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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN KKLIGIONSGKMlälNOE ZU LEIPZIG Nummer I (lemeindevorsh 18 Uhr 20 Minuten. Vor Eintritt Ii Vorsteher Herr II seines Brüden «Iii ier Gold sc in Genicindesitzung vom 1. Dezember 1930 (Amtliche Niederschrift.) .11 eröffne! < I i t ■ Sitzung um ii die l'ngesordnung spricht der stellvertretende odes Herrn Ooldschmidt anläßlich des Ablebens Teilnahme der Versammlung aus. i. Zu dem Antrag der Volkspartei auf Wahlrechts sprich! Herr Dubiner. Di«' nach Vennehrung der Sitae zugunsten seiner Gerechtigkeit. Eiben Wahlkampl unter den l A e ii >l b r u n u des Forderung gehe nichl Partei, sondern nach egenwärtigen Rechtsverhältnissen mache seine Partei wegen Aussichtslosigkeit nichl mehr mit. Herr Tumpowsky: Qrundmotiv des Antrages sei die Einheil des Judentums, worüber wohl alle Anwesenden einig seien. Die3 bedinge Gleichheit aller männlichen und weiblichen Mitglieder In dei Gemeinde. Diese Forderung müsse erfühl werden. Früher habe man sieh von gegnerischer Seite aul die Ungleichheil der Herkunft be zogen. Heule seien alle zusammengewachsen durch ständiges gemeinsames Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Der veränderten An schauung solle entsprechende Folge gegeben werden. Der Gesetzgeber des jetzigen Wahlrechts habe uichl die Ungerechtigkeit im \uge gehabt, die sich jetzt daraus ergeben habe. Damals sollte das Verhältnis der Fraktionen 17 : H> sein, um eine gewisse Befriedung /ii schaffen. Dali sich aus dem Wahlrecht ein Verhältnis ergeben würde, das sich heute n : l stelle, sei nicht beabsichtigt gewesen sei auch nicht vorauszusehen gewesen. Die starke Verbundenheit der Uemeindemitglieder von heute solle sich nun auch in einei Änderung des Wahlrechts auswirken. Die Miuoritäl seiner Richtung könne nicht lordern, da sie keine Machtmittel habe, aber wii luden seien nach nullen hin immer eine Minorität gewesen, also an 'las Bitten um Gerechligkeil gewöhnt. Möge die Majorität wenigstens den Zustand von vor 6 Jahren wieder herstellen. Redner glaubt an die Krait der Idee Dies habe sich erwiesen gegenüber dem Unrecht, das in der Palästinafrage verfibl zu werden drohte. Das Zusammenhalten der Gesamtjudenheil habe dies bewirkt. Herr Dr. Conrad Goldschm idt: Die liberale Partei wünscht nicht in eine Debatte einzutreten, sie beschränkt sich auf Folgende Erklärung, die der Redner verliest. Die liberale Fraktion lehnt den Antrag aul Einsetzung einer Kommission zum Zwecke der Vorbereitung einer Änderung 'les Wahlrechtes ab. Die besonderen Verhältnisse der Leipziger jüdischen Gemeinde lassen einen Vergleich mit alliieren jüdischen Großgemeinden in Deutschland nicht zu. Die wichtigste Aufgabe der Gemeindevertretung ist es, die Leipziger jüdische Einheitsgemeinde in dieser Zeil schwerster wirtschaftlicher und politischer Bedrängnis in ihrem Bestand zu erhalten. Die liberale Fraktion Isl überzeugt, daß eine Amte rung des Wahlrechtes eine Spaltung der Gemeinde herbeiführen würde: damit würde den nichtdeutschen Juden am meisten «je schadet werden. Herr Seling e r freu! Bich, daß der Antrag der Volkspartei nicht ist anläßlich der Wahl erfolgt. Die Erklärung der liberalen Fraktion sei nichtssagend. Ks sei bedauerlieh, du 1.1 die Itede von Prot. Ii ein hard von so vielen nicht gehört wollten sei. Mau brauche nicht auf England zu verweisen, wir hüllen im Land erlebt, dafl der Wille der Masse sich durchsetze. Es sei unverständlich, dafl die Änderung des Wahlrechts den Bestand der Gemeinde gefährden könne. Der Gedanke der Gerechtigkeit dürfe nicht nur im Gebet verkündet, sondern müsse verwirklicht weiden. Man könne nichl gegen Hitler kämpfen und Ostjuden unterdrücken, Die Partei des Redners werde nicht ruhen. Mindern \ ersanuiilungen abhalten und die Behörden und die nichtjüdische Öffentlichkeit anrufen. Iiis dem l'nrccht ein Ende u macht «ei. Herr Kesten bau m tritt dafür ein, dafl man eine Kommission einsetzt, um zu prüfen, ob auf diesem Wege der Friede, den Herr Tumpowsky verlangt habe, erreicht werden kann. Herr Tumpos sky fragt an. ob sich nicht einzelne Redner der liberalen Fraktion luBern wollen, um nicht das Qefühl der Nicht SCfatung aufkommen zu lassen. Herr Kestenbauni halie ihn gut vi r -landen. Es sei nicht richtig, daß Männer hier reden, wenn sie wissen daß die Masse nicht hinter ihnen stehe. Man möge das Unrecht wenigstens mildern. Mit einem Stück Papier könne man dem größten teil •iner Gemeinde nicht antworten. Wir brauchten alle einander und wissen nicht, was kommen wiid. W n seien auf unsere Freunde in der Well angewiesen gegen unsere Feinde. Wie kön rufen, wenn wir nach innen Unterschiede machen, kommen, eine Kommission einzusetzen, die prüfen werden kann. Möge mau zu der Gesinnung zurückki nlen wir sie an Möge man daz soll, was getai hren, die trtthi die Änderung des Wahlrechts zur Folge halle. Mau solle den jüdi selten Gesamtwlllen nichl unterschätzen, der eine beachtliche Mach darstellt. Man solle das Wahlrecht so ändern, dal.t es seine früher' Meinung wieder erhält. Wo komme die Judenheil hin. wenn da Hecht mißachtet wird, da sie keine Gewalt hat. Herr Rosenfelder: Alle Reden, die wir heute Innen, hab< wir schon früher gehört. Wir könnten nicht nur die jüdischen, SOI dern müßten auch die .deutschen Belange im Auge haben. Die au läudischen Gemeindeinitglieder hätten bei uns viel weitergehend Hechle als in ihren Ursprungsländern. Wer das deutsche Staatsbürge recht erwerbe, sei willkommen, und kein Unterschied werde alsdani gemacht. Zu diesem /.weck müßten sich unsere ausländischen Ali1 glieder in unsere Verhältnisse einleben. Redner schliet.it sich de Erklärung von Dr. Conrad (ioldschmidl an. Herr Kesten bäum wendet sich gegen die Ausführung! Rosenfelders. Dieser kenne die Gemeinde nicht. Das Krankenhau halie ein Ausländer errichtet, ein Allersheim desgleichen, ebenso dei Frauenverein Ii u I Ii. Alles hätten die Ausländer geschaffen. Meli Talmudwissen hätten sie auch, im Gefühl und Sitte seien sie wie di, 1 nlünder. Herr Seiinger erklärt die Ausführungen Rosenfelders Uli abwegig, um so mehr, als es den Ausländern nahezu unmöglich ge macht werde, das Staatsbürger recht zu erwerben. Kr sei Ausländei fühle aher mehr für die deutsche Republik als mancher Deutsch. Alle Ausländer fühlten sich als Deutsche, in der Gemeinde hätten ai< nur jüdische Interessen. Kür die Antisemiten gelten alle .luden gleicl Das Ministerium halte mehr Verständnis für die Forderungen di Ausländer als die liberale Fraktion. Er frage, welches die Gründ sind, die gegen das allgemeine Wahlrecht sprechen. In jüdischen und nicht jüdischen Versammlungen werde weiter verhandeil werden. Herr Dubiner wendet sich ebenfalls gegen die Worte di Herrn Rosenfelder, die so aufgefaßt werden könnten, als oh die Au länder in irgendwelcher Besiehung ihre staatsbürgerlichen Pflichte vernachlässigt hätten. Leipzig habe jetzt die drittgrößte jüdische G< meinde Deutschlands und müsse das Anseilen genießen, das ein. solchen Gemeinde gebühre. Redner gehl in seinen Forderungei weiter als Tumpowsky. Kr (ordert das allgemeine gleiche Wahlrecht Die Ostjuden seien zum Teil noch liberaler als die Deutschen. Niehl werde am Bestand der Qemeindeeinrichlungen geändert durch di. Änderung des Wahlrechts. Redner beruft sich ebenfalls auf Prot Bernhard. Der Sinn einer liberalen Weltanschauung könne nicli sein, daß man alle 2 Jahre um ein oder zwei Sitze in der Gemeindi Vertretung kämpfe. Herr Dr. Pietrkowsky bekämpf) ebenfalls die Darlegungei des Herrn Rosenfelder. Kr sei selbst einer der deutschesten .luden ii dieser Versammlung, da seine Ahnen schon vor Jahrhunderten Deutschland ansässig waren. Er könne nicht verstehen, inwiefei deutsche und jüdische Belange sich kreuzen könnten. Er habe Pro Bernhard bewundert, daß er sich zu Anschauungen durchgerungi und sie im ('. Y. vertreten hat. die ihm früher fremd waren. D( Beifall, den er gefunden hat. könne nichl echt gewesen sein, angi sieht« der heutigen Stellungnahme der Liberalen. Er sei als Deutsch, bedrückt, daß die Antwort der Liberalen sich auf ein Stück l'apie beschränke. Herr Rosenfelder macht eine persönliche Bemerkung. Herr Tumpowsky erklärt aul eine Kraue, wie er zur Vei hältniszahl 9 : 1 gekommen ist. :hmiii Stimmen hätten die nichtreich deutschen Wähler aufgebracht. Auf 1000 inländische Stimmen sei. 20 Sitze entfallen, so daß heim gleichen allgemeinen Wahlrecht ai die Nichtreichsangehörigen <><• Sitze hätten entfallen müssen. Kr In antragl Unterbrechung der Sitzung. Herr Dr. Conrad Goldschmidl erklärt, daß die liberale Genieindevertreter keineswegs aus Nichtachtung eine Debatte ah gelehnl hätten. Sie hätten durchaus Verständnis für die der Gegei selte am Herzen liegende Frage, sie hätten es aher für uneraprießliel gehalten, Dinge, die schon so oft erörtert worden seien, wiederum langatmig auszuspinnen. Sie befürchten aber angesichts der örtlich' Verhältnisse für die Gemeinde eine schlimme Wendung, wenn zum allgemeinen gleichen Wahlrecht komme, wozu letztens die An

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