Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 35 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4876568-5968776-5969186--3384-4877795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
B. Auguat 1030 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 issen. Zitiert er aber einen ni Gericht, dann hilf) keine Ausrede." — >irlil jeder, der den Sabbat heiligt] ist arm, nicht jeder, der ihn ent- ..rillt, ist reich; der ihn heiligt, ist ein Idealist, der bereit ist, sich elbst für Goti und Volk KU opfern. Gotl bedarf »'»er nicht der <>|ilfer; Inn kommt es nur auf die Probe an. Der Talmud sagt im Traktat „Sohabbos": „Jedem, der den Sabbat helligt, ist größerer Lohn als in der zukünftigen Welt mich in dieser Welt gewiß." Außer) sich dieser Lohn nicht im Irdischen, so äul.iert er sich im Oberirdischen, hei denen, die vom Idealismus beseelt zufrieden und glücklich leben, Aus aller Welt IchtigC archäologische Entdeckungen in Palästina. Die von Prof. Albright geführte gemeinsame Expedition des nia-Seininars und der Amerikanischen Schule für Archäologie hat Tol-Beit-Mirsin, 18 Meilen von Hebron entfernt, wo einmal die idl Kirjalh Sepher gestanden hat, wichtige Gegenstände ausgenben, die biblische Angaben über verschiedene Ereignisse belUbigen. An diesen Kunden läßt sich die kulturelle Entwicklung lästlnas von 'J(HH) bis öS(! Jahre vor der christlichen Zeitrechnung rfolgen. Prof. Albright erklärt, er habe Spuren aus der Zeit, da iraham aus Kanaan auszog, bis zur Zeit der Eroberung dieses .ndes durch die Juden, und dann weiter bis zur Zeit, da Nebuchadzar Kirjat Sepher dem Hoden gleichmachte, gefunden. Der Führer der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas und bekannte rchäologe Isaac Den Zwi hat in einein verödeten Dorf in OberlalilBa die Ruine eines jüdischen Hospizes ausgegraben. Die Türi ilken enthalten hebräische Inschriften, aus denen zu entnehmen ist, laß das Hospiz noch in der talinudischen Epoche erltaut wurde. Das llebrlische enthält einen starken Einschlag von Aramäisch. Das kstebaus stammt wahrscheinlich aus der Zeit des dritten Iiis sechsten Jahrhunderts nach Christi. Aus katholischen archäologischen Kreisen wird mitgeteilt: Durch die neuesten Grabungen des römischen Hibelinstituts in ransjordanlen bei Teil GassuL etwa (1 km nordöstlich vom Toten Meer, am Wady el Jorfeh, soll nun die Stätte des geschichtlichen odom festgestellt worden sein. Ks wurden an dieser Stelle nhlreiche läuser, die Reste von Ofen, Kornspeichern und Mühlen zusammen ■ it menschlichen Oberresten freigelegt, daneben eine große Menge >n Messern, Pfeilen, Tonscherben. Halsketten, Alabasterkugeln usw. Weitere Grabungen wurden dann nach dem Norden und Süden auf i inem Gebiet von etwa imki m vorgenommen, und im Süden wurde ein lebiel von etwa 1600 qm durchforscht, in dem die Fundamente von (einmauern sutagetraten, Ks ergab sich, daß die Ruinen von Teil SSSUl bis etwa ÜIHKI v. Chr. zurückreichen und daß die Iiier gelegene stadt, die eine große Blüte erreicht hatte, um 2000 v. Chr. zerstört urde. Infolgedessen ist mau zu der Cherzeugung gelaugt, daß die Ilten von Sodom und Gomornh im Norden des Toten Meeres lagen, cht im Tale Siddim am Südende des Toten Meeres, wie mau früher igenommen. ine wichtige Reiclisgerirlitscntsrheidiing: Kein Richter darf wegen ines (>laulipnsbekeniitiiis>es abgelehnt werden! Wie die Tageszeitungen meldeten, bat jüngst das Schöffengericht indenburg dem Ablehnungsantrage eines nationalsozialistischen Anklagten gegen einen richterlichen jüdischen Beisitzer stattgegeben, iersu teilt nun die C.-V.-Zeitung mit: Auf die Kultur- und rechtspoütische Seite dieser Angelegenheit nSUgehen, ist hier nicht am Platze. Dagegen trifft es sich günstig, ifi gerade jetzt im letzten Heft der „Juristischen Wochenschrift" 88 vom Iii. August 1930 auf Seite 2580 Nr. 26 eine reichsgerichthe Entscheidung veröffentlicht wird, die den Beschluß des genannn Schöffengerichts als gesetzwidrig kennzeichnet. Der vom Reichsgericht behandelte Kall betrifft zwar die katho- Bche Kirche, Jedoch ohne weiteres auf Grand seiner allgemeinen imfQhrungen auch die jüdische Religionsgemeinschaft. Das Reichsrieht führt an den entscheidenden Stellen folgendes aus: „liegen die (irundsätze. von denen sich (las Gericht bei der Zuückweisung des Ablehnungsantrages hat leiten lassen, bestehen keine •chtlichen Bedenken . . . Die allgemeinen Ausführungen, die die lefahr einer Befangenheit eines katholischen Richters in einem Kall ler hier fraglichen Art dartun sollten, konnten die Ablehnung nicht eehttertlgen, denn für den Richter besteh» die Pflicht, unbeirrt durch lie Rücksicht auf sein Glaubensbekenntnis die Staatsgesetze anzurudern so daß er. vor einen fiewissensw iderstreit gestellt, von sich us für den fraglichen Kall von der Ausübung des Richteranites absehen müßte, Krklärt also der Richter, sich nicht befangen zu fühlen, also in der Lage und bereit zu sein, unbeirrt durch seine Zugehörigkeit zu einem gewissen (ilauhenshekemiliiis zu urteilen, so kann auch von dem verständigen Standpunkt eines Angeklagten aus kein (irund bestehen, in eine unvoreingenommene Ausübung des Richteramtes durch diesen Richtet Zweifel zu setzen." Wir hallen schließt dir „C.-V.-Zeitung" — dieser Auffassung des Reichsgerichts, die bisher auch ständig von den Untergerichten befolgt worden ist. nichts hinzuzufügen. Jüdische Verbände und Gemeinden Ein Schritt des Hilfsvereins für die rumänischen Juden. Aus Anlaß der schweren Exzesse gegen die Juden, die sich in der" letzten Zeit in Rumänien ereigneten, hat das Präsidium des Hilfsvereins der Deutschen .luden, die Herren Dr. James Simon, Generalkonsul Eugen Landau, Max M. Warburg. Willy Dreyfus, folgendes Sehreiben an den Ministerpräsidenten, Herrn Dr. Maniu, gerichtet. „Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat bereits vor dem Kriege eine große Hilfstätigkeit in Rumänien entfallet und in den letzten Jahren wiederum begonnen, den wirtsehaflich schwer leidenden .luden Rumäniens, soweit seine Mittel es erlaubten, zur Seite zu stehen. Diese Tätigkeit, die er im Interesse der rumänischen .luden ausübt, wird aber dadurch schwer beeinträchtigt, dal.t in .ler letzten Zeit schlimme Exzesse gegen die Juden in Rumänien stattgefunden liaben. Die deutschen Juden, deren Gefühlen der Hilfsverein der Deutschen .luden Ausdruck gibt, sind von tiefer Sorge über <1;«~ Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Rumänien erfüllt. Ober die Ereignisse, die sich in der letzten Zeil in KimpollUIg, Borschs, Suczawa. Balaeeana und anderen Orten abgespielt haben, und die nach ihrer Meinung die notwendige Sühne noch nicht gefunden haben, ebensowenig wie eine Entschädigung der Opfer bisher erfolgt ist. Wir geben uns der Erwartung hin, daß diese Kundgebung, durch die die deutsche Judenheil ihren tiefen Schmers über die Geschehnisse zum Ausdruck bringt, dazu beitragen wird, die Aufmerksamkeit der rumänischen Regierung auf die traurige Lage der Juden zu lenken. Wi: hoffen, daß die rumänische Regierung dafür Sorge tragen wird, daß die Gleichberechtigung, dir den Juden gewährleistet ist, durchgeführt wird, dal.l antisemitische Agitationen verhindert werden, und dal.t den Juden die volle Freiheil und die Möglichkeit gegeben wird, gesichert gegen Angriffe Ihres Judentums wegen und gegen Verfolgungen und Gewalttaten sich als gleichberechtigte Bürger zu betätigen." Zur Bilanz der Velksbail Iwria. Die Volksbank Iwria e. (I. m. Ii. IL in Berlin hat nunmehr die Bilanz sow ie einen Auszug aus dem Geschäftsbericht für 1829 (zweites Geschäftsjahr) der Öffentlichkeit übergeben. Diese Bank, die es sich zur Autgabe gemacht hat. Jüdischen Handwerkern. Kaufleuten, Akademikern kurzum, den Mittelstandskrelsen und Kleingewerbetreibenden, welche bei den Großbanken nur sehr beschränkte Aussicht auf Wirtschaftsunterstütsung haben, durch Kredithergabe zu fördern, hat eine günstige Entwicklung genommen. Nicht nur weisen die ihr zur Verfügung gestellten fremden (leider gegenüber dem Stand vom 81, Dezember 1928 eine Erhöhung von zirka so11,, auf. sondern es geht auch aus der Gliederung der Kreditoren hervor, daß die Spareinlagen und festen (ielder wesentlich überwiegen. Die ausgewiesenen Bankguthaben zusammen mit dem Kassenbestand decken hereits zirka 70",, der täglich fälligen Kreditoren. Wie in dem (ieschäftsberiebt nur angedeutet, uns aber von der Bank nahestehender Seite mitgeteilt wurde, soll ihr au dein Bilanzstichtag noch ihr gesamter Bankkredit in nicht unerheblicher Höhe zur Verfügung gestanden haben, so daß «lie Liquidität als ausgezeichnet zu bezeichnen ist. Der Reingewinn, der mit M. 10818,22 (gegenüber M. 4942£2 im Vorjahre) ausgewiesen wird, findet Verwendung durch Zuteilung von M. 5()<io.- an die Reservekonten, M. -4000. — an ein Delkrederekonto