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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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5. September 1030 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 trugen, um den Glauben, welchem wir eine würdige Stätte errichten wollen. „Wenn der Herr das Haus nicht bauet, vergebens mühen sich daran die Bauleute" (Psalm 127, 1); zu schwach ist das Menschennuge, um die Wechselfälle eines großen Baues vorauszusehen. Sollte daher die Ausführung desselben neue Opfer von uns verlangen, o so lasset Vertrauen zueinander, zu der Freigebigkeit vieler in unserer Gemeinde, daß es auch dann nicht fehlen werde an Mitteln zur Vollendung: Cbadaschlm labb'karim, neues Leben haucht uns Gott jeden Morgen ein; rabba einunatecha, darum soll neues Vertrauen unsere Losung sein! Mit diesem dreifachen Vertrauen im tiefsten Grunde unseres Herzens wollen wir die Grundsteinlegung zu unserem Gotteshause beginnen: we-ha-ehut ha-meschullasch 16 wimhera jinatek — „und dieses dreifach geflochtene Band wird nicht schnell zerreißen!" (Kohelet 4, 12.) Vertrauensvoll übergeben wir dem Grundstein die Ankündigung des Regierungsantrittes Seiner Majestät unseres Königs Johann, dessen Thron nicht mehr von Untertanen umgeben ist. die um Gleichstellung bitten müssen; vertrauensvoll das Gesetz über die Gleichberechtigung der Israeliten Sachsens, das heilige Vermächtnis unseres tief betrauerten Königs Friedrich August: vertrauensvoll die Urkunde der Grundsteinlegung, die den Namen unseres geehrten Herrn Bürgermeisters Otto Koch trägt; vertrauensvoll das Nainensverzeichnis unseres israelitischen Vorstandes und unserer Gemeinde. Der Geist des Vertrauens weht durch alle diese Schriftstücke: es vertraut das Volk seinem erhabenen Köllig, die Stadt ihrem aufgeklärten Bürgermeister, die Gemeinde ihrem trefflichen Vorstände; auf diesem Vertrauen zwischen Fürst und Volk, zwischen Untergebenen und Vorgesetzten, zwischen Bürger und Bürger, zwischen Konfession und Konfession ruhe unser künftiger Gottestempel, fest und unerschütterlich für alle Zeiten! „Vertrauen erweckt Vertrauen." mit diesem königlichen Spruch sei der Grundstein geweiht und gesegnet! Amen. Die Brodyer Synagoge zu Leipzig Von Arno Kapp, Leipzig. Schon Kroker weist in seiner im Jahre 1028 erschienenen Handelsgeschichte der Stadt Leipzig darauf hin, daß am Ausgange des IS- Jahrhunderts, als die Messen sich von den Nachwehen des HOjähligen Krieges wieder erholt hatten, und mit ihnen der Kauehwarenliandel einen ungeahnten Aufschwung erlebte, in dieser Zeit die polnischen .luden einen großen Teil des Handels mit dem fellreichen Kußland vermittelten. Unter diesen polnischen Kaufleuten eroberten -ich bald die Brodyer Juden eine Vormachtstellung. Als z. B. im Jahre 1799 die Tochter des verstorbenen Leipziger Miinzjuden Gerd Levy den Leipziger Hat darum bat, ihr zw Errichtung einer Judenküche für die Brodyer Kaufleute während der Messen Konzession zu erteilen, trat der Leipziger Schutzjude Klkan II e rz. der Freund Moses Mendelssohns, vor dem Kate warm für Gewährung dieser Bitte ein; dabei gab er über den polnischen Handel folgendes zu Protokoll: „Die angesehendsten Pohlnischen Handelsjuden seien meist alle aus Brody, welche schon seit vielen Jahren die Leipziger Messe besuchen, mit den größten Leipziger Handlungen in Verbindung ständen und manche von ihnen, z. B. Falck Drachtenberg und Calffl Sternberg, ein jeder in einer Messe für mehr als 50 000 Thaler Geschäfte in Leipzig machten. .." Iis ist deshalb keineswegs zu verwundern, wenn bereits am 7. Oktober des Jahres 1800 einige Brodyer Kautleute au den Leipziger Rat schreiben, „daß es ihr sehnlichster Wunsch wäre, eine Synagoge zur Verrichtung ihres Gottesdienstes in der Gegend des BrQhles oder der Ritterstraße pachtweise innezuhaben ..." Sie bitten deshalb den Rat um die Überlassung eines Platzes und erklären, „daß sie z u A u f b a au D g oder sonstige n K i n - r i c h t u n g eines solchen Behältnisses nicht die geringsten Kosten scheuen wollten." Unterzeichnet war das Gesuch von folgenden Brodyer Kaufleuten: Alexander Kallir, Falck Trachtenberg, Kaiman Joachim Sternberg, Joseph Balaban. Berti Schale (Frischauf), Tischil Selig. Abraham Jacob, Joseph Moses, Selig Schlesinger. Samuel Salotwiner, Joseph Meyer. Moses David, Pincus Abraham Xionzer. Sehaul Abraham und Abraham Nelcken. Bisher hatten die Brodyer zur Meßzeit ihre Schule auf dem Uriihle im ..blauen Harnisch"1). Dort sei, — wie es in dem Schreiben der Kautleute an den Rat heißt. — noch vor zehn Jahren genug Platz gewesen, da meist nur 20—80 Juden aus Brody nach Leipzig gekommen waren, i) Heute: llriilil No. TL Dort war die Synagoge im 2. Hofe rec hts in der l. und I. Etage.

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