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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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<i. Januar l»3i GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 8 JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG VOrtTcl^I Dienstag, den 13. Januar, 20 Uhr, in der Aula des Frauenseminars, Königstraße 20 Frau Dr.Dorotheeu.Uelsen. „Die Frau und die Parteien" Die Ortsgruppen des Deutschen Staatsbürgerinnenvereins, des Jüdischen Frauenbundes, des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins, der Internationalen Frauenliga für Frieden 'und Freiheit. riedensziel der Gründer des Judentums uichl mit einem Male er icht werden. Gerade das Ringen um <lie Entwurzelung lies kriege- -cIh'H (ieistes aller verleiht der Jüdischen Friedenslehre ihren sonderen Wert. Während sonst nur die Idee des Friedens verludet wird, weist diese Lehre die praktischen Wege zu Beiner erwlrklichung. Die mosaische Gesetzgebung enthält die Riehtnien der geistigen und biologischen Erziehung zur Friedensgesinung, sowie die Grundlagen einer Realpolitik des Friedens im sollten, wirtschaftlichen und internationalen Bereiche. Das spätere disch-religiöse Schrifttum gibl überzeugende Aid wollen auf die ichtigsten Friedensprobleme der heutigen Zeit. Der ]0dische t iedenssozialismus ist berufen, jetzt und in der Zukunft eine ichtunggebende Rolle zu spielen. Hierauf sprach Pfarrer Karl Sc Ii midi von der Thomaskirche ber „Evangelium und Krieg". Die heute besonders in rotestanlisclien Kreisen sehr umstrittene Frage, ob das Evangelium i entschiedener Weise den Krieg verdamme, oder oii das Christen um mit dein Krieg vereinbar sei, löste Pfr. Schmidt durchaus übereugend, indem er auf die Haltung Jesu, sowie auf die Bekenner . iiier Lehre in den ersten Jahrhunderten hinwies. Für diese war as Kreuz das Sinnbild der Oewaltlosigkeit, weil Jesus im Sinne lieser Idee den Tod erlitten hat. Niehl nur der Kriegsdienst, seihst ms einfache Tragen von Waffen galt als unchristlich. ..Wir werden las Kriegshandwerk nicht lernen" — sagt Origines. „denn wir sind durch Christus zu Kindern des Friedens geworden." Nach ud nach erst wird die evangelische gewaltlose und internationale (lesinnung aufgegeben, Die Christenheil nationalisiert und militasiert sieb immer mehr. Jetzt aber ist für sie die historische 'Stunde der Entscheidung gekommen. Entweder hält sie am Kriege fest, der zur Vernichtung der Menschheit führen wird, dann muH sie las Christentum als Utopie verwerfen. Oder aber sie glaubt an die riedensbotschaft, dann muH sie sich in radikaler Weise gegen lieg und ROatungen wenden. Wahre Christen müssen heute las Ma rty r iu m des F r i e <l e n ■ a po■ toia t e s auf sich Innen. Den Lehrvortrlgen wohnten aufler «I 'ii Hörern der Schule auch ertreler der christlichen .lugend bei, die der Anstalt lebhaftes; ateresse entgegenbringt. illionpii-Stiftuiiff des Professors W. M. Haffkin«'. Am 12. November fand unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon ine Sitzung des G e s c Ii ä f I s f ii h r e n d e n Ausschusses ■s II i I f s v e r e i n s der Deutseben .luden statt, der als auptpunkt der Tagesordnung die Beschlußfassung über die Veraltung der Haffkiue-Stiftung vorlag. Der im Jahre ISIk) in Odessa geborene und vor kurzem in Lau* inne verstorbene hervorragende Bakteriologe Professor W. M. Ilaff- Ine hlnterliefl ein Kapital von etwa anderthalb Millionen Schweizer ranken zwecks Bildung einer Stiftung in der Schweiz, die von einem irtigen Bankinstitut verwallet wird, und aus dessen Erträgnissen almudhochschulen (JeSChiboth) in osteuropäischen Ländern (unter entueiler Berücksichtigung auch der handwerklichen Ausbildunng •r Schüler) gefördert werden sollen. Die Stiftung hat die Einnahmen r die ungegebenen /.wecke gemlfl den Entscheidungen des llilfs •reins zu verwenden, dessen Werk der Verewigte wärmstes Interne entgegenbrachte. Ferner wurden Bewilligungen vorgenommen, unter auderni für disrhe Studenten aus Osteuropa. Aus dem Bericht Ober die Aktion r den Wiederaufbau des .liidisclien Kinderbauses in Kowuo ist zu itnehmen, dafl die Sammlung bisher ein befriedigendes Resultat •habt bat: die für den Hau notwendigen Mittel sind allerdings noch icht vollständig aufgebracht worden. Die Mitteilungen über die Aufwendungen des Hilfsvereins auf seinen verschiedenen Arbeitsgebieten sowie über den Aushau der Organisation des Hilfsvereins in Berlin und im Reiche im laufenden Jahre wurden mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen; namentlich wurde hervorgehoben, dafl trotz der Ungunst der Zeit ein erhebliches Anwachsen der Jahresbeiträge zu konstatieren ist. Zahlreiche neue Ortsgruppen sind gebildet worden. Auf der anderen Seite steigen natürlich dauernd die Anforderungen, die au den Hilfsverein gestellt werden. Der Hilfsverein isl daher heute mehr denn je auf die tatkräftigste Unterstützung seiner Mitglieder und Freunde angewiesen. Herr Dr. Sigmund Wassermann wurde zum stellvertretenden Schatzmeister gewählt. Unsere Gemeinde Hilfe für unsere erwerbstätige Jugend! Schwer laste! der Druck der Zeil auf Deutschland, und besonders auf dem jüdischen Mittelstand, Was Krieg und Inflation verschont haben, droht jetzt unterzugehen. Sowohl die Generation unserer jüdischen Jugend, die. dein Krieg entronnen, ein ruhiges Lehen zu linden hoffte, als auch die jüngere, die, in der Not des Krieges geboren, sich nach einer Zeit der seelischen und menschlichen Regeneration sehnte, fühll sich betrogen und droht, den Glauben an die Menschheit und unser Judentum zu verlieren. Kann jemand, der niemals in Not, niemals ohne Beruf oder Arbeil war. die seelische und körperliche Not des intellektuellen Arbeitslosen verstehen? Die Not der Zeit veranlal.it den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, für seine stellungslosen Mitglieder und Freunde nach Möglichkeit zu sorgen und ihnen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Wir richten den dringendsten Appell an die jüdischen Arbeit geber, die bei der Einstellung jüdischen Personals einen „Numerus clausus" eingeführt haben, ihre Ansicht zu überprüfen und sich der großen Gefahr bewufll zu sein, was eine solche Handlungsweise für die Zukunft des Judentums in Deutschland bedeutet. Jüdische Arbeitgeberl Unterstützl uns. Ial.lt uns nicht verzagen au dem Verständnis und dem Mitgefühl unserer Glaubensgenossen! Wir wollen keine Wohltätigkeit) Jeder Chef soll selbstverständlich nur das für ihn geeignete Personal einstellen. Die Zahl unserer stellungslosen Freunde ist leider so erschütternd groß, daß sicher für jeden Posten der geeignete Mensch sich linden wird. Da einer organisierten Vermittlung gesetzliche Hindernisse im Wege stehen, denken wir nur an eine Hilfe von Freund zu Freund. Für diese wird unser liuiidesfivund. Herr Kantor .laffe. Poniatowskistrafle to (Fernsprecher 228 77), gern mit Rai zur Seite stehen. Wir bitten aber die hiesigen Arbeilgeber, uns in unserem Streben freundlichst zu unterstützen und uns bei freiwerdenden Stelleu in ihren Betrieben in weitestgehendem Ausmaße in unseren Bestrebungen zur Seite zu stehen. Wir werden in dieser Weise auch unseren Freunden im Reiche gern behilflich sein, wie wir auch anderseits von unseren Vertrauensleuten im Reiche die Förderung geeigneter Kräfte mit Bestimmtheil erwarten. Jüdischer Jugendbund ..Franz Rosenzweig4' im Verband der .liidisclien Jugendvereine Deutschlands, Erich Loew, 1. Vorsitzender. M. .laffe. Leiter des Dezernates ..Soziale Hilfe". Fraaenvereia „Rath". Am 20. Januar Andel im großen Saale des Centraitheaters der traditionelle Tee nachmittag des Frauenvereins ..liuth" statt. Die katastrophalen Wirtschaftsverhällnisse wirken sich in den Finanzen dieses so wichtigen Frauenvereins besonders schmerzhaft aus. Die Einnahmen aus dem Teenachmittag sind für den Verein eine

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