Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968776-5969203--3568-4877965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

(Seraemö (Hott DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU I Jh|D7|^L AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT Im las IiXmI\7dER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Gemelndeblatt erscheint Jeden Freitag und wird ': den Mitgliedern der Kellglonsgemelnde unentgeltlich durch die Post zugestellt — Schrlftleltung: ' ticmelnderabblner Gustav Cohn, Leipzig, Lohrstrafic 10 NUMMER 40 / JAHRGANG 6 FREITAG $♦ DEZEMBER IOIO Anzeigrnverwaltung und Druck: Buchdruckerel August Pries, Leipzig, BrOderstr. SS - Fernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Wege und Ziele des Von Dr. M i c h a t> I deutschen „ORT" Die allgemeinen Richtlinien der „OKT"-Arbeit in Deutschland waren von Anfang an klar umrissen. Ihr Inhalt war durch (las Interesse gegeben, das die deutsche Judenheit an der wirtschaftlichen GStundung der jüdischen Bevölkerung Osteuropas ■'nominell hat. Die innere Verbundenheit mit den Juden der östlichen Nachbarländer war das Primäre. Daneben Hell die Möglichkeit •ozialer und wirtschaftlicher Wechselwirkung die Hilfeleistung als dringende! Gebot der Stunde erscheinen. Dali diese Hilfeleistung nicht in Form von Almosen gewährt wurde, daß sie den Notleidenden nicht zum Objekt der Wohlfahrtspflege, sondern zum Träger des Wirtschaftslebens werden Hell, verlieh der Arbeit Sinn nid Bedeutung. Die ersten Jahre waren dem organisatorischen Ausbau der leulscheii Landesorganisation gewidmet, lieber die kleine Gruppe weitblickender Freunde hinaus, die als erste sich der „ORT"- Kcwcguug in Deutschland anschlössen, mullte die Kunde von dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und der Notwendigkeit produktiver mschichtung der jüdischen Massen Osteuropas in immer weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung Deutschlands getragen werden; nullte das Interesse für einen I'ruzcll geweckt werden, der - vom Willen der unmittelbar beteiligten Bevölkerung selber getragen — ■ hren sozialen und wirtschaftlichen Werdegang in entscheidender Weite beeinllullte. Zu diesem Auf- und Umbauprozesse Stellung zu '■Innen, ihn nach Kräften zu fördern und zu beschleunigen, war I'flicht und Aufgabe der Judenheit aller Länder geworden. Handelte s sich doch nicht nur um ein ostjüdisches, sondern um ein jüdisches "roblem schlechthin, dem darüber hinaus auch allgemein menschiche Bedeutung zukam. Den ersten Niederschlag auf deutschem Boden fand die „OKT"- 'ropnganda in der in Berlin erfolgten Gründung der deutschen »andesorganisstlon des „ORTH-Verbandea, der „oBT"- Gesellen a ft, Abteilung Deutschland. Damit war der Qrundtein für die weitere Tätigkeit in Deutschland gelegt. Im Jahre 925/26 ging man daran, den .,OUT"-Ocdnnkeii allmählich auch in lie Provinz zu tragen. So entstanden nach und nach in wenigen ihren eine Reihe lokale r „O K T" -Komil e e s (darunter eines 'er ersten in Leipzig). Während mau Ende 1920 erst 9 Aktions- \usschüsse des „ORT" in Deutschland zählte, stieg ihre Zahl gegen nde 1927 auf 88, Ende 1928 auf 32, Ende 1929 auf 47 und erreichte nde Oktober 1930: (51. Die ständige Zunahme dieser lokalen Konitees legt Zeugnis von dem Interesse nb, «las die jüdische Bevölkenng in allen Teilen Deutschlands den „OIM"'-Bestrebuiigeii entgegenbringt Dementsprechend weist auch die Mitgliederzahl während der ei meinen Jahre eine sukzessive Vermehrung auf. Man zählte Ende 1925 : 294, 192(5: 440, 1927: «50, 1928: 1400, 1929: 1671, Ende Ok-;ober 1930 weit mehr als 2000 Mitglieder (in diese Zahl sind Spender inmaliger Beträge nicht einbegriffen). Trotz zunehmender Wirti'haftskrise hat das Tempo der Werbe««rbeit des deutschen „ORT" iuch im laufenden Jahre keine Verlaiigsamung erfahren. Traub (Berlin). Ueberblickt man heute, nach wenigen Jahren organisatorischer Arbeil, die Entwicklung der deutschen „(>KT"-Gesellschaft, dann stellt man mit Genugtuung fest, dall die jüdische Bevölkerung Deutschlands die Bedeutung und die Tragweite des vom „OUT" geleiteten Aufbauwerkes voll und ganz erkannt hat. Bezeichnend für die Würdigung, welche die „OIM'"-Täligkeit in Deutschland gefunden hat, ist auch die Tatsache, dall die repräsentativen Körperschaften der deutschen Judenheit, wie der Preußische Landesverband, zahlreiche Gemeinden (Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M., Köln, Breslau, DOsseldorf, Nürnberg, Stettin, Leipzig u. a.), Logen u. a. der „ORT"-Gesellschaft, Abt. Deutschland, entsprechende Subvention e n gewährt haben. Die Bestrebungen der „OR'l""-Gesellschaft in Deutschland sind in erster Linie darauf gerichtet, die Mitarbeit der deutschen Judenheit am wirtschaftlichen ITmbauprozell der jüdischen Bevölkerung Osteuropas zu ermöglichen. Daneben Wendel der deutsche „ORT" im Kähmen der ihm zur Verfügung stehenden Mittel seine Aufmerksamkeit auch der produktiven U m Schichtung der j ü d i sehen Bevölkerung Deutschlands zu. So hat die „OKT"- Gesellschaft, Abt. Deutschland, gemeinsam mit der Berliner Jüdischen Gemeinde und der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise im Jahre 1925 eine Sch ne i der lehr wer kstltte in Berlin errichtet, die bei der damals herrschenden Schwierigkeit, Lehrlinge bei Meistern unterzubringen, jüdischen jungen Leuten entsprechende Ausbildungsinöglichkeit gewährte. Im Jahre 1927 hat der deutsche „OUT" A u t o - F a Ii r k u r s e in Berlin errichtet, in denen bis Milte November 1930 zirka 180 jüdische Chauffeure ausgebildet worden sind. Daneben führt der „ORT" durch Verteilung von Subventionen zur gewerblichen und landwirtschaftlichen Ausbildung zahlreiche jüdische junge Leute in Deutschland einem produktiven Berufe zu. Der weitere Weg der deutschen „ORT"-Gesellschaft ist durch ihre bisherige Entwicklung klar vorgezeichnet. Die Verankerung des „O R T" - (i e d a n k e Ii s in der jüdischen Oef- 1 e ii 11 i c h k e i t Deutschlands, die Heranziehung immer neuer Kreise der deutschen Judenheit zur tätigen Mitarbeit an dem vom „ORT"-Verbandc geleiteten Aufbauwerke, die Forderung des wirtschaftlichen Gesuiidungsprozesses der jüdischen Bevölkerung Osteuro|>as als einer gemeinsamen Aufgabe der Juden aller Länder, der Organisatorische Ausbau der „ORT"-Gesellschaft nach innen und nullen — werden auch weiterhin die Aufgaben der deutschen Landesorganisation des „ORT*4-Verbandes sein. Bei der Durchfuhrung dieser seiner Aufgaben wird der deutsche „ORT" unter allen t'mstäuden bestrebt sein müssen, seinen überparteilichen Charakter zu wahren; seine Bestrebungen ebenso wie in anderen Ländern - zum Gemeingut aller Parteien und Richtungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung zu machen; die Arbeit am „ORT" zur gemeinsamen Plattform zu gestalten, au der Menschen verschiedener Geistes- und Sinnesrichtungen im gemeinsamen Dienst am Judentum mitarbeiten können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.