Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 32 (8.8.1930)
- Date
- 1930-08-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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8. August 1030 QEMEINDBBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Soito 5 nler der kräftigen Leitung Simon ben Setaetaohi brach die Blüte der brlttgelehrsamkeil an. Die Pharisäer gewannen an Macht, und irem Einflüsse beugte sich die große Mehrheit der Nation. Das war iederum eine geeignete Zeil Tür die Festigung des Schulwesens, as Josua hon Perachja begonnen hatte und die traurigen Verfolungsjahre unter Alexander Jannai nicht sur vollständigen Durchfühmg gedeihen ließen, ilas wurde von Simon ben Schetach aufs neue ngebahnt. Seine Verordnung darf, als die Erneuerung und Ergänsung er seines Lehrers und Vorgängers gellen. .letzt dürfen wir uns der Vorstellung hingeben, daß der allgeleine Jugendunterriehl in Palästina nicht erst, wie man bisher glauen mußte, gewissermaßen vor Torschluß, in den letzten Tagen erusalems, eingeführt wurde, sondern dal! diese Institution lamals bereits seit zwei Jahrhunderten wirksam war. als Ergebnis des nächtigen Einflusses, den die Pharisäer in den Tagen des hasmolaischen Königtums Uber die Geister gewonnen hatten, aber zugleich ils nie versiegende Quelle ihres sletig zunehmenden moralischen Einlasses. Mit dieser Vorstellung allein liil.il sich auch in Obereinstiminnig bringen, was wir von zwei /.engen der letzten Jahrhunderte des weiten Tempels Ober das Erziohungswesen des jüdischen Volkes veriehmen. Der Alexandriner Philo sagt von der Anhänglichkeit seiner Stammesgenossen au ihre Religion (Leg. ad. Cajuni 81): „Da sie ihre Gesetze als göttliche Offenbarungen hallen und von frühester .lugend in in deren Kenntnis unterwiesen werden, tragen sie die Bilder der Qesetzesvorschriften in ihrer Seele." Und Josephus, der Geschichtschreiber jener Tage, sagt (Contra Apionem 1. 1'-'): „Mehr als um .dies bemühen wir uns um die Kindererziehung." Und ferner (il>. iL 1H): „Hei uns mag man den ersten Resten über die (lesetze befragen, und er wird sämtliche Bestimmungen derselben leichter hersagen, als einen eigenen Namen. Weil wir nämlich gleich vom Erwachen des Bewußtseins an die Gesetze erlernen, sind sie untern Seelen sozusagen eingegraben." Aus einer Vorlesung, die der 1918 verstorbene Gelehrte im Jahre IBM gehalten hat. Aus aller Welt Forschungsinstitut für Cesrhiclile und ()u< llcii-tii'liiim der hebräischen Dichtung. Herr Salmann Schocken hat — im Zusammenhang mit einer dem Andenken des im Oktober 1020 verstorbenen Herrn Simon Schocken gewidmeten Kamilieiistirtiing — ein „ForgchungsinsUtuI für Geschichte und Quellenstudium der hebräischen Dichtung" in Berlin errichtet. Als wissenschaftlicher Leiter dieses Instituts ist bereits vor Monaten Herr Dr. B rod y . der bisherige Oberrabbiner in Prag, berufen worden. Dr. Brody üilt als unbestrittene wissenschaftliche Autorität auf dein Gebiete des neugegründeten Forschungsinstituts. Geplant sind grundlegende textkritische A u sga I»e n der IIa u ptd i c hier d e r Ii e 1> r ä i s c h e n D ich t u ng, sowie die V e r ö f f e n I I i c Ii u n g v o Ii Q u e I I e u in ate Hallen U II d Forschungen. Das Forschungsinstitut soll jungen Gelehrten, die sich mit dem Spezialgebiete bereits beschäftigt haben, die Möglichkeit rar Fortbildung und selbständigen Forschung gewähren. Für den wissenschaftlichen Rai des Instituts sind die Herren Professor Dr. I s in a r El bogen und Professor Dr. (inttli o I d W e i I gewonnen worden. Als Assistent steht dem Institut Herr Dr. Sch I r m a u n zur Verfügung. Der wissenschaftliche Leiter des Instituts. Herr Dr. Brody, wird nahen der Arbeit als llail|itherausgeber der Schriften auch seminaristische Hebungen im Gebiete des Forschungsinstituts abhalten. Eine besonders wertvolle Grundlage für die Arbeiten des Ilistituts bilden die Handschriften der Bibliothek Schocken, die sich in den letzten Jahren in Vorbereitung des jetzt gegründeten Forschungsinstituts auf die Sammlung von (juellenmalerialien aus dem Gebiete der hebräischen Dichtung mit großem Erfolge betätigt hat. Mit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums sind Vereinbarungen in die Wege geleitet, die eine Zusammenarbeit des Instituts und namentlich auch des Verlages, der für die Publikationen des lnslduts errichtet werden soll, mit der Akademie gewährleisten. Voraussichtlich wird die Akademie künftig auch in dem wissenschaftlichen Rat des Instituts vertreten sein. Brillanten * Gold^ u. Silberwaren * Uhren Tafelbestecke Trauringe in echt Silber u Met Auflage in .illcn Gold.niali täten Ii 1 O B N B P A B R I K A T 1 O N S. ERLBAUM CO. * JUWELIERE Reichsstraße 18/20 Gegründet 1911 ( Bequeme TEILZAHLUNG ohne Preiserhöhung gestattet \ Preisaatgabe der Metes Mendelssohn-Stiftung. Im Schloß su Wörlitz tagte das Kuratorium der Moses Mendels sohn-Stlftung zur Förderung der Geisteswissenschaften. Als Preis aufgäbe wurde das von Professor Spranger VOlgeschlagene Thema bestimmt: „Die Aufklärungsphilosophie im geistigen Leben Berlins." Ausgesetzt sind 6000 Mark. Die näheren Bedingungen werden am ii. September, dem Geburtstage Mendelssohns, bekanntgegeben. Weiter wurde beschlossen, dem Friedrichs-dyinnasiuiii in Dessau und dem Leasing-Gymnasium in Berlin je ein Stipendium für einen besonders begabten Schüler zu überweisen. Aus den vorhandenen Mitteln konnte eine grolle Anzahl Beihilfen für wissenschaftliche Arbeiten gewährl werden. Der liest der Erträgnisse wurde dem Vorstand für Be willigung von Studienbeihilfen zur Verfügung gestellt. All der Sitzung nahmen teil aus Dessau: Oberbürgermeister Hesse, Oberbaurat Heck, Professor Junckers. Staalsminisler a. D. Dr. Müller, Landesrabbiner Dr. Waller, Landgerichtsdirektor Alterthum; aus Berlin: Professor Groplus, Franz. und Ivoherl von Mendelssohn. Staatsminister a. D. Schmidt-Ott, Professor Spranger, Arnold Zweig. Snduin aufgefunden? Durch die neuesten Grabungen des römischen Bibelinstituts in Transjordanien bei Tel Gassul, etwa ii Kilometer nordöstlich vom Toten Meer am Wadi el .lorfeh, soll nun die Stätte des geschichtlichen Sodom festgestellt worden sein. Es wurden Häuser, die Reste von Ofen, Kornspeichern und Mühlen zusammen mit menschlichen Oberresten freigelegt, daneben eine große Menge von Messern, Pfeilen, Tonseherben, Halsketten. Alabasterkugeln usw. Weitere Grabungen wurden nach dein Norden und Süden vorgenommen. Maii hat ein (iebiet durchforscht, in dein die Fundamente von Steinmauern zutage traten. Es ergab sich, dal.l die Ruinen von Tel (iassul i»is etwa 8000 v.Chr. zurückreichen und die hier gelegene Stadl, die eine große Blüte erreicht halte, um 'J(MM) v.Chr. zerstört wurde. So ist mau zu der Oberzeugung gelangt, dal.t die Stätten von Sodom und (iomorra im Korden des Toten Meeres lagen, nicht im Tale Siddin am Südende des Toten Meeres, wie man frQher angenommen hat. Makkahim reden die Verunglückten an der Hiuliriii'ke. Wie uns mitgeteill wird, ist die Rettung bzw. Bergung der bei dem AutobusunglQck an der Ilmbrücke Verunglückten Mitgliedern der palästinensischen Makkabi-Orgauisation zu verdanken, die auf ihrer Rückfahrt von Antwerpen auf Motorrädern zwischen Weimar und Erfurt Zeugen des in der Presse geschilderten Unglücksfalles wurden. Vor den Augen der vier an der Spitze fahrenden Makkabim stürzte beim Heberfahren der Brücke über die Hm ein mit 40 Personen besetzter Autobus in den Fluß. Die zahlreichen Zuschauer des Unglücks verharrten untätig, weil der laugsam sinkende Autobus keine Aussichten für Rettungsmöglichkeiten bot. ohne sich der Kleider zu entledigen, sprangen die vier Makkabi-Angehörigen ins Wasser und befreiten durch Einschlagen der Scheiben die mit dem Tode kämpfenden Menschen. Es gelang ihnen. 38 Personen, darunter ."> schwer Verletzte, lebend zu bergen. Zwei konnten von ihnen nur als Leichen ans Ufer geschafft werden. Zwei wurden von den Fluten abgetrieben und konnten nicht mehr geborgen werden. Alfred Adler, der Itcgriimlcr der lndiviiliial|i->clioluirie. BhrenbMrger von Wien. Dr. Alfred Adler, der bedeutende Wiener jüdische Seelonarzl und Begründer der individualpsychologischen Schule in der Psychotherapie, wurde zum Ehrenbürger der Stadl W ien ernannt. Alfred Ailler. ein früherer Schüler Siegniund Freuds, hat sich später von seinem Lehrer losgesagt, um eine eigene psychologische Theorie und psychotherapeutische Methode zu verkünden, und nicht nur als Arzt