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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-08-29 · 35 (29.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer und M. 1800. - an das Personal, sowie Vortrag des Restei M. 818,22 auf neue Rechnung. Die Reserven werden hierdurch auf einen stand von zirka M. 12000. - gebracht. Hervorgehoben wird der ausgewiesene Umsatt von zirka MM Millionen Mark. Aufsicbtaral und Vorstand der Volkslmnk Iwria schicken der ersten Nummer ihres Mitteilungsblattes eine Kundgebung ..An die jüdische Öffentlichkeit" voran, in der es unter anderem heifit: . . . Die nach dem Krieg Infolge der allgemeinen Entwicklung der deutschen Wirtschaft eingetretene Rationalisierung und Kontentrierung hat für die jüdische Bevölkerung Deutschlands in immer größerem Ausmaße bedrohliche Können angenommen, und es ist unverkennbar, daß heute in Deutschland eine spezifische Wirtschaftsnol der .Inden vorhanden ist. die zum Teil aus der allgemeinen Entwicklung des Mittelstandes zu erklären, zum erheblichen Teil aber auf das Umsichgreifen des wirtschaftlichen Antisemitismus zurückzuführen ist. Durch die großartige Entwicklung dos deutschen Genossenschaftswesens und insbesondere des jüdischen Kreditgenossenschaftswesens Osteuropas angeregt, kam man auf den Gedanken der Notwendigkeil selbständiger wirtschaftlicher Institutionen, die dem jüdi- SChen Mittelsland in allen seinen Schattierungen Kredithilfe zur Weiterföhrung uml zum Aushau seiner Existeni gewähren sollen. . . . Die zweijährige Entwicklung der Volkshank Iwria hat die Erwartungen, die wir an die Hank geknOptl haben, durchaus bestätigt. Sie i-t zu einem ernsten Instrument der Bekämpfung der Wirlsehaftsnot unter den .luden Berlins geworden und bemßhl sich in steigendem Mai'»', den Mitlelslandsschichlen produktive Kredithilfe zuzuführen. Neben der erfolgreichen Arbeil in Berlin gibt es in der Provinz ähnliche Versuche. Diese Versuche geschehen vorläufig unorganisiert und ohne genügende Erfahrung. Wir sind aber fest davon überzeugt, dal.t der Gedanke der produktiven Kredithilfe die ganse jüdische Öffentlichkeit mit der Zeit gewinnen wird. Durch Beitritt zur Volkshank Iwria und durch Unterstützung der Kreditgenossenscbaftsbewegung kann jeder Einzelne zur Stärkung der jüdischen Wirtschaftsposition In Deutschland beitragen. Für den Aufsichtsrai unterzeichnen Direktor Georg Kareski und Dr. J, Altschul, für den Vorstand S. Drimmer. Hcrthnld Steinberg die Kundgebung, Unsere Gemeinde Aufm) Nach langen Kämpfen ist es gelungen, im Freistaal Sachsen den ■luden das Hecht zu erringen, das den christlichen Sahbatisten von jeher zustand, ihre Kl n d e r a n Sa h ba t e n u n d Feiert a g e u i n ü i <■ S v n a g o g e I u s e n d e n und sie demgemäß von der Schule zurückzuhalten. Gerade in Leipzig haben sehr viele strenggläubige Familien diese Befreiung von schwerem Gewissensswanng freudig begrüßt und wollen ihre Kinder am Sabbat von der Schule dispensiert wissen, um sie ins Gotteshaut zu senden. Di.- Schulbehörde verlangt aber, daß dies" Kinder einen E rsa 11- Unterricht für die versäumten Schulstunden nachweisen, der von einem geprüften Lehrer erleilt werden muß. Die meisten Strenggläubigen Leute, welche die Wohltat des Gesetzes in Anspruch nehmen wollen sind aber selir arm. so dall sie nicht imstande sind, die erheblichen Kosten für den Ersatsunterrlehl zu leisten. Damit nun nicht etwa der Reiche bevorzugt wird und der Anne wegen seiner Mittellosigkeit nicht imstande ist. seiner religiösen Gesinnung gemäß seine Kinder zu erziehen, hat sich eine Organisation gebildet, weiche sich zur Aufgabe gestellt hat, für diesen Eraatxunterrichl bei mittellosen Kindern zu sorgen. Sie bat einen Lehrer gewonnen der den Unterricht organisiert hat und ihn auch bereits erteilt. Trotz der Note der Zeil sind wir der Meinung, daß diese religiöse Aufgabe nicht vernachlässigt werden darf, und so wenden w ir uns an alle Mitglieder unserer Gemeinde, welche für die Erhaltung des Sabbats eintreten wollen, mit der herzlichen Bitte, uns einen Jahresbeitrag tu gewähren. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, Heiträge entgegenzunehmen. Rabbiner Dr. Goldmann. Rabbiner Dr. Carlebaeh. Rabbiner Cohn. Rabbiner Rogosnitsky. s. B. GoMrei, Elim Kestenbaum. Josef Wolf. O—Mlisaan Abwehr antisemitischer Angriffe. Um antisemitischen Angriffen, die bei der agressiven Wahlpropaganda der Nationalsozialisten wohl geschehen könnten, eine gemeinsame Front entgegenzustellen, sind am 28. August die Vertreter verschiedenster jüdischer Organisationen zu einer Besprechung zusammengekommen. Et wurde beschlossen, eine gemeinsame Abwehr h Auge zu tasten, Ks wird demnächst darüber Näheres bekanntgegebi werden. Ein gemeinsamer Aufruf wird in der nächsten Nummer di Qemelndeblattes erscheinen. Die jiidisrhe Kleiderstelle (Hiimboldstraße l.'i) wird am 8. September d. J, wieder geöffnet und wird sich b mühen, weiter vielen Armen unserer Gemeinde den Daseinskain zu erleichtern. Die segensreiche Einrichtung wird in diesem .Iah der besonders grölten Nachfragt" nach gut erhaltener Garderobe Ul Wäsche kaum Rechnung tragen können, wenn nicht alle Hausfrau* der Gemeinde alles Entbehrliche in ihrem Hause der Kleiderstelle z kommen lassen. JQdische Hausfrauen, bezeugt Euer Interesse an der jüdisch' Kleiderstelle! Auf telephonische oder briefliche Benachrichtigung I Frau Alma Cerf, Pfaffendorfer Str. IS. Tel. 2157 Ii», werden die Sachi abgeholt. Halhlagsfcricnkolmiic des Jüdischen Frauenbundes im Lmiapark. Trotz des wenig günstigen Wellers haben die 180 Kinder, die i den Ferienspielen des Jüdischen Frauenbundes im Lunnpark te nehmen konnten, frohe Ferien und gute Erholung gefunden. Wie jeder Sommerfrische wurde auch hier jede regenfreie Minute au genutzt, und kam einmal ein überraschender Regenguß, wurden d Kinder schleunigst abfrottiert, und das kleine Intermezzo diente a angenehme Abwechslung. In jedem Falle ist selbst bei ungünstigste Wetter der Zweck erreicht worden, daß die Kinder die Ferien nie! ' in ihren ungesunden Wohnungen verbringen mußten und vor de Gefahren der Straße geschützt waren. Gütige Spender, denen auch B dieser Stelle herzlichster Dank für ihre verständnisvolle F'ördenu ausgesprochen sein soll, haben es dem Jüdischen Frauenbund e möglicht, den Kindern auch in diesem Jahre täglich Milch und Ob oder Eier, auch Kuchen, gelegentlich auch eine kloine Extrafreui geben zu können. Verständnisvolle Leiter, Kindergärtnerinnen ui I ein Student haben die Aufsicht geführt und für Abwechslung u Zerstreuung der Kinder gesorgt. Herzlicher Dank sei auch Wied den Betitzern de« Lunaparkt ausgesprochen, die ihre schönen Spi< wiesen sowie einen Saal bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat* Gant besonderer Dank aber gebührt Frau Rosi Krause, die au in diesem Jahre die organisatorische Leitung und Oheraufsicht hal und mit Liebe und Verantwortungsbewußtsein alles Erdenkliche au hol. um den Kindern die Ferien froh und schön zu gestalten. D impulsive Dank der Kinder, die selbst bei schlechtestem Welter a nähernd vollzählig erschienen waren, ist der besle Beweis für d Gelingen der Veranstaltung. Feitgettesdieasl des Ililfsvereins israelitischer Gewerbetreibender. Wie im vorigen Jahre wird auch in diesem Jahre an den hohl Feiertagen im großen Saal des Cenlral-Theaters (Eingang Gotische straße) Festgollesdienst abgebalten werden. Der Kartenverkauf h schon begonnen. Kr findet in der Geschäftsstelle des Hilfsverein Brühl 24 II. von 10-18 Uhr statt. Amtliche Bekanntmachungen der israelitischen Religionsgemeinde tn Leipzig Ausgabe der Eintrittskarten zum Zwciggoltesdienst im Städtische Kaufhaus. Die Vermietung der Plätze zum Zwciggoltesdienst für Neu ja I und Versöbnungstag im Konzerlsaal des Städtischen Kaufhauses r folgt von Montag, dem 1. September 1080 ab. werktäglich von 0 b 18 Uhr im Gemeindeamt. Löhrslraße 101. Preise der Plälze 3—10 ft Leipzig, den 25. August 1080. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt - Gemeindeamt LöhrstraBe 10. Das Gemeindeamt ist für den allgemeinen Verkehr werktöglii von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Sonnabends und Sonntags werden DU dringliche Meldungen von 11 bis 12 Uhr entgegengenommen. Sprechzeit des Verwaltungsdirektors nur werktäglich TO 0 bis 11 Uhr. Fernsprech-Nr. des Gemeindeamtes: 230 02. Fernsprech-Nr. des Fürsorgeamtes: 213 82. Postscheck-Nr. der Gemeinde: Leipzig 505 33.

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