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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer f) wollen wir errichten zur Ehre Gottes, der an jedem Morgen der Geichlchte, wenn es im Herzen der Fürsten und Volker zu tagen beginnt. Israel neue Beweise seiner Huld und Gnade liefert; zur Ehre unserer Gemeinde, die keinen Annen in ihrer Mitte zählt; zur Ehre unserer Stadt, die mit brüderlicher Liehe uns entgegenkommt und (Iber den Unterschied des Bekenntnisses nicht vergiflt der höheren Menscheneinheit. Ein Haus wollen wir gründen, wo der Einig-Einzige der höchste Gott der Menscheneinheit, verherrlicht werden, wo unsere Gemeinde, vereint mit ihren Glaubensgenossen, sich versammeln soll, um für sich und gani Israel, für das Heil des Fürsten und des Vaterlandes, für diese Stadt und deren Bewohner zu beten; wo der Schlaffe gestärkt, der Wankende aufgerichtet, der Betrübte getröstet und unserer Tuten gedacht, wo das Göttliche erkannt, das Heilige gofhrt, das Wahre erfaßt, das Edle erstrebt, der Fortschritt begünstigt, das ehrwürdige Altertum erhalten werden soll — und wer wollte es wagen, ein solches Ziel nicht ein vortreffliches und gottgefälliges, ein in seinem ganzen Umfange gutes zu nennen? Auf den Sieg des Guten sollst du immer zählen, und das Gute hat den Sieg davongetragen! Verschwunden sind die trüben Wolken, die von Zeit zu Zeit das erhabene Ziel einhüllten und es unsern Augen entrückten; klar wie die Sonne am Firmament erhebt sich der stolze Bau in unserem Geiste! Ich sehe, wie Stein an Stein sich fügt, wie die Mauern allmählich auf dem festen Grunde aufsteigen, wie Säulen und Bogen tragend zusammenhalten, wie das Dach wahrend und schützend sich hindehnt, wie die Morgensonne ihre Strahlen ins Gebinde sendet; ich höre die Freudenklänge der jubelnden Arbeiter und ihrer Meister, die das heilige Werk vollendet; ich erblicke fröhlich-ernste Rührung des Künstlers, dessen Sinnen den Plan geschaffen; ich lese die herzliche Teilnahme in den Mienen der Vorübergehenden, die sich des schönen Anblicks freuen; ich sehe unsere Frauen wetteifernd talig sein, um die inneren Baume würdig auszuschmücken; ich schaue, ja ich schaue nieine teure Gemeinde, wie sie bewegt und gerührt und dankerfüllt hinzieht, und höre das Lied: „Ich freue mich derer, die zu mir sprechen: In das Haus des Ewigen lasset uns ziehen2)!" (Psalm 122. 1). Oh. daü kein Haupt in unserer Mitte fehlte! Das Gute siegte und mufite siegen, denn die rechten Minner « i r d Gott sicher wähl e n! Dem ersten Menschen, sagen die alten israelitischen Weisen, zeigte Gott die künftigen Geschlechter n-l.-l .l.Teu Führern und Leitern: d. h. die Vorsehung erweckt jedem Zeitalter, zur Fortbildung und Verwirklichung der erhabenen Ideen der Menschheit, würdige und tatkräftige Vertreter, welche der guten und edlen Sache ihre Kräfte opfern — und sie hat auch uns die rechten Männer für unser heiliges Vorhaben erstehen lassen. Sie -"11 unserer Gemeinde einen Vorsteher, dessen Pflichteifer musterhaft i>t. >i.' stellte ihm treffliche Männer zur Seite, die durch Opfer an Zeit und Mühen das Heiligtum förderten, sie lenkte die Einsicht und .Ii.. Erfahruiii.' einzelner zum Besten unseres gottgefälligen Unternehmens, sie begeisterte die Herzen derer, die durch friedliche Worte und freundliches Zureden falsche Ansichten entfernten — und wie Israel noch nie in seiner Zerstreuung verlassen war. so gebrach es auch unsere) Gemeinde nicht an Männern, die ihre Einsieht, ihren Rul und ihr Ansehen für unser künftiges (iolteshaus zur Geltung brachten - und siehe, das Gute siegte! Verfolgen wir ein gutes Ziel, und wird Gott die rechten Männer sicher «Ahlen, so II fit r ea an reichen Mitteln nie und :i i in in er fehl <• n I Jede Tat verlangt eine bewegende Kraft, jede Kraft helfende Mittel, und auch diese uewährte uns die Vorsehung! Freiwillig steuerten einzelne, durch Reichtum ausgezeichnete Männer bedeutende, andere minder Begüterte kleinere Summen für unseren Tempelbau; unsere christlichen Mitbürger erwiesen sich brüderliebteilnehmend, frei von alten Vorurteilen: der hochgeehrte Rat und die ehltxten Verordneten unserer Stadt kamen uns hilfreich entgegen und so hat es uns Gott nicht au Mitteln fehlen lassen zur Ausführung des heiligen Baues — und das Gute siegte; denn es mufite Siegen, wie die Sonne, das Bild des Guten, das Wolkendunkel durchbricht! *) "fii Tl r,'i z-vmz >nrcr II. Darum, meine teure Gemeinde, rnbba emunatecha, sei ni Ii diesen Gnadenbeweisen grott dein Vertrauen auch für die Zukin t! Wie auf dem unsichtbaren Grunde hier die Wucht der Mauern sie r ruhen wird, so bedürfen auch wir des Vertrauens als eines [es n Herzensgrundes: 1. Vertrauen auf Gott für des Bau * Gelingen, 2. Vertrauen zu uns selbst, d a 1.1 wir all - Gute vollbringen, 8. Vertrauen ineinander, d u wir n o u i> Opfer bringen! Vor allem Vertrauen auf Gott, den Hort und Fels Israels, r, keine Störung den Bau unterbrechen, kein Ereignis unsere Fit trüben werde. Und warum sollten wir nicht diesem Gottvertra n unsere Seele erschließen? Hat er, der die Herzen der Könige Wnsserhäche leitet, nicht unsern milden und gerechten, nur zu I h vollendeten König Friedrich August bestimmt, schon vor 17 .Iah n ein Gesetz zu erlassen, nach welchem die Israeliten Sachsens eif; le Gotteshäuser errichten durften? Ließ er nicht unsern regieren' o, erleuchteten König Johann, der Herrscher und Hoherpriesler u Reiche des Wissens zugleich ist. schon vor 21 Jahren die denkwiii igen, wahrhaft königlichen Worte aussprechen, daü es ihm leid l in einein Lande zu leben, wo Untertanen noch um Gleichstelh ig bitten müssen? Würde es nicht fast märchenhaft geklungen h.tl i. wenn jemand noch vor 7 Jahren verkündet hätte, eine liraelitia . Gemeinde von 80 Mitgliedern werde sich in Leipzigs Mauern hei i bilden? Erwiesen und erweisen sich nicht die Vertreter uns. i Stadt als Männer, vom Geiste der fortschreitenden Geschichte, n welcher die Vorsehung sich fortlaufend offenbart, erleuchtet und aufgeklärt? Und wir sollten nicht vertrauensvoll zu unserem Gott« emporblicken, dafi kein Ereignis unser stolzes Bewufitsein, als freie und gleichberechtigte Staatsbürger Sachsens auf sächsischem Bot n ein israelitisches Gottesbaus zu errichten, herabdrücken werde? h, du unser verklärter König der Milde und Gerechtigkeit, dein in < II ruhender Geilt wird schützend und schirmend umgeben die i aus welcher Israel Heil und Segen ersprossen ist; dein Anden i wird fortleben in den Gesetzen, die du zum Wohle deines Voll - mit weiser Milde und mit milder Weisheit, erlassen; deine Ii i herzigen Züge werden Sachsen stets mahnen, deinen Willen In zu halten und zu ehren! In jedem Israeliten, der unter dem Schi i des von dir geschaffenen Rechts lebt, und in jedem Nicbtlamelil i der es als dein Vermächtnis gewissenhaft beobachtet, hast l Zeugen deines unvergänglichen, ruhmvollen Wirkens hinterlassen Nächst dem Vertrauen auf Gott lasset uns Vertrauen uns selbst fassen! Selbstvertrauen, das in dem Boden des ('• Vertrauens wurzelt, tritt hervor an das Licht des Tages, gestaltet - zu einem kräftigen Baum, der reichhelaubt die Glut der Sorgen wehrt und reichbeladen die Tatkraft nährt. Darum vertraue je auch sich seihst, dafi er als Teil eines gröfieren Ganzen, als Biii eines Staates, als Bewohner einer Stadt, als Mitglied einer religie Gemeinschaft, allem Guten durch seine Mitwirkung eine sich Stätte bereiten kann! Wie oft hörte man in unserer Mitte kl' gläubige AuUerungen, wenn vom Baue eines Gotteshauses die B war? Wie wenige hatten rechtes Vertrauen zu ihrer eigenen kraft, die sie kaum kannten? Wie viele wollten das gottgefäi Werk einem künftigen Geschlechte überlassen? Wie mancher hii sich in den bequemen Mantel stolzer Bescheidenheit, wenn sein sehen, sein Einflufi. sein Eifer, seine Ausdauer angerufen ward Nun denn, nachdem Gottes Barmherzigkeit uns bis hierher geholt wollen wir auch für die Zukunft das Vertrauen nähren, dafi wir i vieles schaffen können zur Verherrlichung unseres Gottes und I Ruhme unserer Gemeinde! Rabba emunatecha. grofi sei endlich das Vertrauen II*' ander! Wie die hier zerstreuten Steine aneinander gefügt ' durch den Kitt zusammengehalten werden, so ist wechselseitiges \ trauen das Verbindungsmittel einer Geineinschaft. Heidt es bis )• immer, wir wären einander fremd, wir kennten uns kaum gejj seitig; so lasset uns jetzt vertrauensvoll zusammentreten und uns um das alte Banii'T unseres Glaubens scharen, das unsere Vorfall mit fester Hand, standhaft und mutig, durch soviel Zonen und Lüh

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