Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 UEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer krieges begaben, mußte den Pharisäern als durchaus unjüdisch erscheinen, obgleich die Makkabäer das unter dem Vorwand taten, die Grenzen des alten davidischen Reiches wiederherzustellen. Vollends abgestoßen mußten sie sich fühlen, als Johann Hyrkaa die besiegten hinunter zur Annahme der Beschneidung und des Gesetzes zwang die Pharisäer erlaubten ihnen nachher, zu ihrer angestammten Religion zurückzukehren und damit einen gefährlichen Weg beschritt. In der Folge (Ohrte diese Politik dazu, daß ein sogenanntes Freundschaftsbündnis mit Rom geschlossen wurde, und das war der erste Schritt zum Untergang des jüdischen Staatswesens und zur Zerstörung des Tempels. Andererseits kam aus den Idumüorn der König II i i oil es. von dein begeistert m sein nicht nur die Pharisäer keinen Grund hatten. Das alles bewirkte, daß sie sich mit den Makkabäern so wenig wie möglich beschäftigten. Aber auch sonst hatten sie Grund genug, das Chanukkafest Melier an das Wunder mit dem ölkrüglein anzuknöpfen. Lebte ja in ihrer Erinnerung die Tradition, dati doli es schon ihren Vorfahren verübelt habe, daß sie am Roten Meere Loblieder Uber den Untergang des Feindes anstimmten. Darum wiiii nach ihrer Anordnung heim Entzünden der Lichter außer der Lobpreisung über die Mizwa nur allgemein die Danksagung gesprochen, dali Gott unseren Vorfahren ..in jenen Tagen, zu dieser Zeit Wimder gewirkt hat". Dieser Seyen wurde schon von den Lehrern des Talmud eingesetzt Etwa im s. Jahrhundert wurde (auch für Purim) ein besonderes Dank gebet „al hanissim" verfaßt, das an den Chanukkatagen in das 18, Kapitel dos ,,Scbeinoneb essreh", die sogenannte „llodaah". und in das Tischgebet eingeschaltet wird. Hier werden Krieg und Sieg in knappen nachdrücklichen Worten erwähnt, Seltsamerweise wird hier Mattitjahn der Hasmonäer Sohn des Hohenpriesters Joohauan genannt; wie es scheint, auf Grund der oben erwähnt. „Megillat Antiochos", die allerlei verschiedene Namen nennt. Na. dem Entzünden der Lichter folgt der Hymnus „II a - ii e r o t h a I a I n der sich zusammen mit „AI ha-nissim" in dem kleinen Traktat „S phorim" lindet, der etwa aus dem ti. Jahrhundert stammt. Zum Schlüsse wird nach einer sehr bekannten und beliebt« Melodie der Gesaug „Maos Zur" vorgetragen, der etwa aus de 14. oder l.">. Jahrhundert herrührt. In der neuesten Zeit halien hehi ische Dichter nach derselben Melodie (lassende Gesänge verfal.lt, dl sprachlich und inhaltlich unserem Empfinden ungleich hesser eu sprechen. Von alteraher bestand die tiauptfeier dieses Festes im AnzUrj den der Lichter. Nach der Schule des Schaimnai, die die ältee Tradition repräsentiert, wurden am ersten Tage acht Lichter in jeden folgenden Tag eines weniger angezündet, so dali am letzt läge nur noch ein Lichtlein brannte. Nach der Schule des llillel d; gegen geschah es umgekehrt; man begann mit einem Liebte und stii bis zu acht. So wird es auch bis auf den heul igen Tag gehalten. I sprünglich brannte ein Docht in öl, das sich in einem kleineu Meto behälter befand, und so geschieht es zuweilen noch bis auf di i heutigen Tag. Danehen sind kleine Kerzen in Gebrauch, wenn > nur eine halbe Stunde lang Licht brennen. Die Zeit des AniOndei liegt zwischen dem Dunkelwerden und dem Aufhören des Straßei Verkehrs. Die Lichter werden am Fenster oder sonst an Sichtbar Stelle aufgestellt, um das Wunder allgemein liekanntzumachen. I den Lichtern eine Weihe innewohnt, darf man ihren Anblick nur nt I dem Auge genießen, aber keinen Nutzen von ihnen ziehen, et« i indem man bei ihrem Schein eine Alltagsarbeit verrichtet. Unsere Gemeinde Rabbiner Dr. .In-cf Colin (Hamburg). Am 8. Tag Chanukka vollendet Rabbinet Dr. Josef Cohn (Hamburg, früher Eschwege) sein 80. Lebensjahr in voller geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit. Reim Scheine der K Lichter kann er zurückblicken auf JS Jahrsehnte eines an Arbeit und Streben überreichen, makellosen Lehens. Seine .lugend verhraebte er in seinem Geburtsort Zempelburg, von wo aus der Hochbegabte, früh zum Rabbiner Bestimmte nach Breslau als Zögling dos dortigen Rabbinerseminars übersiedelte, um in jungen Jahren Rabbiner der Gemeinde Bisenz in Mähren zu werden. Von dort wurde er nach Burgkunstadl (Bayern) berufen, und schließlich nach Eschwege, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war. Liebte und verehrte seine (leineinde in ihm den treuen Seelsorger, den stets hilfsbereiten Menschen, den vorbildlichen Familienvater, der an der Seite seiner frommen und edlen Gattin. Frau Marie geb. Guttmann. das Glück hatte, seine Kinder zu ebenso frommen wie gebildeten und tüchtigen Menschen heranwachsen ZU sehen — so kannte ein viel weiterer Kreis seinen Namen als den eines unermüdlichen Forschers. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem Universitätsprofessor Dr. Leopold Cohn in Breslau, gab er eine I'hilo-Obersetzung heraus. Sein Hauptinteresse wandte er der hebräischen Grammatik zu und hat in Büchern (Das V/eten und die Bedeutung des Dagesch) und Zeitschriften wertvolle Beiträge zu diesem Gebiet veröffentlicht Seine Feder ruhte auch nicht, als er amtsiniide zu seinen Kindern nach Lei pzig übersiedelte, wo der gütige Manu mit seinein regen Geist und seinein bescheidenen Wesen wie überall alle Herzen gewann. Vor einigen Jahren ist et nach Hamburg verzogen, und auch dort ist der jugendliche (ireis noch eifrig im jüdischen Leben tätig, sammelt junge Leute um -ich. um sie in regelmäßigen n,"VtV,1Z? aus der Fülle seines Wis- BenS zu belehren und arbeitet in seinen Mußestunden au seiner ,.Ge- Bchicbte der Juden in Eschwege". Ein Schatten trübt seine und seiner Kinder Freude an seinem Ehrentage: die treue Gefährtin seines Lebens i>t nicht mehr dabei: im Jahre 1929 wurde sie ihm durch den Tod entrissen. Aber sein frommes Hera, sein lebenszugewandter Sinn linden Trost in der Liehe seiner würdigen Kinder und Enkel. Möge ihm das Glück rastloser Arbeit und treuer Mizwot-Erfüllung Im Kreise der geliebten Seinigen noch viele Jahre erhalten bleiben, iy rov trnvsi nxo P. •'• k. Ckaankka-Feier der Höheren Israelitischen Schule. Wir erhalten folgendes Sehreiben: Am 22. Dezember 1980 hält die Höhere Israelitische Schule ihr Chanukkafest ab. Wenn mau diese Veranstaltung auf eine Stufe stellen wollte mit den vielen sonstigen Feiern, die innerhalb unsei Gemeinde abgehalten werden, so täte mau ihr Unrecht Ihre Eigen« besteht nicht nur darin, daß es ja nicht bezahlte und gemieti Kräfte, deren Leistungen man auch sonst im Thealer oder auf di 1 Konsertbühne zu bewundern Gelegenheit hat, sondern ausschließlii Schüler und Schülerinnen sind, die beim Programm mitwirken. I - ist also das Fest eines großen Teiles unserer hiesigen jüdischen Jll gend. das da begangen wird. Es ist aber ferner die einzige große Veranstaltung des Jahre zu welcher die Schule die jüdische Gesamtheit um ihre Teilnahll bittet. Selbstverständlich soll Wert und Bedeutung der jüdisch. Schule nicht nach den schauspielerischen Leistungen ihrer Zöglin beurteilt werden, aber einen gew issen Einblick in «las Wesen und d Eigenart dieser Anstalt bietet das Fest doch. Fs führt jedem, der / beobachten versteht, die Tatsache vor Augen, daß sich jüdische Kirnt in jüdischer Umgebung wohl und glücklich fühlen. Daß es für d jungen Menseben ein gewisser Stolz ist. ihre Jugend in einer Sehn zu verbringen, die jeder einzelne als sein eigen anspricht, die d< Kindern, ähnlich wie das Elternhaus, ans Herz gewachsen ist. Gerade in unserer Zeit muß der Eindruck besonders wohltuet sein, daß liier eine Atmosphäre ist, ganz frei von Haß und Beselin kling, in der die Kinder sieh als Juden fühlen dürfen, ohne dadurc wie es in allen anderen Anstalten der Fall ist, gleichzeitig das I engende und bedrückende Kinplindeii zu haben, einer nur geduldet) feindselig angesehenen Minderheit anzugehören. Hier führen il Kinder Stücke von jüdischem Inhalt auf ihrer Dilettantenbühne ai sind nicht nur mit ihren Lehrern, sondern mit Filtern und Bekannt vereint und lausehen Vorträgen, die schon durch ihre jüdische N< geeignet sind, echte Beglückung in die Kinderherzen zu tragen. I erzieherische Wert einer solchen jüdischen Veranstaltung darf g;i gewiß nicht unterschätzt werden. Ks ist leider vielen unserer jüdischen Mitbürger Qlelchgfiltigki und Indifferenz der einzigen jüdischen Schule der Stadt gegenül vorzuwerfen Sie würde ganz anders dasteheil, wenn sich alle, <! ihrer religiösen oder nationalen Einstellung nach zum Kreise!nr< Interessenten gehören müßten, auf ihre l'llicht gegen sie Ix sinn wollten. Bs soll hier mit diesen Abseitsstehenden nicht gerochn werden. Alier der Appell soll au sie gerichtet werden, wenigste' ein kleines Zeichen von Interesse zu zeigen, indem :ie dem Fes beiwohnen und so zunächst ideeil zu dessen Gelingen beitragen. Bei der furchtbaren finanziellen Not, in der sich die Schuh- I findet, wird natürlich auch ein materielles Ergebnis erhofft. E solches pflegt weniger durch große Summen einzelner Spender betix geführt zu werden als durch Mark- und < iroschenstücke, die für <l dargebotenen Genüsse bezahlt werden. Aus Elternkreisen bat si<