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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 QBMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Leopold Lyssow Steckner-Passage / Tel. 29183 empfiehlt Schokoladen von Heller-Kohler Hamann-Lindt Rumpelmayer Fünf Minuten später verlassen auch schon die ..Naturapostel" den Schlafsaal und irrten zur Morgengymnastik an. Mall) Bieben I hr aufstellen. K8 Uhr Dauerrennen, dann Früh- Btttck, dann Wanderung, Spiel, Singrasi usf.... Wir baben viel Hall Respielt, schön musiziert, noch besser gesungen und viele andere Dinge (jetrieben. Manchmal waten wir auch ernst, haben gemeinsam gelesen, gemeinsam gelernt oder bei einem Referat zugehört und diskutiert und dann — nanu, beinahe hätte ich es ja vergessen — haben wir ordentlich reingehauen. Wir hatten nämlich immer /u ganz bestimmten — vorher vereinbarten — Zeiten, Hunger. (!) Mehrere Male erlebten wir das Auftreten der „Kümatrie" (Künstler-Mannschaft Triebes). Unsere Jüngsten hatten sich zu diesem Künstierbund zusammengeschlossen und solhstverfaßto Theaterspiele aufgeführt, mitunter recht originell. Bin andermal, in der Dunkelheit, hatten wir ein Lagerfeuer veranstaltet: .,— — — so bot das Lagerfeuer Momente von ergreifender Situation." (Tagebuch der Triebser Rande 1930.) Es war eben nicht nur ein ..spaßiges Feuer", wie man ja Lagerfeuer stets zur Belustigung inszeniert, sondern ... doch so etwas muß man selbst erleben. Sd Heß das Lehen in unserem Heim. Heute das, morgen jenes, Immerfort Und alles war wunderschön. Aber eine Frage: waren w irklich nur temperamentvolles und gelungenes Spiel und all das, was unsere Tage ausfüllte, dasjenige, was unser Triebser Lehen ausmacht und bedeutet? Die Antwort liegt schon in der Fragestellung. Es gah noch etwas, was unserem Heimleben sein besonderes Gepräge gab. Wir hatten eine Selbstverwaltung: und verantwortungsbewußt fiiete sich jeder den Beschlüssen der Heimleitung, die von uns selber gewählt worden ist. So wurde das jüdische Lehen, inhaltsreich und •schwer, von einer Gemeinschaft gelebt, in der jeder für alle und jeder für jeden schuf. Und noch ein anderes Moment. In stärkerer Naturverbundenheit lohten wir freier, ungehemmter und - natürlicher. Der Begriff des ... - schickt sich nicht" existierte für uns nicht. Was wir tun. schickt sich für uns. So lebten wir in unserem Nest, da oben auf dem Berge. Ein Tag verjagte den anderen und eine Woche die andere, und ehe man sichV versah, war das Knde da. Wie schade! Am letzten Tage noch logen wir mit Musik durchs Städtchen, um uns so von den Triebsern zu verabschieden, riefen insbesondere dem Herrn Bürgermeister, der sich sichtlich geehrt fühlte, ein kräftiges ..Kuki-rol" zu. und dann saßen wir auch schon in der Eisenbahn. Noch einen l'.lick auf Triebes werfen! Hier der Uhrmacher, da der Hücker und hier das Hallenbad und noch einen letzten Blick auf die letzten Häuser Triebes! Alles aus! Jetzt rollt die Eisenbahn durchs Weidatal. Da stehen wir alle am Fenster, denn hierher haben wir oft Richard Poetzsch empfiehlt seinen vorzüglichen ▼ KAFFEE 4 Detail-Verkauf Hai nstr. 16/18 - Königsplatz 13 - Grimm. Steinweg 20 schöne Fahrten gemacht, deshalb ist diese Gegend noch reizvoll. Un i dann, immer rücksichtsloser fährt der Zug, kommen wir in unbekann i Landschaften, schön wie jede andere Landschaft auch schön ist. Und dann kommen wir wieder ins Flachland, ewig eben und ewig le Ach, wenn nur Leipzig eine kleine F>hebung hätte!-- Und nun sind wir wieder in Leipzig; da versuchen wir zunäch i Triebes nachzuleben. Ganz gehl es ja nicht. Aber es bleibt sicher g nug davon in uns; und das macht uns stark, hier neues l^sraleben tu führen und neue Ksruarbeit zu leisten. pml Einer von der Triebser Bande. Sächsische Gemeinden Plauen Aintsjubilüiini des Prediger E. Heilmann. Der verdiente geistliche Führer, Prediger und Lehrer unsei i Gemeinde, Herr Emanuel Hei mann, beging am 1. September 1'.! I sein 28jähriges Amtsjuhilüum. Herr Heimnnn war, bevor er zu u - kam. in seiner bayrischen Heimat als Volksschullehrer tätig, tu I seine besonderen Fähigkeiten hatten seinerzeit Veranlassung g geben, ihn aus der großen Anzahl Bewerber für unsere Gemeinde i verpflichten. In welch reichem Maße es Herr Heimann verstand bat, in diesen 26 Jahren in allen Kreisen der Gemeinde Liebe un I Anhänglichkeit zu finden, davon gab trefflichen Ausdruck die Feh seines Jubiläums. Neben dem Vorstand und den Gemeindeveroi neten waren der größte Teil der Mitglieder unserer Gemeinde e schienen, um ihre Glückwünsche darzubringen. Namens der Isrn> Ii tischen Religionsgemeinde zu Plauen ergriff Hei Rechtsanwalt Dr. Goldherg das Wort und führte ungefähr folgend' aus: ..Mit dem heutigen Tage sind 25 Jahre vergangen, seit Sie in Ihr Amt als Prediger und Lehrer unserer Gemeinde eingewiesi worden sind. Als junger Mensch kamen Sie zu uns, und wenn am 25 Jahre vergangen sind, so ist in Ihnen doch die Begeisterungsfäln keit und der Drang, Gutes zu tun. so jung geblieben wie vor '25 Jal ren. Rein und klar liegt das, was Sie unserer Gemeinde gegelp baben. vor uns. Mit innigem Dank darf die Gemeindeverwaltung fet stellen, daß Sie jederzeit Ihr Alles eingesetzt haben, um unsere <i melnde nach innen und außen zu stärken, sie zu hegen und zu pll gen. Die lleberzeugungstreue, die Ihnen eignet, die Gewissenhafli keit und die Vorhildlicbkeit Ihrer Amtsführung, die Mannigfaltig),* der Interessen, die Ihnen anvertraut waren und sind. Ihr Wohlläti keitssinn, die Freude an Ihrem Lehrerberuf. Ihre Dienste als Sekret der Gemeinde, alles dies bat zusammen gewirkt, um Ihnen Innerhai der Gemeinde eine einzigartige Stellung und hohes Ansehen > sichern." Indem Herr Dr. Goldberg ein l'.hrengeschenk überreichl gab er dem Wunsche Ausdruck, daß es dem Jubilar vergönnt sc möge, noch viele Jahre in Frische und Gesundheil seines Amtes walten. Gleichzeitig sprach Herr Dr. Goldherg als der jetzige gi schäftsführende Präsident der Bog en-Fuchs- Loge dem Brudi Heimann die herzlichsten Wünsche aus. indem er hervorhob, daß dt erhabenen und hohen Lehren des Ordens der Geist der Wohltätigke Bruderliebe und Eintracht in dem Jubilar zu einer lebendigen Binhe geworden seien. Für den jüdischen Frauen verein übe brachte Frau Hermine Löwenthal die herzlichsten Wünsche für d einzige männliche Mitglied des Vereins. Der Frauenverein verdau Herrn Heimann unendlich viel, denn er hat dem Verein die We| gewiesen, wie zu arbeiten ist und wo zu arbeiten ist. Seine Hil< bereitschaft und sein Wohltiitigkoitssinn sind Grundlatien des Y< eins. Sodann überbrachten noch Wünsche und Gaben der Vorsitzern des Hilfsvereins, Herr Lutzki. der Vorsitzende der 7. i o n i s t sehen Ortsgruppe, Herr Cohn, und der Ortskollege, He Kantor Worniscr, für den .lugenbund Plauen, den .1 u g e od rl n Plauen, und für den Mitteldeutschen Lebrerverei und den Sächsischen Lehrerverband. Herr Worms führte insbesondere für den letzteren aus. daß dessen Vorsitzende Herr Heimann, aus dem Wirken dieses Verbandes nie weggedacl werden könnte. Herr Heimann bat sich als seine vornehmste Auf gel angelegen sein lassen, die Pensinnsfrage der jüdischen Lehrer Sachsen zu regeln, und wenn heule mancher ausgediente alte Beam einen sorgenfreien Lebensabend bat. so ist das in erster Linie ai das Wirken des Jubilars zurückzuführen. Schließlich gab noch d Führer des K a m e r n d e n b u n d e s in kurzen kernigen Wer1' der Freude darüber Ausdruck, daß der Jubilar auch die Interesse des Kanteradenbundea gefördert habe. Der Jubilar selbst dank' für alle die Ehningen, die ihm dieser Tag gehracht habe, und sprar

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