Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 47 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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21, November 1930 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE Zü LEIPZIG Seite 5 JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG Montag, den 24. November, nachmittags 4 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1, aus Anlaß der Handarbeits-Ausstellung Tee - Nachmittag Anschließend, 5 Uhr, Referat: Fräulein Dr. Gertrud Oeslerreicher: Garconne — Flapper — Dame / Drei Schlagworte und ihre tiefere Bedeutung Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten I i I rscheinung tritt, verhüte! werden. Der Geltungsdrang, der typisch rUr den nervösen Menschen ist, zeiijt sich oft schon beim Säugling. ine Erscheinung ist bekannt als Wutkrampf, durch den der Siiuging die Erfüllung seiner Wünsche erreichen, das Interesse auf sich onzentrieren will, und mit dem er die Familie in größte Sorge veretzt. Eine Periode der Schreckhaftigkeit macht auch das normale Kind meist durch; während es jedoch diese Zeil schnell übersieht, kann sie das nervöse Kind nicht überwinden und wird von seinen \ orstellungen oft schwer geplagt Sein wechselndes Seelenleben [riegelt sich auch im AeuBeren, Körperlichen ab. Ks errötet leicht, -■ iilI dann wieder erschreckende Blisse, die jedoch mit Blutarmut lichts zu tun zu haben braucht. Mittags, wenn es aus der Schule kommt, ist es so ermattet, dal.! es nichts essen kann, und dies ist dann oftmals Anlafl zu Szenen. Der Schlaf Stellt sich, selbst bei stärkstem Bedürfnis und bestem Willen, nicht ein. Besonders gefahrvoll ist für '!;is Kind die Zeit der Pubertät, in der es gerade in der höheren S hule besonders angestrengt ist: dringen zu dieser Zeit dann noch . ml das Kind die verschiedenen Einflüsse von Familie. Schule, Jugend- Gemeinschaft, die sich oft feindlich gegenüberstehen, ein, so kann das n rvöse Kind aufs schwerste belastet werden und bricht nicht selten darunter zusammen. Was können nun die Kitern und Erzieher tun? I';is Ziel jeder Erziehung ist. zu erreichen, daß das Kind ein sozial brauchbarer Mensch wird und daB es möglichst glücklich durch die I ihrnisse des Lebens hindurchkommt. Den Erziehern liegt vor allem die Sorge für die körperliche Kräftigung und die seelische Harmonie d b Kindes ob. Zweckmäßige Bewegung in frischer Luft, vernünftige K ist, ausreichende Hube sind nötig, damit das Kind in körperlich kräftigem Zustande in das Aller der Pubertät hineinkommt. Wichtig 1 weiter das feste Krziehunt'sproi.'ramiu. Nicht darauf kommt es an. »'eiche Methode angewendet wird, welche Wellanschauung ein Elternus trägt, sondern darauf, dal! die geistig-seelische Slruktur des 1 Itenihauses eine Einheit ist. dal! das Kind auf seine Frauen eine festigte Antwort erhält, dal.1 es möglichst lange, ehe die naturgebene Loslösung eintritt, mit all seinen Nöten vertrauensvoll zu ■inen Eltern oder Ersiehern sich wendet. Ks ist ein Irrlum zu glauben dal.! mau von dein nervösen Kinde möglichst viel verlangen soll. ':in verlangi' von ihm wenig, aber versuche das Wenige auf jeden all durchzusetzen. Niemals erziehe man es im ermüdeten Zustande. Inn bereite das Kind für die Anforderungen des Lebens vor, indem kiii es beizeiten daran gewöhnt, sich bestimmte Dinge zu Versalien, idem man es dazu bringt, Verzicht reaklinnslos zu ertragen, seinen eltungsdrang beherrschen zu lernen. Die auBerordentlich anreuenden Ausführungen Herrn Prof. tosenbaum gipfeilen in der Forderung, dal.! gerade in einer sozial i'l religiös so entwurzelten Zeil wie der unsrigen Eltern und Erieher versuchen müssen, mit den Frauen des Lebens Irgendwie fertig •ii werden, um den Kindern auf ihre Fragen eine klare Antwort geben i können und sie so für das Leben zu festigen. iddene Hochzeit. Am 25. November begehen Herr und Frau M. Messing rau. BberhardstraBe 3, das Fest dugoldenen Hochzeit, Dem Jubelpaare ien auch an dieser Stelle herzliche Wünsche ausgesprochen. Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemeinde iu Leipiig Festschrift anläßlich des Synagogen-Jubiläums. Die Verteilung der bestellten Stücke der Festschrift ist nunmehr abgeschlossen. Es ist noch eine Anzahl von Stücken der Festschrift vorhanden. Diese werden unentgeltlich im Gemeindeamt, Löhrstraße 101, während der Dienststunden von 0—13 Uhr an Gemeindemitglieder verabfolgt. Leipzig, den 6. November KKW. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt Personenstandsnachrichten Geburten J. November KKW) Siegmund Alexander und Klara Klsa geb. Rittlinger, Beaumontstrafle 48, einen Sohn. T o d e s f ä 11 o 11. November 1930 Carol Aron Landau. McnekestraUe 7a. 12. November 1990 Kmst Ephraim Katz. Antonstrafie 0. Austritte aus der israelitischen Religionsgemeinschaft (nach gellendem sächsischen Hecht bedeutet der Austritt aus der israelitischen Heligionsgesellschaft den Austritt aus dem Judentum) : Frau Berta Anna stein, Gustav-Adolf-Str. 4i>. Kaufmann Alfred Horn, GrassistraBe 88. Student Georg Blancke, Strafte des IS. Oktober Nr. 17. Frau ROM Fuchs. Schwä.urichenstr. 11. Eingesandt (Für diesen Teil übernimmt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung.) An M. W. Der Zionistischen Organisation wird es sicherlich nicht möglich »ein. ein« derartige „Provokation" wie das Erscheinen der roten Kalme su einer zionistischen Protestversammlung zu „unterbinden" es sei denn. daB sie auf das Erscheinen des zionistisch-sozialistischen Bunde« „Brithhaolim" und Chaluzim in Leipzig verzichtet Mus würde zieh allerdings etwas lächerlich ausnehmen. Im Dbrigen sollte Ihnen bekannt sein. daB die rote Kalme mit d..... Magen David das Bymbol der palästinensischen Arbeiterschaft ist, des bedeutendsten Teiles des Jischuw und der Zionistischen Weltorganisation. Aber vielleicht ist Ihnen die gesamte palästinensische Arbeiterschaft eine Provokation des zionistischen Gedankens? Ihre Adresse an die Leitung der Z. O. zu Leipzig würde mich nicht zu einer Erwiderung bewegen, wenn sie nicht auch ein Ausdruck eines bedauerlichen Geistes wäre, der dahin führt. daU der zionistische Gedanke nicht oder nur kaum (und dann dank der Bände mit den roten Fahnen!) in weite Volkskreise der jüdischen Bevölkerung Deutschlands eindringen kann. M. D. X a e h s e h ritt d e r Bchriftleil u n n : Loyalerweise geben wir der vorstehenden Erwiderung Raum, obwohl für eine grundsätzliche Auseinandersetzung dieser Art unser Gemeindeblatt nicht der gegebene Ort ist. Wir schließen damit die Erörterung iu unserem Blatte. VORTRAGSZYKLUS der nationaljüdischen Arbeitsgemeinschaft! Dar 2. öffentliche Ausspracheabend findet Mau: Sonnabend, dein 22. November 1930, abends 8 .Uhr. im Gesellschaftsbaus Tunnel, KuUstiaUe X Thema: wir Juden im deutschen Staat Redner: Dp. Siegfried Hanouiltz, Berlin. Anschließend Diskussion! Zionistische Vereinigung Leipzig Nationaljüdisch«! Arbeitsgemeinschaft Leipzig