Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 49 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Dezember 19U0 GEMKINDEHLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite!i {Ige des Herrn Tunipowsky Ireiben. Sic machten In der Bewertung inen Unterschied «wischen Inländern und Ausländern oder nach n Kenntnissen der Thora. Herr Tunipowsky erinnert an ein Wort des Herrn Dr. WohTili, nach dem das Jetzige Wahlrecht nur eine Etappe sei auf dein pge nach dem allgemeinen Wahlrecht. Ein Weg zum Frieden könne funden werden. Den Weg möge man nicht versperren. Herr Dr. Michaelis beantrag! Schluß der Debatte, Der Vor tzende Btelll [est, daß dieselbe eigentlich schon geschlossen war. err Tumpowskj ziehl seinen Antrag auf Unterbrechung der l/.uny EU rück. Der Antrag aul Änderung des Wahlrechtes bzw. Einsetzung einer ommission hierfür wird mit '_•() gegen in Stimmen abgelehnt. .'. Es kommt ein Antrau der Volkspartei auf Errichtung nes jüdischen Jugendheiina zur Verhandlung, der sich it einem bereits vorliegenden Plan deckt. Der Vorsitzende ist der Meinung, daß dieser Plan angesichts ssen datt er erst vor einigen Tauen eingegangen ist, noch nichl iruchreil sei. Der Uemeindevorstand steht an sich dem grundsälzchen Oedanken durchaus freundlich gegenüber, die liberale Fraktion ■nke gerade so. Herr Dr. Pietrkowsky fordert einen grundsätzlichen Be- 'hluB, Die Jugend brauche das Heim. Er habe die Vorverhandlun en in diesem Sinne geführt und lehne es ab, erst alle Einzelheiten ig aufs letzte zu klären, die für die Jugend nebensächlich seien, •ieser sei mit dem Plan gedient. Redner berichtet noch über Einzelheiten. Herr Ureslauer weist durch Anführung eines bereits am Oktober d. .1. gefaßten Vorstandsbeschlusses nach, dal! der Vorland wärinstons für den Plan eintritt. An der Zustimmung der Oepindesitzung zweifelte der Vorstand nicht. Nach diesem Beschluß illlo die Gemeinde in den angebotenen Mietvertrag zwecks Grünung eines Jugendheims eintreten unter der Bedingung, daß die Oeleinde dadurch nicht mit mehr als 3500 Mark im Jahr außer dem Izigen Beitrag für den Jugendauschuß in Anspruch genommen . ird. Herr Dr. /.ander stellte fest, daß er als Mitglied des Jugendusschusses, der für diese Frage zuständig ist, sei dem Oktober nichts ehr über den Fortgang der Arbeiten gehört hat. Zu seiner Verwunderung ist plötzlich aus der Frage ein Antrau der Volkspartei i'worden. Hiergegen müsse er als Mitglied des Jugendausschusses ml namens der liberalen Fraktion Einspruch erheben. Die Sache er Jugend stehe über den Parteien, sie sei seiner Fraktion etwas Ieiliges und müsse deshalb Uberparteilich behandelt werden. Sachen müsse der Plan gründlich geprüft werden, damit etwaige Mängel eseitigl werden. Herr Aronstein tritt den Ausführungen des Vorredners bei. Kr ist von den Mitgliedern des Jugendausschusses mehrfach zu Rate ■ zogen worden und habe immer gemahnt, daß die Sache rechtzeitig i in Oemeindevorstand unterbreitet werde. Eine Besichtigung mit em Gemeindearchitekten habe ergeben, daß alle Vorfragen gründen geprüft «erden müssen. Die Verzögerung treffe nunmehr die olkspartei. Herr Dr. Pietrkowsky erklärt, datt seine Vorarbeiten mit i in Antrag der Volkspartei nichts zu tun hätten. Er habe dies alles nicht als Mitglied der Volkspartei, sondern persönlich im Interesse der Jugend getan. Er habe dem Oemeindevorstand die Arbeit abnehmen wollen. Der Vorsitzende befürchtet, daß mit dem vom Hauswirt für Bauarbeiten angesetzten Betrag die Herstellung nichl gediegen ausgeführt werden kann und daß daraus der Gemeinde künftig erhebliche Belastungen erwachsen könnten. Wichtig sei auch die Frage der Geldbeschaffung für die Bauarbeiten, Herr Tunipowsky erklärt, daß dei Antrag der Volkspartei in Unkenntnis der Vorarbeiten gestellt worden ist. Man möge sich auf eine überparteiliche Lösung der Frage einigen, Herr A roust ei n hält es für Ubereilt, im gegenwärtigen Augenblick den Vertrag zu unterzeichnen. Die Fragen konnten schnell slens geklärt werden, alsdann stände der Unterzeichnung nichts im Wege. Herr Dubiner bestätigt, daß di r Antrag der Volkspartei mit dem gegenwärtigen flau nichts zu tun habe, sondern nur grund sätslich geineint war. Die Sitzung wird unterbrochen. Nach Wiedereröffnung beantragt Herr Dr. Conrad (l ol tisch mi dt. die Frage des Mi et vertrau es au den JugendausBchuß ZU verweisen und diesen durch '_! Personen zu erweitern, davon eine Herr Aronstein sein soll. Der Ausschuß möge alle Bestimmungen des Ver- Irages auf das sorgfältigste prüfen. Im Übrigen bestehe wohl Einstimmigkeit darüber, daß der Mietvertrag abgeschlossen «erden soll. Herr II od es beantragt, die heutige Sitzung möge einen bestimmten Betrag aussetzen, um den Vertrau abschließen zu können. Herr l'e 1/ schlägt für den Ausschuß weiter Herrn Seiinger vor. Herr Dr. Pietrkowsk) befürworte! den Antrau Kodes. Der Vorstandsbeschluß vom -1. tu. 1980 wird angenommen mit dem Zusatz, daß der Abschluß des Vertrages von der Zustimmung des Jugendausschusses abhängig ist; dieser wird wie vorgeschlagen ergänzt. [Infolge Raummangels kann der West der amtlichen Niederschrift ersl in der nächsten Nummer veröffentlich! werden. Mit Rücksicht auf das berechtigte Interesse der Leser sei aus dem weiteren Verlaul derSitzung auf Folgendes schon heute hinge« iesen: Nachdem ein Antrag der jüdischen Volkspartei auf Ausbau der Da rieh uskasse dem Finanzausschuß überwiesen war. verlas Herr Tunipowsky die nachstehende Erklärung und verließ darauf mit seinen Fraktionsgenossen, den Herten Dubiner, Gelberg, Pfefferblttth, Dr. Pietrkowsk) und Sactis sowie Herrn Seiinger, der sich der Erklärung anschloß, das Sitzungszimmer.] l itt die Anträge, welche wir gestellt hatten, zu unterstützen, haben wir die Erledigung derselben abgewartet, haben Ihnen jedoch nunmehr folgende Erklärung abzugeben: Die nichtssagende Art. in welcher die liberale Fraktion das die große Mehrzahl der Gemeinde auf da» ernsteste treffende Problem der Wahlrechtsänderung im demokratischen Sinne abtun /u können geglaubt hat, veranlaß! uns. aus Protest die Sitzung zu verlassen. Wir fordern alle diejenigen, die für Recht und Gerechtigkeit sind. auf. uns zu folgen. Unsere Gemeinde ■Inf! Am s o ii ii a Ii e ii tl. dem 8. Dezember, '-'ii i hr. Andel in en Räumen des Centrai-Theaters «las traditionelle Winterfest es Jüdischen Studentenvereins in Leipzig stall, dessen Ertrag den ohlfahrtaeinrichtungen des genannten Vereines restlos zufällt. Die Not unter den jüdischen Studierenden ist eine außerordentch »rolle. Die antisemitischen Maßnah.....n in vielen fremden Län- ■rn zwingen eine große Anzahl der wegen ihres Judentunis vor Igten Studierenden, in Deutochland um Gastfreundschaft zu bitten, ie Armut freilich in ihren Heimatländern macht es fast unmöglich, iß Ihnen die genügenden Mittel zur Aufrechterhaltung ihres Stuiums gesandt werden. Sie sind darauf angewiesen, dati jüdische rüderlichkeil ihnen ihren dornenreichen Weg ein wenig ebnet. Der eltantisemitismus, der die .luden von den Quellen der Bildung ab 'hließen möchte, darf nicht triumphieren, und so ist es unsere Pflicht, soweit es irgend möglich ist. den jüdischen Studierenden, die tler Judenhaß in die Fremde treibt, zu helfen. Aher auch in unserem Land ist die wirtschaftliche Not eine un geheuerliche, und viele wertvolle junge Menschen, die dereinst durch ihre (iahen eine Zierde für die Wissenschaft und ein Stolz für das Judentum werden können, würden nicht ihr Lebensziel erreichen können, wenn mau ihnen nicht hülfe. Ihnen Förderung zuteil wer den zu lassen, ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern auch der Voraussicht für ilie Zukunft unserer Gemeinschaft. Der Jüdische Studentenverein, der durch die Unterhaltung einer Mensa, durch eine Stipendienkasse, und durch sonstige Wohlfahrtseinrichtungen außerordentlich viel zur Linderung tler Not beiträgt, wendet sich nur einmal im Jahre au die große jüdische Öffentlichkeit. Kr kniet ilie ganze Gemeinde zu dem Winterfest. Qber das alles Nähere in tler Nummer dieser Zeitung zu Anden ist. ein. und richte! au alle Freunde der akademischen Jugend das herzliche und dring liehe Ersuchen, durch den Besuch des Winterfestes seine edlen Zwecke zu fördern. Dr. Felix Gold m a n n. M. N u s s e u o w.