Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 37 (12.9.1930)
- Date
- 1930-09-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSOBMEINDE ZU LEIPZIG Nummer erneuert sich der Schmerz jener Stunde, da sie Abschied nehmen mußten von ihnen, von ihnen, *ii»- lie einil hierher geführt, die ihnen einst die Seele erschlossen haben fttr's Gebet, Ihnen Sinn bereitet lür die Erkenntnisse, und Ihnen so die Lehre der Väter /um Inneren Besitz gegeben haben. Die Wehmut des Gedenkens Ubertönt «las Gefühl des linnUi-nrfür empfangene Liebe und das Geloben, diesen Hank unerschütterlich iu bewahren in unveräußerlichem Gedenken. Solches Gedenken und solches Geloben soll in dieser Stunde mit besonderer Innigkeit Ausdruck finden für alle Jene, die nicht nur i n diesem Werden und Wachsen gestanden, sondern darüber hinaus ihm Richtung gewiesen haben, Ihm Kraft verliehen, ihm Dauer gesichert. Wohl gilt von ihnen das Wort der Schrift: cvrrcm D'23t22 "~'~V-" >*"".". THItS T*!"."* Die Weisen verbreiten Glanz, wie der (Hau/, des Himmels, und die /.um Wohl der Gesamtheit gewirkt, leuchten wie die Sterne für und für (Dan. 12, 3). Was Weitblickende an Weyen gewiesen, was Hingebende an Werk geleistet, das ist unvergängliches, weithin sichtbares Denkmal. Und doch verlangt unsere Seele danach, auszusprechen, daß wir dankbar empfinden die Bereitschaft der Führer, die sich in den Dienst der Gemeinschaft und ihres Werkes gestellt haben. Sinn und Bed 'Utung dieser Weiheslunde ist es, nicht blofl rückschauend uns ZU erhellen an dem. was da einst war. sondern aus dieser Rück* schau Krall zu gewinnen für neues, für künftiges Schatten, für eigenes Formen dessen, was da an jüdischem Sein das kommende Geschlecht erfüllen soll. Solche Kraft geben uns jene, die da einst vor uns gewirkt, um1 .vir danken ihnen ilafür, dafi sie uns gezeigt, wie Inniger will., freudige Opferbereltacbaft, wie feste Tatkraft /.um Ziele Führen. Wir empfinden das. wenn wir der Schwierigkeiten gedenken, unter denen dieses Haus gegründet wurde, und uns vergegenwärtigen, welche Fülle von Festigkeit, von unerschütterlichem Vertrauen jene Männer erfüllt hat. die den Weg bereiten halfen, um es erstehen /.u lassen. Für ihr zielbewußtes Wirken danken wir den Mannern, die bis dahin das eben erst erstandene Gebilde der ' i> iii.-iii<l'- fügten und formten, die durch ihr unaufhörliches Wirken ZU diesem Ziele hin alle Widerstände aus dem Wege räumten, ihr Voraussetzungen für diese Verwirklichung des Synagogenballes _ schaffen haben. Und dankerfüllt blicken wir dann auf jene Männer, die in diesen75 Jahren an der Spitze dieser Gemeinde gestunden haben, ihrer Entwicklung Richtung gegeben und sie als Glied in die grofie jüdische Gemeinschaft eingewiesen haben, gedenken auch d. i Männer, die sich der Synagoge und ihren besonderen Aufgaben gewidmet, für die Weihe und Würde der Andachtsübungen in diesem Hause besorgt und bestrebt gewesen sind. Sie haben damit eine stutte des Judentums, eine Stätte echter Frömmigkeit, ■ ine Stätte, die der Menschheit und der Menschlichkeit eine sichere M'lt/.e «ein sollte. gepllegl Ulli] gefördert. Ihr Wirken vereinigte sich mit dem jener Männer, die diesen Stunden ih r Andacht gottesdienstliches Gepräge verliehen haben. Bin jüdisches Gotteshaus ist eine Stätte der Gotteslehre; hier erklingt die Lehre des alten heiligen Sinaiwortes, die da Menschen begeistern möchte, zu leben und zu wirken in den Wahrheiten des Sinai. Auf dieser Kanzel sprachen Männer in heiliger (Hut und nie verlöschendeni Feuer von dem grollen, erhabenen Worte, das einst am Sinai erklang. Wie >io die Seele erbauen, den Sinn aufschließen wollten für die ewigen Gedanken unserer Lehre, so wollten sie der stunde d. r Andacht den Schwung verleihen, mit dem der Beter sich erhebt zu seinem Qotte. Und neben ihnen dienten der Wei und Erhebung jene Männer, die iu diesem Hause für die Gemein die (lebete zu Gott empor richteten, die da jubelten iu froh. Sauge mit denen, die dankerfüllt die Gottesstätte beiraten, und d e da weinten iu herbem Leide mit denen, die zu (iutt kamen, um I i ihm Trost und Aufrichtung in ihrem Schmerze zu linden; die beteten mit den einzelnen Gliedern dieser Gemeinde, wenn sie il; übervolles Herz befreiten von dem, was es bewegte, und die beteten für das Gedeihen der Gesamtheit, für den Forlschritt di r groben Gedanken, die die Menschen zusammenführen sollen. Dankerfüllt gedenken wir jener Männer, die durch wohltätig Sinn, durch Stiftungen und lebendige, in der Stille geübte Wohll l sich einsetzten, das Leid der vom Glück nicht Begünstigten zu in dem, ihre Seele zu stärken, ihnen wieder Mut zum Leben ein, Höben. Wie Viele sind dahingegangen, iu diesen drei Vierteljahrhi derlen. Menschen, die da wußten, daß die jüdische Lehre nicht n ir Wort bleiben darf, sondern Tat verlangt, und die durch solche I I Andere aufriefen zur gleichen Begeisterung für das heilige Wi i des Judentums. Hinter jedem Werk stehen Persönlichkeiten. Sie weisen d< i Weg, sie ebnen die Hahn. Auch dieses Werk der Errichtung d( - Gotteshauses, auch die Gemeinde, die es gegründet und es erhalte erstand und Bland durch solche Persönlichkeiten. Wir dank' i ihnen, und wir geloben iu dieser Kestesstunde, ihr Werk fort/ setzen, in dem gleichen (leiste, der sie bewegt hat, mit der gle eben (Hut und der gleichen heiligen Begeisterung; in dem gle eben Wollen, der Zukunft unser Judentum reich und schön zu übe geben, vielleicht größer und reiner noch, als es in unserer '/.< '• geübl wird. Jede Zeit hat ihre Aufgaben. Auch unsere Zeit stellt vor b - sonderer Pflicht. Ks ist eine andere, die unsere Gemeinde zu ■ füllen hat. als jene, der einst die Gründung dieses Hauses obll Vor anderen Aufgaben steht unser Geschlecht. Aller auch die anderen Aufgaben können nur erfüllt werden im alten Geiste u seres Judentums. Vergangen sind die Geschlechter; geblieben i i dieses Haus als ein Unveränderliches, als ein Sinnbild der U wandelbarkeil der Gedanken, unter deren Zeichen es erstellt Ul I erhalten wurde. Wir geloben in dieser Stunde: Was die Väl einst errichtet in heiliger Opferfreudigkeit und Tatkraft, wir woll« dafür leben und wirken, wir wollen dankbar ihr Andenken küi (igen Geschlechtern überliefern und wollen von ihrem Wirken b uns die Tatkraft und die Glut gewinnen, die Aufgabe unserer Z< zu erfüllen, daß Eintracht und Friede, inneres Glück und Kr; der Gläubigkeit kommenden Zeiten gestärkt weilergegeben werde wollen ihren Geist auch in uns wirken lassen und uns so hinei stellen als ein Glied in der Kette ewigen Werdens, hin zu di Verwirklichung, zu der unser Judentum «lie Menschen geleil' möchte Und wir gedenken ihrer in den allen Worten des Gebet der Heiligung, das da den Ewigen preist, um immer wieder uns mahnen an unsere ewige Pflicht: iu den Worten des Kaddisi (lehetes." Rabbiner und Kantoren begaben sich vor die heilige Lade, wo d Kaddisch-Gehet verrichtet wurde. Den Abschluß der eindrucksvoll verlaufenen Feier bildete d jubelnd große II allein ja aus dem Oratorium „M e s s i a von Händel, das, wie auch die anderen Chöre, unter der aUSf zeichneten Leitung des Herrn Barnet Licht machtvoll erklang. Sommerlager der Jugendbünde Lauer 1990 de- ..Kadimah" Baad jüdischer Piadflader Leipaig, Camp 18301 Die Krönung eines Jahres Bundesarbeit sieht unmittelbar bevor. Die Anzeichen machten .-ich schon Wochen vorher bemerkbar. Expeditionen gingen ab. um einen geeigneten Lagerplatz zu linden. Verhandlungen mit diversen Behörden mußten geführt weiden, sowohl mit der Polizei als auch mit den Fitem. Die Korrespondenz schwoll an. Aber endlich ist es soweit. Freitag nachmittag fährt die Vorbereitungsabteilung ab. um die wichtigsten Vorarbeiten im Lagergebiet in Angriff zu nehmen: Waschplätze. Feuerstelle Latrine usw. . . Sonntag morgen: Der Himmel ist trübe, als der Anmarsch Bi Sammelplatz einsetzt. Bald sind etwa 110 Leute versammelt. Malen, wird verteilt. Achtung! Antreten! Abzählen! Die Fahrkarten W) den verteilt. Fertigmachen! Und dann geht es in langem Zug zu Bahnhof. Kndlich ist alles verstaut und los geht es. Klitzschen! Alles raus! Wir werden von einigen Leuten der Voi