Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1031 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 Altersgruppen Jahre 80 si» 90 üt 09!K) Ueberhaupt < l e s n in 11> v ö I k <> r n n ii Grundsahlen männl, weibl. 281 89 1 302 438 .1 ii <11' n 76!> 287 412 zus. 307 41 1 580 850 vom Hundert nittnnl. weibl. zus. (i rundsahlen männl. weibl. 3 4 Vinn Hunderl männl. weibl. zi Hill Uli) um 4004 0 0434 Hill Hill Hin Aus dem natürlichen Abiaul des menschlichen Lebens ergibt sich p Tatsache, dali wir kein Volk und keinen Stamm treffen, die sich rhi iius Alteren und jüngeren Individuen zusammensetzen. ..Alle 'nschllche Gesellschaft ist dem Generationswechsel unterworfen, igt, wie jeder Baum, eine Summe von verschiedenen Altersringen, in jedem folgenden Jahr uns teilweise linderen Individuen zummengesetit." (Gustav Schmoller, Grundriß, I.Teil. 1923, S.161.) allgemeinen — in Deutschland der Vorkriegsseil zum Beispiel id die Jüngsten Klassen die am stärksten vertretenen. Die älteren lirgänge sind schwächer besetst, Die Entwicklung vergleich! man Bend mit einer Pyramide. Von der natürlichen Tendenz weicht lufig die Großstadt mit Ihren besonderen Verhältnissen ab. Iiis zu Jahren sind die jüngeren Jahrgänge weniger vorhanden als die tischen 1-') und 30, weil durch die höheren Schulen. Universitäten n Leipxig), Dienstboten usw. die Prozentzahl «lieser Klasse einen starken Auftrieb mich oben erführt. Dies offenbart sehr genau die obige Tabelle. Bei einem Ueberblick der Gesamtbevölkerung und der jüdischen Minorität bemerkt man, daß bei den letzteren die 15—24 und »5 54jährigen in größerer Verhältniszahl festgestellt winden, und dies dürfte wohl unmittelbar mit der Zuwanderung in engster Verbindung stehen. Ebenso die größere Fruchtbarkeit, was die Altersgruppierung von o l Jahren hervortreten läßt, wo die •luden mit 10,7, die Übrigen mit 0,5 v. H. berechnet werden. Ueber die Altersgliederung linden wir auch nähere Angaben in einem Aufsatz der ..Zeitschrift für Demographie und Statistik der .luden", in dem eine Zusammenstellung von iss."> l>is 1905 vorenommen wurde. In dieser Arbeil werden die zehnjährigen Altersgruppen zusammengefaßt. Leider wird in dieser Abhandlung die Gesamtbevölkerung außer Betracht gelassen. Gleichwohl seien die Heiden Tabellen hier angeführt: a 1) s o 1 u t V e r h ä 11 n i s z a Ii 1 e n Altersklassen 18S5 1890 ISO.") 1900 1900 Altersklassen 1880 1890 1S0."> 1900 1900 0- 10 742 786 01)."» 1228 1037 0—10 •jo.:ts 10.00 20,04 19,08 20,00 10 - •-'ii 896 800 020 1202 1542 Ii) '_'() 19,12 19,46 IS.0S 20,60 20,08 •H) 30 770 816 SOli 1202 1090 20 30 21,40 19,78 18,49 10.7'J 20,07 :in -40 552 7IS 851 990 1132 30 lo 10,16 17,86 17,"i7 i.").:to 14.7."» in ."in 418 492 589 784 982 40 00 11^4 11,80 11,18 12,42 HJ.7S 50 ii<» •_»:to •_>(i7 :tiil 100 493 00—60 o.:fj <>.4."> 7.45 6,02 6,40 Ii!) TO 162 182 183 '-•17 •_»7:i 60 70 4.4."» 4,40 :t.77 4.21 :t.."»:> Uber To 66 70 99 184 l'JS aber 70 t.si 1,60 •J.Ol 2,10 0.7'J zusammen : 1(140 1136 4844 0171 7676 zusammen 100 100 100 100 100 ..Wenn wir den Altersaufbau nach den einzelnen Volkszählungen \ms eingehender betrachten", so beißt es in dem oben angeführten uiisatz. „machen wir die Wahrnehmung, daß fast jeder vorangehende folgenden verschieden ist. Soviel sieht mau sofort, daß man es mit einer (iroüstadtbevölkerung ZU tun hat. Darauf weist die kräftige Besetzung der Altersklasse 20 -30 und der nachfolgenden 30—40 Jahre hin." Dies weist uns auch auf eine ziemlich große Einwanderungswelle hin. worüber wir bereits gesprochen haben. Schluß folgt. Aus aller Welt Di« erste lleatlieh-reehtliehe Synagagengemeiade in Spanien. Madrid (.liid. Tel.-Agentur). Zum erstenmal seit 1492, dem i itpunkl der Vertreibung der .luden aus Spanien, konnte sich in ladrid öffentlich eine jüdische Gemeinde zum Gebe! in einem Jüdihen üotteshauae, das als solches anerkannt ist. versammeln. Ein Ii is von etwa 80 Männern hat mit Genehmigung der Regierung ie erste spanische Synagogengemeinde gegründet. Die Feierlichit seihst spielte sich in schlichtem Rahmen ab. Anwesend war ich ein Vertreter der Madrider Polizeibehörde. Der französische mkier Hauer, der als finnischer Generalkonsul fungiert, und dessen imilienmitglieder in nahen persönlichen Beziehungen zu König Ifons von Spanien stehen (die Tochter von Bankier Hauer gehört ir Suite der Königin), wurde zum Präsidenten der Gemeinde wählt. Seinen Interventionen beim König ist es vor allem zu nken, wenn jetzt nach langen Bemühungen die jüdische <i.....einde lerkannl worden ist, und er war es auch, der einen Erlaß durcht/.te. nach welchem entgegen dem Willen der kirchlichen Beürden auf dem Zivilfriedhof von Sevilla ein Feld für jüdische räber reserviert wurde. Bankier Bauer hat auch die finanziellen asten, die aus der Unterhaltung der Synagoge entstellen. Überimmen. Nach der Gründungsfeier wurde ein Protokoll und ein voriufigea Gemeindestatul durch den anwesenden Polizeiofflzler versen und unterzeichnet. Der von einem Gemeindemitglied gestellte tut rag auf Anstellung eines Kultusbeamten wurde aus Mangel an nanziellen Mitteln abgelehnt. - Das Gebäude, in dem sich «Ii«' ynagoge befindet, liegl im Zentrum der Stadt. Das Bethaus seihst lätti sephardische Prägung, in einem Nebenraum ist eine klein'' Bibliothek und eine St.....nlung von Kultgeräten, aus Privatbesitz und laatlichen Museen stammend, untergebracht worden. Die FassUie des Papstes Aiaklel II. und die angeblich jMiseke StMHMttw der fleheastanfea und der Habsburger. Ks i>t unbestritten, schreibt If. Silbergleit im Septcmberhefl der von Dr. Arthur Czeliitzer herausgegebenen Zeitschrift ...I üdische Familien-Forschung", daß der Papst, der unter dem Namen Anakiel II. von 1030 his 1038 die dreifache Tiara getragen hat, jüdischer Abstammung war. Er gehörte der Familie der Pierleoni an, die in Rom, Im Stadtbezirk Trastevere, wohnte und von dort aus einen mächtigen Aufschwung nahm. Papst Urban II. (1088 1099) hatte nur mit ihrer Hilfe von Rom Besitz ergreifen können. Der Großvater des Petrus Leonis, der das Geschlecht begründete, war noch Jude gewesen, hatte mit dem päpstlichen Hofe Wechselgeschäfte gemacht und war dann »Christ geworden. I<c<>. der Sohn des Petrus Leonis, verschwägerte sich mit römischen Großen. Leo erhielt den »Titel ..Konsul der Kölner". Leos zwei Knkel, die Söhne seines Sohnes Petrus (Petrus Leonis, Pierleoni) wurden Geistliche. Der eine. Petrus, ging nach Paris au die Universität und nahm nach beendigtem Studium die Kutte in Cluny, eine günstige Vorbereitung zum Pontifikat. Aul seines Vaters Wunsch nahm ihn Papst Paschalis nach Rom, machte ihn bald zum Kardinaldiakon von s. Cosma und Damian, und nichl lange darauf wurde er Kardinalpriester von S. Maria in Trastevere. Dann bekleidete er das Amt eines Legaten in Frankreich und in England. Nach dem Tode des Papstes Üonorius wurde er zu dessen Nachfolger erwählt. Ks erstand ihm aber gleich ein Gegenpapst aus der Familie der Papavecchi, Gregor, der Bich Innozenz 11. nannte. Man hat gesagt, es >ei dies deshalb geschehen, weil Anaklet von sehr „jüdischem Aussehen" »gewesen sei. Anakiel II. erwies sich kraftvoller als Innozenz II. Während dieser am Tage seiner Wahl in die Festung der Frangipani auf den Patatin flüchtete, zog Anaklet. unterstützt von seinen Brüdern, an der Spitze seiner Anhänger nach St. Peter, sprengte «las Tor, ließ sich weihen, stürmte den Lateran und nahm die Kirchen Schätze in He-