Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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November lD.'iO GEMEINDEBLATT OER ISRAELITISCHEN KELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite :> enieln wichtige Aufgabe; die Leipzig-Loge verdiene freudigste \ lerkennung für «Ins von ihr errichtete und erhaltene Werk. Frau i rha Carlebach sprach namens dei Schweaternbundea der Leip- Loge von der Innigen Verbundenheil der Arbeit der Schwestern i der der Loge und versicherte diese der sielen Bereitschaft der liwestern, an dem Gedeihen der Einrichtung helfend mitzuwirken. - h weiteren Ansprachen von Frau Else Cohn (namens der Ortsippe des Jüdischen Frauenbundes), Herrn Schischa (namens des I ifevereins israelitischer Gewerbetreibender) Frau Bettina Brenr (für den Israelitischen Kindergarten), Herrn Sommerfeld (für den sächsischen Logenverband und die Saxonia-Loge in Chem i sprach Herr Emil .1 0 s k e als ältestes Mitglied der Loge bewegte le der RQckerinnerung und mahnte die jüngere Generation zur erbereitschafl zum Besten der Jugend, der Zukunft unserer Gemeinschaft. Schließlich sprach ein ehemaliger Zögling des Kinder heims Worte herzlichen Dankes für das-, was das Heim in vielen -Iah reu einer großen Zahl von Züejiiii'eii gegeben habe, und versicherte Loge, Kinderheimausschuß und Heimeltern des unverbrüchlichen Dankes. Eingeleitet war die Feier durch einen Sologesang (Hallelujah), den Krau Erna Siege] meisterhaft darbot, und einen \<>n einem ehemaligen Helmiögllng vorgetragenen Prolog. Den Schluß bildete ein Sprechchor (l'sahn in. Vers 10 nach der Pherselxiiiig von Marlin Buber), ausgeführt von ehemaligen HeimpflegUngen, eingeübt von dem derzeitigen Vorsitzenden des Kinderheimausschusses, Herrn Benno Haas. An den Festakt schloß sich eine Besichtigung des Kinderheims au. Am Nachmittag fand in den Räumen der Leipzig Loge ein Fest für die gegenwärtigen und die früheren Zöglinge des Heimes statt. Unsere Jugend \ in Zaire Misrachi. Für den gesetsestreuen .luden bedeutet die Vielfalt des Lehens. eine stete erneute Stellungnahme zu ihr von den Grundgedanken der Thora aus notwendig macht, eine gewaltige Aufgabe, Sinn und I erweist die religiöse Judenheil nur dann, wenn sie entschlossen die Lösung dieser Aufgabe herangeht Es ist das historische Verdienst jener Menschen, die den Misrachi Indeten, daß sie, unabhängig von der Kitbedingten politischen und - Jologischen Konstellation, die zur zionistischen Lösung drängte, die M ssion des gesetsestreuen Judentums heim Aufbau Eres Jisraels erkannten: Es halle zu erweisen, daß es nicht nur Erbe und Trägerin ischen Lehens war, sondern neugestalteml zu wirken vennochle. Ka handelte sich Tür die Führer des Misrachi darum, das Aufhauwerk in Eres Jlsrael in Bahnen su lenken, die eine konsequente Wetterführung unserer Tradition sichern. Palistina nicht nur zu einem riischen Lande, sondern zu einem im historischen Sinne Erez ,1 B r a e I w erden zu lassen. Der Widerhall, den der Misrachi in der gesetsestreuen Judenheil fand, entsprach nicht der Größe seiner Aufgabe. Die Massen Ruß- Ii d> hallen ihre persönliche Rettung zu sehr mit dem Begriffe der i lösung des Volkes überhaupt verbunden, die nur durch unmittel- Iwres göttliches Eingreifen vorstellbar schien. Für sie und die Mehrl ihrer Führer bestanden spezilisch jüdische Volksaufgaben in der 1 egenwart nicht, sofern sie nicht von außen an sie herangetragen wurden (Progromabwehr etc.). Die westjüdische Orthodoxie aber ignete überhaupt das Bestehen nationaler Aufgaben, da sie in jeder tonung des Nationalen eine Schmäleruui; der religiösen llasis der : dischen Gemeinschaft erblickte. So war der Misrachi immer nur eine Minderheit in der xionisti- - hen Organisation, die, wenn sie auch wegen ilirer relativen Größe I der QualiUI ihrer Vertreter eine oft eidscheidende Rolle spielte, nur wenig auf die politische Repräsentation einwirken konnte. Das lische Volk, so wie es durch die zionistische Organisation und jetzt nch die Jewish Agency repräsentiert wird, ist noch nicht wieder das ' ilk, dem in seiner Gesamtheil die Thora Verpflichtung bedeutet. Atter der Misrachi. der an dieser geschichtlich übrigens notwen- |en Entwicklung nicht Schuld ist. konnte diese Situation wiederum r als Aufgabe auffassen und begann, in den Reihen der zionistischen ganisation und in Erez Jlsrael für die Thora zu wirken und zu rhen. Er errichtete ein Srhulwerk. das heute über «HKK) Schüler und '2 Lehrerseminare umfal.it. er sorjite für die Errichtung von l abbinaten an allen wichtigen Siedlungspunkten und sandle Scboch- ' in in fast alle Siedlungen. Auf den Kongressen und innerhalb der ganisation warb er für die Idee der Thora und erreichte, daß die inistisehe Organisation die jüdischen Gesetze als grundsätzlich verlichtend für ihre Institutionen erkllrte. Seine Arbeil war ruhig id stetig, seine Erfolge beginnen erst jetzt sichtbar su «erden. In res Jlsrael verlang! der Jischuw die Ausgestaltung seines Schul- ■ rkes und in der zionistischen Well beginnt, ausgehend von den 'roblemen der Erziehung in der Gola, sich eine Umwertung des Verlältnisaes zur Tradition zu vollziehen, für die die Aufnahme des Kulirreferates von Dr. Wolfsberg (Zeire Misrachi Deutschland) auf dem Ixten Kongreß bereits ein sichtbarer Ausdruck ist. Bei aller Wertung dieser Leistung des Misrachi, die unter Anindung von rechts uiiil links zustande kam. fehlte der Ins jetzt im Misrachi hellsehenden Richtung das Verständnis für die Besonderheiten der Lage der gesetsestreuen Judenheil in Palästina wie auch in der (iola. Die Führer entstammten der Geistesaristokratie, dem Mittelstände des Ostens und «lern westlichen Bürgertum, ihnen war .ludesein noch immer mehr Lehrinhalt, Dozierbares als in allen Verästelungen Erlehhares. Die Möglichkeiten hinzu waren in ihrer Jugend auch kaum vorhanden. Die restlose Durchgestaltung des jüdischen Alltagslebens im Geiste des jüdischen Gesetzes war wegen der Einseitigkeit der beruflichen Betätigung unmöglich gewesen. Hieraus halle sich stillschweigend ein Verzieh! ergeben und man suchte Äquivalente im Lernen und Leinen. Ferner aber entwickelte sich aus der wirtschaftlichen Lage der führenden Generalionen eine Anschauung der sozialen Probleme, die sich bei näherer Untersuchung als typisches Golaprodukt, als Assimilation an die gleiche Denkart der parallelen Schichtung bei anderen Völkern erweis! und sehr entfernt ist von den sozialen Gedanken unserer Thora und der Propheten. Die junge Generation im Misrachi ist es. die diese Auslassungen und Fehler der älteren Generation reparieren will. Erez JIsrael wird vom Zeire Misrachi betrachte! als die erste Möglichkeit, wieder jüdische Wirklichkeit zu leben, die bestimmt ist von der Kultur unseres Volkes. Diese Möglichkeil bedeutet aber für ihn eine Aufgabe. So sehr er das Misrachischulwerk, seine Befriedigung der religiösen Erfordernisse usw. anerkennt und fördert, glaubt er doch nicht, daß durch solche Institutionen allein Erez Jisrael jüdisch werde. Die Menschen, die das Land hauen, müssen es jüdisch hauen von Grund auf. Es gehl für den Zeire Misrachi daium. der Jugend, die in den Misrachischulen aufwächst, im Lande bereits einen Typus vorzuleben, der die natürliche Auswirkung des von ihnen Erlernten im Lehen darstellt. In Palästina werden bestimmend nur die sein,die selbst au seinem Aufhau arbeiten werden. Schon heute ist die Arbeiterschaft in Erez Jisrael ausschlaggebend, So gilt es. dieses Leben der Arbeiterschaft durchzubilden mit den Elementen unserer national-religiösen Kultur, sich einzureihen in das Heer der Kauenden. Hier ist. mit dem Ilain liierschlag und dem Pflügen des Feldes daran zu wirken, daß Erez Jisrael ein Land werde, wo die Thora Grundlage der Kultur ist. Der Zeire Misrachi erstreb! es so als seine Aufgabe, die religiöse Arbeiterschaft in Erez Jisrael, den Po61 IIa misrachi ideell und materiell zu unterstützen, insbesondere aber will er den Nachwuchs gesetsestreuer Cbaluzim aus seiner Mitte stellen. Die Devise, die für den Zeire Misrachi richtunggebend ist, heißl „Thora wa Awoda". A w oda heißl hier aber mehr als nur „Arbeit", als nur Sellisteinsatz der Persönlichkeit, sie bedeutet eine bestimm! gerichtete Hinsufügung zu dem Begriffe Thora. Awoda schließt hier ein die gesamte soziale Ethik unserer Propheten, und darübei hinaus weist sie hin auf ilie Tendenzen sozialer Erneuerung, deren Wachsen wir gerade in unserer Zeit erleben. Der ZeTie Misrachi proklamiert für die gesetzestreue Judenheil aufs Neue das Ethos der Arbeit, des schöpferischen Mitwirkens am Aufbau. Er bekenn! sich zu dem Zukunflshilde einer Menschengemeinschaft, deren Hauptwer tun); die Arbeil sein wird und die aufgebaut ist auf der Grundlage sozialer Gleichheit. Er gehl heute hierin vielleicht noch üher die Grenzen der in der Thors vorgezeichneten Lebensform hinaus. Ist heute die Well noch gegründet auf Thora. Awoda und Geniüluttl Cbasssdim, so ist es ein Zukunftssiel, daß diese Begriffe eine Umpiäüt..... erfahren, und daß die Säulen der Thora und der Awoda