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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I September 1030 (TEMEINDERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 ireltungskommlssion empfangen. Die Materialien werden auf Händigen verladen und nun geht es in aufgelöster Marschordnung dem piati des Machaneh iu. Der Himmel hal sich aufgehelll und bald irennl eine heiße Junisonne auf uns herab. Nach längerem Marsche . erden die ersten Zelte des Lagers sichtbar. Ks ist geschafft! Die icksäcke und Tornister Biegen In einer langen Reihe auf den Boden I dann erfrischt man sich an dem bereitgestellten Wasser. Zwei Millen Ruhepause! Inzwischen hat das Materialami alle Hände voll; tun, um die Vorräte zu sortieren und unterzubringen. Die Badeellen und die Latrine werden besichtigt. Vielleicht benützl man sie h einmal! Und dann beifit es antreten zum Appell! Die Kahne i auf! Fahnenlied! Das Pflngstlager des Radimah Qau Sachsen eröffnet! Rasch wird noch das Programm für den rostlichen Nachmittag bekanntgegeben; Zeih» müssen gebaut und für Verpfle- Ilg mufi gesorgt werden. Kndlirh ist alles soweit: Zelle sieben, das Sl oh ist untergebracht. Dann ist Abendappell. Die Nachtwachen weri i bestimmt. Um ^10 Uhr ertönt das Schlafsignal. Fünf Minuten - ier herrscht Ruhe im ganzen Lager, nur die Nachtwachen gehen aul und ab. Bin Tag Im Camp! Punkt fi Uhr ertönt ein Hornruf. Raus aus di n Zollen! Fünf Minuten später sieht alles zur Morgengymnastik bereit. Eine Viertelstunde wird geturnt; dann gehl os zu den Waschplitien am Soo. dessen Wasser schon — oder besser noch — ganz, warm' Ist In der Zwischenzeit bereiten die Köche der einzelnen Plugoth das Essen vor. Ein Bauernwagen bringt Milch. BrStchen und Trinkwasser. Das Proviantamt arbeitet angestrengt. Keiner darf zu kurz kommen! Frühmorgens ist stets Hausse in Rrötchen. Milch zieht lebhaft an. Wasser still, jedoch mittags stark gefragt. Die Verpflegung ist erstklassig, der Appetit desgleichen. Die ersten Leute kommen vom Radon zurück. Schnell die Kluft angezogen: denn um 8 Uhr |dt Morgenappell. Richtig. Rald ertönen kurze Hornrufe. Tm weiten Kreis zieht man rund um die Fahnenstange auf. Hakschew! Die Fahne steigt boi Absingen dos Fahnenliodes auf. Nuarh! Das Tagesprogramm wird bekanntgegeben und organisatorische Fragen werden erledigt. Rald ist alles angegeben. Lachor pneh l'hitpaser! Nur die Fahnenwache bleibt. Alle anderen Selzen sich zum Frühstück. R'teawon! Wie das schmeckt! Man hört os! Aber nicht lange kann in.in sich kulinarischen Genüssen hingeben, denn bald ist Zeltinspek Hon! Also hin zum Zelt! Resleck und Eßgeräle putzen und aufhl il"mt lind dann zum Gepäck. Alle Sachen aus dem Zelt. Rucksäcke und Tornister in eine Reihe. Darauf die Docken. Hemden usw.. Schuhe daneben. Das Stroit wird ordentlich geschichtet und der Platz vor dem Zelt gesäubert. Die Kluft wird nochmals nachgesehen Dann ein Pfiff! Die Zeltkontrolle! Jeder Junge steht vor seinen Sachen Hie Kontrolle beschnüffelt alles bürokratisch pedantisch, verleilt rrrnfizflgfa Minuspunkte und zieht weiter. Endlich! Rnnler mit der [Iniform! Mies tummelt sich in der Turnhose. Man verteilt sich flnippen ziehen nach Torgau hinunter, andere veranstalten Exkurmen in die Campumgebung. Der See wird unter Aufsicht von Radeislern eifrig besucht, denn es ist sehr heiß. Zwei Arbeitsgemeinschaften gehen los: eine über Juristerei, die andere über Naturwissenschaften. Der Lagerplatz liegt ruhig da. \ur vereinzelte T.onto die MriOsungen für die Fahnenwache sind sichtbar. Um 12 Uhr findet m in sich allmählich wieder zusammen, denn wir haben englische Tischzell und jetzt ist Lunch. Der Verbrauch an Wasser und Zitron«« i ' cranz enorm. Die Fahnenwachen lösen sich immer öfter ab. Rald k 'Mint die Koclikontrnlle. Sie kostet von allen Gerichten, um die i mklwertung zu erledigen und nährt sich dabei redlieh. Gemüse ist beliebtesten. Dann ziehen die Geschirrwäscher los. während die leren sich von der Anstrengung des Essens erholen. Ein langgel enes Hnrnsignal! 2 Uhr: Lagerruho. Von 2—4 Uhr herrscht Rulle Camp. Man liegt in kleinen Gruooen im Wald. Die Unterhaltung Ird flüsternd geführt. Auf dem glühendheißen Lagerplatz ist niemand zu sehen außer der Fahnenwache. Postkarten werden nusge- 1 ll Ein provisorischer Rriefkasten nimmt ieden Tag einige nutzend ' rten und Rriefe auf. Dann verkündet ein Hornruf um t Uhr das de der I agerruhe, Spiele beginnen. Bis dann nm fl Uhr die Hann! niahlzeil ist. meistens warm: Diner. Die Köche haben alle Hände '1 zu tun Alier schließlich ist man gesättigt. Aufwaschen und die ' nersteTlen zu schritten. Die Kluft wird wieder angezogen denn nm ' Uhr ist AbendanrK>TI. Die Nachtwachen werden bestimmt und die Punktwertung verkündet Das Tagesprogramm Mr den nächsten Tag rd au--«ecTr»1,nn and dann smkt die Fahne. Rald darauf ist Pauwnn >• Absrhlnfl des i/irrprtn.ri.s \\-n hei gedämpftem Feuer bekannte der erklingen. K10 Uhr Signal: Nachtruhe. Damit selzt auch wieder die Lagerkontrolle ein. die nach liegengelassenen Sachen F.ßresten usw. fahndet und Strafpunkte verteilt. Zuletzt sind nur noch die Wachen Dbrig, deren letzte am nächsten Morgen zu neuem Tagwerk weckt. Disziplin und Organisation waren ausgezeichnet. Bs gab eine Lagerpolizei, die auf Ordnung zu sehen hatte. Jedes Ressoii halle seinen zuständigen Verwalter mit entsprechendem Titel. Generalfeldxeugmeister der Materialwert Oberpostdirektor der Postkartenmann Ernährungsminister der Provlantwarl Oberbademeister der Schwimmwar! usw. Die Medizinmänner hatten nicht viel zu tun. Schnitte und Mücken stiebe sind an der Tagesordnung. (D-öftere Fälle werden mit Andacht und Liehe ausgekostet und nusge..doktert". Hin Nachmittag war Besuchstag, an dein sich die Bitern ansehen konnten, wie ihre Kinder in der Wildnis lebten. Ein andermal fanden sportliche Wettkämpfe statt, die den größten Teil des Tages in Anspruch nahmen. Mit dem Wetter hatten wir außergewöhnliches Glück. Bs war ununterbrochen schön, warm und trocken. Im Lager befanden Bich w ährend der ersten Tage, die Chemnitzer eingerechnet, etwa 1S(> Mann. Danach nickten alle 2 Tage einzelne Trupps ab, so daß sich die Anzahl sehr verminderte. Wir konnten eine ganze Anzahl Gäste aus anderen Städten begrüßen, ein Zeichen dafür, daß der Leipziger Rund nicht nur versteht sich Freunde zu schaffen, sondern auch zu erhalten, Freitag abend steig! die große Lagerfeier und am Sonnabend die Abschlußfeier. Um S Uhr sinkt die Fahne: Das 2. Kadimahlager ist beendet Am nächsten Morgen werden die Zelte abgebrochen, die Tornister gepackt. Uni 1 11 tTlir ist alles zum Abmarsch bereit. Der Kadimah-Yell ertönt. Und heimwärts gehts zu neuer Arbeit und zu neuem Streben. Das Lager war ein ganz großer Erfolg. Hier zeigte sich, daß Scouting, jfldisches Scouting seine Menschen zu fassen und zu einer Einheit zusammenzuschließen vermag, auf deren Grundlage sieb nur ein solches Camp aufbauen und sich zu einem Erlebnis gestalten kann. N. M. Rsralaadheim Triebe* 1030. Einer unserer Ksräer hat einiges aufgeschrieben fil.er das Lohen in unserem Landheim. Sechzig Jungens und Mädels kennten anch in diesem Jahre einige wunderschöne Wochen dort Verleben. Wir sind allen denen zu Dank verpflichtet, die uns tiei diesem Werke unterstützten. Insbesondere :iin-li der jüdischen Ocineinde. Wir hoffen, ''aß wir weiterhin stets in der Lage sein werden, im Sommer unser TTcim zu bestehen, das unsere Jugend in seelischer. Roistipor und körperlicher Beziehung wieder ein groBes Stück weiter gebrach! hat. Die Esra-Ftihrerschaft. Es sind schon beinahe drei Wochen her. seit wir von Triebes zurück sind. Selbstverständlich hat sicli auch der flammende Triebsor (ieist schon etwas abgekühlt, und w obt oder übel haben wir uns eben wieder an das alte Leben, an das so ganz andere Loben wieder gewöhnen müssen. — Der flammende Trlebser Geist! Es ist nichts übertrieben. Wie ging es nur und allen anderen Triebsern. nachdem wir wieder in Leipzig waren? Am ersten Morgen, als wir erwachen, haben wir klarsten Sonnenschein. Fünf Wochen warton wir auf Sonne, und einen Tag. nachdem w ir schon aufgehört haben zu warten, kommt sie. Nun. das meschuggene Wetter Qberwindet man schnell, aber ball!: — habe ich heute nicht Außendienst? Wirklieh nicht? — Nein. Da kann ich ja weiterschlafen, um so besser — — — ach so. ach so. es ist ja alles schon vorbei. — Weil gefehlt, so schnell ist das nicht vorlud. ._ Ks beginnt ja alles wieder von neuem. Alle schlafen noch tief, als unser ..lebender Wecker" an ein Rett tritt: „Hallo. Erwin, aufstehen!*" „Waaas?" „Erwin, du hast Außendienst, los raus!" „Du hisl wohl verrückt!? Ich bin müde." „Na. warte 'mal paar Sekunden, ich hole bloß ue Schüssel Wasser." ..Hall, danke, is nieb nötig, geht auch ohne das." --Siehste wohl?! Sechs Uhr morgens zieh! dann «1er Außendienst ab. zum Hauer. Milch holen. Wie war's doch gleich? Acht Liter hei Röhn und sieben Liter bei Schubert? Nicht wahr? Richtig.

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