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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Oktober 1930 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite. :i Zeising keineswegs Ruhe, Er verlangte, daß Bock bestraft >rde, ilü er den Juden behilflich sei „in exercitlo eultus" in der igQbung ihres Gottesdienstes, Der Rai war nun gezwungen, (-inen Verhandlungstermin anzu- Isen. Das geschah am 26, November 1789. In Ihm erklärte Zeislng: „daß;«ns der Erfahrung mehr als zu bekannt sey, dafi die Juden ihr Lauber-H Orientes! öffters die ganse Messe hindurch unter sich 'ii feyern gehalten sind, auch... sey es notorisch, dafi dergleichen KQtten, wenn sie denen .luden su Hütten dienen sollen, dichte mit Laub beleget und auf denen Seiten mit grünen Reiflern bestecket werden müssen, dergestalt, dafi wegen der Vielheit des Laubes und derer grUnen Ii eitler nicht das mindeste Sonnenlicht hinein lallen könne ... Kerner ist wohl su allendiren, dafi 20 his 30 .luden /: deren Gesinde nicht einmal darzu gerechnet : mit Tisch und Stühlen in einen so kleinen Kaum unmöglich eingeschlossen werden können: so ist leicht der Schluß zu machen, dafl die meisten Personen außerhalb derer LauberhUtte auf dem Gange verbleiben und solchergestalt die Kenster vertreten müssen..." Der Rai wollte es weder mit «lern einen, noch mit dem andern verderben, galt es doch, gleichzeitig ein Urteil zu Fällen gegen die Ausübung des jüdischen Kultus. Er Übersandte daher die Aulen zur Entscheidung dem Schöppenstuhl, Dieser wies den judenteindlichen Hauswirt ab. Am 15, April 1741 wurde das Urteil verkündet, nachdem man last sieben Jahre gestritten hatte. Wie war aber der Freisprach zustande gekommen? Man hatte (.in kurfürstliches Mandat vom 14. Mai 1093 wieder autleben lassen, nach welchem es den „Juden erlaubt war. ihr aul die Michaelis-Messen einfallendes Lauber-Hütten-Fest auf Arth und Weise, wie sonst geschehen, zu halten..." Ks wurde den Meßjuden eben vom Landesherrn manches Recht eingeräumt, das Stadtgesetze und Judenordnungen untersagten, Oberkantor Hillel Schneider (Zu seinem 70. Geburtstag am 5. Oktober 1930) Ein hochgewachsener Mann von edlem jüdischen Typ wandelt würdevoll durch das jüdische Leben unserer Stadt, den Einheimischen so vertraut und bekannt wie den vielen auswärtigen Glaubensgenossen, die Leipzig besuchen, sei es vom Gotteshause her, oder von freudigen oder ernsten Anlässen in jüdischen Häusern: es <iiht deren wenige, die sein Kult nicht betrat. Ks ist der allseitig vereinte Oberkantor Hillel Schneider, der am 5.0ktot» r seinen 70.Geburtstag begeht. Vor 32 Jahren berief ihn die Brodyer Synagoge an ihr Vorbeterpult, dein er auch nach dem Aufgehen der „Brodyer Schul" in die ynagoge Keilstrafie bis zum heutigen Tage treu blieb. Mit dem leichen Zeitpunkt auch übernahm er den Dienst als Schächler und •rsah ihn in vorbildlicher Treue bis zum Jahre lit'J."). Erstaunliche iBern erreichte er im Laufe der Jahre auch als Mohel. welches ml er für Leipzig und einen großen Teil Mitteldeutschlands verebt — haben doch seine Eintragungen in die Stammrolle der nähloin das siebente Tausend fast erreicht. Ein Schochel und Mohel stellt seine manuelle Fertigkeil in den Dienst des Religionsgesetzes, er liefert heiliges Handwerk, und von einer breiterenWirkung Beiner Persönlichkeit, so einschneidend sie auch bei seiner Klientel in Erscheinung tritt, kann kaum die Rede sein. Anders beim Vorbeter, Bei seinem Amt ist nicht allein die stimmliche Begabung, sondern das Menschliche an Beinern Träger das, was gemeinschaftsbildend wirken kann. Von diesem Blickpunkt aus ist Schneider Vorbild eines echten „Scheliach Zibbur". Begnadet mit einem klangvollen warmen Beriton, der Iiis heute seine erstaunliche Frische und Schönheit bewahrt hat, gibt er bestes und innigstes russisches Chasonus, abhold den Verzierungen und Text- Wiederholungen chassidischer Provenienz. Diese Stimme in Verbindung mit seiner edlen Erscheinung, die, ..mit Wttrd' und Hoheit angetan", ihr hohes Amt erfüllt, vermittelt schon rein äußerlich einen starken Eindruck. Aber seine Wirkung gehl tiefer. Er i>t ein „Baal lefilla" in wörtlichem sinn: er erfüllt die (lebete mit warmem Leben, tonnt sie aus Klang und Gefühl zu sinnfälligen Erscheinungen, in denen jeder Beter gerade Bein ureigenes persönliches Gebet zu erkennen vermeint. Es würde zu weit führen, die vielen Schönheiten seines ßetens durch des Jahres Runde einzeln aufzuzählen: nur der erschütternden Wirkung seiner „Awoda" am Jörn Kippur sei Erwähnung getan, in der er mit einer atemraubenden Intensität gleichsam sich selbst darbringt. Nun steht er an der Schwelle des 8. Jahrzehntes, und wir müssen ihm seine 70 Jahre glauben, aber - wir glauben Bie ihm nicht. Er ist jung geblieben in unsrer Stadl, in ungebrochener Frische tut er sein heiliges Werk und findet noch Zeit, in seinen Mußestunden ein „Lamden" litauischer Schule zu leinen und zu lehren. An der Seite einer aufopfernden Gattin, die ihn hütet und hegt wie ein Juwel, im Kreise seiner Kinder, fließl sein Leben gesegnet dahin. Ilm trägt die Liebe und Verehrung einer großen Gemeinde, die von Herzen wünscht, dal.t er ihr noch viele Jahrzehnte in GIQch und Zufriedenheil und ungebrochener Frische erhalten bleibe, zur Khre Gottes, und den Menschen ein Wohlgefallen! Dr. S. I!. Aus aller Welt Unsere Gemeinde 1 oiiver« Neu ja Ii r>vv misch an Amerika- .luden. Anläßlich des bevorstehenden jüdischen Neujahrsfestes hat l'räidenl Hoover nachstellende Botschaft an die amerikanische Judeniell erlassen: „Ich sende der loyalen und dem Staate ergebenen jüischen Bevölkerung, die in den nächsten Tagen das Neujahrsfest iern wird, ineine herzlichen Glückwünsche. Das jüdische Volk hat urch zahllose unschätzbare Werke zum menschlichen Fortschritt bei et ragen; unter diesen Werken ist ihr Beitrag zum geistigen Leben ler Menschheit der bedeutendste. Alle Mitbürger, ohne Unterschied '»I Stammes- und Glaubenszugehörigkeit, vereinigen sich, um den tlden anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes ihre freundschaftlich'- lesinnung und ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen." Studeiteahilfe. Anträge auf G e w ä h r u ng von s t i p e n d i e n aus der Studentenhilfe Tür das Wintersemester 1030 31 müssen ins spätestens zum 15. Oktober 1930 bei dem Vorsitzenden Herrn R a b b i n e r Dr. Goldmann, König-Johann-Str. 17 eingereicht sein. Allen Gesuchen sind zweckmäßig SemesterzeugnIsse über die Fortschritte eines Bewerbers, und, soweit seine materielle Lage bei der Studentenhilfe nicht bekannt ist. auch Nachweise über die Verhältniste der Eltern beizufügen. Es muß darauf hingewiesen werden, dafi die Einnahmen der Studentenhilfe im letzten Jahre so gering geworden sind, daß eine bedeutende Einschränkung ihrer Tätigkeil ei folgen mußte.

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