Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 3 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Niunmer 3 l. Judiiohe Ehen und Mischehen. 1*10 01 OS 03 0« 06 08 07 06 OS 10 It 12 1« 14 15 16 17 m 19 20 21 22 23 24 25 26 27?8 29 ............ jüdische Ehen -jüdisch-christliche Mischehen. gibt zu Bedenken Anlaß, Wir mochten uns in diesem Zusammenhang aber nicht weiter darüber auslassen, weil das Qemeindeblatl nicht den richtigen Resonanzboden für Polemiken bildet ..Mit der Frage der Mischehen ist das Problem der Rassenreinheil des jüdischen Stammes auts Innigste verknüpft, gleichermaßen kommt in Betracht, wie weit jüdisches Blut von den .luden auf ihre Wirtsvülker übergegangen ist. wozu naturgemäß in gleichem Malle auch die Taufen beitragen. Endlich taucht, wenn die Zahl der jüdisch-christlichen Mischehen sehr erhehlich überhand nimmt, die Präge auf nach di r Möglichkeit, daß namentlich im Hinblich auf die geringe Zahl der luden, die .luden in ihrer Umgebung aufgehen, von der BildfUche verschwinden, so dal.t auf diese Weise die Judenfrage ine eii,fache Lösung fände . . .." (Hanauer. Die jüdisch-christlichen Mischehen.) Die Oeflhrlichkeit der Mischehe für die jüdische Gemeinschaft heruht darauf, daß die Kinder, die ihr entspringen, fast immer dem Christentum zugeführt werden, eine Tatsache, die auch üir Leipsig erwiesen ist. Für die Nachkriegszeit besitsen wir zwar keine Angaben, doch in der Vorkriegszeit wurden beispielsweise in den Jahren i<hi5 und 1010 derartige Erhebungen angestellt. So gab es im Jahre 1905 in Leipzig 1134 rein jüdische Ehepaare, tili Mischehen mit jüdischem Manne. 21 Mischehen mit jüdischer Krau, ferner 17."» Fälle, in denen auf den Volkszihlungslisten nur ein jüdi- .-( her Ehegatte ohne Frau und 14« Fälle, in denen nur eine jüdische Ehegattin als anwesend oder getrennt lebend verzeichnet war. In ■ hu Mischehen war die Frau 56mal evangelisch-luttierisch, 2 mal vangelisch-reformiert, 7 mal römisch-katholisch und 1 mal einem anderen christlichen Bekenntnis angehörig; der christliche Mann war 18mal evangelisch-lutherisch und 2 mal evangelisch-reforniiert (l mal unbekannt), lieber die Ersiehung der Kinder liegen nur Angaben von 98 Mischehen mit jüdischem Vater und 15 mit jüdischer Mutter voi. In letzteren 15 folgten die Kinder (22 Knaben und 11 Madchen) sämtlich der Religion des christlichen Vaters und in 28 Ehen mit jüdischem Vater wurden die Kinder (2S Knaben und '■'•■> Mädchen) in der lieligion der christlichen Mutter, nur in ."> Ehen (mit IS Knahen und S Mädchen) jüdisch nach dem Vater, in 3 Ehen (mit 4 Knahen und 3 Mädchen) in keines der beiden Kitern Bekennt nis. also immerhin nichtjüdisch, erzogen. Somit erfolgte nur in ."> Mischehen unter öl (!).S v. II.) eine jüdische Erziehung dei Nachkommenschaft und von ISO Kindern aus Mischehen verblieben mir Iii ( 12,8 v.H.) beim Judentum. Für das Jahr 1910 liegen die Verhältnisse ganz ähnlich, so daß wir wohl hierüber keine weiteren Angaben zu machen brauchen. Eine Eindämmung der Mischehen ist also wohl geboten, ob es aber irgendwie gelingen wird, ist sein zweifelhaft; sehr betrüblich für den, der sein Judentum liebt. Die geringe Geburtenzahl aus Mischehen trifft auch für Leipzig ZU, wie wir noch statistisch belegen werden. Zahlreiche Autoren (Sombart, Ruppin u.a.) haben darüber geschrieben. Hanauer dürft« im Hechle sein, wenn er behauptet, daß bei den jüdisch-christlichei Mischehen bei der Schließung in besonderem Maße egoistisch' Motive maßgebend seien. Diese Ehen würden nicht zur Erhaltung der Art geschlossen. Auch wolle man den Schwierigkelten, die ander Entschließung erwüchsen, in welcher Konfession die Kinder er zogen werden sollen, von vornherein dadurch aus dem Wege gehen daß man die Kinderzahl möglichst einschränke. Daß auch die Qe burtenzuhl in rein jüdischen Ehen durchaus nicht sehr groß ist, zeigt die folgende Aufstellung: Geburten aus jüdischen Ehen und Mischehen uml uneheliche Geburten fahr Jüdische Qebu rten Totgeburten Geburt, a. Misch M.j. Fr.j. dien zus. UnehelGe von jüd. .N 1900 164 2 1!» 11)01 184 « 16 1902 177 » 1") 1903 1S3 5 12 1!M)4 214 2 24 1905 195 5 10 1906 •21« 11 Iii 1907 207 5 15 1908 280 3 12 1909 21G 7 15 lillO 256 11 17 Ulli 199 15 15 11 26 IS 1912 190 10 13 8 21 13 1913 212 10 21 1 28 13 11)14 21t 8 8 12 20 20 1915 153 8 13 3 Iii 17 1916 189 4 5 1 G it 1i)17 120 4 « »> 10 10 litis 11« 8 5 4 1) 7 1919 1G5 5 8 5 13 8 1920 287 »> 10 9 Ii) 17 1921 271) 13 11 10 21 12 1922 274 10 7 10 17 11 1928 264 9 12 3 15 7 11)24 242 G i) 3 12 it 1925 228 ß 15 4 Ii) i) 1926 205 3 4 G 10 (i 1927 167 5 10 G 1(1 10 192« 14« 5 12 5 17 11 1920 im* Ii <> 8 5 *) einschl. Totgeburten. Die jüdische Natalität scheint auf den ersten Blick in dl Nachkriegszeit die gleiche zu sein wie die der Vorkriegszeit. Dot dies ist ein Trugschluß, wenn man bedenkt, daß im Jahre 1010 951 und 1925 12 600 Juden in Leipzig wohnten. Hieraus erklärt es sie dal.t auf Tausend des jüdischen Bevölkerungsleils im Jahre 1900 -• 1905 ebenfalls 26, 1910 sogar 27, 1925 dagegen nur noch IS (ieburh kommen. Dies dürfte nach ineinen Berechnungen die höchste (i< burtenzahl aller Städte in Deutschland sein, soweit Juden in Betrat l kommen. Die Zahl ist aber nicht groli genug, um auch Leipzigs jüd sehe Bevölkerung aus sich, ohne Zuwanderung, zu erhalten. Uebi die Fruchtbarkeit der Khen an sich läßt sich auf diese Weise noi kein positives Urteil fällen. Eine der Möglichkeiten besteht darn dal.t wir sagen, in der Zeit von 1920 bis 192S kamen 249 jüdische (e hurten in Leipzig zur Welt. Im gleichen Zeitraum wurden 775 reit jüdische Ehen geschlossen. Unter Berücksichtigung der Ehen um Kinderzahl entfallen in Leipzig in der Zeit von 1920 bis 192« an loo jüdische Eheschließungen 270 Geburten (in Preußen 167 ehelicl geborene jüdische Kinder). Die Geburtenzahl muß noch geringer sein