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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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s. August 1030 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 von vier voll(>n Wochen vurschlügl und die (ichihr dos Blankotagei durch eine sich alle aleben Jahre wiederholende Sohaltwoche, lic den Sa hl in Iii doch offenbar nicht gefährdet, glücklich ni umgehen velfi. Ks sei in diesem Zusammenhange noch dessen Erwähnung getan, iafi das Abwehrkomitee vor einiger Zeit an die Rabbinen ein Rundchreiben gerichtet hat. in dem es zur Kinzeichnung in Listen aufordert, ilie dein Völkerbund den jüdischen Protest gegen die Kaien lerreform vermitteln sollen. Hei einer grandiosen Kundgebung der leutschen Landessentrale des Weltverbandea „Sehomre Schabbos", ler die Bekämpfung der den Sabbath bedrohenden Kalenderreforin ii sein Arlieits|irogramin aufgenonunen hat und in Deutschland sich ler Interessen des Abwehrkomitees annimmt, ist eine au den Völker- und appellierende Resolution gegen die Kalenderrelorin einstiininig ingenommen worden. - Das Völkerbundssekretariat, dem sie zu-;eleitet wurde, hat ihr ernsthafteste Betrachtung zugesichert. In Deutschland ist die jüdische Öffentlichkeit iu neue Unruhe vorletst worden durch einen demokratischen Antrag, der nichts Geingeres anstrebt, als die Einführung der Kalenderreforin in Deutschand. Ks gilt, allen derartigen Bestrebungen als stärkstes Argument lieses entgegen zu halten, dal.l man sich der Tatsache, es sei die Technisierung der Zeit, die an die Nervenkraft des Arbeiters solche Anforderungen stelle, dafi man sich ihnen sechs Tage lang keineswegs in voller Leistungsfähigkeit unterstehen könne, durchaus nicht 'il verschließen brauche. Nur sei der Weg der Abhilfe gegen KriiQdungserscheinungen der Förderung einer durch keinerlei Mängel >eeinträchtigten Arbeitsleistung, durchaus nicht in einer Kaiendereform zu linden, sondern in dem Hinarbeiten auf das Ziel, den Sab- >ath neben dem Sonntag zum arbeitsfreien Tag zu machen, ein Ziel, las die ganze wirtschaftliche und kulturelle Sahhathnot der Gegenwart mit einem Schlag zu beheben vermöchte, (übt es doch nichts, was in solchem Maßt; geeignet wäre, den denschen in dem Höchsten, was er darstellen kann, und was dar- UStellen ihm „aufgegeben" ist, zu bestärken, wie es der Sabbath >ermag. In einer Zeit, iu der jeder, der es versteht, den geheimen Quellen zu lauschen, die aus dem tiefen Schachte jüdischen Menschentums zur Oberflache zu steigen sich bestreben, feststellen wird, daß ler Drang nach jüdischer Wirklichkeit, die mehr ist, als bloße Form und Zeiterscheinung, sich in ungewöhnlichem Ausmafi verstärk!, •ilt es mehr denn je zu erweisen, dalt diese Intensivierung jüdischer Inergien erst dann richtig fruchbar werden kann, wenn sie dein Sahiath und seiner Krhaltung zugutekommt. In wärmster Lebensverbundenheil dieser Knie, ihren Sorgen und Nöten, ihren Freuden und Leiden zugewandt zu sein, und sich doch darin ein Leben aufzubauen das aus jenseitigen Antrieben und hellen Sinnen gespeist ist. vermaß nur der, dem der Sabbath als „ein Teil des Lebens der kommenden Well" hierzu den Impuls verleiht, in seiner harmonischen Erneuerung und dauernden Gesetzlichkeit ist er. nach einem schlichten Midraschwort ein lebendiges Zeugnis, durch das Israel seine doli Verbundenheit bekundet. Denn also haben die Weisen gesprochen: ..Drei Wesenheiten gibt es, die für einander zeugen. Gotl das jüdische Volk— und den Sabbath". Hei der trostlosen Lage des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Gegenwart, wo die aufstrebenden Kräfte der Sittlichkeit und der Menschlichkeit die schwer sie Auseinandersetzung mit den finsteren Geistern des Sklaventums einer entgotteten Welt durchzuringen haben, gilt es in unserem Volke die Energien wachzuhalten, die imstande sind, das Dämonische und Trübe zu läutern und zu klären und mit gesteigerter Seelenkraft als besonderer (iahe, die der Sabbath verleiht, auch dem < leiste der Verneinung, dem bösen Engel, sein Amen abzuringen. Mit dem „Kiddusch" der Heiligungsformel, die den Sabbath einweiht, legen wir Zeugnis ab, aufgerichteten Hauptes und emporgerichteten Herzens, dal.l Gott der Wellenschöpfer ist, dat.! Kr uns den Sabbath und mit ihm die geistige Freiheit, die „Beseelung*' gab. (iott wiederum kleidet sein Zeugnis für Israel und den Sabbath in die einigende Formel: ladaath ki ani haschein mekadischchem (zu wissen, dafi Ich der Ewige Euch heilige); Gotl hat uns kundgetan, dafi Kr uns heiligt und den Sabbath als Mittel zu unserer Heiligung, zur Erlangung einer Höchststufe reiner Menschlichkeit bestimmt. Im Sabbath haben unsere Weisen auch jenes gewaltige Mittel erblickt, das es vermag, den Prüflings- und Leidensweg des jüdischen Volkes durch die Menschheitsgeschichte seinein Ziele und «lern Ende seiner Krlüsungsbesliinmung zuzuführen. Zeigen wir uns durch Wahrung des Sabbathgutea und des Sabbathideals der Erlösung würdig, wahren wir uns den Sabbath in unserem Herzen um das bewundernde Wort des grollen christlichen Theologen Schleiermacher zu gebrauchen dann wird er am Ende offenbaren: die Grolle des Lenkers und Krhalters der Welt und die Weisheit Seines Rates, der ihn das jüdische Volk dazu bestimmen hieß, der Menschheit das Sabbathideal vorzuleben und allen bunten Tand, mit dein sich die Welt zu behängen beliebt, verachtend, sich den köstlichen Schmuck dos Sabbath umzulegen, sich dieser Krone wert zu machen durch rastloses Streben nach immer neuer and immer gröllerer Reinheit, Schönheit und GQte. DIE ANFANGE DES ALTJÜDISCHEN SCHULWESENS Von Wilhelm Bacher s. A. Uber die Anfänge des altjüdischen Schulwesens, wie es sich in Palästina zur Zeit des zweiten Tempels entfaltete, gibt es keinerlei Nachrichten. Das G esc h ich t ■ w 6 r k , aus dem wir lie historische Kunde von den ersten zwei Jahrhunderten nach dem «bylonischen Bxile schöpfen, und das die jetzt voneinander getrennt m Schlüsse unserer hebräischen Bibel stehenden Bücher: Chronik, 'sra und Nehemia umfal.lt. enthält ein einziges Mal das Wort. \elches nachher «lie Schüler aller Stufen bezeichnet, das Wort Talmid I. Chron. 25, S), und es deutet mit demselben auf die Sängerschulen lin, die beim Heiligtum in Jerusalem bestanden, und in denen he- Ufene Meister, die Sänger der Psalmen, die levitischen (iesangschöre uisbildeten. Aber dieses (ieschichtswerk hat uns andere wertvolle Angaben ind Berichte erhalten, aus denen wir die Ursprünge des altjüdischen Schulwesens zu erkennen vermögen. Ks erzählt von Ksra, dem Schrift- .•lehrten, der seinen Sinn darauf richtete, in der 1 ehre Gottes zu fori'heu und iu Israel Salzung und Hecht zu lehren (Ksra 7, 10). Und lann erzählt es in lebensvoller Schilderung von dem ersten offen 1ichon Lehrkurse, den lvsra selbst, von kundigen Gehilfen interstQtzt, in Jerusalem abgehalten hat Jener denkwürdige erste ischri des Jahres MO vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, an '•m Ksra und ihm zur Seite die Leviten dein versammelten Volke die Pbora vorlasen und erläuterten (Neil. 8, 1 8), kann als der Geburtstag des altjüdischen Schulwesens betrachte! werden. Demi der Gegenstand jenes von Ksra abgehaltenen Lehrkurses, die Thora. blieb der hauptsächliche Gegenstand der Lehrtätigkeit, die nach Ksra in den Schulen Jerusalems und Judlas entfaltet wurde. Wir wissen zwar nichts über die Errichtung dieser Schulen. Aber wir dürfen annehmen, dafi Ksra selbst begonnen hat. einen Hauptpunkt seiner Lebensaufgabe, die Thora in .Israel zu lehren, in Wirklichkeit umzusetzen. Unter den Institutionen, welche die Tradition ihm zuschreibt (Balm Kama 82a), ist /.war die Gründung von Schulen nicht genannt: aber an einer, freilich für apokryph geltenden Stelle des babylonischen Talmuds (Baba Bathra 21b ut.) findet sich »Ii»- Angabe, Ksra habe verordnet, dafi man Sc hu II obrer neben Schallehrer anstellen solle, damit durch den Welleifer der He rufsgenossen das Wissen sich mehre. Diese Angabe entbehr! nicht der inneren Wahrheit. Denn das Schulwesen Palästinas durfte Bsra als Begründer anseilen: und auch der Sprachgebrauch ha! dies sein Verdienst verewigt. Das Wort Söfer. mit welchem Ksras Beruf, als der des Schriftgelehrten, des mit dem Sefer. dem Buche lud exoehen sich Beschäftigenden, bezeichnet wird, dasselbe Wort war noch in späten Jahrhunderten Beteichnung des Schullehrers, wfih rend es gleichseitig zur Bezeichnung «ler alten Sehrif tgelehrten, <l«'r Nachfolger BsraS und frühesten Fortsetzer seines Werkes, diente. Diese allen Schriftgelehrten heißen in der Tradition auch die

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