Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 49 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4U Eugen Kelhetter Inhaber: CARL KOCH_ üocnefjme fjcctcntüofrf)t Elegante Rcatuottcn LEIPZIG, Petersstraße 20 im Meßhausneubau „Petershof" Kiiulerhesrhenkuiig des Hilfsvereins. Wie uns der Hilfsverein Israelitischer Gewerbetreibender mitteilt, haben sich die Anmeldungen für die Kinderbeachenkuiig aul .VJO erhOht Trotzdem der ATinieldelermin am 20. November abgelaufen war. ist der Vorstand infolge der herrschenden Not gezwungen, auch die verspätet eingelaufenen Gesuche zu berücksichtigen« •! e - d e r, der s e i n e n Beitrag für diesen dringend n o t - w endigen guten Zweck noch nicht abgesandt hat. tue es sofort! Spenden sind auf Postscheckkonto 52066 einzuzahlen. Ebenso können Sachspenden (aber nur neue Sachen) in der Geschäftsstelle des llilfsvereins. Brühl 2411, allgegeben werden. Auf Anruf (1S4 :t(»> werden Spenden jeder Art gern abgeholt. lateresteagemeiaschaff der jüdischen Erwerbslosen. Die am 1. Dezember lfKiO in der Jüdischen Lesehalle anwesenden jüdischen Krwerbslosen nahmen folgende» Resolution an: Die jüdischen Krwerbslosen. die ordnungsgemäß bei den staatlichen Arbeitsnachweisen gemeldet sind, sehen in der außerordentlichen Erwerbslosigkeit einen Ausdruck der Wirtschaftskrise. Sie sind von der unverschuldeten Erwerbslosigkeit noch durch ganz besondere Umstände hart betroffen. Durch den antisemitischen Wirtschaftsboykott, der es einem jüdischen Angestellten oder Arbeiter(in) fast unmöglich macht, in einem nichtjOdischen Betrieb Arbeit zu finden. Hin Teil der jüdischen Erwerbslosen sind keine Reichsdeutschen (sind aber im Besitz von Befreiunßsscheinen, d. h. Erlaubnis, in Deutschland arbeiten zu können), es werden ihnen beim Bezug von Kürsorgeunterstützung große Schwierigkeiten gemacht, teils wird ihnen mit Ausweisung gedroht. Wir ersuchen daher die jüdische Öffentlichkeit, die Not der vielen jüdischen Krwerbslosen dadurch zu beseitigen, indem jede Möglichkeit zur Arbeitsbeschaffung für die jüdischen Erwerbslosen wahrgenommen wird. Ks sind fast sämtliche Berufe vertreten, so daß freie Stellen durch jüdische Erwerbslose besetzt werden können. Der Krwerbslosenausschuß. Erklärung! Wir werden um Bekanntgabe des nachstehenden Schreibens ge beten: Elias Kestenbaum. Leipzig (' 1, Keilstr. 5, Leipzig, den 2. Dezember 1980, An den Herrn Vorsitzenden der Demokratisch-Orthodoxen Gemeindefraktion Herrn S. II o d e s , Leipzig. Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Nachdem in der Gemeindesitzung vom 1. Dezember ein deutsch demokratisches Mitglied der demokratisch-orthodoxen Fraktion eilt gegen unserem Fraktionsbeschluß gestimmt hat und außerdem gegei die Gleichberechtigung aller Juden in der jüdischen Gemeinde auf getreten ist, sehe ich mich gezwungen, hiermit aus der demokratisch orthodoxen Fraktion auszutreten. Ich erlaube mir meinen Austritt gleichzeitig öffentlich bekannt zugehen. Ich empfehle mich Ihnen mit vorzüglicher Hochachtung gez. Elias Kestenbaun Für gleiches Wahlrecht. Nach der vor einigen Wochen erfolgten Dresdener Wahlrecht« verständigling begann man sich auch in andern sächsischen Gemeinde) wieder ernsthaft damit zu beschäftigen, welche Wege einzuschlage' wären, um auch in den anderen sächsischen Gemeinden das gleich Wahlrecht für den ostjüdischen Bevölkerungsteil durchzusetzen. Dem Kampf für das gleiche Wahlrecht galt auch die wirkungsvoll verlaufene Kundgebung der Poale-Zion in Leipzig, die am Sonn abend, dem 15. November, stattfand, in der, neben den PoaletlonJstei Sei i n g er und Schlichter, auch Herr Dubiner von dei Jüdischen Volkspartei und Herr Rosen für das gleiche Wahl rech sprachen, während die Worte eines kommunistischen Redners den Zwecke galten, die jüdische Genieindearbeit als sinnlos und klerik; darzustellen, und einige Orthodoxe sich bemühten, die Einheitlichke: der Willensrichtung aller der Versammlung Beiwohnenden für da gleiche Recht aller Juden durch Zwischenrufe in den Hlntergrun< treten zu lassen. Sei 1 nger und S<• hächter führten aus, «laß es auf die Daue unmöglich wäre, durch die Aufrechterhaltung von zweierlei Red: für zwei (iruppen der jüdischen Allgemeinheit die Herrschaft in dl jüdischen Gemeinde in den Händen der einen Gruppe zu konservi« ren und die andere größere Gruppe so von der Mitarbeit ihn eigenen Angelegenheiten auszuschließen. Die Zeiten, in denen i Preußen ein Dreiklassenwahlrecht galt, sind ebenso vorbei, wie di Tage von Bismarck und dem Sozialistengesetz. Fast Uberall ist d alte Notabelnherrschaft gebrochen, in der kein Wort von der jii•! sehen Not, der Arbeit für die Jugend fiel, kein Pfennig für d< Aufbau des neuen Palästinas gegeben wurde, die jüdische Well eil geengt wurde in die berühmten Debatten über „Orgel oder nie Orgel". Vorbei ist auch die Zeit, in der die jüdische Frau an den <l meindedingen keinen Anteil nehmen durfte; verschwunden ist d I'ild der liberalen Alleinherrschaft in den wichtigsten Gemeinde der neuen deutschen Republik. Nur in Leipzig, der Geburtsstltte d großen deutschen Arbeiterbewegung, ist der elementare Grundsa der politischen Demokratie, das gleiche Wahlrecht, noch immer nie verwirklicht. Die Einwände, die gegen das gleiche Wahlrecht i hoben werden, sind allzu dürftig; da ist einmal die Behauptung, d Vertreter der Ostjuden verfügten nicht über die administrative Mit ja NikiSCh und sein Orchester Festball der Zionistischen Vereinigung Leipzig Es wirkt u. a. mit: » T ■ . .» _ „ m__ m _ z. Z. Berlin, beim Sonnabend, den 13. Deiember 1930, 20 Uhr, in sämtlichen Sälen «■•• Q y Karten: Im Vorverkauf RM 4.—, an der Abendkasse RM 5.— Vorverkauf: Althoff, Kaufhaus Brühl, Meßamt, Gebr. Felber, Brühl, Zigarrengeschäft Preißmann, Nikolaistr.