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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite i liKMElXDEBLATT DICK ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 2 schlag. Er unterließ es aber auch nicht, sich auch von den .luden einen Teil ihrer goldenen gottesdienetllchen Gefäße herausgeben au lassen. Nach dem Chronisten Olderich hätte der Normanne Roger, König von Neapel und Sizilien, sieh mit einer Schwester Anaklets verheiratet. I>t dies wahr, so Ist durch diese Frau kein Geringerer als Friedrich II. von Hohenstaufen ein Urenkel des .luden Leo t*e worden. Den Papst Anaklel II. wurden übrigens alle Laster und Schändlichkeiten nachgesagt, selbst Blutschande mit seiner Schwester. Aber man weil) ja, schließ! Ii. Silbergleit, wie leicht und hemmungslos Bich Verleumdung und Bosheit au einen Mann jüdischen GeblOts hängen, selbst wenn er es zur Würde des Heiligen Vaters gcbrachl hat. in der gleichen Nummer der „Jüdischen Familien-Forschung" versuch! Arthur Czellitzer nachzuweisen, daß die Behauptung, daß das {Udische Blut der Pierleonis in die Hohenstaufen und durch sie in zahlreiche europäische Fiirsteugcschlechtcr geflossen sei, eine Fabel wäre. Der Irrtum sei vermutlich dadurch entstanden, daß ein Chronist des t;>. Jahrhunderts die „Alberia fllia regia Castiliae et Leonis" mit der Schwester Anaklets, der „Alberia filia Petri Leonis" verwechselt hat. Das verarmte Polen Kein mit dem Beispiel voran. Infolge der schweren finanziellen Lage, in die sich der „ORT"- Verband jetzt durch das stocken der jüdischen Hilfsaktion in den Vereinigten Staaten versetzt sieht, werden in den Ländern Osteuropas >elbst die größten Anstrengungen gemacht, um den „ORT'-Institutionen die Mögliehkeil zu neben, die schwere Krise zu überwinden Dei Appell, mit dem der „ORT" sich an die jüdische Bevölkerung dorl gewandt bat, hat in einigen Städten Resultate geaeitigt, die alle Erwartungen übertreffen. In dem verarmten Wilna hat die Sammelaktion, die der „ORT" unter Leitung von Herrn Ejssurowitsch durchgeführt hat, den Betrag von 1500 Dollar erbracht. Eine zweite Aktion, die in Rjalystok veranstaltet wurde, hat dieselbe Summe ergeben. Bei dem großen Elend, das jetzt in den Städten Polens Ii. rracht, muß dieses Resultat als glänzend bezeichnet werden. Die gesammelten Gelder werden dazu verwandt, um das Defizit der lokalen „ORTMnstitutionen (Schulen. Lehrkurse und Werkstitten) zu decken, das während «ler letzten Zeit, seitdem Bich die Ananxielle Lage des „ORT"-Verbandes verschärft hat. entstanden ist. In verschiedenen Städten Polens bemüht sich die Bevölkerung tiotz der Kri>e und der großen Not, Mittel für neue Lehranstalten zu schaffen. In Rowno mußten erst in den letzten Wochen neue Fachkurse vom „ORT" eröffnet werden, um dem unaufhörlich wachsenden Drange der jüdischen .lugend nach Fachbildung entgegenzukommen Dil' alten „ORT"-Shulcii und -Kurse waren bei weitem nicht ausreichend, um die herbeiströmenden Schüler aufzunehmen. Gegenwärtig werden in den „ORT'-Schulen und Fachanstalten in Rowno 218 junge Leide beiderlei Geschlechts in den verschiedensten Fächern ausgebildet. Kin neue« jüdisches Gemeiadegesetz in Italien. Der Ministerrat hat den Entwurf zu einer königlichen Verordnung über die Organisation der jüdischen (ieincinden in Italien, sowie die Vereinheitlichung und Modifixierung der auf die .luden Bezug haltenden gesetzlichen Beatimmungen angenommen. Manche dieser Gesetze und Verordnungen gehen noch aul die Zeit vor Gründung des Königreichs Italien zurück und wurden von den Königen von Sardinien, den Erzherzogen von Toscana, dem Kaiser von Osterreich und anderen Beherrschern der ticbicie erlassen, die nunmehr zum italienischen Königreich gehören. Die neue Verordnung stellt einen Zwangsverband der jüdischen Oemeinden vor. welcher als einziger berufener Vertreter der jüdischen Interessen gelten wird. Der Verband wird, wie ein Commu- Sieben Sthaufensler / Größtes Herren hui'■ GesrhS/l Leipzig*. =~~ — nlquee des Ministerrats mitteilt, unter der Konirolle der Regierung stehen, entsprechend jener „Richtung des modernen öffentlichen Hechts, die alle Tätigkeilsformelu, besonders solche auf kollektiver Grundlage, zwecks entsprechender Überwachung der Slaatsautorität unterstell! wissen will". Dem Hund der Gemeinden wird ein Rabbinerkollegium zur Seile stehen, das jedoch nur beratende Funktionen zu erfüllen haben und nicht einmal eine Disziplinargewalt über die Rabbiner der einzelnen Gemeinden besitzen wird. Der Beschluß der Italienischen Regierung, eine einheitliche Or ganisation tler italienischen Juden zu schaffen, geh! auf die neue Religionspolitik zurück, welche durch das im Jahre 1!t'2!> mit dem Vatikan beschlossene Konkordat inauguriert wurde. Mit dem Entwurf eines jüdischen (iemeindegeselzes war eine seehsgliedrige Spezial kommlssion betraut worden, in der der Oberrabbiner von Rom, Dr Sacerdoti, der Präsident des jüdischen Gemeindeverbandes Advokal Sereni und der Professor tles kanonischen Rechts au der Malländei Universität Professor Mario Falco als Vertreter der Juden fungierten Nach der Annahme des Gesetzentwurfes durch den italienischen Ministerrat hat Rechtsanwalt Sereni folgendes Telegramm au Ministet Präsident Mussolini gesandt: „Durch die Annahme des Gesetzes über die jüdischen Gemeinden hat die nationale Regierung den auf das Judentum Bezug habenden Teil jenes gesetzgeberischen Werkes vollendet, das mit dem Gesetz über die zugelassenen Kulte begonnen wurde. Im Namen der jüdischen Bevölkerung Italiens bitte! der Bund der jüdischen Gemeinden Eun Exzellenz, die Versicherung seiner tiefsten Dankbarkeit und den Andruck seiner Genugtuung darüber entgegenzunehmen, daß seine Ar bellen künftig unter der Ägide des Staates vor sich gehen werden. Ein eigenes Haus für die Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde Berlin? Die Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde in Berlin hat in den letzten Monaten durch Neuerwerbungen und Schenkungen einen derartigen Zuwachs erhalten, daß die in der Oranienburger Str. befindlichen Räume für die Aufstellung nichl mehr ausreichen. Es ist deshalb auch schon ein neues Gebäude zur Unterbringung dei Museiiinsschätze in Aussicht genommen. Erst in den neuen Räumen wird mau einen Überblick über die kürzlich erworbenen paläatlnen Bischen Ausgrabungen interessanter Ton- und (ilasgefäüe, die reich. Münzsammlung und die mannigfaltigen Kultusgeräte gew innen können An Werken moderner Künstler sind besonders zwei der bedeutend sten Gemälde von Lesser Ury hervorzuheben: das von der Presse I92N bekannte Monumeiitalbild „Der sterbende Moses" und ein SelbM bildnis von l'.MO. Max Liebermann ist mit einem Porträt des Chirurgei James Israel, Pissarro mit einem feinen Aquarell vertreten. Dei berühmten holländischen Meister Josef Israels stellt ein Bildnis voi .). Moscheies dar. Zwei Cemälde von Josef Oppenheimer (Bildni Kareski) und zahlreichen jüngeren, in Paris täligen Künstlern, et ganzen die Reihe dieser Neuerwerbungen. Jüdische Verbände und Gemeinden Am 25. Januar kon^rcHwählen in Deutschland. Berlin (Jüd. Tcl.-Agenlur). Wie die Hauptwablkonimissio für die Wahlen zum XVII. ZionistenkoitgreU in Deutschland mit teilt, linden diese Wahlen in Deutschland am Sonntag, den 25. Januai statt. Wahlen, die vor oder nach diesem Termin vorgenommen wc den, sind ungültig. Für die Feststellung der auf Deutschland eilt fallenden Kongreltinandate sind nur die bis zum <i. Januar bei de Landesschekelkommission der Z.V. f.D. eingegangenen Sehekt maßgebend. Die jüdi-ilic und die christliche Friedenslehre. L ehrvorträge i u d er „Schule des Fried e n s". Die vor kurzem im Anschluß an den „Jüdischen Friedensbund und die ...lungjüdischc Kriedeiisgeineinschaft" ins Leben gerufem „Schule des Friedens" hat ihre Tätigkeit mit zwei Lehrvorträgen ei öffnet, die in der Aula der Jüdischen Mädchenschule in Berlin statt gefunden haben. „W a s l> e d e u t e t d i e .1 ü d i s c Ii e F r i e d e n s I e h r e f ü die Gegenwart?" das war das Thema, welches der Leiter dei „Schule des Friedens". Dr. Alfred NoSSig, im Rahmen des Lebt kurses die „Grundlinien der Friedenslehre" einleitend behandelt« Der Vortragende widerlegte die Anschauung, daß die Bibel keil Buch des Friedens, sondern ein Kricgshuch sei. (lewiß konnte da

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