeil geübt w urde, heute noch maßgebend sein muß, hat sich doch die Form, in der sie geübt wird, gewandelt. Das neue große Problem unserer Tage ist das Wirtschaftsproblem. Die jüdische Gemeinde muß in der Erkenntnis, daß es eine spezifische jüdische Wirtscbaftsnol gibt, zum Aufbau einer jüdischen Wirtschaftspolitik sucht einen besonders kostbaren Teppich wob, um ihn niedenulegi zu den Füßen des großen Unsichtbaren, der das Sittengeseti \' Sinai gegeben: so und nicht anders erging es auch dem alterndi Brandes, dem aus seinem allumfassenden Kuropäertum mit den / nehmenden Jahren — vielleicht auch mit der tunehmenden Heim lotigkeil und Wurzellosigkoit zuvörderst ein schüchternes, alsdai aber ein immer inipetuoserea Zusammengehörigkeitsgefühl mit d< Judentum und ein immer stärkeres Verständnis für jüdische Besti bungen erwuchs. Am Ende seines Lebens wünschte er „ein Buch zu machen, welches zeigt, daß das Neue Tostnnn Dichtung und Jesus eine erdichtete Persönlichkeit Ist, Nicht der Absicht. Menschen ihren Glauben zu machen — was IWtl liehe und unnütze Arbeil wäre —, sondern um w issenschalll nachzuweisen, daß die .luden keine Persönlichkeit gekreui haben können, die nie existiert hat — ein Aberglaube, der d Haß und die Grausamkeit der ganten Well auf das Haupt eil unschuldigen Volkes herabgerufen und es für Jahrtausende rec los, friedlos und heimatlos gemacht hat". Georg Brandes ist Zeit seines Lebens ein Stück Ahatver wesen. Darum konnte er vielleicht von der „Familie Dänemai ausgehen, seine Heimat in Europa finden, um schließlich im Sein Israels zur ewigen Ruhe einzugehen. Ein großer Polemiker, i noch größerer Problematiker, zuweilen auch ein Pamphletist, imn alier ein Aufruhrer und Revolutionär von reinstem Blut, ein Kamp für Wahrheit und Hecht, so hat Brandet sein Erdenwallen unter d Spaltung des Kainszeichens auf der Stirn vollendet. Denn das Geg sätzliche: in ihm ward es Ereignis. Und Nathansen mag Recht nah wenn in seiner Phantasie die widerspruchsvollen und widerstreb' den jüdischen Wesensziige eines Georg Brandes sich ihm in d .lanusbild des von Hembrandt herrührenden verschmolzenen Dopi nullit/ Saull und Davids zu einem Gesamteindruck vereinigt Nathansen hat die Krage ...lüde oder Europäer" durch die Synth des grollen Europäer! Georg Brandes beantwortet. Kr hat ihm V LebeilS(|Uellen gegeben: Hellas und Judäa. In einem patheliscl Abgetang ruft er dem grölten Krelllide nach: „Wie das Licht aufflammt, ehe es erlischt, sammeln - seine Natur, die Judäa angehörte, und sein Geist, der Hellas gehörte, in einer letzten flackernden Klamme. Das letzte Li seines (ieistes lind die letzten Tropfen seines Hintes opfert den leicht dahinlebenden Göttern von Hellas und den hart r tenden Göttern von Judäa — Ems und Ethos, Sanguinitat Melancholia, den zwei dämonischen Mächten, die das ganze Le lang in seinem streitenden und streitbaren Gemül um die Ml gekämpft hallen." die Aufgaben der Großgemeinde schreiten. Hierzu gehört die Errichtung von Arbeitsnachweisen, Kraue der Berufsumschichtung, die Stützung des jüdischen Sei hilfew illens durch Darlehenskassen usw . Ist dieser Unterbau g< sc feil, so kann auf ihm das Haus errichtet werden, das jüdisches meinschattsleben, jüdisches Wissen, jüdische Werte umschließt. R.-A, Heinrich Stern: Sie haben die Aufgabe einer jüdise Gemeinde auf die heutigen V erhältnisse begrenzt Auch früher wa soziale Aufgaben zu läsen. Aber damals gab es weniger Hilftbed (ige und mehr Menschen, die selbst Hilfe gewähren konnten, soziale Problem wurde früher in einzelnen Kommissionen bei delt, heute befaßt sich das urolle Wohlfahrtsalut mit dem Ge* komplex dieser Aufgaben, ob diese Unifisierung ein Segen stellt dahin. Ei wird Aufgabe der Gemeinde sein, die private tiative in der sozialen Fürsorge wieder mehr anzuregen. Di" pri Institution, die sich einen bestimmten Aufgabenkreis gesetzt wird sich ihren Arbeiten intensiver widmen, als es "ine Behörde kann. Es M zweifelhaft, ob es eine speziNsche jüdische Wirtscln not gibt Bs sollen zwar vielfach Juden bei der Vergebung stellen benachteiligt werden. Andererseits gibt es auch Betriebe, Juden bei der Anstellung bevorzugen. Ks ist natürlich Aufgabe jüdischen Gemeinde, ihre Mitglieder wirtschaftlich zu stützen, wi ja auch die Kirchen tun. Klee- Die Existent einer spezifischen jüdischen Wirtschaft

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