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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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$ememö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das (lemelndeblatt erscheint jeden Freitag und wird den Mitgliedern der Kellglonsgemeinde unentgeltlich iicii die Post zugestellt — Schrlftlcttung: emelnderabblner tiustuv Cohn, Leipzig, Löh rsl ratio 10 NUMMER 17 / JAHRGANG 6 FREITAG 12« SEPTEMBER 10IO An/eigeim-rualtung und Druck: Ruchd rudterel August l'rit-s Leipzig, Brüderstr. 59 - lernruf 70006 - Postscheck Leipzig 53920 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Vorlassers gestattet DAS SYNAGOGEN-JUBILÄUM -»j—festliche Tag, an dem unsere Gemeinde auf die Einweihung ■ihrer Synagoge vor 7."> Jahren zurückblickte, gestaltete sich zu J^^r einer imposanten Kundgebung der üemeindemitglieder verschiedenster Richtungen. Als zur festgesetzten Stunde die Feier ihren A Ifang nahm, war die Synagoge bis auf den letzten l'latz gefüllt. Die städtischen Behörden waren durch Herrn Stadtrat Lampe und Herrn Obennedisinalrat Dr. POtter vertreten, die Superintendentur I ■ ipzig-Stadt durch Herrn Pfarrer Richter; als Vertreter der Universität war der Rektor Se. Magnif. Herr Prof. Dr. Falk e erschienen. Vertreten waren ferner der sich cGemeindever band durch Herrn R ibbiner Dr. Wolf (Dresden), der zugleich die Gemeinde D res- 'I - ii vertrat, die Vereinigung sächsischer Rabbiner durch Herrn Rabbiner Dr. Fuchs (Chemnitz), die Vereinigung der Religionslehrer Sachsens durch Herrn Prediger Heiniann (Plauen), der auch den Verein der Lehrer Mittel- 'i eutschlands vertrat, ferner die sächsischen Gemeinden Che in - Ii i ts, Plauen, Zwickau, sowie die seit jeher mit unserer Geinde in freundschaftlichster Beziehung stehende Nachbargemeinde II alle a. S. Nach kurzem Präludium nahm die Feier mit der von unserem 1 berfcantor S. Lampel eigens für diesen Tag in bewährter Kunst l imponierten Fe st kau täte ihren Anfang. Leider war der Komlist durch Krankheit verhindert, die Solostücke selbst zum Vorg zu bringen, so daß diese Partien durch ein Mitglied des Chores ernommen werden muUten. Wohl /.um ersten Male brachte eine lagogale Komposition die Verbindung zwischen Orgel und Flügel. 'I mau darf wohl sagen, daU sich der Gedanke als recht wirksam i wies. Einsetzend in den feierlichen Tönen des Preis- und Dankbetet, führt die Komposition oratorieuhaft mit Solis und Soloquarlen, die von Chören unterbrochen werden, über in den jubelnd tosenden Lobeshymnus. So eingeleitet würdigte die Festrede des Herrn Gemeindeibiner Dr. Uoldmann (die wir in einer der nächsten Nummern rtlich wiederzugeben gedenken) die Bedeutung der Stunde. Sinn ier solchen Feier sei es, Rechenschaft darüber abzulegen, ob die i der Errichtung des Gotteshauses gestellten Aufgaben erfüllt worn sind. Unsere Synagoge habe die Pflicht, der Lebensnahe der ligion eine Stätte zu schaffen, früh erfaßt; denn in ihr sind von 11h an Formen des Gottesdienstes gepflegt worden, die der lebengen Entwicklung gerecht wurden. Gleichwohl ist auch in ihr der '■ undgedanke unserer uralten Anschauung gewahrt geblieben, wollen die Religion zwar nicht in Starrheit, nicht in Askese, doch aber i den testgeseichneten Formen ihrer Sittlichkeit das Leben meistern ilL Indem Judentum, wie überhaupt alle Religion, an die Aufgaben s Leben herangeht, steht ihm als letztes Ziel die einige Mensch- •it vor Augen. Lehrter Zweck aller, in dem unerschütterlichen Glauben an den einig-einzigen, ewigen Gott wurzelnden religiösen Flut- Wicklung ist die Herbeiführung jener Zeit, da alle Menschen einig in dem Glauben an den ewigen Uott zusammenstehen. Nicht etwa, als Ob damit die Verschiedenheit des Weges überwunden werden sollte: Nur in dein Bewußtsein der höchsten Einheit soll die Menschheit hinauf wachsen zu ihrer ganzen Größe. Audi In diesem Sinne ist in diesem Qotteshause an seiner Aufgabe gearbeitet worden. In ihm ist der Gedanke der Gleichberechtigung aller Menschen gefördert und gepflegt worden, der Geist der Freiheit und der Duldsamkeit, der auch in dem Leben der jüdischen Gemeinde seine Auswirkungen durch die Erlangung der gesetzlichen Gleichberechtigung gefunden, der auch im Inneren der Gemeinschaft die Gemeinsamkeit aller Kultur zur Pflege gebracht hat. Aus dem, was seit der Errichtung dieses Hauses an Fortschritt erlebt worden ist, schöpfen wir, die heute Lebenden, das Vertrauen, daß der Geist der Liebe und der Eintracht sich erfüllen werde, daß es uns vergönnt sei, mitzuarbeiten an der Zukunft unserer Gemeinschaft, des Vaterlandes, der Zukunft der Menschheit. In solcher Zuversicht und in dem Willen zur Tat des Lebens soll diese Feier ihre Bestimmung an uns erfüllen. — Im Anschluß an die Festrede begrüßte Herr Dr. Goldmann namens des Gemeindevorstandes die erschienenen Delegationen und sprach das Gebet für den Reichspräsidenten und die Obrigkeit. Als eine besonders sinnige Hebung der Weilte des Tages wurde der Vortrag des zur Einweihung der Gemeindesynagoge 1856 von JadtSSOhn komponierten Stückes aus 1* salin 24 empfunden. Der Mahnerchor, «'inst von den Thomanern vorgetragen, verfehlte auch dieses Mal seine Wirkung nicht. Es folgte das W e i h e 1 i e d (aus dem synagogaleit Sammelwerk unseres Oberkanten S. Lampel: Kaul Sch'tnuel): „So Gott nicht hilft das Baus erbauen ...", dessen Vortrag wiederum durch ein Mitglied des Synagogenchors erfolgen mußte, da Herrn Kantor .laffi4 eine schwere stimmliche Indisposition hinderte, es, wie vorgesehen, zu singen. Worte des Gedenkens sprach danach Genielnderabbiner Gusta\ Cohn. Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut: „Wie der Mensch die Gabe des Denkens als den Vorzug empfindet, der ihn vor anderen Lebewesen auszeichnet, so sollte er nie die Gabe des Dankens mißachten, die erst sein Denken adelt. Unsere Gedanken schweifen heute rückwärts und überschauen einen Zeitraum von drei Vierteljahrhunderten. die Reihe jener Jahre, in denen die einst so kleine Gemeinde geworden und gewachsen ist. Iii dieser Stunde fließen aber Freude und .luhel über dieses große Werden zusammen mit wehmütigem Erinnern. Beule steht die dritte Generation, seitdem dieses Haus seiner Bestimmung übergeben wurde, hier vor Gott. Und voller Herzeleid gedenken Viele derer, die in diesem Zeitraum hier betend mit ihnen gestanden:

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